Sind Männer Haushaltsmuffel?

von MANNdat

Immer wieder hört man: Männer sollten – notfalls per Gesetz – dazu bewegt/gezwungen werden, in Partnerschaften die Hälfte der anfallenden Hausarbeiten zu übernehmen. Belegt wird dies gerne mit den Ergebnissen repräsentativer Umfragen, die den Unwillen der deutschen Männer, ihren Frauen bei der Hausarbeit unter die Arme zu greifen, verdeutlichen sollen. Sind Männer also grundsätzlich Haushaltsmuffel? Wir meinen: nein. Nachstehend listen wir einige Fakten auf, die unseren Standpunkt untermauern sollen.

Frauen arbeiten mehr im Haushalt – sie haben auch mehr Zeit dazu

Auf der Homepage des Statistischen Bundesamtes kann man nachlesen, wieviele Bundesbürger im Jahre 2004 berufstätig waren und wieviele nicht:

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in Tsd. in Prozent
Erwerbspersonen* 40.046
davon männlich 24.068 60,1
weiblich 15.978 39,9
Nichterwerbspersonen 42.444
davon männlich 18.098 42,6
weiblich 24.346 57,4
Erwerbsquoten der 15 bis unter 65 jährigen
männlich 79,3
weiblich 65,2

* als Erwerbspersonen gelten alle Erwerbstätigen und Erwerbslosen. Unterteilt man alle Erwerbstätigen nach der wöchentlichen Arbeitszeit, die sie normalerweise absolvieren, kommt man – unterteilt nach Geschlechtern – zu folgendem Ergebnis: Unterteilung der Erwerbstätigen nach der normalerweise geleisteten Wochenarbeitszeit (Zahlen für 2004)

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%-Anteil Frauen %-Anteil Männer
unter 15 Stunden 78,1 21,9
15 – 20 Stunden 85,2 14,8
21 – 35 Stunden 63,4 37,6
36 – 40 Stunden 35,9 64,1
41 Stunden und mehr 21,9 78,1

Wie man sieht, ist das Gros der Erwerbstätigen, das einer Vollzeit-Berufstätigkeit nachgeht, also männlich, während bei denen, die überhaupt nicht oder nur Teilzeit arbeiten, die Frauen überwiegen. In den meisten Familien arbeiten Frauen also schon alleine deswegen mehr im Haushalt, weil sie schlichtweg mehr Zeit dazu haben.

In Partnerschaften, in denen die Frau eine Vollzeit-Berufstätigkeit ausübt, übernehmen die Männer dagegen durchschnittlich 44 Prozent der Hausarbeit und sogar 52 Prozent der Kinderbetreuung. Geht die Frau einer Teilzeittätigkeit nach (was in den meisten Fällen bedeuten dürfte, dass der Mann Vollzeit arbeitet), erledigen die Männer 25 Prozent der Hausarbeit und 38 Prozent der Kinderbetreuung (Quelle: Psychologie heute compact, Thema Frauen, erschienen 1998, S. 46).

In seinem Beitrag „Geschlechterspezifische Arbeitslasten – Frauen haben es besser“ (Telepolis vom 18.12.2003) betrachtet Karl Kollmann die Thematik mit einer gänzlich anderen Sichtweise:

„Ganz prinzipiell: Menschliche Arbeit ist 1. gegen Entgelt geleistete Erwerbsarbeit – man verkauft seine Arbeitskraft oder seine Kenntnisse am Arbeitsmarkt, und 2. Eigenarbeit, Haushaltsarbeit – oder ökonomisch eleganter ausgedrückt: Haushaltsproduktion. Ob mann/frau ein Essen selbst zubereitet oder im Restaurant kauft, ist für die Bedarfsdeckung, also das Essen, das Sattwerden, sekundär. Für den kleinen Diktator ‚Konsument‘ (so Bernd Ulrich in der Zeit) zählt ja nur das Ergebnis. Und das kann selbst produziert (=Hausarbeit) oder gekauft werden (=Nachfrage, Konsum).

Um Arbeitslasten und allfällige geschlechtsspezifische Benachteiligungen in einer Gesellschaft darzustellen, ist deshalb völlig belanglos, ob in einer Familie die Hausarbeit halbe/halbe gemacht wird, sondern ob die Gesamtarbeitszeit von Männern und Frauen annähernd gleich ist.

Denn wie sich ein Paar sein Leben einteilt, ist allein deren Sache, solange es gerecht zugeht. Egal, ob es sich um sexuelle Zufriedenheit oder Arbeitsbelastung handelt. In der viel strapazierten freiheitlich-demokratischen Grundordnung der europäischen Gesellschaften entscheiden die in einer Lebensgemeinschaft lebenden Partner selbst, wie sie es sich aufteilen. Es sollte – im Ergebnis – nur ziemlich gleich sein.

Auf den Kalendertag gerechnet arbeitet jede(r) Deutsche 3 Stunden täglich für Beruf und Bildung, und 3,5 Stunden im Haushalt (für die Familie oder im Rahmen ehrenamtlicher Tätigkeiten). Neben Schlafen geht die meiste Zeit für Freizeit (einschließlich Fernsehen) drauf – rund 6 Freizeitstunden kalendertäglich sind es.

Aber zurück zur Arbeit: Frauen arbeiten (im Haushalt und Beruf) 6,1 Stunden täglich, Männer 6 Stunden. Diese 0,1 Stunden, die die Gleichverteilung von Arbeit verzerren, sind ausschließlich auf nicht mehr erwerbstätige Rentnerhaushalte zurück zu führen. Hier arbeiten (im Haushalt) die Frauen deutlich mehr als die Männer.

Bei den anderen, egal ob DINKS (erwerbstätige Paare ohne Kind), Paare mit Kind(ern) und nicht erwerbstätiger Frau, oder Paare mit Kind(ern) und berufstätiger Frau: Zählt man die Gesamtarbeit (also im Haushalt und im Beruf), dann arbeiten bei all diesen die Männer ein kleines Stückchen mehr als ihre Partnerinnen.

Im Schnitt mit unterschiedlicher Aufteilung – und das Recht haben sie ja. Männer jobben mehr, Frauen arbeiten mehr im Haushalt. Gesamt jedoch ist die Bilanz für die Frauen positiver (lässt man die Rentner weg).

In der Studie „Wo bleibt die Zeit?“, die das statistische Bundesamt im Auftrag des Familienministeriums erstellt hat,  findet sich auf Seite eine Grafik, die das Gesagte eindrucksvoll untermauert. Bei genauer Betrachtung stellt man fest, dass bei Paaren mit Kindern, in denen nur der Mann erwerbstätig ist, die tägliche (!) Gesamtarbeitsbelastung von Vätern um 1 Stunde und 10 Minuten höher ist als die der Mütter. Dennoch finden sich in der Öffentlichkeit nur Aussagen über eine Doppel- oder Dreifachbelastung von Müttern. Die hohe Belastung der Väter wird nur in seltenen Ausnahmefällen erwähnt.

Hinzu kommt noch ein anderer Fakt, der für die meisten Leser fremd klingen mag: Aber ergonomisch und arbeitswissenschaftlich gesehen ist die Arbeit im eigenen Haushalt ‚die bessere Arbeit‘ als die meisten ziemlich einseitigen Erwerbsarbeits-Tätigkeiten. Denn sie ist körperlich und geistig vielgestaltig, weitgehend selbst gestaltbar (und einteilbar), eigenverantwortlich (sieht man einmal vom Partner ab) und nicht von Dritten fremdbestimmt.

Allerdings: Genau diese Arbeitsform wurde über die letzten Jahrzehnte systematisch schlechtgemacht und abgewertet, da sie kein Geld einbringt.“

Was ist überhaupt „Hausarbeit“?
Wenn Frauen die stärkere Beteiligung von Männern an der „Hausarbeit“ fordern, meinen sie damit vor allem die klassichen „Hausfrauentätigkeiten“ wie Waschen, Bügeln, Spülen, Kochen, Betten machen, Putzen, Kinder versorgen etc. Alles, was in den meisten Familien eher Männersache sein dürfte, aber auch zum Spektrum häuslicher Tätigkeiten zu rechnen ist, findet dabei seltsamerweise in aller Regel nie Erwähnung, wird folglich auch nie mitgerechnet. Hier eine Aufzählung all dieser Tätigkeiten (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Größere Renovierungs- und Umbauarbeiten an Haus/Wohnung
  • Zimmer tapezieren, Wände streichen, Holz und Metall lackieren
  • Kleinere Instandhaltungsarbeiten an der Strom-/Gas-/Wasser-Installation sowie der Wohnungseinrichtung
  • Zusammenbauen, Aufstellen und Umsetzen von Möbeln; Bilder u.ä. aufhängen
  • Aufstellen, Installieren und Instandhalten von Elektro- und Elektronikgeräten incl. Lampen
  • Zusammenbauen und Reparieren von Spielzeug und Fahrrädern
  • Größere Arbeiten im Garten und auf dem Grundstück
  • Rasenmähen, Unkraut jäten und andere kleinere Gartenarbeiten
  • Schnee schaufeln
  • Reinigung, Pflege und Reparatur von Autos, Mofas, Booten und anderen Fahrzeugen
  • Chauffeurdienste
  • Erledigung der Korrespondenz, Erstellen der Steuererklärung Erledigung von Besorgungen incl. Einkäufe

usw. usf. Es versteht sich von selbst, dass Männer in einem wesentlich stärkeren Umfang „Hausarbeit“ leisten, wenn man diese Arbeiten mitrechnet. Es versteht sich ebenfalls von selbst, dass Feministinnen ebendiese „typisch männliche“ Hausarbeit nie erwähnen, wenn sie die vermeintlich ungleiche Beanspruchung von Frauen und Männern mit Hausarbeit beklagen.

Wollen Frauen, dass Männer mehr Hausarbeit erledigen?
Der Wunsch nach einem stärkeren Engagement von Männern im Haushalt wird nicht nur von Politikerinnen und Journalistinnen, sondern auch – Umfragen zufolge – von der Mehrzahl der normalen Frauen geäußert. Wenn es jedoch konkret darum geht, die Hausarbeit teilweise an den Partner zu delegieren, zeigt sich, dass Frauen dann doch gewisse Vorbehalte haben:

„Zwei Drittel der in den USA befragten Frauen gaben zu, dass im Haushalt das weibliche Geschlecht immer noch die Hoheitsmacht ausüben will. Drei Viertel von ihnen würde sich zwar freuen, wenn der Ehemann etwas mehr bei der Hausarbeit anpacken würde, aber ja nicht zuviel, und nur eine von vier Frauen war für eine gleichberechtigte Elternschaft und Kindererziehung. Zwei von drei Frauen fühlten sich durch diese Vorstellung gar in ihrem ‚Revier‘ bedroht.“ (Cathy Young, „Ceasefire“, New York 1999, S. 56, Zitiert in: Arne Hoffmann, „Sind Frauen bessere Menschen?“, Berlin 2001, S. 418)

Nur 2 Prozent der vom Münchner Institut für rationelle Psychologie befragten Frauen würden ihren männlichen Partnern das Bügeln überlassen, 4 Prozent das Wäschewaschen. (Arne Hoffmann, a.a.O.)

Eine 1998 vom Bundesfrauenministerium durchgeführte Studie ergab, dass lediglich fünf Prozent der weiblichen Befragten in Ostdeutschland und sieben Prozent in Westdeutschland der Ansicht waren, der Mann solle sich häuslich mehr engagieren. Die Geschlechterforscher Rainer Volz und Peter Döge konstatieren „eine höchst ambivalente Einstellung von Frauen gegenüber einer Neuverteilung der Familienarbeit. Wollen Frauen den neuen Mann überhaupt? (…) Daten aus verschiedenen europäischen Ländern, die wir in unserer Studie analysiert haben, zeigen eine Reihe von Widersprüchlichkeiten. Nicht nur bei Männern, auch bei Frauen findet sich ‚verbale Aufgeschlossenheit bei bestehender Verhaltensstarre‘ – um die Lieblingsbeschreibung der vormaligen Frauenministerin Bergmann zu gebrauchen. So schätzen sich Frauen noch immer als kompetenter in Haushaltsfragen ein. Einige der befragten Frauen begegnen einem größerem Engagement ihrer Männer im Haushalt gar mit Unbehagen.“ („Angst vorm neuen Mann?“, tageszeitung vom 21.2.2003)

Ähnliches gilt für das Engagement der Männer bei der Erziehung der Kinder: Gut die Hälfte der vom Meinungsforschungsinstitut Allensbach befragten Frauen finden einen Mann, der Erziehungsurlaub in Anspruch nimmt, zwar sympathisch, aber fast sechs Zehntel meinen, dies passe eigentlich nicht so gut zu einem Mann. ?Frauen können sich offensichtlich nur schwer von ihren Rollenbildern lösen und haben obendrein Angst, mit dem Abgeben von alleiniger Verantwortung Macht zu verlieren. Somit versuchen sie, Beruf und Familienverantwortung unter einen Hut zu bringen („Supermutter-Strategie“)“. (aus: OIF (1999): Frauen stehen sich bei Halbe/Halbe selbst im Weg, Beziehungswiese 13/99, 12. November 1999)

Doch so etwas liest man selten. Es passt nicht zum – heutzutage so gern verbreiteten – Klischee vom faulen Macho, der es sich zu Hause bequem macht und die Frau für sich schuften lässt. Nicht sachliche Information steht im Mittelpunkt, sondern Stimmungsmache gegen den Mann. Im Bezug auf die „geschlechtergerechte“ Aufteilung der Hausarbeit ist diese Stimmungsmache genauso fehl am Platze wie bei anderen Themen auch.

Bildquelle: (c) S. Hofschläger/www.pixelio.de

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