Männerfeindlichkeit deutscher Geschlechterpolitik überschattet Männerkongress

von Dr. Bruno Köhler
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Maison du Savoir, Esch sur Alzette, Luxemburg. Bild der IG Jungen, Männer und Väter

Alles hätte so schön werden können. Männer und Jungen müssten gleichermaßen gehört und in eine Politik inkludiert werden, die sich der Chancengleichheit von Frauen und Männern verschreibt. So eröffnete Gastgeberin Lydia Mutsch, Ministerin für Chancengleichheit in Luxemburg, die 3. Internationale Männerkonferenz in Luxemburg. Doch dann übernahm die deutsche Geschlechterpolitik das Regime und alles blieb beim Alten. Lesen Sie unseren Bericht zur frauenpolitischen „Männerkonferenz“.

Es gibt viele Themen, die ein Männerkongress thematisieren könnte, den Gender Education Gap zuungunsten der Jungen, die Sorgerechtsdiskriminierung von Vätern oder die aggressive Ausgrenzung von Männern aus dem geschlechterpolitischen Dialog sind nur wenige Beispiele. Aber über all dies wurde auf der 3. INTERNATIONALEN MÄNNERKONFERENZ IN LUXEMBURG nahezu nicht gesprochen.

Das Versprechen

Dabei fing es gut an. Gastgeberin Lydia Mutsch, Ministerin für Chancengleichheit in Luxemburg, plädierte in ihrer Eröffnungsrede für eine Öffnung der Debatte zugunsten von Jungen und Männern. Es sei notwendig, dass „Männer und Jungen gleichermaßen gehört und in eine Politik inkludiert werden müssen, die sich der Chancengleichheit von Frauen und Männern verschreibt.“ In diesem Zusammenhang sei es wichtig,

nicht nur die Frauen als Subjekt der Politik für Chancengleichheit zu betrachten, sondern ebenso den Fokus auf die Männer zu richten.

Sie forderte Geschlechterpolitik für Frauen und Männer. Und: „Wir müssen wegkommen von Seminaren, bei denen mit den gleichen Personen immer über die gleichen Themen gesprochen wird.“

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Leider sind nur ausländische Geschlechterpolitikerinnen dialogfähig. Gerd Riedmeier im Gespräch mit der luxemburgischen Ministerin Lydia Mutsch

Bundesfrauenministerium bleibt auf dem Männerauge blind

Das klang sehr optimistisch und widerspricht natürlich vollkommen der Geschlechterpolitik in Deutschland, die bis heute nur Frauenförderpolitik geblieben ist. Und so haben die deutschen Vertreter die Veranstaltung dann doch wieder sehr schnell auf den doppelmoralistischen Boden der Tatsachen herunter geholt. Das Bundesministerium für alle außer Männer, BMFSFJ, stellte das Gros der finanziellen Ressourcen zur Organisation und bestimmte damit vorwiegend die Themen und Redner. Männerpolitik wird von Frauenpolitikerinnen gemacht und so empathielos sieht sie dann auch aus. Ein aktuelles Beispiel ist die PETRA-Studie, mit der herausgefunden werden sollte, ob für Kinder nach einer Trennung die Betreuung alleine durch die Mutter oder gleichberechtigtes Betreuen durch beide Eltern besser geeignet sei. Das BMFSFJ veränderte jedoch während der laufenden Studie die Vorgaben. Nun kann jede Kindes-entfremdende Mutter an der Studie teilnehmen, die entsprechenden getrennt erziehenden Väter werden ausgeschlossen.

Schon bei einem Blick in den Ankündigungsflyer wurde durch die Auswahl der „Männervertreter“ unter den Protagonisten des Kongresses, der Vorsitzende des vom Frauenministerium finanzierten Bundesforums Männer, Martin Rosowski, und das geschlechterpolitische Multitool der Friedrich Ebert-Stiftung, Thomas Gesterkamp, klar gemacht, was man auf diesem Kongress nicht will – einen Dialog mit Männern, denn beide, Rosowski und Gesterkamp, sind ausgesprochene Dialogfeinde, die einen Dialog mit Männern, die Nachteile und Benachteiligungen von Jungen, Vätern und Männern thematisieren, rigoros bekämpfen. Gesterkamp agiert je nach Bedarf als Väterexperte, Jungenexperte, Rechtsextremismusexperte, Genderexperte, Männerexperte u.ä. In Wirklichkeit ist er ein Journalist, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt und gerne schon mal geschlechterpolitische Initiativen, wie MANNdat, in irgendeine Veranstaltung hinein fantasiert, um das gewünschte, politisch korrekte Feindbild zu kolportieren. Für deutsche Geschlechterpolitik ist das offensichtlich ein Qualitätskriterium.

Gesterkamp und Rosowski sind Beispiele dafür, dass es bei der Männerrechtsbewegung nicht nur um Geschlechterpolitik, sondern auch um Meinungsfreiheit geht. Und es ist schon ein eindeutiges Zeichen, wenn man diese „Männervertreter“ und nicht etwa unabhängige Interessenvertreter von Jungen, Vätern und Männern, den „Männerkongress“ gestalten lässt.

Erlaubte Hate Speech-Attacken gegen Männerrechtler?

In logischer Konsequenz fehlte dann auch in der Rede von Elke Ferner, Staatssekretärin im BMFSFJ und Vorsitzende einer deutschen Frauenorganisation (!), jeglicher Ansatz von Wertschätzung gegenüber Männern. Mehr noch, sie sprach in misandrischer und abschätzender Weise von „Maskulinisten“, die in sozialen Medien Hassmails sendeten, Gleichstellungspolitik ablehnten, rechtspopulistisch aufgestellt seien und selbst in ihrem Frauenbild im Vergleich zu Islamisten keinen Unterschied kennen würden. An einem Gespräch mit Vertretern der Bedürfnisse von Jungen, Männern und Vätern war sie nicht interessiert. Das Bundesfrauenministerium demonstrierte an diesem Tag deutlich, wie wenig Substanz an Merkels Aufforderung vom 3. Oktober 2016 zu mehr Dialog untereinander wirklich war.

Somit beschränkte sich die „Männerpolitik“ im „Männerkongress“ wieder wie üblich darauf, Männer für die Bedürfnisse von Frauen politisch zu instrumentalisieren, nämlich, wie man Männer zu mehr Care-Arbeit für Kinder, Senioren und im Haushalt bringen kann. Und wichtigstes Ziel sei natürlich sowieso die herrschende Strategie von „Gender Equality“ für Frauen zu unterstützen. Markus Theunert aus der Schweiz kritisierte, „weibliche ungerechte Fronarbeit bleibe unbezahlt“. Die ganz normale, übliche selbstgefällige Ignoranz des geschlechterpolitischen Establishments gegenüber den berechtigten Anliegen von Jungen und Männern. Diese Veranstaltung demonstrierte wieder einmal eindrucksvoll die Unfähigkeit deutscher Geschlechterpolitik zu echter Gleichberechtigung.

Neue Ansätze aus dem Ausland?

Anders die Vertreterinnen aus Norwegen und Schweden. Solveig Horne, Ministerin für Gender Equality aus Norwegen, die in ihrer Heimat massiv für die Umsetzung des „Wechselmodells“ nach Trennung und Scheidung eintritt, formulierte deutlich:

Wir müssen Jungen, Männer und Väter in den Diskurs mit einbinden.

Und Asa Regnér, Ministerin für Kinder und Gender Equality aus Schweden, bekräftigte, dass „die Politik Männer zum Gespräch einladen müsse“. Sie forderte konkrete „Programme dazu, damit Männer und Väter angesprochen werden“. Sie bedauerte: „Wir haben momentan Probleme, Männer und Jungen einzubringen.“

In Deutschland hätte man diese Probleme nicht. Dort ist es umgekehrt. Dort will man Jungen und Männer gar nicht einbringen.

Kein Mikrophon für Männerrechtler

Im Unterschied zur Konferenz von Wien in 2012 gab es im Anschluss an die „Ministerrunde“ die Möglichkeit, aus dem Plenum heraus Fragen an die Ministerinnen und Experten zu richten. Leider gab es die Vorgabe, den anwesenden Vertretern von Forum Soziale Inklusion bzw. der IG Jungen, Männer und Väter das Saal-Mikrofon nicht auszuhändigen. Ein äußert seltsames Verständnis von Demokratie, aber wie sagte schon Walter Ulbricht: „Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“

Während des Workshops konnte die IG Jungen, Männer und Väter jedoch Beiträge über Mikrofon und mit Simultanübersetzung an die Gäste aus 20 verschiedenen Ländern leisten. Die luxemburgische Administration erlaubte zudem der IG Jungen, Männer und Väter, ihren Infostand an prominenter Stelle im Foyer vor dem Grand Auditoire aufstellen und besetzen. Das wäre im jungen- und männerfeindlichen Deutschland völlig undenkbar.

Die IG Jungen, Männer und Väter verteilte zusätzlich 200 Flugblätter, die auch gerne genommen wurden.

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Der Tisch der IG Jungen, Männer, Väter

Fazit

Der versprochene Dialog des geschlechterpolitischen Establishments mit den Männern lässt weiter auf sich warten. Luxemburg war wieder ein rein frauenpolitischer Monolog.

Die nächste „Männerkonferenz“ wird 2018 in Stockholm (Schweden) stattfinden. Ob bis dorthin deutsche Geschlechterpolitik ihre Jungen- und Männerfeindlichkeit überwunden hat?

Quellen:
IG-JMV Männerkonferenz Luxemburg ICMEO 2016, 21.10.2016
icmeo3. Internationale Männerkonferenz, Version 8.7.2016 pdf, 21.10.2016

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Lesermeinungen

  1. Von Helmut Freisinger

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  2. Von Gunther Herzlich

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  3. Von wolf

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  4. Von Helmut Freisinger

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  5. Von Helmut Freisinger

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