Filmrezension: „Der entsorgte Vater“ von Douglas Wolfsperger

von Manndat

Synopsis

„Mit DER ENTSORGTE VATER widmet sich Douglas Wolfsperger einem gesellschaftlichen Phänomen, das in der öffentlichen Wahrnehmung kaum vorkommt: Männer, die nach einer Trennung von ihren Frauen nicht nur als Partner, sondern auch als Vater „entsorgt“ werden und die – oft vergeblich – um die Beziehung zu ihren Kindern kämp-fen. Vier Väter schildern in berührenden Interviews ihr Leid und ihre Bemühungen. Eine Mutter begründet die Umgangsverweigerung aus ihrer Sicht.“
(Quelle: www.der-entsorgte-vater.de/inhalt/)

Deutschland 2008
Regie: Douglas Wolfsperger
Buch: Douglas Wolfsperger
Kamera: Tanja Trentmann / Inigo Westmeier
Mit: Franzjörg Krieg, Harald Merker, Bernd Sosna, Ralf Bähringer, Birgit Laub
Länge: 86 Minuten
Verleih: GMfilms / Wilder Süden, Vermietung über Barnsteiner

Filmkritik von MANNdat e.V.:

Der Film schildert anhand von vier Einzelschicksalen – darunter auch das Schicksal des Regisseurs selbst – die Situation vieler betroffener Trennungsväter in Deutschland, die keinen oder kaum Umgang mit ihren Kindern haben dürfen. Aber auch eine Mutter kommt im Film zu Wort. Dadurch bleibt der Film zwar väterlastig, aber er ist nicht einseitig. Der Film will damit bewusst eine Ergänzung zu der seit Jahrzehnten einseitig geführten familienpolitischen Diskussion sein, die die Anliegen von Vätern, und speziell von Trennungsvätern, rigoros unter den Teppich kehrt.

Der Film ist beeindruckend und emotional. Durch die Darstellung des Themas anhand von Einzelschicksalen will der Film Verständnis für die unhaltbare Situation der betroffenen Väter, ja sogar Betroffenheit erzeugen. Und das erreicht er auch. Es ist kein Film für einen entspannenden, ruhigen Filmabend. Es ist ein Film, der auf ein totgeschwiegenes Problem aufmerksam machen will. Gerade weil viele Leute sich dieser Problematik nicht bewusst sind, beginnt der Film langsam und bedächtig, nimmt aber stetig an Fahrt zu und gipfelt in der mit-fühlbaren Ohnmacht und Wut, die die Betroffenen empfinden müssen. Selbst wenn den Vätern das Recht auf Umgang zugesprochen wird, nützt ihnen das nur wenig, weil kaum jemand da ist, der ihnen zur Umsetzung ihres Rechts verhilft. Diese Zustände sind bundesdeutsche Realität im Jahr 2009. Auf diesen Skandal macht Wolfsperger aufmerksam.

Umso mehr ist den Vätern zu danken, die sich und ihre Geschichte zur Verfügung gestellt haben. Und dies obwohl diese Protagonisten wissen, dass in Deutschland Vätern, die um ein bisschen Umgangsrecht mit ihren Kindern kämpfen, das Menschenrecht auf Meinungsäußerung faktisch aberkannt wird. Denn jede kritische Äußerung zu diesen menschenverachtenden Zuständen kann ihnen im Verfahren negativ ausgelegt werden. Diese Väter wissen, dass sie mit diesem Film vor allem dafür kämpfen, dass die Generation ihrer Kinder nicht die gleichen Schicksale erleben müssen wie sie selbst. Für diese Zivilcourage gebührt ihnen unser Dank und unsere Anerkennung. Der Film macht damit auch all jenen Vätern Mut, die in der gleichen Situation sind, denn er zeigt, dass sie nicht alleine sind.

Dem Regisseur geht es in seinem Film nicht vordergründig um Politik, und trotzdem ist sein Film politisch hoch brisant. Mit kurzen stummen Einblendungen ganz am Ende des Filmes weist Wolfsperger darauf hin, dass es sich bei den gezeigten Beispielen nicht nur um wenige Einzelfälle handelt, sondern dass nach seinen Recherchen 40% der geschiedenen Väter schon nach wenigen Jahren keinerlei Kontakt mehr zu ihren Kindern haben. Damit potenziert der Regisseur die Betroffenheit der Zuschauerinnen und Zuschauer zu einer Anklage gegen die Untätigkeit der Politik. Eine Familienpolitik, die solche Zustände akzeptiert und auf Grund ihrer Untätigkeit sogar fördert, ist eine schlechte Familienpolitik. Solange es Väter gibt, die erziehen wollen, aber nicht erziehen dürfen, ist jede Klage einer für Väter zuständigen Bundesfamilienministerin über angeblich zu wenig Erziehungsverantwortung von Vätern zynisch und dreist.

Wolfsperger hat erkannt, dass es wenig sinnvoll ist, in einem 90-minütigen Film direkt an das Verständnis der politisch Verantwortlichen zu appellieren. Die Politik ist derzeit leider nicht die Lösung, sondern Teil des Problems. Die Familienpolitik kolportiert auch heute noch aus Kalkül das Bild eines Vaters als eines verantwortungslosen Drückebergers, anstatt den betroffenen Vätern einmal zuzuhören. Der Film wendet sich deshalb an die Bürgerinnen und Bürger des Landes, also an diejenigen, die in einer echten Demokratie die wahre Macht haben. Erst wenn die Gesellschaft die Missstände erkennt und verurteilt, wird es gelingen, die Politik zum Handeln zu zwingen.

Wir hoffen, dass der Film die Wellen schlagen wird, die ihm gebühren und dass diese Wellen so hoch sein mögen, dass sie auch noch die politisch Verantwortlichen in ihrem Elfenbeinturm auf ihrer Insel der Glückseligen erreichen.

Bildquelle: (c) S. Thomas/www.pixelio.de

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