Buchvorstellung: Alexander Ulfig, Wege aus der Beliebigkeit

von Alexander Ulfig (Gastbeiträge)

alexander-ulfig_wege-aus-der-beliebigkeit_150x200Die zunehmend elitär ausgerichteten Gendertheorie und die aus ihnen hervorgehenden Politikansätze des Gender-Mainstreaming bedürfen dringend der Korrektur im Sinne der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Ein geeignetes Mittel hierzu im Bereich der Arbeitswelt ist die Rückkehr zum Prinzip der Auswahl nach Qualifikation.

Buchvorstellung: Alexander Ulfig, Wege aus der Beliebigkeit. Alternativen zu Nihilismus, Postmoderne und Gender-Mainstreaming
Deutscher Wissenschafts-Verlag, Baden-Baden 2016.

Nihilismus führt zum Recht des Stärkeren

Ende des 19. Jahrhunderts verkündete der Philosoph Friedrich Nietzsche die Auflösung von zentralen Werten der westlichen Zivilisation. Den Prozess der Werteauflösung bezeichnete er als Nihilismus. Die bisherigen, aus dem Platonismus, dem Christentum und der Aufklärung stammenden Werte haben ihre Orientierungskraft verloren. Es handelt sich um Werte wie Wahrheit, Objektivität, Vernunft, Gleichheit und Gerechtigkeit. Nach Nietzsche gibt es keine Wahrheit, sondern nur unterschiedliche Perspektiven und Interpretationen. Der Wille zur Macht entscheidet darüber, welche Perspektive und Interpretation sich durchsetzt.

Nietzsche wendet sich gegen eine allgemeingültige, für alle Menschen geltende Moral und spricht sich für eine „Ethik der Vornehmheit“ aus, also für eine Ethik, die nur für eine Gruppe gelten soll. Eine Folge der Ablehnung von allgemeingültigen Werten und Normen ist eine skrupellose, vom Willen zur Macht geleitete Politik.

Dekonstruktion ist Ausdruck von Nihilismus

Die philosophische Postmoderne knüpft an den Nihilismus Nietzsches an und radikalisiert ihn. Auch sie möchte allgemeingültige Werte und Normen dekonstruieren. Wissen gilt für postmoderne Denker nur relativ zu dem jeweiligen sozio-kulturellen und historischen Kontext. Es gibt für sie keine allgemeingültige Wahrheit und keine Objektivität. Doch nicht nur theoretische, sondern auch praktische Werte wie Unabhängigkeit, Selbstbestimmung (Autonomie), Emanzipation, Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit werden von der Postmoderne dekonstruiert. Es sind zentrale Werte des Humanismus und der Aufklärung.

Die Verbreitung des postmodernen Relativismus beschränkt sich jedoch nicht nur auf kleine intellektuelle Zirkel, sondern findet auch Widerhall in vielen relevanten Bereichen der Gesellschaft, wie in der Politik, Wissenschaft und in den Medien. Konsequenzen davon sind skrupellose Machtpolitik und die Etablierung von partikularen Sonderrechten.

Gender ist die nihilistische Variante des Feminismus

Besonders deutlich zeigt sich der Einfluss des postmodernen Relativismus und Nihilismus in der Gendertheorie, einer Variante des Feminismus, und in der aus ihr folgenden Politik des GenderMainstreamings, die in Deutschland auch als Gleichstellungspolitik bezeichnet wird. Diese Politik verletzt zentrale Prinzipien der westlichen Gesellschaft wie das Leistungsprinzip sowie das Prinzip der Bestenauslese und verstößt gegen fundamentale Werte wie Gleichheit, Gerechtigkeit und Demokratie. Sie etabliert Sonderrechte für bestimmte Personengruppen.

Ein Paradebeispiel für diese skrupellose Machtpolitik ist die Quotenpolitik. Sie schafft Sonderrechte und Privilegien für eine relativ kleine Gruppe von Frauen und nimmt dabei die Diskriminierung von Männern in Kauf.

Demokratische Willensbildung außer Kraft

Dabei werden feste Grundsätze des politischen Lebens immer häufiger außer Kraft gesetzt. Das gilt hauptsächlich für die Grundsätze der demokratischen Willensbildung in den politischen Parteien, für die innerparteiliche Demokratie. Sie besagt, dass jedes Parteimitglied das Recht haben muss, für alle Parteiämter und Mandate zu kandidieren. Derjenige Kandidat, der von der Parteibasis die meisten Stimmen erhält, sollte dann das entsprechende Amt oder Mandat bekommen.

Gegen dieses Recht und dieses urdemokratische Verfahren verstoßen die dem kollektivistischen Denkmuster folgenden innerparteilichen Frauenquoten: Viele Männer, die für Parteiämter und Mandate kandidieren möchten, können es nicht tun, weil sie Männer sind und durch die Frauenquoten von der Kandidatur ausgeschlossen werden. Es kommt daher darauf an, die innerparteiliche Demokratie, vor allem die Rechte der einzelnen Parteimitglieder, zu stärken. Der Autor unterbreitet dazu einige Vorschläge.

Politik der Qualifikation ist vonnöten

Der postmoderne Relativismus kommt auch in der Praxis der Vergabe von Arbeitsplätzen, sei es in der Wirtschaft, im Öffentlichen Dienst oder in der Wissenschaft, zum Ausdruck. Immer häufiger werden dabei wichtige, auf der Auswahl von Individuen basierende Prinzipien wie das Leistungsprinzip und das Prinzip der Bestenauslese aufgegeben.

In der Gleichstellungspolitik werden Bewerber nicht als Individuen sowie nach ihren individuellen Fähigkeiten und Qualifikationen, sondern nach ihrer Gruppenzugehörigkeit, genauer: nach ihrem Geschlecht, beurteilt. Das Ziel der Gleichstellungspolitik ist es, statistische Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen zu beseitigen. Ihr Ziel ist also nicht Gleichberechtigung und Chancengleichheit, sondern Ergebnisgleichheit, im Idealfall das Geschlechterverhältnis 50:50. Diese Politik führt unvermeidlich zur Diskriminierung von Männern.

Als Alternative zu diesem System stellt der Autor das Konzept einer Politik der Qualifikation vor. Bei der Vergabe von Arbeitsplätzen sollte die Gruppenzugehörigkeit der Bewerber, also auch ihr Geschlecht, keine Rolle spielen. Stattdessen sollte nur ihre fachliche Qualifikation berücksichtigt werden. Der bestqualifizierte Bewerber müsste die entsprechende Arbeitsstelle erhalten.

Bei der Stellenvergabe auf dem Arbeitsmarkt sollten nicht kollektive Quoten, sondern die auf der Auswahl von Individuen beruhenden Prinzipien, das Leistungsprinzip und das Prinzip der Bestenauslese, in den Vordergrund gestellt werden. In anderen Worten: Menschen sollten als Individuen sowie nach ihren individuellen Fähigkeiten und Qualifikationen und nicht nach ihrer Gruppenzugehörigkeit beurteilt werden.

Alexander Ulfig (* 1962 in Kattowitz) ist ein deutscher Philosoph, Soziologe und Autor populärwissenschaftlicher Bücher. Er studierte von 1983 bis 1985 in Hamburg und von 1985 bis 1989 in Frankfurt am Main Philosophie, Soziologie und Sprachwissenschaften. 1997 promovierte er mit der Arbeit über Lebenswelt. Im Zentrum seiner Überlegungen steht die gegenwärtige Suche nach Lebensorientierungen in der westlichen Welt.

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Lesermeinungen

  1. Von Helmut Freisinger

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  2. Von einfaltslos

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