Frauen, die nicht genug kriegen

von MANNdat

oder
Wie uns die politisch Verantwortlichen mit Equal Pay Day veräppeln
– und wir uns das gefallen lassen

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Liebe Männer, wir hoffen, ihr habt eure Schubkarren gerichtet, um das viele Geld nach Hause zu schaffen, das ihr verdient. Ihr wisst ja, ihr bekommt 22 % mehr als Frauen für die gleiche Arbeit, so behauptet es die Equal-Day-Statistik. Doch Statistiken können irren. MANNdat hat sie unter die Lupe genommen.

Die Aussage

Dr. Daniela De Ridder (SPD-Bundestagsabgeordnete) am 21. März 2013 auf Facebook:

 „Heute bin ich bei der Kundgebung zum Equal-Pay-Day am Brandenburger Tor. Frauen mussten bis heute arbeiten, um genauso viel zu verdienen wie Männer im Jahr 2013. Immer noch verdienen Frauen damit im Durchschnitt 22 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Die Forderung ist klar: ´Frauen leisten gute Arbeit. Diese muss aber auch gerecht entlohnt werden.´“

Frau Dr. De Ridder verdiente 2013 insgesamt etwa 263.000 EUR (siehe Hinweis unten). Das gibt ein durchschnittliches Monatsgehalt von fast 22.000 EUR. Und Frau Dr. Ridder ist nicht die einzige Bundestagsabgeordnete, die ein stattliches Gehalt nach Hause bringt. Da wären z. B. noch

  • Jutta Krellmann, Die Linke (Gewerkschaftssekretärin)
  • Dagmar G. Wöhrl, CDU/CSU (Rechtsanwältin, Unternehmerin)
  • Dorothee Bär, CDU/CSU (Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, Dipl.-Politologin).

Nach Meinung von Frau Dr. De Ridder würde sie 22 % weniger verdienen als ein Mann, der demnach also monatlich etwa 28.000 EUR verdienen müsste. Ist das richtig? Schauen Sie mal auf Ihren Gehaltszettel. Oder hat da Frau Dr. Ridder ein Realitätsproblem?

Die Fakten

Fakt ist, dass eine Frau Dr. De Ridder Ende Februar schon mehr verdient hat, als ein männlicher Lkw-Fahrer im ganzen Jahr insgesamt verdient.

Wenn Sie jetzt einwenden sollten, die ganze Betrachtung sei irreführend, weil Durchschnitts- und Geringverdienerinnen schön gerechnet werden mit den Gehältern von hoch bezahlten Politikerinnen, dann haben Sie den Sinn und Zweck von Gender Pay Gap und den daraus resultierenden Equal Pay Day voll und ganz verstanden: Nämlich das Schönrechnen der Gehälter von Geringverdienern durch wenige aber dafür extrem hoch bezahlte Topmanagergehälter.

Laut Statistik haben ein Millionär und ein Habenichts jeder eine halbe Million.“
(Franklin Delano Roosevelt)

Equal Pay Day ist nichts anderes als die propagandistisch genutzte statistische Manipulation. Der „Gender Pay Gap“ dient z. B. dazu, den Grundrechteentzug von Männern durch Frauenquoten zu rechtfertigen. Durch Frauenquoten muss aber nicht nur der männliche Topmanager gegenüber der Geringverdienerin gesetzlich benachteiligt werden, sondern auch der Geringverdiener gegenüber der hoch bezahlten Topmanagerin. Oder konkret ausgedrückt: Ein männlicher Lkw-Fahrer muss selbst gegenüber den De Ridders benachteiligt werden, obwohl gerade mal ein Zehntel verdient. Gleichberechtigung geht irgendwie anders.

Wir wissen, dass

  1. es Branchen besonders im Sozialbereich gibt, in denen weitaus mehr Frauen als Männer tätig sind und in denen schlechter gezahlt wird als in anderen Branchen, und
  2. Frauen häufiger Teilzeitarbeit arbeiten als Männer, bei denen das Gehalt als Vollzeitarbeit allerdings manchmal sogar höher ist als das Durchschnittsgehalt vieler „Männerberufe“.

Beim ersten Punkt, also der schlechten Bezahlung im sozialen Bereich, tragen aber die Gewerkschaften als Tarifpartner eine wesentliche Mitverantwortung, denn sie handeln ja die Bezahlung aus. Es passt besser ins politische Programm jungen- und männerfeindlicher Parteien und Gewerkschaften – und es ist natürlich bequemer, einfach „den Männern“ die Schuld zu geben, als sich der eigenen Verantwortung zu stellen.

Allerdings gibt es durchaus auch männerdominierte Berufe, die schlechter bezahlt sind als frauendominierte Berufe des in etwa gleichen Qualifikationsniveaus, wie ein Portal zu Gehaltszahlen offenbart (Bruttodurchschnittsverdienst bundesweit):

  • Müllfahrer: 1.843 EUR
  • Krankenschwester: 2.308 EUR
  • Altenpflegerin: 2.056 EUR

Beim zweiten Punkt sind Frauen stärker betroffen als Männer, weil diese durch Kindererziehung zeitweise häufiger diese Arbeitsform (Teilzeit) wählen. Aber es gibt auch immer mehr Männer, die Teilzeit wegen Kindererziehung arbeiten und deshalb ebenso benachteiligt sind wie in Teilzeit arbeitende Frauen. Nur haben diese keine Lobby. Eine Förderung sollte deshalb an die tatsächlich geleistete Erziehungsarbeit geknüpft und nicht vom Geschlecht abhängig gemacht werden. Oder anders formuliert: Warum muss ein alleinerziehender Vater gegenüber einer kinderlosen Frau per Frauenquote für Leitungsfunktionen benachteiligt werden?

Quellenangaben:

Die Gehaltsliste – 100 Berufe im Vergleich
Gehälter Bundestagsabgeordnete
: Gehaltsangaben zu den Abgeordneten, Stand Juli 2014
Zitat Dr. De Ridder auf facebook, Stand Juli 2014

Hinweis zur Gehaltsermittlung der Abgeordneten:
Das Gehalt eines Bundestagsabgeordneten beträgt jährlich ca. 99.000€. Laut „Der gläserne Abgeordnete“ müssen zudem die Einkünfte für jede einzelne Nebentätigkeit angezeigt werden, sofern sie mehr als 1.000 Euro im Monat oder 10.000 Euro im Jahr betragen. Die Angaben werden in Form von zehn Stufen veröffentlicht. Stufe 1 erfasst einmalige oder regelmäßige monatliche Einkünfte von 1.000 bis 3.500 Euro, Stufe 2 Einkünfte bis 7.000 Euro, Stufe 3 Einkünfte bis 15.000 Euro, Stufe 4 Einkünfte bis 30.000 Euro, Stufe 5 Einkünfte bis 50.000 Euro, Stufe 6 Einkünfte bis 75.000 Euro, Stufe 7 Einkünfte bis 100.000 Euro, Stufe 8 Einkünfte bis 150.000 Euro, Stufe 9 Einkünfte bis 250.000 Euro und Stufe 10 Einkünfte über 250.000 Euro. In die Gehaltsangaben der Abgeordneten flossen neben dem Abgeordnetengehalt die Durchschnittwerte aus einzelnen angegeben Stufen bei den Abgeordneten mit ein.

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