Kritik an feministischer Gleichstellungspolitik

von Manndat

Wer Gleichstellung sagt, sollte nicht nur Frauenförderung meinen. Genau hier beginnt die Kritik an feministischer Gleichstellungspolitik: Staatliche Programme, Beauftragte und Kampagnen sprechen häufig im Namen der Gleichheit, behandeln aber männliche Problemlagen bestenfalls als Randnotiz. Für Jungen mit schlechten Bildungschancen, Väter nach einer Trennung oder Männer als Gewaltopfer ist das keine akademische Debatte. Es entscheidet darüber, ob sie gesehen werden, ob Hilfe erreichbar ist und ob ihre Interessen politisch überhaupt zählen.

Das Problem ist nicht, dass Frauenrechte verteidigt oder konkrete Benachteiligungen von Frauen bekämpft werden. Das ist notwendig. Das Problem entsteht dort, wo eine politische Bewegung ihre eigene Perspektive zur allgemeinen Wahrheit erklärt und Gleichstellung praktisch als einseitige Frauenpolitik organisiert. Wer so verfährt, ersetzt Gerechtigkeit durch Klientelpolitik.

Gleichstellung ist mehr als Frauenförderung

Der Begriff Gleichstellung weckt einen klaren Anspruch: Menschen sollen unabhängig von ihrem Geschlecht faire Chancen, fairen Schutz und faire rechtliche Maßstäbe erhalten. In der politischen Praxis wird dieser Anspruch jedoch oft verkürzt. Gleichstellungspolitik wird mit Frauenförderpolitik gleichgesetzt, während Männer fast ausschließlich als privilegierte Gruppe, Risikofaktor oder Adressaten von Verhaltenskorrekturen erscheinen.

Diese Denkfigur ist bequem, aber sie ist ungeeignet für die Wirklichkeit. Männer sind keine homogene Machtgruppe. Der Akademiker mit gesichertem Einkommen und der Junge ohne Schulabschluss, der alleinerziehende Vater und der Mann in einer Gewaltbeziehung, der gesunde Spitzenverdiener und der früh sterbende Arbeiter haben nicht dieselben Lebenslagen. Eine Politik, die das Geschlecht zum Hauptmerkmal macht und soziale, gesundheitliche oder biografische Unterschiede ausblendet, produziert blinde Flecken.

Gerade dort, wo Jungen und Männer strukturell schlechter abschneiden, ist diese Blindheit folgenreich. Jungen erzielen im Bildungssystem im Durchschnitt häufig ungünstigere Ergebnisse, Männer stellen einen großen Anteil der Obdachlosen, der Suizidtoten und der tödlich Verunglückten am Arbeitsplatz. Männer sind zudem von spezifischen Gesundheitsrisiken betroffen und nutzen Hilfsangebote oft später. Das alles lässt sich nicht mit dem Hinweis erledigen, Männer hätten insgesamt Macht. Wer Hilfe braucht, braucht sie als konkreter Mensch, nicht als Symbolfigur einer Theorie.

Der Fehler des pauschalen Privilegienblicks

Der feministische Privilegienblick fragt zuerst: Welche Vorteile haben Männer als Gruppe? Diese Frage kann in einzelnen Bereichen sinnvoll sein. Sie wird jedoch problematisch, wenn sie jede andere Frage verdrängt: Welche Lasten tragen Männer? Wo sind sie rechtlich, institutionell oder kulturell schlechter gestellt? Welche Jungen verlieren früh den Anschluss, weil ihre Bedürfnisse im Bildungssystem nicht ernst genommen werden?

Ein Staat, der Gleichstellung ernst meint, darf Belastungen nicht deshalb ignorieren, weil sie Männer treffen. Wehrpflichtdebatten, gefährliche Berufe, geringere Lebenserwartung, fehlende Schutzplätze für männliche Gewaltopfer und die geringe Sichtbarkeit männlicher Opfer sexualisierter Gewalt sind keine Nebenschauplätze. Sie berühren den Kern staatlicher Schutzpflicht.

Kritik an feministischer Gleichstellungspolitik heißt: Maßstäbe prüfen

Die zentrale Kritik richtet sich nicht gegen einzelne Frauen und auch nicht gegen jede feministische Position. Sie richtet sich gegen ein politisches System, das sich zu oft selbst kontrolliert, seine Grundannahmen selten offenlegt und abweichende Perspektiven als Rückschritt abwertet. Wer auf eine Benachteiligung von Männern hinweist, erlebt nicht selten eine reflexhafte Abwehr: Das sei Ablenkung, Relativierung oder Antifeminismus.

Das ist keine offene Debattenkultur. Es ist ein rhetorischer Schutzschild für etablierte Deutungsmacht. Gleichstellungspolitik muss sich aber ebenso kritisch prüfen lassen wie Bildungs-, Sozial- oder Gesundheitspolitik. Welche Mittel fließen wohin? Welche Zielgruppen profitieren? Welche Probleme werden erhoben, welche gar nicht erst erfasst? Und warum existieren für manche Opfergruppen flächendeckende Strukturen, für andere aber kaum sichtbare Anlaufstellen?

Ein besonders deutliches Beispiel ist Gewaltpolitik. Wenn Gewalt gegen Frauen zu Recht als gesellschaftliches Problem benannt wird, muss Gewalt gegen Männer ebenfalls konsequent erfasst, erforscht und bekämpft werden. Männliche Opfer brauchen Schutz, Beratung und eine Ansprache, die sie nicht beschämt. Wer Gewalt ausschließlich durch das Schema männlicher Täter und weiblicher Opfer erklärt, macht reale Betroffene unsichtbar. Das ist nicht nur fachlich schwach, sondern für die Betroffenen bitter.

Väterrechte sind keine Sonderforderung

Auch im Familienrecht zeigt sich, wie schnell Gleichstellung zur rechtlichen Mogelpackung werden kann. Väter werden öffentlich gern als gleichberechtigte Eltern angesprochen. Nach Trennung und Scheidung erleben viele jedoch, dass ihre Bindung zum Kind von Verfahren, Konfliktdynamiken und institutionellen Routinen abhängig gemacht wird, die sie kaum beeinflussen können.

Natürlich gibt es hochstrittige Fälle, Fälle von Vernachlässigung und Fälle, in denen ein Elternteil das Kind schützen muss. Gerade deshalb braucht es sorgfältige Einzelfallprüfung. Aber der Schutzgedanke darf nicht zur pauschalen Verdächtigung von Vätern werden. Ein engagierter Vater ist kein Besucher im Leben seines Kindes. Gleichstellung im Familienrecht bedeutet, Elternverantwortung nicht nach überlieferten Rollenbildern zu verteilen und das Recht des Kindes auf tragfähige Beziehungen zu beiden Eltern ernst zu nehmen.

Die staatliche Infrastruktur ist einseitig gewachsen

Über Jahrzehnte ist in Deutschland eine umfangreiche Gleichstellungsinfrastruktur entstanden: Beauftragte, Förderlinien, Beratungsstellen, Aktionspläne und Forschungsprojekte. Vieles davon trägt ausdrücklich oder faktisch eine feministische Handschrift. Eine eigenständige, vergleichbar ausgestattete Männer- und Jungenpolitik existiert dagegen nur punktuell.

Das ist kein Zufall, sondern Ergebnis politischer Prioritäten. Männerpolitik wird häufig nicht als eigenständiges Feld verstanden, sondern als Ergänzung zur Frauenpolitik. Männer sollen dann vor allem lernen, fürsorglicher zu werden, Gewalt abzulehnen oder traditionelle Rollen zu reflektieren. Das kann Teil sinnvoller Arbeit sein. Es reicht aber nicht aus, wenn Männer zugleich Opfer, Patienten, Väter, Schüler, Arbeitnehmer oder sozial Benachteiligte sind.

Eine seriöse Politik würde deshalb nicht fragen, wie Männer in ein vorgegebenes feministisches Programm passen. Sie würde fragen, welche Probleme Jungen und Männer tatsächlich haben, welche Daten fehlen und welche Hilfen wirksam sind. Dafür braucht es unabhängige Forschung, männergerechte Ansprache und Institutionen, die nicht zuerst beweisen müssen, dass Männer eigentlich das Problem sind.

Was eine faire Geschlechterpolitik anders machen würde

Eine geschlechtergerechte Politik muss beide Seiten des Geschlechterverhältnisses sehen. Sie muss Ungleichheiten konkret beschreiben, statt sie aus Ideologie abzuleiten. Bei Bildung hieße das: Jungenförderung nicht als Störung der Mädchenförderung zu behandeln. Bei Gewalt hieße es: Hilfen nach Bedarf auszubauen, statt Opferhierarchien zu pflegen. Im Familienrecht hieße es: die Eltern-Kind-Bindung beider Eltern als Ausgangspunkt zu schützen.

Dazu gehört auch Symmetrie bei Sprache und rechtlichen Maßstäben. Wenn sexistische Abwertung gegenüber Frauen inakzeptabel ist, gilt das ebenso für abwertende Zuschreibungen über Männer. Wenn geschlechtsspezifische Gesundheitsangebote sinnvoll sein können, dann für Männer wie für Frauen. Wenn politische Repräsentation diskutiert wird, müssen auch Bereiche betrachtet werden, in denen Männer kaum vorkommen oder wegen ihrer Geschlechtszugehörigkeit pauschal problematisiert werden.

Gleichheit entsteht nicht dadurch, dass eine Gruppe dauerhaft als Schutzobjekt und die andere dauerhaft als Schuldgruppe behandelt wird. Das produziert Ressentiment statt Vertrauen. Eine freie Gesellschaft braucht den Mut, Interessenkonflikte auszusprechen, ohne Menschen wegen ihres Geschlechts moralisch festzulegen.

MANNdat steht deshalb für eine Männerpolitik, die nicht um Erlaubnis bittet, offensichtliche Missstände zu benennen. Wer Jungen, Männern und Vätern eine Stimme geben will, sollte dort nachfragen, wo öffentliche Mittel, gesetzliche Regeln und institutionelle Routinen einseitig wirken. Nicht jedes Problem hat dieselbe Ursache, nicht jede Forderung ist sofort umsetzbar. Aber Schweigen ist keine Gleichstellungspolitik. Es ist ihre bequemste Ausrede.

Der nächste faire Schritt beginnt mit einer einfachen Frage: Würde man dieselbe Regel, dieselbe Finanzierungslücke oder dieselbe öffentliche Gleichgültigkeit auch akzeptieren, wenn die Betroffenen Frauen wären? Wer diese Frage ehrlich beantwortet, sieht schnell, wo aus Gleichstellung einseitige Politik geworden ist.

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