Wird Berlin zum Hort der Perspektivlosigkeit für Jungs?
Stuttgart, den 13.09.06: Siemens Berlin ist vielleicht der erste Betrieb, der Jungen offiziell auf Grund ihres Geschlechtes bestimmte Ausbildungsplätze vorenthält. »Elektronikerin für Betriebstechnik plus Fachabitur« heißt die Ausbildung, die für Jungen verboten ist. Der Clou: Wenn die Ausbildungsplätze nicht vollständig von Mädchen besetzt werden, werden die übrigen nicht etwa an Jungen vergeben, sondern komplett gestrichen. Der Berliner Senator Harald Wolf (PDS) findet es gut.
»Geschlechtsspezifische Einstiegshilfen können vielleicht nützlich sein, aber aus Gleichberechtigungsgründen sollten Betriebe diese auch Jungs geben. Die männliche Jugendarbeitslosenquote ist immerhin um über 40% höher als die weibliche. Qualifizierte Ausbildungsangebote in einem männeruntypischen Berufsbereich, z.B. im Bereich Bürokommunikation, werden jedoch nicht angeboten« so Dr. Bruno Köhler, Jungensprecher des bundesweiten Vereins MANNdat e.V. »Siemens war bislang nicht zu einer Stellungnahme bezüglich unserer Kritik zu ihrer ambivalenten Sichtweise bei der Gleichstellung von Jungen und Mädchen bereit,« so Dr. Köhler weiter, »Das ist typisch für deutsche Gleichstellungspolitik: Fördermaßnahmen für Mädchen und nichts für Jungs.«
Berlin fällt bezüglich Jungenbelange immer öfter negativ auf. Der Verein MANNdat e.V. hat z.B. die Bildungsministerien in Deutschland auf deren Berücksichtigung jungenspezifischer Belange untersucht. Berlin hat dabei das schlechteste Ergebnis überhaupt erhalten. Aus Berlin kam noch nicht einmal Rückantwort. Aber auch von der Opposition sind keine konkreten Konzepte für die Berücksichtigung jungenspezifischer Belange in der Bildungspolitik bekannt. So bleibt zu befürchten, dass die Jungen aus Berlin nach der Wahl die großen Verlierer bleiben werden, unabhängig vom Wahlergebnis. Schon witzelt man in Fachkreisen, was wohl zukünftig die beste Qualifikation für einen Jungen bei einer Bewerbung sei: Ich bin kein Berliner!
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