Kommentar: Karin Priens mutiger Kurswechsel oder alter Wein in neuen Schläuchen?

von Manndat

Kommentar: Karin Priens mutiger Kurswechsel oder alter Wein in neuen Schläuchen?

Kommentar: Karin Priens mutiger Kurswechsel mit Ansage – Warum Karin Prien den Kulturkampf im eigenen Haus wagen muss

Es wurde in den Medien als politischer Paukenschlag inszeniert: Bundesministerin Karin Prien würde mit einem jahrzehntelangen Dogma der deutschen Gleichstellungspolitik brechen. Probleme von Jungen und Männern würden zur Chefsache gemacht. Die rigorosen Gegner von Jungenbildungsförderung, also die SPD, die Grünen, die Gewerkschaften, die von der Frauenpolitik finanzierte „Männerinteressenvertretung“, aber auch wesentliche Teile ihrer eigenen Partei und ihres eigenen Ministeriums sowieso und natürlich die Mainstreammedien haben da schon Schnappatmung bekommen. Da hat man jahrzehntelang erfolgreich eine Bildungspolitik gemacht, die im Rahmen der „positiven Maßnahmen“ aus Paragraph 5 des AGG zu einem massiven Gender Education Gap zuungunsten der Jungen führte. Regelmäßig wurden neue Erfolgsmeldungen der einseitigen, exklusiven Mädchenbildungsförderung gebracht, wenn die Jungen von einem historischen Bildungsniveautiefpunkt zum nächsten geschult wurden. Man freute sich regelmäßig, dass die Mädchen die Jungen überholen. Politiker, die in Bundestagsreden Jungen kurzerhand zum gottgegebenen unbegabten Geschlecht diskreditierten, wurden frenetisch beklatscht.

Und jetzt sollen all diese Bemühungen wieder rückgängig gemacht werden?

Was war geschehen?

Ende April 2026 wurde eine große wissenschaftliche Untersuchung in Kooperation mit der Stiftung „Ein Herz für Kinder“ veröffentlicht. Diese zeigte einen deutlichen Gender Education Gap zuungunsten der Jungen. Im Durchschnitt besuchen 43,5 Prozent der Mädchen im Alter von 10 bis 18 Jahren ein Gymnasium oder haben das Abitur bereits erlangt. Demgegenüber besuchen im Durchschnitt nur 36,9 Prozent der Jungen ein Gymnasium. Karin Prien betonte daraufhin öffentlich, dass Jungen im deutschen System mittlerweile quasi die Bildungsverlierer dieser Gesellschaft seien. Sie erklärte, man habe über Jahrzehnte hinweg zu Recht versucht, die Chancen für Mädchen zu verbessern – dabei jedoch die Jungen aus dem Blick verloren.

Priens Reaktion ist überraschend, denn schon seit 1985 machen weniger Jungs als Mädchen Abitur in Deutschland. Schon im Jahr 1995 war der Jungenanteil in Abiturabschlüssen um fast 25 Prozent niedriger als der von Mädchen. Die „Ein Herz für Kinder“-Studie hat nur den gleichen Gender Gap gezeigt, der seit über 30 Jahren bekannt ist. Und es ist ein Gender Gap, der durch exklusive Mädchenbildungsförderung gezielt ausgebaut wird. Denn trotz dieses Gender Gaps zuungunsten der Jungen hat man ab den 2000er Jahren eine massive, exklusive Mädchen-MINT-Förderung implementiert. Man hat mit der Vernachlässigung von Jungen also schon begonnen, als Mädchen längst die besseren Bildungsabschlüsse hatten.

Besonders im Bildungsbereich brennt die Hütte lichterloh 

Dabei wäre besonders eine Jungenbildungsförderung dringend notwendig. Hier rächt sich eine jahrzehntelange, ideologische Verblendung. Die einseitige, reine Mädchenförderung war rückblickend nie gerechtfertigt, denn bereits die allererste PISA-Studie im Jahr 2001 legte unmissverständlich offen: Jungenbildungsförderung ist die wahre Herausforderung der Bildungspolitik. Statt damals umzusteuern, wurde die einseitige Bevorzugung stur fortgesetzt. Auch der aktuelle Chancenmonitor des Ifo-Instituts zeigt nun das finale, erschreckende Resultat: Jungen werden in Deutschland strukturell abgehängt. Sie landen seltener auf dem Gymnasium, stellen die überwältigende Mehrheit der Schulabbrecher, und fast die Hälfte der Jungen verfehlt in Kernbereichen wie der Lesekompetenz das absolute Mindestniveau. Das ist kein Zukunftsrisiko mehr – es ist brutale Gegenwart.

Durch die Einschränkung der Grundrechte von Männern durch Frauenquoten zeigt sich diese Jungenbildungsverliererpolitik mittlerweile auch handfest in wirtschaftlichen und sozialen Konsequenzen. Jungen, die später als Männer vorrangig die Sozialsysteme finanzieren und als hochqualifizierte Arbeitskräfte die Wirtschaft boomen ließen, werden zunehmend immer öfter nicht mehr zu Sozialleistungserbringern, sondern zu Sozialleistungsempfängern und Arbeitslosen. Außer in Informatik nimmt der Männeranteil an Studienabschlüssen im MINT-Bereich drastisch ab. In manchen MINT-Studiengängen führt die einseitige Mädchenförderung nicht mehr zum Talentgewinn, sondern ist lediglich nur noch zum reinen Geschlechteraustausch verkommen und bei vielen MINT-Studiengängen nehmen die Abschlüsse insgesamt ab.

Ein mutiger Kurswechsel wäre deshalb dringend erforderlich, doch er ist ein Frontalangriff auf das Establishment. Jungen wollte man ja ganz bewusst benachteiligen. Schon 2003 äußerte Waltraud Cornelißen, damals Leiterin der Abteilung Geschlechterforschung und Frauenpolitik am Deutschen Jugendinstitut München, in der Frankfurter Rundschau, dass die zunehmende Feminisierung des Bildungswesens „die sprachliche Entwicklung von Jungen“ hemme. Dennoch sah Cornelißen diese Benachteiligung als ein gerechtfertigtes Mittel an, um Mädchen bessere Chancen im Beruf zu ermöglichen. Man beachte, dass dieser Wille zu einer Zeit offiziell wurde, in der bildungspolitische Studien bereits klar einen Gender Education Gap zuungunsten der Jungen dokumentierten. Schon damals machten Jungen schon fast 30 Prozent seltener Abitur als Mädchen. „Positive Diskriminierung“ nennt man das euphemistisch.

2006 ist dann in Deutschland das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) in Kraft getreten. Wesentlicher Bestandteil dieses Gesetzes war nicht das Verbot von Diskriminierung, denn das ist ja schon aufgrund Artikel 3 des GG verboten. Entscheidend ist Paragraph 5 des AGG. Er erlaubt nämlich ausdrücklich, Gruppen von Menschen im Rahmen „positiver Maßnahmen“, wie es jetzt genannt wurde, aus Gründen der Gleichstellung gezielt zu diskriminieren. Mit diesem ausdrücklichen Recht, zu diskriminieren, also mit der Möglichkeit, eines der wichtigsten Grundrechte für ganze Menschengruppen pauschal ganz bewusst einzuschränken, wurde der Exekutive ein mächtiges Werkzeug an die Hand gegeben, um die Zukunftsperspektiven von Menschen durch Zuweisung von Privilegierung und Benachteiligung gezielt in einem Ausmaß zu lenken, das die Freiheit von Menschen lebenslang massiv nachhaltig einschränken kann.

Im Lichte grundlegender Menschenrechtskonventionen wirkt ein solches Zurücklassen von Schutzbefohlenen geradezu paradox. Würde man dies etwa mit der Idee vergleichen, die unterschiedliche Lebenserwartung von Männern und Frauen durch eine Reduktion der Gesundheitsversorgung für Frauen auszugleichen, würde das zu Recht als menschenverachtend abgelehnt werden.

Schon im Jahr 2009 sah die damalige Arbeitsministerin Ursula von der Leyen die Arbeitslosigkeit von Männern offenbar nicht mehr nur als Herausforderung der Arbeitsmarktpolitik, sondern im Sinne einer „positiven Maßnahme“ als frauenpolitische Chance: „Von 227 000 Menschen, die im vergangenen Krisenjahr ihren Job verloren, waren nur 10 000 Frauen. Arbeit wird weiblicher, bunter, älter.“ Männerarbeitslosigkeit als Erfolgsmodell deutscher Politik?

Es ist klar, dass Prien mit einem radikalen Perspektivwechsel unweigerlich in das Wespennest eines tief verwurzelten Apparates stechen würde. Über Jahre hinweg haben sich im und um das Bundesfamilienministerium Strukturen, Vorfeldorganisationen und Verbände etabliert, die Gleichstellungspolitik als ein reines Nullsummenspiel begreifen: Jeder Cent für Männer, so die paranoide Logik, sei ein Cent weniger für Frauen.

Wie tief diese Verachtung sitzt, zeigt sich an der unerträglichen Ignoranz einflussreicher Stimmen aus Wissenschaft und Medien. Wenn vermeintliche Experten wie DIW-Präsident Marcel Fratzscher das akute Problem der heranwachsenden Jungen marginalisieren und reflexartig mit angeblichen „globalen Privilegien der Männer“ oder dem „Patriarchat“ relativieren, tragen sie eine enorme Mitverantwortung für das Bildungsdesaster. Diese Rhetorik macht eines unmissverständlich deutlich: Das chronische Scheitern von Jungen im deutschen Bildungswesen ist kein Betriebsunfall – es ist in diesen Kreisen ideologisch gewollt oder wird zumindest strategisch ignoriert. Wer den dramatischen Leistungsabfall von Jungen als folgerichtige und gerechte Strafe für ein abstraktes historisches Patriarchat verbucht, betreibt zynische Täter-Opfer-Umkehr auf dem Rücken von schulpflichtigen Kindern.

Der Widerstand gegen Priens Pläne würde daher brutal werden, auch und gerade insbesondere in ihrem eigenen Ministerium, das bislang ja alles andere als männer-, jungen- oder väterfreundlich war. Wenn sie Geldmittel anstatt ausschließlich in ideologische Programme auch in handfeste Jungenförderung, Leseprojekte und gezielte Unterstützung an Schulen und Sportvereine stecken würde, würde sie die Pfründe eines mächtigen, globalen Netzwerks beschneiden. Diese Organisationen würden versuchen, die Ministerin als „antifeministisch“ oder „rückwärtsgewandt“ zu brandmarken, um ihre eigenen Deutungshoheiten und Fördergelder zu verteidigen.

Prien hat zwar die Macht und die empirischen Fakten auf ihrer Seite. Doch wenn sie diesen historischen Umbau der Gleichstellungspolitik gegen die tiefsitzenden, jungen- und männerfeindlichen Beharrungskräfte des alten Apparats einleiten will, braucht sie vor allem eines: einen langen Atem und die unmissverständliche Rückendeckung des Bundeskanzlers und dessen Mut, sich gegen eine SPD durchzusetzen, die einer der größten Feindinnen von Jungenbildungsförderung ist.

Entwarnung für Gegner der Jungenbildungsförderung

Schaut man sich jedoch die vorgesehen Maßnahmen an, relativiert sich das Ganze aber doch schnell. Es ist, soweit wir erkennen können, weiterhin kein isoliertes Förderprogramm vorgesehen, das den Namen „Jungenbildungsförderung“ verdient. Exklusive Bildungsförderung bleibt ausschließliches Privileg für Mädchen. Politik und Gleichstellungsstellen können weiter munter auf Basis von Art 5 Allgemeinem Gleichbehandlungsgesetz völlig legal Jungen benachteiligen, indem sie ihnen bei gleichen Schulleistungen schlechtere Noten zugestehen, Jungenlesefördermaßnahmen in Schulen weiterhin außen vor lassen und exklusive Bildungsförderung ausschließlich Mädchen zugestehen.

Die konkreten politischen Maßnahmen fließen aktuell vor allem in das geplante Kita-Qualitätsentwicklungsgesetz und verpflichtende Sprachtests ab vier Jahren.

Zwar testen viele Kitas bereits, aber jedes Bundesland und oft sogar einzelne Träger nutzen völlig unterschiedliche Kriterien und Bögen. Prien will eine flächendeckende, standardisierte Diagnostik. Als Gründe dafür werden vor allem die zunehmende Migration und die soziale Herkunft genannt. Es bleibt bei der fortwährenden Ignoranz der geschlechterspezifischen Sprachunterschiede.

Da Jungen statistisch bereits bei den Schuleingangsuntersuchungen und der frühen Sprachentwicklung häufiger Defizite aufweisen, können aber auch sie durch diesen massiven Ausbau der frühkindlichen Förderung quasi als Nebenprodukt aufgefangen werden. Das sind Forderungen, die wir schon seit 25 Jahren stellen. Was dann mit den Ergebnissen von Priens Diagnostik passieren soll, ist aber nicht klar. Denn darauf kommt es ja dann an. Heute kommen einige entsprechend diagnostizierte Kinder an die Förderschule. Bei vielen werden die Eltern aber auch einfach mit der Diagnose konfrontiert und sollen sich dann selber drum kümmern.

Die Gegner der Jungenbildungsförderung, wie SPD, Grüne, Gewerkschaften und Bundesforum Männer, brauchen also keine Angst zu haben. Jungen werden die Verlierer bleiben. Warum soll die Politik auch Geld für die Bildung eines Geschlechtes ausgeben, das ohnehin schon qua Geburt für den Schützengraben vorgesehen ist?

 

Quelle Beitragsbild: KI generiert mit Google Gemini

 

 

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