Täterinnen Teil 2: Sprachliche Schutzschilde – Wie weibliche Gewalt verharmlost wird
Täterinnen Teil 2: Sprachliche Schutzschilde – Wie weibliche Gewalt verharmlost wird
Wer das Tabu weiblicher Gewalt anspricht, stößt in Diskussionen oft auf ungläubiges Kopfschütteln. Das hat einen einfachen Grund: Unsere Wahrnehmung wird im Alltag durch mächtige psychologische Filter und gezielte rhetorische Muster gesteuert. Während männliche Aggression mediale Dauerpräsenz genießt, verdeckt ein dichtes Geflecht aus sprachlichen Schutzschilden die Existenz weiblicher Täterinnen. Wie schaffen es Ideologie und Medien, die Taten von Frauen systematisch zu marginalisieren? Ein Blick auf die drei effektivsten Mechanismen der Verharmlosung.
Um zu verstehen, warum die Gesellschaft beim Thema „Täterin Frau“ wegsieht, muss man die Werkzeuge analysieren, mit denen dieser blinde Fleck künstlich aufrechterhalten wird.
Das moralische Schutzschild: Die strategische Verknüpfung „Frauen und Kinder“
Es ist eine der am häufigsten genutzten Phrasen in der Politik und der humanitären Berichterstattung: „Unter den Betroffenen waren vor allem Frauen und Kinder.“ Was im Kontext von Krisen und Kriegen als Beschreibung schutzbedürftiger Zivilisten historisch gewachsen ist, erfüllt im modernen Gewaltdiskurs eine hochgradig manipulative Funktion.
Durch die permanente sprachliche Kopplung von „Frauen und Kinder“ zu einer untrennbaren, homogenen Opfereinheit passiert im Unterbewusstsein des Medienkonsumenten etwas Fatales: Die absolute, biologisch und sozial bedingte Unschuld des Kindes wird argumentativ auf die Gruppe der erwachsenen Frauen übertragen. Das Kind fungiert hier als moralischer Schutzschild.
Die Realität im häuslichen Nahraum sieht jedoch völlig anders aus: Zwischen einer erwachsenen Frau und einem Kleinkind existiert ein massives Machtgefälle. Da Frauen statistisch den Bärenanteil der Kindererziehung leisten, sind sie es auch, die in den eigenen vier Wänden die primäre Machtposition gegenüber Kindern innehaben – und diese, wie kriminologische Studien zeigen, eben auch missbrauchen [Döge; siehe aber auch Quellen zu Teil 1 dieser Reihe]. Der Sammelgriff „Frauen und Kinder“ nivelliert diese Asymmetrie komplett. Er stellt eine Personengruppe, die statistisch eine der Tätergruppen bei häuslicher Kindesmisshandlung und Vernachlässigung darstellt, sprachlich auf eine Stufe mit den absolut wehrlosen Opfern. Die Frau wird durch die argumentative Fusion mit dem Kind präventiv reingewaschen.
Die visuelle Asymmetrie: Der Fokus auf blaue Flecken
Ein weiterer Grund für die Verharmlosung liegt in der unterschiedlichen Natur, wie Männer und Frauen Aggressionen ausleben. Das Strafrecht und die mediale Berichterstattung reagieren historisch am sensibelsten auf das, was sofort sichtbar ist: schwere physische Gewalt, Blut und Knochenbrüche. Da Männer im biologischen Schnitt über mehr Muskelmasse verfügen, hinterlässt ihre körperliche Gewalt oft gravierendere, sichtbare Spuren.
Es gibt aber relationale, psychische und strukturelle Gewaltformen, die keine solche direkt erkennbaren Spuren hinterlassen. Hierzu zählen:
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Systematisches Gaslighting: Das gezielte In-Verzweiflung-Bringen des Partners, bis dieser an der eigenen Wahrnehmung zweifelt.
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Soziale Isolation: Das Abschneiden des Mannes von Freunden, Familie und finanziellen Ressourcen.
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Eltern-Kind-Entfremdung (Parental Alienation): Die gezielte psychische Manipulation des gemeinsamen Kindes, um den Vater aus dem Leben des Kindes zu drängen und ihn psychisch zu vernichten.
Diese Gewaltformen hinterlassen keine blauen Flecken, weshalb sie in der Öffentlichkeit oft als banaler „Ehestreit“ oder „Beziehungsclinch“ abgetan werden. Die psychischen Folgen für die Opfer – ob Ehemänner oder die betroffenen Kinder – sind jedoch nachweislich verheerend und führen nicht selten zu chronischen Traumata und Depressionen [Ahlers]. Da unsere Gesellschaft Gewalt jedoch fälschlicherweise rein physisch definiert, bleibt der weibliche Terror unsichtbar.
Der ideologische Filter: Gewalt als männliches Privileg
In weiten Teilen der aktuellen soziopolitischen Debatte ist ein dogmatisches Theoriegebäude verankert, das auf einer einfachen Gleichung basiert: Gewalt = Macht + Privileg. In diesem stark feministisch geprägten Modell wird Gewalt primär als Werkzeug patriarchaler Unterdrückung definiert, mit dem Männer ihre Vormachtstellung über Frauen sichern wollen.
Dieses Modell hat eine eingebaute Sperrfunktion für die Realität: Da Frauen in dieser Theorie als die strukturell unterdrückte Gruppe definiert sind, können sie definitionsgemäß keine Täterinnen im strukturellen Sinne sein. Übt eine Frau dennoch Gewalt aus, wird diese durch den ideologischen Filter sofort uminterpretiert – entweder als „reine Notwehr“ gegen ein vermeintlich patriarchales System oder als „psychische Ausnahmesituation“ (wie eine Wochenbettdepression) aufgrund mangelnder gesellschaftlicher Unterstützung. Die Struktur wird geschont, die Täterin entlastet, die individuelle Schuld marginalisiert.
Fazit: Wer Täterinnen schützt, opfert Menschenrechte
Die sprachlichen Schutzschilde funktionieren perfekt: Sie bedienen unser tradiertes Erziehungsmuster, dass Frauen das „schwache, fürsorgliche Geschlecht“ seien. Doch wer aus Angst vor der Zerstörung dieses Dogmas die Augen vor weiblicher Gewalt verschließt, betreibt Täterschutz. Er nimmt Täterinnen aktiv aus der Verantwortung und liefert ihre Opfer – wehrlose Kinder, schweigende Männer und auch andere Frauen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen – bereitwillig ihren Peinigerinnen aus.
Im nächsten Teil unserer Reihe „Der Zerrspiegel der Medien – Reale Beispiele für die Verharmlosung“ verlassen wir die Theorie und schauen uns konkrete Fallbeispiele aus der deutschen Presse und der Unterhaltungsindustrie an. Wir zeigen auf, wie aus schwerem sexuellem Missbrauch durch Frauen im Handumdrehen eine „romantische Affäre“ gebastelt wird.
Quellen
Schahrzad, Farrokhzad (2011): Die Konstruktion des Opfers. Zur Begriffsgeschichte und zum politischen Gebrauch von „Frauen und Kinder“. In: Kritische Justiz, Jg. 44, Heft 2, S. 182–195
Ahlers, Christoph J. et al. (2014): Gewalt gegen Männer in Partnerschaften. Eine empirische Untersuchung über das Ausmaß von psychischer und physischer Gewalt. In: Kriminologisches Journal, 46. Jg., S. 92–111
Döge, Jens (2019): Frauen als Täterinnen bei Gewalt in der Familie. Kriminologische Analysen und empirische Befunde zu Müttern als Täterinnen von Kindesmisshandlung. Kölner Schriften zur Kriminologie
Quelle Beitragsbild: KI-generiert mit Google Gemini
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