0 % Männeranteil als Indikator für erfolgreiche Gleichstellung

von MANNdat

Luna Vandoorne / Shutterstock
Obwohl es mehr arbeitslose Männer als Frauen gibt, bleibt die Gleichstellungspolitik lediglich auf Frauen ausgerichtet

Es gibt in Berlin mehr männliche als weibliche Arbeitslose, und weniger männliche Lehrer. Die Lebenserwartung von Männern ist geringer als die von Frauen, und es gibt mehr männliche als weibliche Gewaltopfer. Trotzdem endet die Gleichstellungspolitik nach wie vor dort, wo Jungen, Väter und Männer die schlechteren Quoten haben. Die Gleichstellungspolitik in Deutschland bleibt verlogen.

Darauf sind sie stolz: ‚Mit Fug und Recht können wir sagen: Berlin ist eine Stadt der Frauen‘, sagte die SPD-Politikerin Dilek Kolat bei der Vorstellung des Gleichstellungsberichts und nannte gegenüber der Berliner Zeitung einige Zahlen:

Der Anteil der Professorinnen betrüge 31,4 Prozent (zum Vergleich im Bund: 22,7 Prozent). Es gäbe ziemlich genau so viele Richterinnen wie Richter. In der Regierungszentrale läge der Frauenanteil im höheren Dienst sogar knapp über 50 Prozent.

In vielen Bereichen sei das Ziel erreicht, so die Gleichstellungssenatorin weiter; Männer und Frauen seien zu annähernd gleichen Anteilen vertreten, aber: ‚Es ist noch etwas Luft nach oben. (…)‘
(Internetzeitung FreieWelt.net vom 04.09.2017)

Was Frau Kolat verschweigt, ist, dass es in Berlin aber auch 17 % mehr männliche als weibliche Arbeitslose (2016) gibt, 25 % mehr ausländische Jungen als Mädchen ohne Schulabschluss und 34 % mehr deutsche Jungen als Mädchen ohne Schulabschluss (2015), 65 % weniger männliche als weibliche Lehrer gibt, die Lebenserwartung von Männern um 5,3 Jahre geringer als die von Frauen (2015) ist und es 65 % mehr männliche als weibliche Gewaltopfer (2015) gibt und der Anteil von Männern an der Elternzeit bei lediglich 12 % liegt.

All diese Gender Gaps interessieren Frau Kolat nicht. Es ist ein Charakteristikum von Gleichstellungspolitik, dass sie dort endet, wo Jungen, Väter und Männer die schlechteren Quoten haben. Gleichstellungspolitik ist verlogen, war verlogen und wird in naher Zukunft verlogen bleiben.

Förderung für Frauen, dumme Sprüche für Männer

In Treptow-Köpenick bewerben sich mitunter aber gar keine Männer für Spitzenpositionen, sagte Bürgermeister Oliver Igel (SPD) der Berliner Zeitung. ‚Das kommt häufiger vor. In meiner Abteilung arbeiten ausschließlich Frauen als Amtsleiter.‘ Einen Männerförderplan brauche sein Bezirk aber nicht, sagte Igel.

(…) Im übrigen entspreche die Frauenquote in der Führung der Zusammensetzung der Belegschaft. ‚Rund zwei Drittel unserer Mitarbeiter sind Frauen‘, sagte Igel.

Warum er bei 0 % Männeranteil in Amtsleiterpositionen keinen Männerförderplan brauche, obwohl Politiker Gleichberechtigung an Geschlechterquoten messen und Politiker versichern, dass Gleichstellung auch für Männer gelte, erläutert Herr Igel nicht. Denn 0 % heißt gar nichts. Es gibt keinen einzigen männlichen Amtsleiter in seinem Bezirk. Herr Igel scheint zu verdrängen, dass 0 % Männer in Amtsleiterpositionen keineswegs einem Drittel Männeranteil entsprechen. Klar ist auch, dass, wenn ein Bürgermeister bei 0 % Frauenanteil bei Amtsleiterposten behaupten würde, es bedürfe keines Frauenförderplanes, dies das Ende seiner politischen Karriere wäre.

Wollte Gender Mainstreaming nicht beide Geschlechter gleichberechtigt in den Blick nehmen? Nach Gender Mainstreaming müsste Herr Igel eine sozioökonomische Analyse veranlassen und eruieren, an was es liegt, dass sich nur halb so viele Männer wie Frauen in seinem Amt finden und sich nicht mehr auf Spitzenpositionen bewerben (gut, dazu braucht es keine Analyse, das erklärt die Frauenquote), und Maßnahmen erarbeiten, die Geschlechterquoten sicher und nachhaltig auszugleichen (z. B. die Frauenquoten einfach abschaffen).

Okay, ein dummer Spruch ist billiger – und tut‘s für Männer auch. Zumindest so lange die sich das bieten lassen. Gleichberechtigung ist etwas Tolles. Schade, dass sie nur für Frauen gilt.

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Lesermeinungen

  1. Von Thomas Schmidt

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  2. Von Marc

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  3. Von Marc Prager

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