Der große Teppich der Heinrich-Böll-Stiftung

von MANNdat

Jungen als Opfer von Boko Haram

Nach der Aktuellen Stunde im Bundestag zu den durch Boko Haram entführten jungen Frauen und Mädchen lud nun die Heinrich Böll Stiftung jüngst einige unserer Mitglieder zu folgender Veranstaltung ein: „#BringBackOurGirls – Gewalt gegen Frauen und Mädchen im Nordosten Nigerias“. Man hätte annehmen können, die Verantwortlichen bei der Stiftung kennen zumindest unsere Position zu diesem Thema. Doch weit gefehlt – aber lesen Sie selbst.

Im Juni 2013 ermordete die nigerianische Terrorgruppe Boko Haram 42 Jungen bei einem Anschlag auf eine Schule. Im September 2013 attackierte Boko Haram gezielt die Schlafsäle der jungen Männer im College of Agriculture in Gujiba, Nigeria und ermordete 44 von ihnen. Im Februar 2014 wurden 59 Jungen einer Internatsschule von Boko Haram-Terroristen erschossen oder bei lebendigem Leib verbrannt. Die Mädchen der Schule ließen die Terroristen frei. Im gleichen Monat überfiel Boko Haram das Dorf Izghe, ermordete dort über mehrere Stunden die männliche Bevölkerung, auch Jungen oder Babys. Von den 106 Toten waren 105 männlich. Eine Frau war darunter, die versucht hatte, ihren Enkel vor den Massenmördern zu schützen. Im Mai und Juni 2014 ermordete Boko Haram in verschiedenen Dörfern im Nordosten Nigerias Männer und Jungen, indem dem sie sie zusammen trieb und dann das Feuer auf sie eröffnete. Man geht von etwa 400 bis 500 Toten aus.

Über die Ungleichbehandlung von männlichen und weiblichen jugendlichen Gewaltopfern am Beispiel der Terrorakte von Boko Haram durch den Deutschen Bundestag und die Reaktion der politisch Verantwortlichen haben wir in unserer Studie „Kinder ohne Gesichter“ ausführlich berichtet.

Nun wird die Heinrich-Böll-Stiftung einen Gesprächsabend zur den Gewaltverbrechen von Boko Haram veranstalten. Wer aber glaubt, hier werden die Gewaltopfer beider Geschlechter thematisiert, wie es die von der Stiftung propagierte, geschlechterpolitische Strategie des Gender Mainstreaming verspricht, kennt die Heinrich-Böll-Stiftung schlecht.

„#BringBackOurGirls – Gewalt gegen Frauen und Mädchen im Nordosten Nigerias“ heißt die Veranstaltung. Natürlich werden auch bei der Heinrich-Böll-Stiftung politisch korrekt die ermordeten Jungen und jungen Männer verschwiegen. So heißt es in der Ankündigung zur Veranstaltung in einer Mail, die die Heinrich Böll-Stiftung einigen unserer Mitglieder zukommen ließ:

„Fast dreihundert Schülerinnen entführte die islamistische Gruppierung Boko Haram am 14. April 2014 in der nordnigerianischen Stadt Chibok.“

Kein Wort über die männlichen Gewaltopfer. Weiter heißt es in der Ankündigung:

„Die Entführungen zeigen die genderspezifische Gewaltdimension des blutigen Konflikts im Nordosten Nigerias. Boko Haram nutzt, auch als Reaktion auf die Entführung von Angehörigen der Islamisten durch Sicherheitskräfte, die Gewalt gegen Frauen und Mädchen als Instrument. Chibok ist dabei nur ein Kulminationspunkt einer Strategie, in der Frauen Ware und Verhandlungsmasse sind: Mehr als 500 Frauen und Mädchen wurden von der Gruppe seit 2009 entführt; viele wurden zwangsweise zum Islam konvertiert und verheiratet, körperlich und seelisch misshandelt.“

Eine „genderspezifische Gewaltdimension“ ist aber nur dann zu erkennen, wenn man die verbrannten Schuljungen, die fast 1000 von Boko Haram ermordeten Jungen und jungen Männer konsequent totschweigt. Denn nur dann kann man aus den Boko Haram-Verbrechen eine „genderpolitische Gewaltdimension“ konstruieren. Der Bundestag machte es bereits vor.

Die Evangelische Akademie Tutzing und der auch für die Heinrich-Böll-Stiftung schon tätige „Genderexperte“ Heinrich Rosenbrock haben sich in einer Veranstaltung zum Thema „Frauenfeindlichkeit“ im Jahr 2013 echauffiert, dass der Verein MANNdat es wagte, bei einer Veranstaltung zur Jungenbildungsförderung in seinem Vortrag eine Graphik zu zeigen, in der das Verhältnis von Jungen mit und ohne Migrationshintergrund illustriert wird, ohne auch die entsprechenden Mädchendaten zu präsentieren. Wir berichteten darüber in unserem Beitrag „Tutzing, Rosenbrock und die Glorifizierung von Halbwahrheiten“.

Wenn aber dies schon als „frauenfeindlich“ bezeichnet wird, ist dann das Totschweigen von ermordeten Jungen, männlicher Jugendlicher und jungen Männern nicht auch männerfeindlich, wenn nicht sogar schon ein Beispiel für Männerhass? Und vor allem: Was machen die Rosenbrocks und was machen die Evangelischen Akademien jetzt, da ermordete Jungs und junge Männer totgeschwiegen werden? Sie halten brav und politisch korrekt den Mund.

Wir haben hier ein Beispiel, wie Genderpolitik funktioniert. Und wir haben hier auch einen Hinweis, warum bei der geschlechterspezifischen Gewaltopferdiskussion Jungen und Männer unberücksichtigt bleiben, obwohl zwei Drittel aller Gewaltopfer männlichen Geschlechts sind. Weil Jungen und Männer in der Genderdebatte als Opfer konsequent ignoriert werden. Das Weglassen eines Geschlechts bei der Betrachtung von Gewaltopfern ist eine sehr ausgeprägte Form von Diskriminierung und Sexismus.

Aber es sollen bei der Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung auch Handlungsoptionen diskutiert werden – selbstverständlich genderpolitisch korrekt nur für die Hälfte der Menschen:

„Eine politische Handlungsoption ist die Umsetzung des Nationalen Aktionsplans zum Schutz von Frauen in Konfliktzonen, den Nigeria 2013 auf Basis der Resolution 1325 des UN-Sicherheitsrats verabschiedet hat.“

Der Schutz von Jungen und Männern ist der UN nicht so wichtig, wie wir schon beim Massaker von Srebrenica gesehen haben. Damals wurden nur Frauen und Kinder von der UN in Obhut genommen. Die Männer und männlichen Jugendlichen überließ man ihren Mördern. 8000 davon hat man später in Massengräbern gefunden.

Die Ankündigung der Veranstaltung schließt mit der Frage:

„Was ist die genderspezifische Dimension des Konflikts im Nordosten Nigerias, welche Motive und Ziele verfolgt Boko Haram?“

Wir wissen natürlich nicht, welche Absichten Boko Haram hat. Wir können uns aber denken, welche Absichten die Heinrich-Böll-Stiftung hat. Sie will die männlichen Gewaltopfer von Boko Haram unter den Teppich kehren, um den Boko Haram-Terror männerfeindlich und geschlechterpolitisch instrumentalisieren zu können. Der Teppich der Heinrich-Böll-Stiftung scheint übrigens sehr groß zu sein. Darunter liegen immerhin gut eintausend ermordete Jungen und junge Männer.

Wer erleben möchte, wie Genderpolitik in der Praxis funktioniert und vielleicht auch die eine oder andere Frage stellen will, findet hier die Veranstaltungsdaten:

#BringBackOurGirls
Gewalt gegen Frauen und Mädchen im Nordosten Nigerias

Mittwoch, 14. Januar 2015, 19.00 Uhr
Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin

Ein Gespräch mit:
Mausi E. Segun, Researcher, Human Rights Watch, Abuja,
Elizabeth Pearson, Rundfunkjournalistin, promoviert am Kings College zu „Gender und Extremismus“, London

Moderation:
Dagmar Dehmer, Journalistin, Der Tagesspiegel, Berlin

Sprache: Englisch / Deutsch mit Simultanübersetzung

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Lesermeinungen

  1. Von Tigerkralle

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  2. Von AC

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  3. Von KaRa

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  4. Von Fragensteller

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    • Von Dr. Bruno Köhler

    • Von Markus Meier

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