Fragen zur Wahl: Baden-Württemberg und Jungenpolitik

von Dr. Bruno Köhler

2011 ist Wahljahr in Baden-Württemberg. Anlässlich der beunruhigenden Ergebnisse der PISA-Studie 2009 stellt die Initiative MANNdat e.V. führenden Bildungspolitikern der Parteien in Baden-Württemberg Fragen zur Jungenförderung.

Die PISA-Studie hat gezeigt, dass sich in den letzen neun Jahren an den dramatischen Nachteilen von Jungen im Lesen nichts geändert hat. Im Gegenteil, der Anteil der Jungen, die auf höchstem Leistungsniveau lesen können, sank sogar um fast die Hälfte von 7 % auf 4 %. Der entsprechende Anteil bei den Mädchen blieb konstant bei 11%. Ein Viertel der Jungen gehört zu den Risikoschülern. Der Rückstand der Jungen im Lesen beträgt etwa ein Jahr. Dies zeigt deutlich, dass bislang offenbar kein Wille der Bildungspolitik existiert, Nachteile von Jungen im Bildungswesen abzubauen.

„Jungen müssen gleichermaßen wie Mädchen für die Anforderungen des 21. Jahrhunderts fit gemacht werden. Außerdem kann sich ein Land, in dem Bildung der wichtigste volkswirtschaftliche Faktor darstellt, keine Jungen als Bildungsverlierer leisten“, so Bruno Köhler, Vorstandsmitglied von  MANNdat und Leiter des Projektes Jungenleseliste.

Jungen überwiegen bei den Schulabbrechern und sind bei den Abiturabschlüssen deutlich unterrepräsentiert. Die männliche Jugendarbeitslosigkeit ist bundesweit um über 60 %, in Baden-Württemberg fast 70 % höher als die weibliche. Geld und Projekte für geschlechterspezifische Bildungsförderung gibt es aber nach wie vor nur für Mädchen. Im Jahr 2009 wurden an den Pädagogischen Hochschulen in Baden-Württemberg 9 neue reine Mädchenförderprojekte im MINT-Bereich implementiert, unterstützt vom Land mit 1,5 Millionen Euro. Jungenförderung, z. B. in den Bereichen Lesen, Feinmotorik, Sprachentwicklung, ist an den Pädagogischen Hochschulen bis heute ein Fremdwort.

MANNdat, ein bundesweiter, gemeinnütziger Verein, will mit seiner Anfrage herausfinden, ob sich an dieser Mentalität mittlerweile etwas geändert hat. Die Ergebnisse werden veröffentlicht öffentlich bekannt gemacht.

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