Fördern Kinderrechtsorganisationen heutzutage Gewalt gegen Jungen? – 2
Obwohl heute Jungen oft stärker von Bildungsarmut, Missbrauch, Gewalt und Ausbeutung betroffen sind, fördern Kinderrechtsorganisationen wie PLAN, UNICEF, aber auch die Bundesregierung vorrangig Mädchen. Warum ist das so und warum will man darin nichts ändern und wie versuchen sich diese Organisationen aus ihrer Verantwortung zu nehmen und schließlich: Fördert dieses einseitige Fokussieren auf Mädchen die Gewalt gegen Jungen? Wir gehen diesen Fragen in dieser zweiteiligen Analyse nach.
Im ersten Beitrag ging es über:
Die Fakten zur Lage von Gewalt gegen Jungen weltweit
Warum finden Kinderrechtsorganisationen, wie PLAN oder UNICEF oder Regierungen Gewalt gegen Jungen als nicht so schlimm?
Beispiele für die Rechtfertigung und Bagatellisierung
Das Glaubwürdigkeitsproblem der Kinderrechtsorganisationen
„Geldsteuerung“ im humanitären Sektor
Marktlogik des Leids: Beispiele für die Rechtfertigung und Bagatellisierung
Wie Kinderrechtsorganisationen Gewalt gegen Jungen fördern
Nach dem ersten Teil sind wir nun bei der Antwort auf unserer Ausgangsfrage: Fördern Kinderrechtsorganisationen Gewalt gegen Kinder? Nach dem oben Erörterten muss man sagen Ja, zumindest mittelbar. Warum?
Systemisches Versagen der Kinderrechtsorganisationen
Wenn Organisationen, die den universellen Schutz aller Kinder proklamieren, durch ihre eigenen Regeln (Rekrutierung ab 16) und ihre einseitige Schwerpunktsetzung (Verschiebung der Kinderarbeit) die Diskriminierung von Jungen faktisch legitimieren, werden sie zum Teil des Problems.
Das lässt sich am Beispiel der UN in drei Punkten zusammenfassen, die den Kern der modernen Kritik an der UN-Kinderrechtspolitik treffen:
Die „Absolutions-Falle“: Indem die UN Standards setzt, die Hintertüren offenlassen (wie die „freiwillige“ Rekrutierung Minderjähriger), gibt sie repressiven Staaten einen moralischen Schutzschild. Diese Staaten können behaupten, sie hielten sich an internationales Recht, während sie faktisch die Kindheit von Jungen opfern.
Statistische Kosmetik statt echter Lösung: Wenn der Rückgang der Kinderarbeit bei Mädchen als Erfolg gefeiert wird, während die Zahlen bei Jungen steigen, ist das kein Fortschritt für die Menschlichkeit, sondern eine bloße Umverteilung von Leid. Diese „Erfolgskontrolle“ ist blind für die Realität der Jungen, die nun die Last für beide Geschlechter tragen.
Institutionalisierte Abwertung: Die mangelnde Reaktion auf unsere Anfrage an die UN zum Gender-Empathy-Gap-Day ist deshalb kein Zufall, sondern Ausdruck einer Ignoranz, die tief im System verwurzelt ist. Es signalisiert: „Das Leid von Jungen ist politisch weniger verwertbar.“
Diese Mechanismen versuchen das Leid der Betroffenen unsichtbar zu machen oder die Verantwortung der Täter abzumildern. Menschenrechts- und Kinderschutzorganisationen tragen durch ihre Einseitigkeit mit Fokus auf Gewalt gegen Mädchen nicht dazu bei, dass Gewalt an und Missbrauch und Ausbeutung von Kindern wirklich abgebaut wird, sondern es scheint vielmehr als würde diese Gewalt einfach zunehmend auf die Jungen verschoben wird, wie die Fakten am Anfang gezeigt haben.
Fazit
Das Versprechen der „unteilbaren Menschenrechte“ scheitert an der Realität der männlichen Lebenswelt. Ein System, das Gewalt gegen Minderjährige nur bei einem Geschlecht als weniger wichtig oder vielleicht sogar als „Normalität“ akzeptiert, betreibt eine Hierarchisierung des Schutzes. Damit wird das Prinzip der Gleichheit vor dem Gesetz zugunsten einer utilitaristischen Logik geopfert, die Jungen und Männern eine geringere Schutzwürdigkeit zuweist. Diese Normalisierung von Gewalt und Zwang gegen Jungen ist genau der Nährboden, auf dem auch die Gleichgültigkeit gegenüber Kinderarbeit und Missbrauch gedeiht.
Aktuelle Entwicklung Wehrpflicht
Auch die aktuelle Rückkehr zum Männerrollenbild des Kriegers in Deutschland passt durchaus in dieses Bild. Denn die Existenz geschlechtsspezifischer Wehrpflicht ist das am weitesten verbreitete Beispiel dafür, dass Grund- und Menschenrechte in der Praxis eben nicht universal, sondern nach Geschlecht differenziert angewandt werden:
Staatliche Verfügungsgewalt: Die Wehrpflicht für Männer ist das extremste Beispiel dafür, dass der Staat das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung bei einer Geschlechtergruppe für „höhere“ Interessen (nationale Sicherheit) außer Kraft setzt. Dass dies international als „normal“ gilt, beweist die strukturelle Akzeptanz einer Ungleichbehandlung bei existenziellen Risiken.
Legitimierte Ungleichheit: Viele internationale Menschenrechtsverträge enthalten explizite Ausnahmeklauseln, die die Wehrpflicht vom Verbot der Zwangsarbeit ausnehmen. Damit ist die Diskriminierung von Männern (und damit auch von männlichen Jugendlichen ab 16 oder 18 Jahren) quasi völkerrechtlich kodifiziert.
Die „Entbehrlichkeit“ des männlichen Lebens: Sozialwissenschaftlich betrachtet spiegelt die einseitige Wehrpflicht das Narrativ der „männlichen Disposability“ (Entbehrlichkeit) wider. Es ist die gesellschaftliche Übereinkunft, dass das Leben und die Unversehrtheit von Männern und Jungen im Krisenfall ein kollektives Gut sind, über das verfügt werden darf.
Schuldabwehr durch Abwertung
Wie gehen Politik und Gesellschaft damit um, das systemische Versagen und die völkerrechtlich kodifizierte Ausbeutung sowie Missbrauch von und Gewalt gegen Jungen und männlichen Jugendlichen vor dem eigenen moralischen Anspruch zu rechtfertigen? Man flüchtet sich in eine kollektive Selbst-Absolution: Wer den anderen abwertet, muss sich für das ihm zugefügte Leid nicht mehr rechtfertigen. Die Psychologie nennt das oft „Täter-Opfer-Umkehr“ oder die Erzeugung eines Feindbildes, um das eigene Fehlverhalten zu rechtfertigen:
Moralische Entlastung durch Dämonisierung: Wenn eine Gesellschaft Jungen und Männer kollektiv als „privilegiert“, „potenziell gewalttätig“ oder „strukturell überlegen“ markiert, erschafft sie ein Narrativ, in dem Schutzbedürftigkeit keinen Platz hat. Wer als „Tätertyp“ gilt, kann kein Opfer sein. Das erspart der Gesellschaft das schlechte Gewissen, wenn sie Jungen in die Kinderarbeit schickt oder ihre Söhne an die Front lässt.
Die „Sündenbock“-Funktion: Indem man Jungen und Männern die moralische Minderwertigkeit zuschreibt (z. B. durch Begriffe wie „toxische Männlichkeit“ in ihrer pauschalisierten Form), wird die Ungleichbehandlung bei Menschenrechten zur „gerechten Strafe“ oder zum „notwendigen Ausgleich“ uminterpretiert. Die Lächerlichkeit, mit der man, wie in Deutschland oder der Schweiz, dies dadurch rechtfertigt, dass Frauen etwa 60 Prozent der freiwilligen Care-Arbeit machen würden, zeigt, wie hilflos solche Unterfangen auch sein können. Die Diskriminierung wird so als Akt der sozialen Gerechtigkeit getarnt.
Vermeidung von kognitiver Dissonanz: Es ist für eine Gesellschaft unerträglich, sich einzugestehen, dass sie ihre eigenen Söhne ausbeutet oder verheizt. Es ist psychologisch „einfacher“, zu behaupten, Jungen bräuchten keinen Schutz oder seien ohnehin „härter“. Die Abwertung ist der Schutzwall gegen die Erkenntnis des eigenen Unrechts.
Dass ausgerechnet jetzt, wo das System Jungen am wenigsten zu bieten hat, wieder die Forderung nach dem „Soldatsein“ laut wird, entlarvt die bittere Ironie: Der Staat erinnert sich an seine Söhne erst wieder in dem Moment, in dem er sie als Material für den Schützengraben braucht. Gesellschaft und Politik haben Jungen den Generationenvertrag einseitig gekündigt, fordern aber die Pflichten daraus weiterhin mit Gewalt ein.
Die Realität bestätigt diese Analyse
Wenn man die aktuelle Bildungs- und Medienlandschaft mit einem analytischen Blick auf die Darstellung von Jungen betrachtet, stellt man fest, dass diese Analyse einer flächendeckenden Einseitigkeit durch Fakten gestützt wird:
Bildung: Fokus auf „Nachholbedarf“ und Disziplinierung
In der Pädagogik wird der Erfolg von Mädchen oft als Standard gesetzt. Jungen werden häufig über das definiert, was sie nicht sind oder was ihnen „fehlt“. Bei Mädchen gibt es eine ausgeprägte MINT-Förderung. Man will für Mädchen bessere Zukunftsperspektiven schaffen und zeigt ihnen: „Wir brauchen euch“. Im Vergleich dazu ist eine Jungenleseförderung nur marginal zu erkennen. Am stärksten geschieht dies zudem erst in der Resozialisation, wenn also das Kind erst in den Brunnen gefallen ist, also intervenierend. Man signalisiert ihnen, sie sind weniger wichtig und toxisch und so wie sie sind, will man sie gar nicht haben.
Medien: Das Narrativ der „Toxizität“: Auch in den Leitmedien und der Popkultur dominiert oft ein dualistisches Bild:
Der potenzielle Täter: Jungen werden schon früh mit Diskursen über „toxische Männlichkeit“ konfrontiert. Das vermittelt ihnen die Botschaft, dass ihre biologische Identität eine Gefahr für andere darstellt, die ständig kontrolliert und therapiert werden muss.
Das „unbeholfene“ oder „überflüssige“ Geschlecht: In der Werbung oder in Serien werden männliche Charaktere oft als tollpatschig, emotional minderbemittelt oder schlicht entbehrlich dargestellt.
Es ist nahezu unmöglich, im Mainstream Inhalte zu finden, die Jungen oder Männern eine positive, kraftvolle und gleichzeitig schützenswerte Identität zusprechen, ohne sie sofort in einen Kontext von Privileg oder potenzieller Täterschaft zu rücken. Diese kulturelle Einseitigkeit ist der mediale Arm jener „Absolution“ der Verantwortlichen, die wir hier darlegen.
FAZIT
Ein Kinderschutz, der nicht jedes Kind gleichermaßen im Blick hat, wie der der UNICEF, PLAN oder der Bundesregierung, verrät seinen eigenen Kernauftrag. Die harten Mechanismen dahinter sind:
Institutionelle Pfadabhängigkeit: Dass die Politik in den 70er Jahren verharrt, liegt auch daran, dass sich um die damaligen Forderungen herum mächtige Bürokratien, Ministerien und Förderrichtlinien gebildet haben. Diese Apparate sichern ihre Existenzberechtigung durch die ständige Wiederholung alter Narrative – eine Anpassung an die heutige Realität der Jungen würde ihre eigenen Strukturen infrage stellen.
Marktplatz der Moral: Menschenrechts- und Kinderschutzorganisationen agieren heute wie Unternehmen. Wenn „Mädchenförderung“ die Marke ist, die Spenden und Staatsgelder generiert, wird das Leid von Jungen zur „unrentablen Sparte“. Das ist moralischer Bankrott unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit.
Politische Heimatlosigkeit: Da Jungen und Männer keine geschlossene Wählergruppe mit einer lautstarken Lobby bilden, fehlt der Politik der Druck zur Veränderung. Das führt zu Resignation statt zu konstruktivem Widerstand.
Quellen (soweit nicht angegeben)
[1] Sicherheitspolitik und Wehrpflicht in Deutschland, Bundeszentrale für politische Bildung (2024).
[2] Bericht zur Lage der Jungen in Deutschland, diverse soziologische Studien zur Bildungs- und Gesundheitslage (2023/24).
[3] Radikalisierungsforschung zu jungen Männern im digitalen Raum, Bundesamt für Verfassungsschutz/NGO-Analysen (2024).
Quelle Beitragsbild: KI-generiert mit Google Gemini
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