Equal Death Day

von MANNdat
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Fast alle tödlichen Arbeitsunfälle betreffen Männer, da diese die gefährlichsten Berufe ausüben

Heute am 28. November ist der Equal Death Day. Würde man, aus welchen Gründen auch immer, in Deutschland für ein Jahr wollen, dass die Todesfälle im Arbeitsleben unter den Frauen und Männern gleichmäßig verteilt sind, dann dürften statistisch gesehen die Männer erst exakt heute mit dem Arbeiten beginnen: 91,3 % der tödlichen Arbeitsunfälle betreffen Männer, da diese die gefährlichsten Berufe ausüben.

Wir möchten heute diesen Menschen, die in den gefährlichsten Jobs arbeiten, unsere tiefe Anerkennung zeigen, denn ohne sie würde unsere Gesellschaft, wie wir sie kennen, nicht funktionieren:

Für unseren Fisch in der Tiefkühltruhe sorgen viele fleißige Hochseefischer. Und die Gerüstbauer und Dachdecker auf der Baustelle stellen sicher, dass wir in einer trockenen, warmen und gemütlichen Wohnung leben können. Und sollte es in dieser Wohnung einmal brennen, setzen Feuerwehrmänner ihr Leben aufs Spiel, um uns und alles, was uns lieb geworden ist, zu retten. Soldaten sind während dessen immer in Bereitschaft, um unsere Gesellschaft und unsere Wertevorstellungen vor lebensbedrohlichen Szenarien zu schützen.

Egal, ob herunterfallende Eisenstangen, ein unachtsamer Tritt, eine Riesenwelle oder eine Sprengfalle, die Gefahren an diesen Arbeitsplätzen lauern immer und fordern ihren Preis: Manche Opfer verlieren einen Körperteil, manche die Fähigkeit zu gehen und einige verlieren sogar ihr Leben. Und trotzdem üben ihre Kollegen weiterhin diesen Beruf aus – viele fleißige und mutige Männer.

Auch in anderen Berufen leisten Männer harte Arbeit: Estrichleger, Parkettleger, Stahlbetonbauer, Stahlarbeiter, Pflasterer oder allgemein Berufe im Straßen- und Schienenbau.

Obwohl manche Arbeiten für die Gesundheit nachweislich sehr schlecht sind, reiben sich Menschen körperlich in ihrem Beruf für sich und ihre Familien auf, um mehr Geld zu verdienen. Ein verlässliches Anzeichen für einen gesundheitsschädigenden Job ist z. B. die Höhe des Beitrags in der Berufsunfähigkeitsversicherung. In typischen Männerberufen müssen die höchsten Beiträge gezahlt werden. Und wenn sie später mit ihrem ausgebeuteten, verbrauchten Körper überhaupt je das Rentenalter erlangen, dann sterben sie früher. Männer zahlen generell mehr in die Rentenkassen ein, bekommen aber auf Grund der kürzeren Bezugsdauer weniger heraus. Und bei Männern aus gesundheitsschädlichen Berufen ist das besonders extrem.

Ätzende Dämpfe lassen herumliegendes Eisen in kürzester Zeit zerrosten. Die Arbeiter atmen diese Gase permanent ein. Im Sommer bei 35° im Schatten ist das besonders unangenehm – auch in einer Galvanik findet man zum größten Teil Männer. Das trifft auch auf Berufe zu, bei denen man Wind und Wetter ausgeliefert ist.

All diese unbequemen, gesundheitsgefährdenden oder sogar lebensgefährlichen Jobs haben etwas gemeinsam: Sie werden überwiegend von Männern erledigt. Frauen sind in diesen Jobs nur vereinzelt anzutreffen. Vielleicht, weil man Menschen, die das Privileg genießen, auf eine gesunde Work-Life-Balance achten zu können, hier eher nicht findet. Hier sind stattdessen die wahren Leistungsträger der Gesellschaft, die unseren Dank verdienen.

„Also männerdominierte Berufsgruppen? Diskriminierung? Wo bleiben denn die ganzen starken Frauen?“

Der Aufschrei der Gleichstellungsbeauftragten bleibt aus – Gleichstellung hört meist da auf, wo es weh tut. Warum sollte man auch Frauen dazu raten, sich im Arbeitsleben zu verschleißen oder sogar das Leben aufs Spiel zu setzen. Wie viele Frauen würden diesen seltsamen „Rat“ annehmen?

Gleichstellung wird bei den prestigeträchtigen Stellen gefordert, z. B. in Ingenieursberufen oder bei Vorstandsposten. Ein solcher Standpunkt hat aber weder etwas mit Gleichstellung noch mit Gleichberechtigung zu tun. Das ist reine Rosinenpickerei – die Sonnenschein-Jobs sind gewünscht, während in den dreckigen die Männer arbeiten sollen. Die Hälfte des Himmels für Frauen, aber die Hölle können die Männer weiter für sich alleine behalten!

Männer arbeiten in den härtesten Berufen. Beim EqualPayDay wird gerne verschwiegen, was nicht ins Konzept passt. Männer verdienen mehr auf der Arbeit – im Durchschnitt! Und ein Grund ist eben, dass Männer schwierige Jobs erledigen, die mit Frauenberufen nicht vergleichbar sind. Sie verbringen außerdem wegen Vollzeit oder Überstunden mehr Zeit am Arbeitsplatz. Man könnte einem Kind erklären, warum jemand dadurch mehr verdient, aber sicher keiner Gleichstellungsbeauftragten. Weitere Gründe, die am „Tag der Lohngerechtigkeit“ gerne vergessen werden, ergeben eine ganze Liste.

„Mehr Frauen in die Armee!“ – Sollten jetzt also Frauen diese Arbeiten zu gleichen Teilen übernehmen und sich in Lebensgefahr begeben?

Ein kleines Gedankenexperiment: Wie würde eine Gleichstellungsfeministin sich im Angesicht einer Katastrophe verhalten? Würde sie als Heldin ihr eigenes Leben opfern, um für die Gesellschaft eben zu funktionieren? Könnte man das von ihr verlangen, oder wäre das frauenfeindlich? Oder würde sie vielleicht in ein „altes Rollenmuster fallen“ und „Frauen und Kinder zuerst“ rufen?

Man kann es sich vielleicht gar nicht vorstellen, man will es vielleicht auch gar nicht. Wenn man sich in der Gesellschaft umhört, dann wollen Frauen sich nicht unbedingt Gefahren stellen und Männer wollen Frauen vor Gefahr bewahren. Männer wollen oft durch ihre Leistung beweisen, dass sie ein wertvoller Bestandteil der Gesellschaft sind. Männer und Frauen sind also verschieden – das ist natürlich und auch vollkommen in Ordnung so.

An alle Frauen: Überlasst uns das mit den gefährlichen Jobs, wir halten gerne Gefahren von euch und unseren Kindern fern. Lasst euch von den Feministinnen nicht einreden, dass ihr in eurem Job unzufrieden sein solltet, weil es Männer viel besser haben. Informiert euch, was hinter den höheren Löhnen steckt: Manchmal ist es eine 60-Stunden-Woche und manchmal muss dieses Mehr an Verdienst sauer verdient werden. Wenn man sich nur die Vorzüge von Männerberufen ansieht, dann hat man ein verzerrtes Bild davon.

Als diskriminierte Frau kann man sich nur fühlen, wenn man nicht sieht (oder nicht sehen will), dass es Männer oft schwer haben. Auf einen tödlichen Unfall einer Frau am Arbeitsplatz kommen mehr als zehn Männer bei der Arbeit ums Leben. Jedes dieser Einzelschicksale, egal ob Mann oder Frau, ist natürlich sehr traurig, allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass es eben mehr Männer betrifft. Und das ist eben nur die Spitze des Eisbergs einer allgemein höheren Unfallgefahr.

An alle Männer da draußen, die Tag für Tag im Job alles für die Gesellschaft geben: Vielen herzlichen Dank dafür, dass es euch, euren Mut und eure Aufopferungsbereitschaft gibt.

Passt auf euch auf!

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Lesermeinungen

  1. Von wolf

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