Täterinnen Teil 3: Der Zerrspiegel der Medien – Reale Beispiele für die Verharmlosung

von Manndat
Täterinnen Teil 3: Der Zerrspiegel der Medien – Reale Beispiele für die Verharmlosung

Dass weibliche Gewalt in unserer Gesellschaft systematisch marginalisiert wird, liegt nicht an einem Mangel an Vorfällen. Es liegt daran, wie diese Vorfälle verpackt werden. Wenn Männer Gewalt ausüben, greifen die Mechanismen des Rechtsstaats und der moralischen Empörung – völlig zu Recht. Wenn Frauen exakt dieselben Taten begehen, schaltet die mediale Berichterstattung und die Unterhaltungsindustrie in einen Modus der Verharmlosung, Euphemisierung oder gar Romantisierung. Ein Blick auf die realen Muster unseres alltäglichen Medienkonsums.

Um zu verstehen, wie tief das falsche Bild in den Köpfen verankert ist, muss man das mediale Framing analysieren. Drei prägnante Beispiele aus der Realität zeigen, wie der doppelte Standard funktioniert.

Das Tötungsdelikt: „Kaltblütiger Mord“ versus „Tragödie der Überforderung“

Nichts dokumentiert die Asymmetrie in der Berichterstattung so drastisch wie der Umgang mit schwersten Gewalttaten gegen Kinder (Infantizid). Wenn ein Vater seine Kinder tötet, sprechen die Schlagzeilen korrekterweise von einer „grausamen Tat“, von „Mord“ oder einem „brutalen Verbrechen“. Der Fokus liegt auf der Schuld des Täters und dem unermesslichen Leid der Opfer.

Dreht sich die Situation um und eine Mutter tötet ihre eigenen Kinder, verschiebt sich das sprachliche Framing psychologisch subtil, aber wirkungsvoll:

Schlagzeilen lauten dann oft: „Mutter im psychischen Ausnahmezustand tötet Babys“ oder „Verzweifelte Mutter wählte den Freitod für sich und ihre Kinder“.

Der Effekt: Die Tat der Frau wird sprachlich entlastet. Sie wird nicht als aktive, grausame Gewalthandlung geframt sondern als das tragische, fast zwangsläufige Resultat von „Verzweiflung“, „Wochenbettdepression“ oder „mangelnder gesellschaftlicher Unterstützung“. Die Verantwortung wird unbewusst von der Täterin auf die äußeren Umstände verlagert. Die Frau wird im selben Atemzug mit ihren Opfern bemitleidet.

Der sexuelle Missbrauch: „Pädokriminalität“ versus „Verbotene Affäre“

Noch unerträglicher zeigt sich der doppelte Standard im Bereich des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen. Geht ein männlicher Lehrer eine sexuelle Beziehung zu einer minderjährigen Schülerin ein, titeln die Medien vollkommen zurecht mit Begriffen wie „Missbrauchstäter“, „Grooming“ oder „Pädokrimineller“.

Tritt eine Lehrerin als Täterin auf und vergeht sich an einem männlichen Teenager, kollabiert der moralische Kompass der Berichterstattung regelmäßig: Medien und Boulevardblätter nutzen in diesen Fällen systematisch romantisierende Euphemismen wie „Die verbotene Liebe im Klassenzimmer“, „Lehrerin verfällt jüngerem Schüler“ oder „Süße Affäre auf der Klassenfahrt“.

Der Effekt: Der schwere sexuelle Missbrauch und die massive psychische Manipulation (Grooming) eines Kindes oder Jugendlichen durch eine erwachsene Respektperson werden zu einer hollywoodreifen Romanze verklärt. Dem männlichen Opfer wird im gesellschaftlichen Diskurs oft sogar noch unterstellt, er habe „Glück gehabt“, eine attraktive ältere Frau zu intimem Umgang zu bewegen. Der traumatische Charakter des Missbrauchs wird komplett ausgelöscht.

Partnerschaftsgewalt im Fernsehen: „Gewalt als Comedy“

Während physische und psychische Gewalt von Männern gegen Frauen in Filmen, Serien und Talkshows – richtigerweise – als absolut tabuisiertes und dramatisches Verbrechen dargestellt wird, gilt Gewalt von Frauen gegen Männer in der Unterhaltungsindustrie bis heute als legitimes humoristisches Element.

In zahlreichen Sitcoms und Komödien ist es ein etablierter Running Gag, dass eine Frau ihrem Partner im Streit eine schallende Ohrfeige verpasst, ihn mit Gegenständen bewirft oder ihn vor versammelter Mannschaft systematisch demütigt oder – der Klassiker – in den Unterleib tritt. Das Publikum lacht per Knopfdruck.

Die psychologische Ursache: Da der Mann physisch meist überlegen ist, wird die Tat als „harmlos“ wahrgenommen. Es wird davon ausgegangen, dass ihm „ja nichts passieren kann“.

Die Realität: Diese mediale Dauerberieselung erzeugt ein gesellschaftliches Klima, in dem betroffene Männer im realen Leben psychisch vernichtet werden. Wenn ein Mann nach jahrelanger psychischer Misshandlung durch seine Ehefrau schlussendlich die Polizei ruft, wird dies in Lokalzeitungen oft als banaler „Ehestreit eskaliert“ heruntergestuft.

Warum Erziehung dieses Zerrbild zementiert

Diese medialen Muster funktionieren nur deshalb so reibungslos, weil sie an unsere tief verankerten Erziehungsmuster andocken. Jedem Jungen wird von klein auf beigebracht: „Man schlägt keine Frauen!“ – ein moralischer Grundsatz, der absolut richtig und wichtig ist.

Im kollektiven Unterbewusstsein wurde dieser Satz jedoch fatalerweise umgedeutet in: „Frauen schlagen nicht.“ Das führt dazu, dass reale Opfer weiblicher Gewalt ihren eigenen Sinnen nicht mehr trauen. Sie verharmlosen den Missbrauch vor sich selbst, suchen die Schuld bei den eigenen Unzulänglichkeiten und schweigen aus nackter Angst, gesellschaftlich als „Schwächling“ ausgelacht oder verhöhnt zu werden.

Im nächsten Teil unserer Reihe „Der Realitätscheck – Wie Gesetze und Hilfssysteme Männer und Kinder im Stich lassen“ schauen wir uns an, welche konkreten politischen und strukturellen Folgen diese mediale Gehirnwäsche hat. Wir analysieren das eklatante Ungleichgewicht bei den Zufluchtsstätten und die institutionelle Ausgrenzung von Männern im neuen Gewalthilfegesetz.

Quellen

Puchert, Ralf / Höyng, Stephan (Hrsg.) (2021): Die Darstellung von Geschlecht und Gewalt in den Medien. Ein kriminologisch-medienwissenschaftlicher Leitfaden. Wiesbaden: Springer VS.

Seith, Corinna (2013): Frauen als Täterinnen sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen. Erkenntnisse zu Vorkommen, spezifischen Folgen und Folgeerfahrungen für Betroffene. In: Zeitschrift für Jugendkriminalrecht und Jugendhilfe (ZJJ), Heft 4, S. 384–391.

Ahlers, Christoph J. et al. (2014): Gewalt gegen Männer in Partnerschaften. In: Kriminologisches Journal, 46. Jg., S. 92–111.

Quelle Beitragsbild: KI-generiert mit Google Gemini

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