„Häusliche Gewalt ist die häufigste Verletzungsursache von Frauen“

von MANNdat

Die Aussage, häusliche Gewalt sei die häufigste Todesursache für Frauen, scheint sogar mancher Feministin ein wenig zu phantastisch vorzukommen, weswegen man alternativ häufiger auf die abgemilderte Version stößt, die da lautet, häusliche Gewalt sei zumindest für die meisten Verletzungen von Frauen verantwortlich. Als Quelle für diese Behauptung kann das Buch „Backlash – Die Männer schlagen zurück“ gelten, das die US-amerikanische Feministin Susan Faludi 1993 veröffentlichte und in dem es heißt, die Misshandlung durch den Ehemann sei in den USA die häufigste Verletzungsursache bei Frauen.

Für die Richtigkeit dieser These finden sich jedoch keinerlei gesicherten Belege. Vieles deutet eher darauf hin, dass auch solche Behauptungen auf der kreativen Interpretation von Statistiken und der großzügigen Auslegung des Begriffs „Gewalt“ beruhen. Elisabeth Badinter merkt hierzu an: „Die Nationale Untersuchung zur Gewalt gegen Frauen in Frankreich (Population & sociétés, Januar 2001) macht einen globalen Index von 10% für die gegen die Französinnen gerichtete Partnergewalt geltend, die sich seltsamerweise folgendermaßen zusammensetzt: Beschimpfungen und verbale Drohungen (4,3%), emotionale Erpressung (1,8%), Ausübung psychischen Drucks (37%), körperliche Angriffe (2,5%), davon wiederholt (1,4%), Vergewaltigungen und andere erzwungene sexuelle Praktiken (0,9%). Journalisten und Politiker übersetzen: 10% der Frauen in Frankreich werden geschlagen. Jahr für Jahr am 8. März dürfen wir uns diese falsche Behauptung anhören, ohne dass jemand auf den Gedanken käme, sich die Zahlen genauer anzuschauen oder sie zu berichtigen.“

In einem Bericht des US-amerikanischen „Centers for Disease Control“ wurden Verletzungsursachen, die zu Notaufnahmen in Krankenhäusern führten, ausgewertet. Das statistische Material zeigt, dass häusliche Gewalt an letzter Stelle der Verletzungsursachen steht. Die meisten Notaufnahmen waren Resultate von gefährlichen Stürzen (26,9%) und Autounfällen (13,4%). Es folgen weitere Verletzungsursachen, erst zum Schluss dann Mord, Totschlag und Körperverletzungen mit einem Anteil von 4,1% an allen Verletzungen von Frauen. Häusliche Gewalt machte dabei nur einen Bruchteil der letzteren Erscheinung aus (Quelle: Women’s Freedom Network Newsletter, Frühjahr 1997, Vol.4. Nr.2).

Für Deutschland können die Befunde des Bundesgesundheitssurveys 1998 als vergleichsweise umfassendste und aktuellste Information zu dieser Thematik gelten. Hierbei wurde eine repräsentative Bevölkerungsgruppe im Alter von 18 bis 79 Jahren u.a. danach gefragt, ob sie innerhalb der letzten 12 Monate eine Verletzung oder Vergiftung erlitten hatte, die ärztlich versorgt werden musste, ferner wurden Informationen über Verletzungsart, Schweregrad (Arbeitsunfähigkeit) und Unfallort gesammelt.

11,9 % der Befragten haben dieser Untersuchung zufolge innerhalb eines Jahres eine Verletzung oder Vergiftung durch einen Unfall erlitten, weitere 0,3 % durch Gewalt. Das heißt: bei lediglich 0,3 Prozent aller Menschen (Männer und Frauen), die damals in Deutschland eine Verletzung erlitten hatten, war Gewalt die Ursache. Wobei dabei noch nicht einmal nach häuslicher und sonstiger Gewalt unterschieden wurde.

Natürlich stehen alle diese Angaben unter dem Vorbehalt einer beträchtlichen Dunkelziffer, denn bei weitem nicht jede Person, die wegen einer durch eine Gewalthandlung erlittenen Verletzung ins Krankenhaus muss, traut sich, dies zuzugeben. Allerdings ist diese Dunkelziffer nicht geschlechtsspezifisch, denn auch – ja, sogar vor allem –  Männer schämen sich bekanntlich zuzugeben, dass sie von einer Frau körperlich verletzt worden sind. Wenn auf einen Mann, der einräumt, Opfer häuslicher Gewalt geworden zu sein, deren neun Frauen kommen (siehe Abschnitt „Nur 5-10 Prozent der Opfer sind Männer“), muss man sogar annehmen, dass weit mehr Männer als Frauen gegenüber Ärzten und Krankenhauspersonal die Unwahrheit über die Ursache ihrer Verletzung sagen.

In letzter Zeit gibt es immer mehr Kampagnen, die das Ziel haben, medizinisches Personal dahingehend zu schulen, Verletzungen von Frauen (und nur von Frauen) durch häusliche Gewalt besser als solche zu erkennen und die Opfer gleich auf entsprechende Hilfsangebote hinzuweisen. Dass auch bei Männern genauer hingeschaut werden soll, ob ihre Verletzungen nicht vielleicht doch durch eine gewalttätige Partnerin verursacht worden sind, ist den Presseberichten nicht zu entnehmen – es könnte das Tabu von der friedfertigen Frau zu sehr gefährden.

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Bildquelle: (c) S. Hofschläger/www.pixelio.de

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