Offener Brief zu Fachkräftemangel und Bildungspotenzial von Jungen

Offener Brief an:

DIW
Deutsche Telekom Stiftung
DIHK

vom 21.11.2008


Innovationsindikator Deutschland 2008 des DIW
- Fachkräftemangel und Bildungspotenzial von Jungen


Sehr geehrte Damen und Herren,

wir sind eine geschlechterpolitische Initiative, die u.a. auf die ungenutzten Bildungspotenziale von Jungen bekannt machen möchte.

Laut Daten des Statistischen Bundesamtes ist der Absolutanteil weiblicher Studienabschlüsse im Bereich Ingenieurwesen von 1995 zu 2005 um über 10% gestiegen, während im gleichen Zeitraum der Absolutanteil (nicht Relativanteil!) der männlichen Studienabschlüsse um über 30% gesunken ist.

Der Wunsch, den Frauenanteil in technischen und naturwissenschaftlichen Bereichen erhöhen zu wollen, ist nachvollziehbar. Das mangelnde Interesse, den eklatanten Rückgang männlichen Fachkräftepotenzials stoppen zu wollen, ist für uns jedoch unverständlich.

Seit Jahren ist der Bildungspolitik die Bildungsproblematik von Jungen bekannt, ohne dass etwas Nennenswertes dagegen unternommen würde. Jeder 10. Junge und fast jeder 4. Junge mit Migrationshintergrund in Deutschland verlässt die Schule ohne Abschluss. Die Nachqualifizierung der „Schulversager“ kostet Deutschland jährlich etwa 3 bis 4 Milliarden Euro. Dabei sind die volkswirtschaftlichen Verluste noch gar nicht berücksichtigt, die entstehen, weil wir uns Jungen als Bildungsverlierer leisten.

Die Klage wegen eines Fachkräftemangels klingt unglaubwürdig, solange man großzügig auf das Bildungs- und Fachkräftepotenzial von Jungen und männlichen Jugendlichen verzichtet. Die Politik ist leider dermaßen auf die Frauenquote fixiert, dass sie das geringe Bildungsniveau der Jungen nicht als Problem, sondern als erfreuliche, positive Rückmeldung ihrer einseitigen Förderbemühungen sieht. Dass die Wirtschaft sich dieser einseitigen Sichtweise mittlerweile angepasst hat, ist uns jedoch neu.

Wir stimmen Herrn Kinkel zu, dass es wichtig wäre, „mit ganzer Mannschaft zu spielen“. Die derzeitige Situation gibt sich aber so, dass man nur die männliche Hälfte der Mannschaft durch die weibliche Hälfte auswechseln will. So ist nichts gewonnen.

Aus diesem Grunde regen wir an, dafür einzutreten, auch das Bildungspotenzial von Jungen stärker zu nutzen. Falls Sie für zukünftige Studien Informationen zur Bildungssituation und Zukunftsperspektiven von Jungen und männlichen Jugendlichen haben möchten, stehen wir Ihnen gerne als Ansprech- und Kooperationspartner zur Verfügung.

Für eine Rückantwort wären wir dankbar.



Der Offene Brief nimmt auf diesen Presseartikel Bezug:
www.tagesspiegel.de/wirtschaft/DIW-Frauen-entfesseln;art271,2658976
 

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