Schwesig – Von der Saula zur Paula?

von Dr. Bruno Köhler
Gestresster Familienvater mit Kind auf dem Schoß: MANNdat thematisiert die Doppelbelastung aus Arbeit und Familie.

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Auch Männern fällt die Doppelbelastung aus Arbeit und Familie schwer.

Wer vor kurzem die WELT gelesen hat, staunte nicht schlecht. „Väter haben das Schuften satt“ titelte die Zeitung. Nun, das allein ist nichts Neues. Dass Männer nicht die egoistischen, arbeitsgeilen Idioten sind, für die uns die Geschlechterpolitik seit Jahrzehnten verkaufen will, sondern oft nur deshalb in einem Job schuften, den sie hassen, um ihre Familie zu ernähren, wissen alle, die sich auch nur ein Mindestmaß an selbstständigem Denken bewahrt haben. Und dass Väter ihre berechtigten Anliegen in der Öffentlichkeit artikulieren, kommt mittlerweile auch immer häufiger vor. Ein Verdienst der Väter- und Männerrechtsbewegung.

Männer arbeiten doppelt so lang wie Frauen – für nur 23 % mehr Geld!

Interessanter ist da schon Schwesigs Aussage, die Wunscharbeitszeit läge für Frauen im Schnitt bei 24 und für Männer bei 35 Stunden (d. h., Frauen wollen 31 % weniger arbeiten als Männer). Tatsächlich würden aber Frauen nur 22 und Männer satte 43 Stunden arbeiten. Legt man den vom Frauenministerium immer wieder verbreiteten Gender Pay Gap von 23 % zugrunde, hieße das, dass Männer für durchschnittlich 95 % mehr Arbeit im Vergleich zu Frauen lediglich durchschnittlich 23 % mehr Gehalt bekommen würden. D. h., Männer arbeiten fast doppelt so viel wie Frauen, bekommen aber noch nicht einmal ein Viertel mehr Gehalt als Frauen – und das belegt ausgerechnet die Frauenministerin, die immer neue Wege sucht, Männer am Arbeitsmarkt „positiv“ zu diskriminieren.

Ein Herz für Väter?

Aber das war nicht die einzige Überraschung im WELT-Artikel. Bislang wurden die berechtigten Anliegen von Vätern von der Geschlechterpolitik nahezu vollständig ignoriert. Nun, so berichtet die WELT, wolle Frauenministerin Schwesig die Unternehmen in die Pflicht nehmen, nicht nur Müttern, sondern auch Vätern familienfreundliche Arbeitszeitmodelle anzubieten, ohne dass es ihrer Karriere schadet.

Ja, Sie haben richtig gelesen, wir wiederholen das nochmals, damit Sie sicher sein können, sich nicht verlesen zu haben: Manuela Schwesig, die sich gerne als Frauenministerin bezeichnet, obwohl sie als Familienministerin für die Anliegen von Vätern schon immer genauso zuständig gewesen ist wie für die Anliegen von Müttern, will plötzlich Unternehmen in die Pflicht nehmen, nicht nur für Mütter, sondern auch für Väter familienfreundliche Arbeitszeitmodelle anzubieten.

Ist das nicht überraschend?

Ist ihr etwa bis dato der Artikel 3 des GG verborgen geblieben, nach dem Benachteiligungen aufgrund des Geschlechtes verfassungswidrig sind und sie von Unternehmen ohnehin auch schon für Väter die gleichen Rechte hätte einfordern müssen wie für Mütter?

Hat da der Gender-Mainstreaming-Prozess, nach dem die Anliegen beider Geschlechter bei ALLEN politischen Entscheidungen berücksichtigt werden müssen, wieder rein zufällig ausgerechnet genau dort versagt, wo Männer benachteiligt sind?

Und ist ihr tatsächlich nicht bewusst, dass sie und gerade sie mit ihrem Frauenquotengesetz die Grundlage für die Doppeldiskriminierung von erziehenden Vätern geschaffen hat oder tut sie nur so? Sie war es doch gewesen, die ein Gesetz durchgedrückt hat, nach dem Unternehmen verpflichtet sind, Männer auf Grund ihres Geschlechtes bei Einstellung und Beförderung zu diskriminieren, ein Gesetz, das vor allem aktiv erziehende Väter benachteiligt, weil sie doppelt diskriminiert werden, zum einen aufgrund der Ausfallzeiten durch Elternzeit oder Teilzeit und zum anderen auch noch aufgrund ihres Geschlechtes. Sie ist verantwortlich dafür, dass heute ein Gesetz existiert, nach dem ein alleinerziehender Vater gegenüber einer kinderlosen Frau aufgrund seines Geschlechtes diskriminiert werden muss. Und sie hat dieses Gesetz auch noch als wichtigen Schritt zur Gleichberechtigung verkauft.

Oder hat dieses „Verständnis“ für Väteranliegen vielleicht damit zu tun, dass die Bundestagswahl kurz vor der Tür steht und die Umfragewerte der SPD im Keller sind und gerade junge Männer kaum noch SPD wählen?

Wie glaubwürdig ist solch eine Aussage von einer Ministerin, die einer Partei angehört, die in ihrem Grundsatzprogramm, beschlossen auf dem Hamburger Bundesparteitag am 28. Oktober 2007, S. 41 letzter Absatz, ihre Geschlechterpolitik mit dem Satz resümiert:

Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden?

Ein Satz, mit dem die SPD unmissverständlich klarmacht, dass nach Ansicht ihrer Mitglieder alles, was männlich ist, und damit mittelbar auch alle Jungen, Väter und Männer, die ja qua Geburt männlich sind, nicht im Mindesten menschlich sein können.

Und weshalb finanziert sie ein „Bundesforum Männer“ aus Steuergeldern in sechsstelliger Höhe, das Genderkongresse, in denen die Anliegen von Vätern öffentlich diskutiert werden sollen, mit infamen Diffamierungsaktionen bekämpft, wenn sie sich diesen Anliegen jetzt doch annehmen möchte?

Oder hat sie tatsächlich in ihrem tiefsten Inneren doch so etwas Ähnliches wie Empathie für Väter entdeckt?

Verständnis für Väter mit Wirtschaftsministerin Zypries?

Aber selbst wenn dies so wäre, welche Chancen hätte die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf in der Wirtschaft, ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, zu dem Schwesigs Parteigenossin Frau Zypries die neue Chefin im Wirtschaftsministerium werden soll? Die gleiche Frau Zypries, die scheinbar schon als Justizministerin an Mangelerscheinungen bezüglich Empathie für die Anliegen von Vätern litt, wie uns Lucas Schoppe in seinem Blog zu berichten weiß:

Schon im Jahr 2003 hatte das Bundesverfassungsgericht festgestellt, dass das deutsche Kindschaftsrecht bei Nichtverheirateten nur dann verfassungskonform sei, wenn sich die ihr zu Grunde liegenden Annahmen der Bundesregierung bestätigen würden: Dass nämlich Mütter allein vom Interesse am Kindeswohl bestimmt seien, wenn sie Vätern die Möglichkeit der Kindessorge verweigerten. Was umgekehrt bedeutet: Die Väter seien selbst schuld, weil sie sich so verhielten, dass Mütter gar keine andere Möglichkeit als ihre Ausgrenzung hätten.

Die damalige Bundesjustizministerin Zypries nahm den Auftrag des Verfassungsgerichts zur Kenntnis, dass sie entsprechende Untersuchungen ihrer Annahmen durchführen müsse, und tat jahrelang: nichts. Als sie von Väterorganisation angeschrieben wurde, die sie immer dringlicher an den verfassungsgerichtlichen Auftrag erinnerten, tat sie: immer noch nichts. Als sie dann nach Jahren eine Befragung bei Jugendämtern durchführen ließ, berief sie sich hinterher darauf, dass ihre eigene Befragung wissenschaftlichen Ansprüchen nicht genüge und so keiner weitergehenden Entscheidung zu Grunde gelegt werden könne.

Es ist keine unfaire Unterstellung, davon auszugehen, dass die Bundesjustizministerin lieber gar nicht so genau wissen wollte, ob ihre Gesetzgebung Grundrechte verletzte oder nicht. Oder auch: Die Justizministerin wusste sehr genau, dass ihre Gesetzgebung Grund- und Menschenrechte verletzt, und schob eben gerade daher die Feststellung dieses Sachverhalts so lange wie möglich auf. Lange genug übrigens, um unseren Sohn und mich zu trennen.

Ob die gleiche Frau Zypries nun Verständnis für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Vätern aufbringt, scheint unwahrscheinlich. Eine zweite Saula-Paula-Wandlung wäre definitiv unglaubwürdig.

Was meinen Sie zu dieser seltsamen Verwandlung von Manuela Schwesig von der Saula zur Paula bezüglich den Anliegen von Vätern so kurz vor der Bundestagswahl? Ihre Meinung würde uns interessieren.

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