Gender Mainstreaming und BAföG

von Dr. Bruno Köhler

Offener Brief an die Bundesbildungsministerin vom 03.08.2011

Sehr geehrte Frau Ministerin Dr. Schavan,

wir sind ein bundesweit tätiger Verein, dessen Ziel es ist, Benachteiligungen von Jungen und Männern bekannt zu machen und zu beseitigen. MANNdat e.V. bietet auf seiner Internetpräsenz umfassendes Informationsmaterial und detailliertes Hintergrundwissen zu jungen- und männerpolitischen Themen wie Jungenarbeit, Jungenförderung, „Väter und Beruf“ oder Männergesundheit und engagiert sich aktiv im Bereich Jungenleseförderung.

Ziel der 2007 von der Bundesregierung verabschiedeten Novelle des Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) war es u.a., Chancengleichheit bei Bildung und Ausbildung herzustellen. Nach §1 BAföG hat jeder Anspruch auf eine Förderung, der die Kosten seiner Ausbildung nicht „anderweitig“ decken kann.

Eine Analyse von „Critical Science“ (siehe http://sciencefiles.org/2011/07/23/geforderte-ungleichheit/) hat nun ergeben, dass der Anteil männlicher BAföG-Bezieher signifikant geringer ist als der Anteil weiblicher BAföG-Bezieher. 497.149 der Schüler bzw. Studenten, die im Jahr 2009 eine Förderung nach BAföG erhielten, waren weiblich, 375.933 männlich. Das ist ein signifikanter Unterschied von 32%.

Ein Vergleich des Anteils der BAföG-Empfänger nach Geschlecht und Schultyp zeigt, dass sich die Nachteile von Jungen nicht auf eine geschlechtsspezifische Verteilung auf die Schultypen zurückführen lassen. Stattdessen liegt unabhängig von der Bildungsinstitution der Anteil männlicher BAföG-Empfänger konstant und deutlich unter ihrem Anteil an den entsprechenden Schülern oder an Studenten:

  • 48,5% aller Studenten an Universitäten sind männlich, der Anteil der männlichen Studenten an Universitäten, die BAföG erhalten, ist jedoch mit 41,9% um 6,6% niedriger.
  • Der Anteil männlicher Schüler an allgemeinbildenden Schulen ist mit 50,8% in etwa gleich hoch dem Anteil weiblicher Schüler. Unter den mit BAföG geförderten Schülern sind männliche Schüler mit 41,1% jedoch deutlich unterrepräsentiert.
  • Bei den Berufsfachschülern unterschreitet der Anteil der männlichen BAföG-Empfänger den Anteil der männlichen Berufsfachschüler um 10,9%.

Da auszuschließen ist, dass Mädchen überwiegend aus ärmeren Familien kommen als Jungen, liegt hier eine deutliche Ungleichbehandlung auf Grund des Geschlechts vor. Nach den Prinzipien des Gender Mainstreaming, dem sich auch das Bundesbildungsministerium verpflichtet hat, sind diese Nachteile von Jungen bei der BAföG-Beziehung erklärungsbedürftig.

Insbesondere vor dem Hintergrund, dass von bildungspolitischer Seite immer wieder darauf hingewiesen wird, die signifikanten Bildungsnachteile von Jungen würden insbesondere bei sozial schwachen Familien auftreten, wiegt diese Ungleichbehandlung doppelt schwer.

Wir bitten Sie deshalb, uns mitzuteilen, ob eine Gender-Analyse bezüglich der Benachteiligung von Jungen und männlichen Jugendlichen beim BAföG-Bezug durchgeführt wurde, welche Ursachen diesbezüglich ermittelt werden konnten und welche konkreten Maßnahmen das Bundesbildungsministerium beabsichtigt, um diese Ungleichbehandlung zu beenden.

Wir danken Ihnen für Ihre Antwort im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen

Bildquelle: (c) Gerd Altmann/www.pixelio.de

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