Männliche Opfer von Partnerschaftsgewalt – Dunkelfeldstudien

von Dr. Bruno Köhler

Der Gender Empathy Gap

Schon vor 13 Jahren sagte die Nürnberger Kriminalhauptkommissarin Cora Miguletz zu männlichen Opfern von Partnerschaftsgewalt, dass die Dunkelziffer der misshandelten Männer vermutlich weitaus höher sei, als es die Kriminalstatistiken hergeben. „Das Problem ist nur, dass sie sich nicht trauen, damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Die Männer haben Angst, im Bekanntenkreis auf taube Ohren zu stoßen. Vielleicht können sie es auch nicht begreifen, dass die geliebte Partnerin plötzlich so handelt. Wir haben es hier natürlich auch mit einem extrem tabuisierten Thema zu tun – wer glaubt einem da schon?“ (https://www.nordbayern.de/region/nuernberg/wenn-frauen-ihre-manner-terrorisieren-1.492814, Abruf 24.1.2021)

„Tatsächlich sind – etwa von dem Forscher Ludger Jungnitz – Fälle dokumentiert worden, in denen Polizisten männlichen Gewaltopfern voreilig unterstellten, in Wirklichkeit seien sie die Täter und ihre Frau das Opfer. In der österreichischen Studie ‚Gewalt an Männern‘ beklagten sich sogar 43 Prozent aller männlichen Gewaltopfer, die Polizei habe ihre Anzeige gegen die weibliche Täterin nicht ernst genommen.“ (Till-Reimer Stoldt: „Gewalt ist für viele Zeitgenossen nicht gleich Gewalt“, 15.01.2018, https://www.welt.de/regionales/nrw/article172423027/Wenn-Maenner-Opfer-sind-Gewalt-ist-fuer-viele-Zeitgenossen-nicht-gleich-Gewalt.html, Abruf 24.1.2021)

Einzelne ausgewählte Dunkelfeldstudien:

1980 Studie USA Straus/Gelles/Steinmetz

Schon 1980, also vor über 40 Jahren, veröffentlichten in den USA Murray A. Straus, Richard Gelles und Suzanne Steinmetz (Behind closed doors: Violence in the American family) eine vergleichende Untersuchung zu dem Thema häusliche Gewalt. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass insgesamt 11,6 Prozent der Frauen und 12 Prozent der Männer angegeben hatten, geschlagen, geohrfeigt, getreten, gebissen, mit Gegenständen beworfen oder anderweitig angegriffen worden zu sein. Nach erneuter, gründlicherer Prüfung des Datenmaterials präzisierten Straus und seine Kollegen: In einem Viertel der Fälle ging Gewalt allein vom Manne aus, in einem Viertel ausschließlich von der Frau, in der Hälfte aller Fälle wurde man gegenseitig gewalttätig ohne festgelegte Reihenfolge.

1992: Kriminologisches Institut Niedersachsen

„1992 wurde vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) eine mehr als 10.000 Menschen umfassende repräsentative Stichprobe der Bevölkerung nach Gewalterfahrungen in engen sozialen Beziehungen befragt. Der Untersuchungsauftrag zielte eigentlich auf ‚Kriminalität im Leben älterer Menschen‘, man bezog aber zu Vergleichszwecken alle Altersstufen ab 20 Jahre mit ein. Einige Erkenntnisse daraus:

‚Der Befund ähnlicher Opferraten bei Männern und Frauen ist im Übrigen ein typisches Resultat.‘ (S.157)

‚So ergibt sich, daß 1991 in der BRD mindestens 246.000 Frauen zwischen 20 und 59 Jahren sowie mindestens ca. 214.000 Männer dieser Altersgruppe Opfer schwerer Gewalthandlungen in engen sozialen Beziehungen werden.‘ (S.163)

‚Bei den Befragten unter 60 Jahren betrafen 63% der Täternennungen den Partner/die Partnerin‘ (S.167)

Die Ergebnisse stehen mit den zahlreichen cts-basierten Untersuchungen aus anderen europäischen Ländern und Nordamerika in Übereinstimmung. [Anm. MANNdat nach Wikipedia: CTS (Conflict Tactics Scales) ist ein von Murray A. Straus 1972 entwickeltes Instrument zur systematischen Erfassung der von zwei Personen während eines Streites angewandten Taktiken.] Hier steht der Bundesregierung ein solides Datenmaterial für die weitere Entwicklung des Wissens über häusliche Gewalt zur Verfügung. (…)

Die folgende Abbildung zeigt die Übertragung der Konfliktskalen durch das KFN ins Deutsche. Ein wesentliches Merkmal der Methode ist, dass nicht nach Kriminalität gefragt wird. So wird auch Gewalt erfasst, die von den Beteiligten noch nicht in dieser Begrifflichkeit bewertet wird.

Die Skalen sind nach der Schwere der Aggression aufgebaut. Zur vollständigen Erfassung der Gewaltakte wurde die ursprüngliche cts durch Hinzufügung von Skalen zur Messung von verletzungsfolgen und zur Erfassung sexueller Gewalt in die cts2 weiterentwickelt.

Datenquellen: (1) Pressemitteilung des BMFSFJ vom 8.11.2000 sowie KFN 1997, (2) KFN Opferbefragung 1992, Schriftenreihe des BMFSFJ Band 105, S.163, (3) dto. S. 163, (4) dto. S. 178   “

(Quelle: Siegfried Lamnek/Manuela Boatca (Hrsg.): „Geschlecht – Gewalt – Gesellschaft“, S. 511f.; Leske + Budrich, Obladen 2003; Otto-von-Freising-Tagungen der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, Bd.4)

2004: Pilotstudie „Gewalt gegen Männer“

Laut der vom Bundesfamilienministerium 2004 durchgeführten Pilotstudie „Gewalt gegen Männer“ widerfuhr jedem vierten der befragten rund 200 Männer einmal oder mehrmals mindestens ein Akt körperlicher Gewalt durch die aktuelle oder letzte Partnerin. Ungefähr fünf Prozent der Befragten haben im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt mindestens einmal eine Verletzung davongetragen. Kein einziger der Männer, die angeben, häusliche Gewalt durch die Partnerin erfahren zu haben, hat die Polizei gerufen, obwohl einige der Meinung waren, dass die Partnerin dafür bestraft werden sollte. Rund die Hälfte gibt an, sich in solchen Situationen mit dieser Partnerin nie körperlich gewehrt zu haben. Deutlich mehr als die Hälfte gab an, nie mit körperlicher Gewalt angefangen zu haben.

2009: Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt

Untersuchungen der katholischen Universität Eichstätt in Bayern haben gezeigt, dass 84 Prozent der interviewten Männer Gewalterfahrungen durch ihre Partnerinnen gemacht haben, 27 Prozent leben sogar in einer stark von Gewalt belasteten Beziehung. In 13 Prozent der Fälle erlebten die Männer physische Gewalt von Frauen. (Magazin der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt „Gewalt von Frauen gegen Männer“ – AGORA, 25. Jahrgang / Ausgabe 1 – 2009, S.29f.)

2010: „Männer – die ewigen Gewalttäter?“ Untersuchung im Auftrag der Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Die Berliner Morgenpost berichtet am 12. November 2010 über die Untersuchung mit dem Titel „Männer – die ewigen Gewalttäter?“, bei der 1470 Männer und 970 Frauen im Auftrag der Männerarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) befragt wurden:

„Sie belegt: Gewalt ist nicht immer männlich, die Opfer sind nicht immer Frauen. Der Studie zufolge sind Männer und Frauen nahezu gleich oft Täter: Etwa 30 Prozent der Frauen und 34 Prozent der Männer üben Gewalt aus. Männer werden häufiger Opfer von Gewalt. Laut Studie gaben 45 Prozent der befragten Männer an, Gewalt erlitten zu haben, im Vergleich zu 41 Prozent der Frauen. Am häufigsten findet Gewalt in der Familie statt.

Graphik mit Daten aus der EKD-Studie

Graphik mit Daten aus der EKD-Studie

(…)

Erfasst wurden neben massiver physischer Gewalt (Tritte, Faustschläge, Bedrohung mit einer Waffe) auch subtilere Formen. So sollten die Befragten angeben, ob sie in den vergangenen zwölf Monaten schon einmal gestoßen, beworfen, beleidigt, bedrängt oder beschimpft oder angeschrien wurden. Dabei zeigte sich, dass Männer stärker zu sichtbarer physischer Gewalt tendieren. Frauen neigen hingegen stärker dazu, andere Menschen massiv zu kontrollieren oder verbale Gewalt auszuüben. So gaben 32 Prozent der ‚gewaltaktiven‘ Frauen an, im vergangenen Jahr jemanden beleidigt, beschimpft oder angeschrien zu haben, aber nur 22 Prozent der gewalttätigen Männer. Knapp elf Prozent der gewalttätig gewordenen Männer sagten, sie hätten jemanden geprügelt, zusammengeschlagen oder mit einer Waffe bedroht; bei den Frauen waren es nur fünf Prozent.

Wenn Männer gewalttätig werden, sind sie es meist gegen Fremde. 30 Prozent der männlichen Gewalttaten treffen Menschen, die die Täter zuvor nicht kannten. Gewalt von Frauen richtet sich hingegen am häufigsten gegen den eigenen Partner.

(…)

Die Gewalt-Studie der Männerarbeit beschreibt auch die verschiedenen Facetten von Gewalt. So sind Männer häufiger gegen die eigenen Eltern aggressiv, Frauen hingegen häufiger gegen die eigenen Kinder.

(…)

Wer Gewalt positiv gegenübersteht, wird auch eher selbst gewalttätig. Eine antifeministische Einstellung hat hingegen nur einen geringen Einfluss darauf, ob Männer gewalttätig werden.

(…)

Ein wichtiger Faktor für die Frage, ob Männer zu Tätern werden, ist die eigene Kindheit. Männer, welche ihre Kindheit eher negativ beurteilen, sind häufiger gewalttätig als Männer mit glücklicher Kindheit. Männliche Gewalttäter sind zudem eher Pessimisten: 20 Prozent der männlichen Täter, aber nur fünf Prozent der Männer, die keine Gewalt ausüben, bewerten ihr Leben eher düster. Den größten Einfluss aber hat die eigene Gewalterfahrung: 80 Prozent der männlichen Täter waren zuvor selbst Opfer.“

2012: Repräsentative Studie des Robert Koch-Instituts

Die „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland“, kurz DEGS, des Robert Koch-Instituts (RKI) befand 2012, dass bei Konflikten in der Partnerschaft Frauen häufiger Gewalt ausüben als Männer. Dies gilt sowohl für körperlicher Gewalt – konkret war etwa nach Schlägen, Ohrfeigen, Tritten und an den Haaren ziehen gefragt worden – als auch für psychische Gewalt wie Beleidigungen, Bedrohungen, Beschimpfungen oder Schikanen. Die Gewalt der Frauen richte sich nicht nur gegen den Partner, sondern auch gegen „sonstige Familienmitglieder“, also etwa die eigenen Kinder. An der Befragung zum Thema Gewalt hatten knapp 6.000 Frauen und Männer über einen Zeitraum von drei Jahren (2008 bis 2011) teilgenommen.

Metastudien

Im Jahr 2000 berichtete Arne Hoffmann (Genderama) im Novo-Magazin Nr. 45, März/April 2000:

„Insgesamt 95 wissenschaftliche Forschungsberichte, 79 empirische Studien und 16 vergleichende Analysen in kriminologischen, soziologischen, psychologischen und medizinischen Fachzeitschriften aus den USA, Kanada, England, Dänemark, Neuseeland und Südafrika zeigen auf, dass in Beziehungen die Gewalt entweder überwiegend zu gleichen Teilen von beiden Partnern oder aber hauptsächlich von der Frau ausging.“

Astrid von Friesen legte im Deutschlandradio am 1. Oktober 2007 dar: „Das falsche Tabu. Häusliche Gewalt ist auch Gewalt von Frauen gegen Männer und Kinder!“:

275 wissenschaftliche Untersuchungen (214 empirische Studien und 61 Bewertungen und/oder Analysen) kommen zum Ergebnis, dass sich Frauen in ihren Beziehungen im gleichen oder höheren Maße als Männer körperlich gewalttätig gegenüber ihrem Lebenspartner verhalten. Der Gesamtprobenumfang in den überprüften Studien beträgt über 237.000 Personen.

Die größte Metastudie

Martin S. Fiebert hat 2013 eine gewaltige Metastudie zu der Thematik veröffentlicht. (References Examining Assaults by Women on Their Spouses or Male Partners: An Updated Annotated Bibliography, Published online: 19 June 2013, _https://www.researchgate.net/publication/261543769_References_Examining_Assaults_by_Women_on_Their_Spouses_or_Male_Partners_An_Updated_Annotated_Bibliography_)

„Diese kommentierte Bibliographie beschreibt 343 wissenschaftliche Untersuchungen (270 empirische Studien und 73 Übersichtsarbeiten), die zeigen, dass Frauen in Beziehungen so aggressiv sind wie Männer (oder mehr) in ihren Beziehungen zu ihren Ehepartnern oder gegengeschlechtlichen Partnern. Die Gesamtstichprobengröße in den rezensierten Studien übersteigt 440.850 Personen.“ Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version)

Die größte Forschungsdatenbank zu häuslicher Gewalt

Die weltweit größte Forschungsdatenbank zu häuslicher Gewalt, 2.657 Seiten, mit Zusammenfassungen von 1.700 von Experten begutachteten Studien. Zu finden unter https://domesticviolenceresearch.org/

„In diesem beispiellosen Unterfangen haben insgesamt 42 Wissenschaftler und 70 Forschungsassistenten an 20 Universitäten und Forschungseinrichtungen zwei Jahre oder mehr mit der Recherche zu ihren Themen und der Erstellung der Ergebnisse verbracht. Rund 12.000 Studien wurden berücksichtigt, mehr als 1.700 wurden zusammengefasst und in Tabellenform aufbereitet. Die 17 Manuskripte, die einen Überblick über die Ergebnisse zu jedem der Themen geben, umfassen insgesamt 2.657 Seiten und erscheinen in 5 aufeinanderfolgenden Sonderausgaben der Fachzeitschrift „Partner Abuse“. Alle Schlussfolgerungen, einschließlich des Ausmaßes, in dem die Forschungsergebnisse aktuelle Theorien unterstützen oder untergraben, beruhen ausschließlich auf den gesammelten Daten.“ Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator (kostenlose Version).

„Hellfeldstudien“

Ein deutliches Übergewicht männlicher Gewalt gegen Frauen gibt es offenbar nur in den sogenannten „Hellfeldstudien“, wie z. B. der BKA-Statistik „Partnerschaftsgewalt“. Viele repräsentative Befragungen ergeben i.d.R. ein ausgeglichenes Verhältnis von männlicher zu weiblicher Gewalt. Das ist aber nicht verwunderlich, denn, wie wir in unserem Beitrag „BKA-Statistik ‚Partnerschaftsgewalt‘ – objektive Statistik oder frauenpolitisches Werkzeug?“ dargelegt haben, erfasst die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS), auf deren Daten die Partnerschaftsgewaltstudien basieren, keine Täterzahlen, sondern Tatverdächtigenzahlen. Erfasst werden dabei die bekannt gewordenen Straftaten nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen vor Aktenabgabe an die Staatsanwaltschaft oder Gerichte. Diese „Hellfeldstudien“ sind also gar keine Hellfeldstudien, sondern Tätigkeitsstatistiken der Polizei.

Die Frauenpolitik wird bei Tatbestandsauswahl für die Partnerschaftsgewalt übrigens beteiligt. So wird z. B. mittlerweile Zwangsprostitution und mangelnder Kindesunterhalt als Partnerschaftsgewalt definiert.

Umgekehrt werden „Falschbeschuldigungen“ beim Vorwurf des Kindesmissbrauchs bei Scheidungsverfahren gegenüber dem Vater oder Falschbeschuldigungen bezüglich Vergewaltigung nicht in der Partnerschaftsgewaltstatistik dargestellt. Auf Anfrage legte das Bundeskriminalamt (BKA) am 19.2.2019 dar:

Das Delikt Vortäuschen einer Straftat § 145d StGB wird nicht in der Kriminalstatistischen Auswertung zur Partnerschaftsgewalt betrachtet.

Stattdessen ist das Gegenteil der Fall. Im Falle einer „Falschbeschuldigung“, wie z. B. beim Fall Kachelmann oder im Fall Arnold, tauchen die Täterinnen in der Opferstatistik auf und die Opfer in der Täterstatistik, soweit zum Zeitpunkt der Übergabe an die Staatsanwaltschaft die Anschuldigung noch aufrechterhalten wird.

Auch die Tatbestände der Kindesentführung und der Personenstandfälschung (z. B. das Unterschieben eines Kuckuckskinds) werden nicht in der PKS geführt. Das BKA antwortete am 14. Dezember 2018 auf eine entsprechende Anfrage:

die Delikte ‚Entziehung Minderjähriger, § 235 StGB (Schlüssel 231200)‘ und ‚Personenstandsfälschung, § 169 StGB (Schlüssel 670012)‘ werden in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) erfasst, aber nicht im Bericht ‚Partnerschaftsgewalt / Kriminalstatistische Auswertung – Berichtsjahr 2017‘ betrachtet.

Der Gamma Bias

Wir haben hier einen typischen Gamma Bias. Die männlichen Opfer werden deutlich weniger wahrgenommen als die weiblichen. Als Täter werden nur Männer wahrgenommen. Weibliche Täter werden nahezu komplett tabuisiert. Die nachfolgenden beiden Graphiken sollen schematisch zeigen, wie Täter und Opfer wahrgenommen werden und wie sie in der Realität aussieht.

Prof. Gerhard Amendt in seinem Buch „Von Höllenhunden und Himmelswesen – Plädoyer für eine neue Geschlechter-Debatte“, IKARU Verlag 1. Auflage November 2013, S.65:

„Wer Zweifel an der These von der ‚männlichen Alleingewalt‘ hat oder auf die gleiche Verteilung von Gewalt in Partnerschaften hinweist, dem wird in einem drohenden Umkehrschluss vorgeworfen, dass er damit zur Gewalt an Frauen aufrufe. So haben Männer auch zu diesem Mythos, der sie als ‚potenzielle Gewalttäter‘ beschreibt, zumeist geschwiegen,(83) obwohl ihre eigenen Erfahrungen mit Ehefrauen und Partnerinnen den Behauptungen entgegenstehen. Deshalb hat sich für sie auch kein öffentliches Interesse herausgebildet, das sie ermutigt hätte, über ihre Erfahrungen zu reden. In privaten Gesprächen wie im Schutz unserer Scheidungsväterforschung haben sie hingegen über ihre Erfahrungen berichtet. Darüber hinaus hat die ausgebliebene Kritik an diesem Mythos gerade Feministen in den Wissenschaften dazu ermutigt, auch Gewalt an Kindern (84) allein den Vätern zuzuschreiben. Demnach würden Mütter ihre Kinder nicht schlagen. Die Debatte über Gewalt an Kindern in den 1960er-Jahren hatte selbstverständlich auch Mütter als Schlagende im Visier.

Die feministische Ideologie hat es geschafft, die mütterliche Gewalt an Kindern bis zum heutigen Tag fast vollständig aus der politischen Debatte auszublenden. Was die Wissenschaft über die gleiche Verteilung von Gewalt in Familien und Partnerschaften mitzuteilen hat, erreicht jedoch die Öffentlichkeit nicht.(85) So kann Gewalttätigkeit von Frauen noch immer verleugnet werden. Die Verleugnung wurde durch politische Kampagnen während der vergangenen 20 Jahre herbeigeführt.(86)  Kampagnen der Desinformation haben in Deutschland, Österreich und den USA im Zusammenwirken von Wissenschaftlern,  Bundesministerien,  Bischöfinnen, Frauenzeitschriften und Fernsehsendern Frauenhäuser entstehen lassen (siehe hierzu Kapitel 4). Um die Ursachen zu verstehen, die von außen auf Männer einwirkten und sie in ein depressiv-verzweifeltes Schweigen stürzten, bedarf es der Kenntnis der Dehumanisierung von Männlichkeit, wie sie in Kampagnen von Bundesministerien oder in deren Dienste erzeugt wurden. Wesentliche Kampagnen sollen hier in Erinnerung gerufen werden.“

Quellenangaben aus vorgenanntem Zitat:

83 Michael Bock: Häusliche Gewalt. Ein Problemaufriss aus kriminologischer Sicht. In: Sicherheit und Kriminalität, 1/2003

84 Amy M. Smith Slep and Susan G. O’Leary: Parent and Partner Violence in Families With Young Children: Rates, Patterns, and Connections. Journal of Consulting and Clinical Psychology, Vol. 73, No. 3, 2005, S. 435–444

85 Peter Döge: Männer – die ewigen Gewalttäter? Wiesbaden 2011

86 Richard J. Gelles: The Politics of Research: The Use, Abuse and Misuse of Social Science Data – The Case of Intimate Partner Violence. Family Court Review, Vol. 45, No. 1, January 2007, S. 42–51

 

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