Männliche Jugendarbeitslosigkeit

von MANNdat

Antworten von den Oppositionsparteien

Erfreulicherweise haben einige Oppositionspolitiker unsere Anfrage aufgegriffen. Die kompletten Antwortdokumente können Sie im dazugehörigen Digitalarchiv einsehen. Hier geben wir die Antworten nur ausschnittsweise wieder.

Als nicht im Bundestag vertretene Partei antwortet uns die FDP. Die Kernaussagen des FDP-Politikers Marco Buschmann:

Liberale Politik der Chancengerechtigkeit ist vor allem darauf gerichtet, Chancen für alle zu eröffnen. […] In der letzten Legislaturperiode haben wir das Programm „MEHR – Männer in Kitas“ ins Leben gerufen; denn wir wissen: Im Bildungsbereich zeigen Studien, dass Jungen in den feminisierten Räumen der Kita und der Grundschulen oftmals nicht optimal gefördert werden. Bei all den Programmen geht es aber nicht um Zwang, sondern um Angebote.

Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat zu Beginn der letzten Wahlperiode ein „Jungenreferat“ im Bundesfamilienministerium eingerichtet und einen Beirat „Jugendpolitik“ gegründet, der im Juni 2013 seinen Abschlussbericht vorgelegt hat..: Auch in der eigenständigen Jugendpolitik spielt die Orientierung an den Bedürfnissen der „normalen durchschnittlichen Jungen und Mädchen“ eine Rolle. Nach unserer Auffassung sollte sie deshalb zu einer umfassenden „Allianz für Jugend“ weiterentwickelt werden.

Vor diesem Hintergrund lehnt die FDP Frauen- wie Männerquoten ab. […]“

Die Antwort des Abgeordneten der Partei Bündnis 90 / Die Grünen, Markus Kurth, verweist auf die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Grünen, Frau Pothmer. Ansonsten sieht auch er die Gründe im geschlechterspezifischen Bildungsgefälle, aber auch bei den Familien:

Vielmehr gilt es, bereits im Bildungssystem und hier insbesondere in der Schule anzusetzen.

Außerdem:

Leider wird in den Familien der Betroffenen häufig ein traditionelles männliches Rollenbild vermittelt.

Bildung, Familie und Jobcenter als Ansatzpunkte für die Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit. Gleichstellungspolitische Maßnahmen für männliche Jugendarbeitslose sind allerdings Fehlanzeige:

Markus_Kurth Markus Kurth (Bündnis 90 / Die Grünen)

 Brigitte_PothmerBrigitte Pothmer (Bündnis 90 / Die Grünen)

Hintergründe zum geschlechterspezifischen Bildungsgefälle und zum Thema Rollenbild finden Sie weiter unten im Abschnitt „Hintergründe“.

Frau Brigitte Pothmer (Bündnis 90 / Die Grünen) bestätigte dann unsere Zahlen:

Im Dezember 2013 waren rund 104.000 junge Frauen und ca. 140.000 junge Männer zwischen 15 und 25 Jahren in Deutschland arbeitslos gemeldet.

Auch sie kann keine spezifischen Förderangebote für männliche Jugendliche nennen, geht aber auf allgemein notwendige Verbesserungsansätze ein:

Denn wir müssen feststellen, dass die Arbeitslosigkeit junger Menschen ihre Ursache oft schon in der Schule hat. Darum ist es aus unserer Sicht elementar, die Qualität der schulischen Ausbildung zu verbessern und die Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss zu verringern.

Konkrete Maßnahmen, wie Bündnis 90/Die Grünen das geschlechterspezifische Bildungsgefälle zuungunsten der Jungen beseitigen wollen, nennt aber auch sie nicht. Allerdings führt sie weiter aus, dass Bündnis 90/Die Grünen sich durchaus Gedanken über Verbesserungen in der Arbeitsmarktpraxis machen:

Des Weiteren müssen bessere Übergänge von der Schule in die Ausbildung und von da aus in den Beruf geschaffen werden.
Hier sind wir mit dem derzeitigen Stand sehr unzufrieden. […] Um das zu verändern, haben wir Grünen das Konzept DualPlus entwickelt.
Damit wollen wir die wenig effizienten Maßnahmen des bisherigen Übergangssystems in eine effektive Förderung überführen, die betriebliche Ausbildung konjunkturunabhängiger machen, individuelle Lern- und Ausbildungspfade ermöglichen und Ausbildungsbetriebe besser unterstützen. […]
Veränderungen sind aber auch bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern erforderlich. […] Rund 1,5 Mio. junge Menschen in Deutschland im Alter von 25 – 34 Jahren haben aktuell keinen Berufsabschluss, gehen nicht zur Schule und absolvieren weder Studium noch Ausbildung. Diese jungen Menschen sind häufiger arbeitslos, werden, wenn überhaupt oft nur prekär beschäftigt und müssen mit Altersarmut rechnen. […]
Insgesamt ist neue Unterstützungskultur in Agenturen und Jobcenter erforderlich. […]Individuell und flexibel angelegte Strategien sind aus grüner Sicht das beste Mittel, um arbeitslose Menschen beim (Wieder-)Einstieg zu unterstützen. Davon würden auch junge Männer profitieren.

Das sind positive Ansätze. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass eine rot-grüne Bundesregierung 2001 bundesweit einen Zukunftstag zur Ausweitung des Berufswahlspektrums auf geschlechteruntypische Berufe ausschließlich für Mädchen (Girls´ Day) implementiert hat. Jungen wurden ausgegrenzt, und dies obwohl ebenfalls 2001 das Forum Bildung eine entsprechende Ausweitung des Berufswahlspektrums für Mädchen UND Jungen empfohlen hat. Erst unter der Jugendministerin Kristina Schröder (CDU/CSU) wurde 2011 von der schwarz-gelben Bundesregierung der Girls´ Day zu einem Girls´&Boys´ Day erweitert. Auch die beiden Bundesländer, die sich am längsten weigerten, den Zukunftstag auf Mädchen und Jungen auszuweiten (Rheinland-Pfalz und Bremen), sind rot-grün regiert.

Der Abgeordnete der Partei DIE LINKE, Herr Matthias W. Birkwald, bestätigte zunächst unsere Daten zur geschlechterspezifischen Jugendarbeitslosigkeit, die er sich separat nochmals einholte, um unsere Behauptung zu prüfen. Aber auch er ist nicht bereit, Gleichstellungspolitik konsequent auch auf Jungen und Männer anzuwenden:

Aber ist dies tatsächlich eine geschlechterspezifische Frage? Diese Ansicht vertreten wir nicht.

Allerdings begründet der LINKEN-Politiker die geschlechterspezifischen Unterschiede in der Arbeitslosigkeit zuungunsten der männlichen Jugendlichen dann doch wieder geschlechterspezifisch, nämlich mit den schlechteren Bildungsabschlüssen der Jungen. Konkrete Bildungsfördermaßnahmen für Jungen nennt aber auch er nicht.

Völlig unpassend und u.E. überflüssig sind die weiteren Ausführungen von Herrn Birkwald:

Auch sollten bei der Debatte zwei weitere Aspekte nicht unberücksichtigt bleiben: Der so genannte Gender Pay Gap und die Gläserne Decke. Immer dann, wenn ein Mann einen Euro verdient, hat eine Frau 78 Cent.

Otto Normalverdiener wie ein Kfz-Mechanikermeister mit monatlich unter 3.000 €, ein Fernfahrer oder ein Elektromechaniker mit knapp 2.000 € und ein Koch mit 1.500 € geschweige denn ein männlicher Arbeitsloser verdienen keine 22% mehr als das 9000,- € Abgeordneten-Gehalt der Parlamentskolleginnen [4] von Herrn Birkwald. Zum Gender Pay Gap siehe auch unsere Ausführungen unter „Hintergründe“. Warum antwortet ein Abgeordneter auf die Frage nach Maßnahmen zur Beseitigung von männlicher Jugendarbeitslosigkeit mit dem wohlgemerkt auch noch „unbereinigten“ Gender Pay Gap?

Matthias_W_Birkwald Männliche Jugendarbeitslosigkeit als gerechter Ausgleich für Gender Pay Gap?
Matthias W. Birkwald (DIE LINKE)

Hier schließt sich der Kreis zum Zitat von Frau von der Leyen. Männerarbeitslosigkeit wird nicht als Problem wahrgenommen, sondern als positive Rückmeldung der Frauenförderung.

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Lesermeinungen

  1. Von Pontus Persson

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