Täterinnen Teil 1: Das Tabu der Täterin – Was die Statistiken wirklich sagen
Täterinnen Teil 1: Das Tabu der Täterin – Was die Statistiken wirklich sagen
Wer in diesen Tagen die Nachrichten verfolgt oder politische Debatten analysiert, stößt immer häufiger auf ein klares, scheinbar unumstößliches Narrativ: Gewalt ist männlich. Slogans wie „Nicht alle Männer, aber immer Männer“ suggerieren, dass Kriminalität, Missbrauch und partnerschaftlicher Terror eine reine Frage des biologischen Geschlechts seien. Doch dieses Bild hält der Realität nicht stand. Ein Blick in die offiziellen Kriminalstatistiken und moderne Dunkelfeldstudien zeigt: Gewalt hat kein Geschlecht. Frauen treten in allen Deliktsbereichen als Täterinnen auf – ein gesellschaftliches Tabu, das dringend gebrochen werden muss.
Wenn wir über Gewalt sprechen, müssen wir ideologische Scheuklappen ablegen. Niemand bestreitet, dass Männer statistisch die Mehrheit der schweren, sichtbaren physischen Gewalttaten im öffentlichen Raum begehen. Wer die Diskussion jedoch darauf verengt, übersieht systematisch das enorme Ausmaß weiblicher Täterschaft im privaten, häuslichen und institutionellen Bereich. Schlimmer noch, er schützt die Täterinnen. Aus kriminologischer und opferschutzpolitischer Sicht führt diese gesellschaftliche Tabuisierung zu einem faktischen und systematischen Täterschutz im Dunkelfeld. Durch die beschriebenen Mechanismen entstehen für gewalttätige Mütter und Frauen mehrere unverdiente Schutzräume.
Partnerschaftsgewalt: Das unterschätzte Hell- und Dunkelfeld
Das offizielle Bundeslagebild Häusliche Gewalt des Bundeskriminalamtes (BKA) räumt gründlich mit dem Mythos auf, Frauen seien in Beziehungen ausschließlich Opfer [BKA]. Die polizeilich erfassten Daten im sogenannten Hellfeld zeigen: Rund 20 bis 25 % der Tatverdächtigen bei Partnerschaftsgewalt sind weiblich [BKA, MANNdat]. Über 35.000 Männer werden jährlich in Deutschland als offizielle Opfer registriert [BKA].
Noch deutlicher wird die Realität, wenn man den Blick auf das Dunkelfeld richtet – also auf die Taten, die mangels Anzeige niemals in einer Polizeistatistik auftauchen. Die repräsentative Dunkelfeldstudie „LeSuBiA“ (Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag, 2026), gemeinsam herausgegeben vom Bundesfamilienministerium und dem BKA, zeigt ein nahezu ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter bei psychischen Missbrauchshandlungen in Beziehungen. In einem Fünfjahreszeitraum erlebten 23,3 % der Männer und 23,8 % der Frauen psychische Gewalt durch ihren Partner oder ihre Partnerin. Bei rein kontrollierenden und isolierenden Verhaltensweisen gaben sogar mehr Männer (8,7 %) als Frauen (7,1 %) an, im Beziehungsalltag Opfer geworden zu sein. [IZOG]
Martin S. Fiebert hat schon 2013 eine Metastudie zu der Thematik veröffentlicht. (References Examining Assaults by Women on Their Spouses or Male Partners: An Updated Annotated Bibliography), worin resümiert wird:
Diese kommentierte Bibliographie beschreibt 343 wissenschaftliche Untersuchungen (270 empirische Studien und 73 Übersichtsarbeiten), die zeigen, dass Frauen in Beziehungen so aggressiv sind wie Männer (oder mehr) in ihren Beziehungen zu ihren Ehepartnern oder gegengeschlechtlichen Partnern. Die Gesamtstichprobengröße in den rezensierten Studien übersteigt 440.850 Personen.
Gewalt gegen Kinder: Wenn Mütter zu Täterinnen werden
Besonders schmerzhaft, aber kriminologisch unbestreitbar ist der Bereich der Kindesmisshandlung und Vernachlässigung. Da Frauen statistisch nach wie vor den weitaus größten Teil der Kinderbetreuung übernehmen, sind sie im häuslichen Umfeld auch die primäre Quelle von Gewalt gegenüber den Schwächsten unserer Gesellschaft.
Wissenschaftliche Analysen (wie die kriminologischen Untersuchungen von Dr. Jens Döge) belegen, dass sich über 20 % der Gewalthandlungen straffälliger Frauen direkt gegen die eigenen Kinder richten. Hierbei geht es nicht nur um emotionale Kälte oder schwere Vernachlässigung, sondern um handfeste körperliche Misshandlung.
Selbst vor dem sensiblen Thema des sexuellen Kindesmissbrauchs darf die Augen nicht verschlossen werden. Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs sowie die Bundesmissbrauchsbeauftragte weisen in ihren Untersuchungen nach, dass 10 bis 20 % der Täter bei sexuellem Missbrauch im familiären und institutionellen Kontext weiblich sind.
In empirischen Retrospektivbefragungen (wie der historischen Mikado-Studie) gaben sogar 46,2 % der betroffenen Männer an, in ihrer Kindheit durch eine Frau sexuell missbraucht worden zu sein – in den meisten Fällen durch die eigene leibliche Mutter.
Laut „Polizei-Beratung“ treten als Tatverdächtige von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung Frauen mit 45,8 Prozent und Männer mit 54,2 Prozent in Erscheinung. [Polizei-Beratung]
Gewalt gegen Frauen: Gewalt im familiären Nahraum
Frauen üben Gewalt jedoch nicht nur gegen Männer und Kinder aus, sondern auch gegen das eigene Geschlecht. Das BKA listet auf, dass Frauen 28,1 % der Tatverdächtigen im Bereich der innerfamiliären Gewalt ausmachen [BKA]. Hierbei handelt es sich um schwere physische und psychische Konflikte abseits von Partnerschaften – so auch zwischen Müttern und Töchtern, Schwestern oder Schwägerinnen.
Repräsentative Erhebungen von Prof. Dr. Kai-D-Bussmann, die im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) seit den 1990er- bis zu den 2000er-Jahren kontinuierlich die „Auswirkungen des Gesetzes zur Ächtung der Gewalt in der Erziehung“ untersuchten, zeigten: Bei Befragungen zu alltäglichen Züchtigungsmustern gaben die Eltern an, dass leichtere körperliche Bestrafungen (wie die „leichte Ohrfeige“) fast hälftig verteilt sind. In den Daten gaben teils 60,6 % der Mütter und 56,1 % der Väter an, diese Form bereits angewendet zu haben. Erst bei sehr schweren, misshandelnden Gewaltformen verschiebt sich die Relation deutlicher zu Lasten der Väter. [BMFSFJ – Bussmann]
Bei Kindstötungen sind die meisten Opfer jünger als fünf Jahre. Gut 70 % der Täter sind weiblich. [Berliner Morgenpost]
Zudem zeigen internationale Dunkelfeldbefragungen zu gleichgeschlechtlichen, lesbischen Beziehungen, dass die Raten psychischer und physischer Übergriffe dort denen in heterosexuellen Partnerschaften ähneln oder diese teilweise sogar übersteigen. Da in diesen Dynamiken ausschließlich Frauen interagieren, sind Täterinnen und Opfer folglich rein weiblich.
Fazit: Das Zerrbild der Debatte
Die Behauptung, Kriminalität sei ein rein männliches Problem, ist empirisch widerlegt. Frauen schlagen, manipulieren, missbrauchen und terrorisieren ebenfalls – sowohl Männer als auch Kinder und andere Frauen. Wenn wir eine ehrliche Gesellschaft sein wollen, die jedes Opfer ernst nimmt, müssen wir aufhören, die Existenz weiblicher Täterinnen aus ideologischer Gefälligkeit zu verschweigen.
Denn dieses Schweigen hat einen verheerenden Preis: Es macht die Opfer von Frauen unsichtbar und entzieht ihnen jede gesellschaftliche Hilfe.
Im nächsten Teil unserer Reihe „Sprachliche Schutzschilde – Wie weibliche Gewalt verharmlost wird“ analysieren wir die rhetorischen und psychologischen Mechanismen, mit denen Täterinnen in den Medien systematisch geschützt und ihre Taten kleingeredet werden. Wir werfen unter anderem einen kritischen Blick auf das manipulative Begriffsmonopol „Frauen und Kinder“.
Quellen
Berliner Morgenpost: https://www.morgenpost.de/printarchiv/seite3/article108750251/Was-sind-das-fuer-Eltern-die-ihre-Kinder-toeten.html; 23.08.2012
Bundeskriminalamt (BKA) (2026): Bundeslagebild Häusliche Gewalt 2024. Wiesbaden: Bundeskriminalamt. Link zum Bericht [BKA].
BMFSFJ & BKA (2026): Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA). Eine geschlechterübergreifende Dunkelfeldstudie zu Gewalterfahrungen in Deutschland. Berlin/Wiesbaden; Link zum Bericht.
BMFSFJ – Bussmann: https://www.bmbfsfj.bund.de/resource/blob/93974/ef6e631752edfc8afb21de69277a2733/gewaltfreie-erziehung-bussmann-deutsch-data.pdf; Abruf 24.05.2026
Döge, Jens (2019): Frauen als Täterinnen bei Gewalt in der Familie. Kriminologische Analysen und empirische Befunde zu Müttern als Täterinnen von Kindesmisshandlung. Kölner Schriften zur Kriminologie.
IZOG: „Neue Dunkelfeldstudie LeSuBiA: Die Zahlen bestätigen, was IZOG seit Jahren sagt“; https://izog.de/neue-dunkelfeldstudie-lesubia-die-zahlen-bestaetigen-was-izog-seit-jahren-sagt/, Abruf 24.05.2026
Polizei-Beratung: https://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/gewalt/kindesmisshandlung/fakten/; Abruf 24.05.2026
Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs (2022): Bilanzbericht der Unabhängigen Kommission. Berlin.
Martin S. Fiebert: Metastudie (References Examining Assaults by Women on Their Spouses or Male Partners: An Updated Annotated Bibliography, Published online: 19 June 2013
MANNdat: https://manndat.de/geschlechterpolitik/maennliche-opfer-von-partnerschaftsgewalt-dunkelfeldstudien.html; Abruf 24.5.2026
Quelle Beitragsbild: KI generiert mit Google Gemini
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