Gleichberechtigung beginnt zu zweit – Eine Rezension von Dr. Bruno Köhler

von MANNdat

„Einer allein hat immer Unrecht. Zu Zweien beginnt die Wahrheit.”

Dieser von Friedrich Nietzsche stammende Aphorismus dürfte Pate gestanden haben bei der Titelvergabe für das neue Buch von Arne Hoffmann „Gleichberechtigung beginnt zu zweit“, zumal Gleichberechtigung immer auch mit Wahrheit zu tun hat. Denn wenn z. B. die Gleichstellungsberichte der Bundesregierung die Situation von Jungen, Vätern und Männern seit Jahren systematisch totschweigen, dann werden geschlechterpolitische Halbwahrheiten kolportiert und diese sind bekanntlich ganze Lügen.

18 Jahre, nachdem Arne Hoffmann mit seinem Buch „Sind Frauen bessere Menschen?“ einen markanten Grundstein für die nichtfeministische Männerbewegung in Deutschland legte, öffnet er mit seinem neuen Buch wieder neue Horizonte. Es ist meines Wissens das erste deutschsprachige Buch, in dem Feministinnen und Feminismuskritiker beiderlei Geschlechts sowie Mitglieder der nichtfeministischen Männerbewegung zu Wort kommen. Auf feministischer Seite kommen dabei Feministinnen zu Wort, die z. B. auch schon für typische Männerbashing-Medien, wie die „taz“, das „Missy Magazin“ und Alice Schwarzers „Emma“, geschrieben haben. Viele Autorinnen und Autoren stammen aus den Bereichen Psychologie und Soziologie. Mit Lucas Schoppe (man-tau) und Ingbert Jüdt (schreibt auf geschlechterallerlei) ist die Bloggerszene vertreten. Der Vorsitzendende der „Interessengemeinschaft Jungen, Männer und Väter“ kommt ebenso zu Wort wie mit Monika Ebeling Frauen aus der Gleichstellungsarbeit und mit Maike Wolf (ehemals FDP) sogar eine Jungpolitikerin. Das über 450 Seiten fassende Buch enthält einschließlich Vorwort und Anhang 23 Beiträge zu verschiedenen Themen, dabei auch einige Interviews, die der Autor geführt hat. Natürlich gibt es auch Textbeiträge von Arne Hoffmann selbst.

In Zeiten, mit denen man mit Männerfeindlichkeit und mit Pseudoexpertisen gegen die nichtfeministische Männerbewegung sehr viel Geld verdient und in denen die geschlechterpolitisch Verantwortlichen den Geschlechterkrieg immer mehr anheizen, setzt Arne Hoffmann mit seinem Buch einen radikalen Kontrapunkt und ruft zum Dialog, zum konstruktiven Diskurs auf. Dass er damit radikal neue Wege geht, ist dem Autor klar. Das erkennt man daran, dass er diesen Schritt in einem ausführlichen, 40-seitigen Vorwort begründet, in dem er eine neue Debattenkultur fordert.

Im Einführungskapitel erläutert Arne Hoffmann die Chancen und ersten Ansätze einer lagerübergreifenden Zusammenarbeit und fokussiert auf den Begriff des integralen Antisexismus, wie er ihn schon in seinem Buch „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ formuliert hat, nämlich das objektive, gleichberechtigte Vorgehen gegen Sexismus, unabhängig vom Geschlecht des Sexismusopfers.

Auffallend beim Lesen ist, dass auch liberale Feministinnen, wie z. B. bei Eilert Bartels oder Dr. Katja Kurz, immer wieder auf das „Patriarchat“ als Erklärung des Geschlechterkonflikts verweisen. Das ist kontraproduktiv. Dadurch wird unterschwellig immer gleich eine Barriere zwischen Männern und Frauen aufgebaut, denn wenn einem Geschlecht von vorneherein die Schuld zugeschrieben wird, ist ein Dialog auf gleicher Augenhöhe nicht mehr möglich.

Diese Erkenntnis der Hemmnis eines konstruktiven Dialogs durch das ideologische Konstrukt des „Patriarchats“ geht aus dem Buch an vielen Stellen hervor, nicht nur in dem Beitrag des Soziologen Ingbert Jüdt „Abschied vom Patriarchatsmythos“. In seinem Beitrag sind die Quellenangaben, auf die er sich bezieht, dermaßen umfangreich, dass sie gut Dreiviertel seines ganzen Beitrags ausmachen. Das zeigt, dass nichtfeministisch Männerbewegte umfangreiche Kenntnis von feministischer Literatur haben und nicht trotzdem, sondern gerade deshalb feminismuskritisch sind.

Etwas enttäuschend für mich ist der Beitrag von Mithu Sanyal. Wenn man bedenkt, dass sie Arne Hoffmann mit für das vorliegende Buch inspiriert haben soll, bleibt ihr Beitrag unter ihren Möglichkeiten. Anstatt sich dezidiert und sachlich mit wichtigen Kernanliegen der nichtfeministischen Männerbewegung auseinanderzusetzen, betet sie das ewige feministische Mantra herunter, der Feminismus sei auch gut für Männer. Aber getretner Quark wird nur breit, nicht stark. So kommt sie zu dem Fazit, dass es „jetzt die Aufgabe von Männern [sei], den Frauen, anderen Männern und der Gesellschaft zu erklären, was ihre Probleme sind“, auch wenn die andere Seite dabei noch häufig die Augen verdrehe.

Gerd Riedmeier, Mediator, Vorsitzender des „Forums Soziale Inklusion“ und Sprecher der „Interessensgemeinschaft Jungen, Männer und Väter“, holt den Leser aber wieder schnell auf den Boden der Tatsachen zurück. Es geht nicht nur um ein „Augenverdrehen”. Es geht um die gezielte und systematische Ausgrenzung von Männern aus dem geschlechterpolitischen Diskurs. Riedmeier zeigt diese antidemokratischen Exzesse ganz konkret am Beispiel von Väterinteressensverbänden, die aus dem familienpolitischen Prozess radikal ausgeschlossen werden.

Die Psychologin Sandra Hermann erläutert in ihrem Beitrag „Warum ich mich als Frau für männliche Opfer einsetze“, dass sie es für notwendig erachtet, den Bereich zu unterstützen, der bisher am wenigsten bei häuslicher Gewalt unterstützt wird – nämlich männliche Opfer von häuslicher Gewalt.

Die ehemalige FDP-Politikerin Maike Wolf erklärt gleich in zwei Beiträgen, warum Frauenquoten der falsche Weg sind – auch für Frauenanliegen.

Jeder nähert sich dem Thema Gleichberechtigung auf einem anderen Weg. Aufgrund der Vielzahl der Beiträge ist aber für jeden etwas dabei, das ihm besonders wichtig ist oder besonders anspricht. Einer der Highlights für mich unter einer Vielzahl sehr guter Beiträge ist der von der kanadischen Feministin Wendy McElroy. Sie erläutert uns nicht nur, wie sehr sich Radikalfeminismus und Individualfeminismus in ihrer Herangehensweise an das Thema „Männer“ unterscheiden. Sie erklärt uns auch konkret, wie eine Veränderung in der Geschlechterpolitik anfangen müsste: Beseitigung der Frauenquoten, Beseitigung der NEUEN, erweiterten Gesetze zur sexuellen Belästigung, Etablierung des gemeinsamen Sorgerechts als Regelfall, die Anerkennung männlicher Opfer häuslicher Gewalt und männlicher Opfer sexueller Übergriffe, Ausräumung von Vorurteilen gegen Jungen in öffentlichen Schulen oder anderen steuerfinanzierten Einrichtungen. Diese Art von Feminismus ist bestenfalls ein Wimpernschlag von der nichtfeministischen Männerbewegung entfernt.

Lucas Schoppe hat derzeit wenig Hoffnung auf eine Integration der berechtigten Anliegen von Jungen, Vätern und Männern in die geschlechterpolitische Diskussion und befürwortet es deshalb, Foren der zivilen Verständigung als neue APO zu etablieren. Damit hat er sicher insoweit recht, als Männer sich so über ihre Rolle in der geschlechterpolitischen Diskussion klar werden. Aber die bloße Diskussion in den Foren wird uns nicht weiterbringen. Wir brauchen eine politische, von der Frauenpolitik unabhängige Männerbewegung.

Bemerkenswert war die Aktion von Dr. Hanna Milling. Anstatt die Dauerschelte der Feministinnen gegenüber Männern aufzugreifen und noch eins draufzusetzen, ging sie einen radikal anderen Weg. In ihrer Videobotschaft von Frauen an Männer, die sie auf Youtube veröffentlicht hat, erklärt sie zusammen mit anderen Frauen Männern ihre Wertschätzung und Respekt. In einem Interview von Arne Hoffmann geht Milling auf die Hintergründe und Ergebnisse dieser Aktion ein.

In ihrem Beitrag „Warum die Beschneidung von Jungen ein feministisches Thema ist“, kritisiert Robin Urban die Doppelstandards der feministischen Bewegung. Es gibt keine einzige Kultur auf dieser Welt, die weibliche Genitalbeschneidung praktiziert, ohne gleichzeitig auch Jungen zu beschneiden. „Warum kommt man gar nicht auf die Idee, das Gleichbehandlungsgebot mit MEHR Schutz für ALLE KINDER zu garantieren?“ Eine der vielen Fragen, an der sich der Feminismus mit seinem Anspruch, für Gleichberechtigung eintreten zu wollen, messen lassen muss.

Am Beispiel der Frankfurter Allgemeinen demonstriert Arne Hoffmann anschaulich und eindrucksvoll, mit welchen Tricks geltungssüchtige Journalisten im Zeitalter von MenAreTrash ehrenamtlich für die Anliegen von Jungen, Vätern und Männern engagierte Menschen in den Dreck ziehen, um trotz Inkompetenz den Mainstream bedienen zu können. Relotius lässt grüßen.

Es gibt wenige Menschen wie Monika Ebeling, die die Begabung haben, andere Menschen zu motivieren, auch wenn diese selbst Anlass genug hätten, alles hinzuwerfen. Die ehemalige Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Goslar wurde ihres Amtes enthoben, weil sie sich nicht nur um Frauen, sondern auch um Jungen, Väter und Männer kümmerte. Am Ende des „Hexenprozesses“ sah sie keine andere Möglichkeit, als auch ihre Arbeit zu kündigen und aus der Stadt wegzuziehen. Unvergessen die Begründung der Grünen-Fraktion für die Absetzung von Ebeling als Gleichstellungsbeauftragte: „Benachteiligung von Männern aufzeigen und beseitigen – dies ist nicht unser politischer Wille“. Deutlicher kann man wohl nicht mehr demonstrieren, dass Feminismus nichts, aber rein gar nichts, mit Gleichberechtigung zu tun hat. Trotzdem bleibt Monika Ebeling optimistisch. 40 Prozent der Gleichstellungsbeauftragten, lässt sie uns wissen, seien durchaus offen für die Anliegen und Problem von Jungen, Vätern und Männern. Das ist eine sehr hohe Zahl, die ich so nicht vermutet hätte.

Die mütterzentrierte Feministin Christina Hoff Sommers fordert dazu auf, „gemäßigten und konservativen Frauen eine Stimme“ zu geben.

Ein weiterer Höhepunkt ist der Beitrag von Astrid von Friesen, die aus der Erfahrung der Paarbetreuung schreibt. Die Vaterabwesenheit als feministisches Elternideal, d. h. in der Leugnung des Paars als Ur-Baustein menschlichen Zusammenlebens und der damit verbundenen Elternentfremdung, sieht sie zusammen mit den zunehmend matriarchalen Familienstrukturen als einen der wesentlichen Gründe für den Geschlechterkrieg unserer Tage. Eine gesunde Realitätswahrnehmung der eigenen Grenzen und Wünsche ist notwendig, um unverzerrt durch die Brille der eigenen Kinderbedürftigkeiten den anderen Menschen ebenso realistisch mit seinen Wünschen wahrnehmen zu können.

Ein ebenfalls sehr beeindruckender Beitrag stammt von Elinor Petzold. Sie findet es als sehr widersprüchlich, wenn Frauen einerseits sich als unabhängige Frau ausgeben und dann bei der Scheidung den Ex finanziell ausbluten lassen. Sie appelliert an Frauen, mit Männern respektvoll umzugehen, und sie ermutigt Männer, beinahe schon in MGTOW-Manier, sich nicht auf ihren sexuellen Erfolg bei Frauen zu fixieren oder sich davon beeinflussen oder gar abhängig zu machen, wie eine Frau ihre Männlichkeit annimmt oder bewertet. Petzold spricht hier einen extrem wichtigen Schritt für Männer in die eigene Emanzipation an.

Jeannette Hagen will mehr Ehrlichkeit in der geschlechterpolitischen Debatte und hebt nicht die Probleme, sondern das Potential der Unterschiede hervor, abseits gängiger Klischees. Männer sind ebenso nicht „nur“ Schweine, wie Frauen eben nicht „nur“ hysterisch und anstrengend sind. Was geschieht mit einem kleinen Jungen, wenn er hört, wie Mutter beim Telefonieren über „die Männer“ herzieht?  

Arne Hoffmann demonstriert mit seinem Buch, diesem Brückenschlag zwischen Feministen und Feminismuskritikern, eindrucksvoll das, was die nichtfeministische Männerbewegung und den Politfeminismus grundlegend unterscheidet. Der Politfeminismus setzt auf Ausgrenzung, Zersetzung und Geschlechterkrieg. Die nichtfeministische Männerbewegung setzt auf Teilhabe, Dialog und Respekt. Damit verkörpert er auch das, wofür die geschlechterpolitische Initiative MANNdat steht, weshalb wir das Buch finanziell unterstützt haben, um es preislich für jeden erschwinglich zu machen, auch und gerade, weil kein einziger Beitrag von einem MANNdat-Mitglied geschrieben wurde, wenn man den Buchautor als MANNdat-Ehrenmitglied außen vor lässt. Wir hören zu, was andere zu sagen haben.

Das Buch ist im Wissenschaftsverlag Tectum zum Preis von 28,00 Euro oder als E-Book für 21,99 Euro erschienen. Das sind bei der Papierausgabe gerade einmal etwa sechs Cent pro qualitativ hochwertiger Seite.

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Lesermeinungen

  1. Von Schmitt (m)

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    • Von Schmitt (m)

    • Von Dr. Bruno Köhler

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