„Jede vierte (jede dritte) Frau wird Opfer häuslicher Gewalt“

von MANNdat

Wenn es in diversen Schlagzeilen immer mal wieder heißt, jede vierte Frau werde Opfer häuslicher Gewalt, dann suggeriert das dem Leser, jede vierte Frau in Deutschland bekäme regelmäßig (vielleicht sogar jeden Abend) Prügel von ihrem Mann. Das wären immerhin 10 bis 11 Millionen ständige Opfer männlicher Gewalt.

Natürlich ist diese Interpretation falsch. Jede vierte Frau ist laut dieser Studien vielmehr im Laufe ihres Lebens irgendwann einmal betroffen, vielleicht nur ein einziges Mal, vielleicht häufiger. Hinzu kommt, dass in den Erhebungen der Gewaltbegriff sehr weit gefasst ist. Wie bereits in der Einleitung erwähnt, genügt es, einmal im Leben von einem Mann wütend weggeschubst worden zu sein, um in dieser Statistik aufzutauchen.

Wer allerdings nur die Überschriften liest und nicht den Text, der solche Aussagen (sofern überhaupt) näher erläutert, wird womöglich empört, schockiert und betroffen reagieren, bekräftigt in seiner Auffassung, Frauen werde hierzulande von Männern besonders übel mitgespielt. Reaktionen, welche denjenigen, die die Gewalt von Männern an Frauen für ihre Zwecke instrumentalisieren, natürlich nur allzu gelegen kommen.

Die Wirklichkeit sieht indes weit differenzierter aus. Laut einer repräsentativen Studie des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2007 (siehe auch Einleitung) wurde mindestens jede vierte der 10.000 befragten Frauen zwischen 16 und 85 Jahren im Laufe ihrer Partnerschaft von ihrem Mann geschlagen oder musste sexuelle Übergriffe über sich ergehen lassen. Bezieht man die Zahl der Vorfälle auf den Zeitraum von 70 Lebensjahren, so ergibt sich, rein statistisch, für jede Frau pro Jahr eine Wahrscheinlichkeit von rund 0,36 Prozent, Opfer häuslicher Gewalt zu werden. Das ist etwas mehr als ein Hundertstel jener 25 Prozent, die angeblich betroffen sind. Selbst wenn man zugesteht, dass viele Frauen im Laufe ihres Lebens häufiger Gewalt erleben als nur einmal, tut sich dennoch eine riesige Kluft zwischen Realität und Propaganda auf.
Zu beachten ist ferner, dass nicht jede Gewalthandlung gleich eine schwere ist. Legt man die in der Einleitung genannten Zahlen der KFN-Studie von 1992 zugrunde (1,59 Mio. weibliche und 1,49 Mio. männliche Opfer physischer Gewalt insgesamt, 246.000 Frauen und 214.000 Männer von schwerer häuslicher Gewalt betroffen), dann ergibt sich ein Anteil schwerer Gewalthandlungen von ca. 15 Prozent. Auch wenn „schwere Gewalt“ je nach Studie unterschiedlich definiert wird, so ist doch der allergrößte Teil der Auseinandersetzungen sicherlich eher den leichteren Fällen zuzuordnen.

Dass jede vierte Frau von häuslicher Gewalt betroffen sei, gilt für Deutschland und basiert auf der repräsentativen Untersuchung zu „Gewalt gegen Frauen in Deutschland“ vom Bundes-Frauenministerium aus dem Jahr 2007 (siehe Einleitung). Weltweit soll sogar jede dritte Frau betroffen sein. Als Quelle wird oft die Studie „Facts and Figures on violence against women“ der UN-Frauenorganisation UNIFEM (seit Januar 2011 UN Women) genannt. Dort heißt es wörtlich: „Mindestens eine von drei Frauen weltweit wurde im Laufe ihres Lebens geschlagen, zum Sex gezwungen oder auf andere Weise misshandelt, wobei es sich beim Misshandelnden für gewöhnlich um eine ihr bekannte Person handelte.“

Die Fragwürdigkeit solcher Aussagen beginnt bereits damit, dass sie kein Wort über eine Vergleichszahl betroffener Männer verliert. Die französische Feministin Elisabeth Badinter merkt hierzu in ihrem Essay „Die Wahrheit über Partnergewalt“ an: „Die uns zur Verfügung stehenden Untersuchungen, sowohl in Frankreich als auch in Europa, insbesondere diejenigen des Europarats, scheinen mir an vielen Stellen lückenhaft und folglich befangen. Sie sind lückenhaft, weil sie nur Frauen als Opfer erfassen. Man hat sich durchweg und bewusst dafür entschieden, nicht wissen zu wollen, ob es männliche Opfer gibt. Die für diese Auslassung vorgebrachte Begründung ist immer dieselbe. Sie besteht aus zwei Argumenten: wir haben keine Statistiken, aber wir haben gute Gründe für die Annahme, dass Partnergewalt zu 98% von Männern ausgeht.“

Wir erfahren ferner nicht, wie sich diese „mindestens 33 Prozent weltweit“ zusammensetzen. Wieviele Frauen wurden denn nun geschlagen (und von wem?), wieviele zum Sex gezwungen, wieviele „auf andere Weise misshandelt“ – und was genau steckt hinter dieser Formulierung? Auf der genannten Webseite sind u.a. Genitalverstümmelung, Ehrenmorde, Zwangsheirat, Frauenhandel und Gewalt in bewaffneten Auseinandersetzungen genannt. Müsste man nicht das eine oder andere von den 33 Prozent geschundener Frauen weltweit abziehen, wenn man sich nur auf das Thema „häusliche Gewalt durch den Partner“ konzentriert, um das es ja in erster Linie geht?

Und schließlich: Wer sagt eigentlich, dass die „ihr bekannte Person“, die diese Misshandlung vorgenommen hat, ein Mann war? Genitalverstümmelung zum Beispiel ist eine Praxis, die von Frauen an Mädchen ausgeübt wird. Und auch häusliche Gewalt muss nicht zwangsläufig von einem männlichen Familienangehörigen ausgehen, sondern kann genauso gut auf das Konto von Schwester, Mutter, Tochter oder lesbischer Lebenspartnerin gehen.

Die UNIFEM-Statistik wirft also mehr Fragen auf, als sie zu beantworten vermag. Dennoch ist sie mit ihren fragwürdigen Daten fester Bestandteil vieler Kampagnen „gegen Gewalt an Frauen“. Was die Journalistin Sabine Beppler wie folgt kommentiert: „Das eigentlich Skandalöse an der offiziellen Kampagne ‚gegen Männergewalt‘ ist, dass sie sich auf Angaben stützt, die völlig aus der Luft gegriffen sind. Selbst Verfechter der Kampagne müssen zugeben, dass ihre Zahlen, jede dritte Frau erleide häusliche Gewalt, durch keine Statistik zu belegen sind. Bekannt ist lediglich, dass jährlich 2500 ‚seelisch und körperlich misshandelte Frauen‘ Zuflucht in den sechs Berliner Frauenhäusern suchen – das sind weniger als 0,2 Prozent der in Berlin lebenden Frauen.

Die Behauptung, in Deutschland sei jede dritte Frau von häuslicher Gewalt betroffen, ist eine fast hundertfache Übertreibung und abstruse Konsequenz eines inflationären Gebrauchs des Gewaltbegriffs. (…) Unter Gewalt wird hier so ziemlich alles subsumiert, was in einer Zweierbeziehung auftreten kann und nicht als eindeutig harmonisch zu bezeichnen ist. (…)

Dadurch, daß alles als Gewalt bezeichnet wird, werden die wirklichen Fälle von Gewalt abgewertet, da sie ihren Charakter als besonders brutale Einzeltaten verlieren.“ (Novo-Magazin)

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Bildquelle: (c) S. Hofschläger/www.pixelio.de

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