Verschwörung, Verschwurbelung, Verschwendung: Das Gunda-Werner-Institut tagt

von MANNdat

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Heinrich-Böll-Stifung, Urheber: Molgreen

Am 31. Mai 2016 lud das Gunda-Werner-Institut im Rahmen des vom Steuerzahler über die Heinrich-Böll-Stiftung finanzierten politischen Bildungsauftrages zu der Veranstaltung: „Gegner*innenaufklärung – Informationen und Analysen zu Anti-Feminismus“. Eine gute Gelegenheit also für MANNdat, mal wieder in die Gedankenwelt der selbsternannten Geschlechterkriegerinnen einzutauchen. Das Feindbild der Feministinnen verschiebt sich offenbar vom bösen Maskulismus immer weiter hin zur „konservativen“ Familie.

Sie kennen das Gunda-Werner-Institut (GWI) nicht? Das sollten Sie aber, zumal, wenn Sie sich für Männerrechte einsetzen oder wenn sie zumindest wissen wollen, wofür Ihre Steuergelder verschwendet werden. Gerade wurde vom GWI eine Tagung veranstaltet mit dem verheißungsvollen Titel:

„Gegner*innenaufklärung – Informationen und Analysen zu Anti-Feminismus“

Anti-Feminismus – damit ist u. a. auch MANNdat gemeint, Grund genug also, die Gelegenheit zu nutzen für einen der seltenen Einblicke in die ungemein subtilen und millionenschweren Strategien des feministischen Propagandainstituts der Böll-Stiftung. Vorab einige Begriffserklärungen zur Verortung des GWI.

Bündnis 90/Die Grünen: Ehemals ökologisch und pazifistisch orientierte Partei, heute recht flexibel, z. B. wenn es um Kriegseinsätze geht, aber absolut unbeugsam in Frauenfragen, siehe das „Frauenstatut“ der Grünen, das sich etwa so zusammenfassen lässt: Wenn Frauen reden wollen, haben Männer den Mund zu halten.

Heinrich-Böll-Stiftung: Propagandaplattform der Grünen, weitgehende Frauendominanz, finanziert mitnichten aus einem Stiftungsvermögen, sondern durch üppige Steuermittel (über 50 Millionen Euro in 2013) .

Gunda-Werner-Institut für Feminismus und Geschlechterdemokratie: Feministischer Inkubus der Böll-Stiftung. Auf Initiative der Namensgeberin Gunda Werner, lesbisch-feministische Aktivistin (1951–2000), wurde beispielsweise die „Frauenpolitik“ zur „Geschlechterdemokratie“ umgelabelt, in ganz ähnlicher Weise, wie auch das „Frauenfördergesetz“ in 2001 rein kosmetisch zum „Bundesgleichstellungsgesetz“ umbenannt wurde.

Forum Männer in Theorie und Praxis der Geschlechterverhältnisse: Die Puppe in der Puppe in der Puppe: Netzwerk von Männern, die sich erwerbsmäßig mit Jungen- und Männerarbeit, Männer- und Väterberatung, Männerpolitik, Gender-Training usw. beschäftigen. Unter anderem wurde hier auch das sogenannte „Bundesforum Männer“ ausgebrütet. Das Gunda-Werner-Institut unterstützt dieses Forum als Koordinationsstelle (!) organisatorisch, finanziell und ideell.

Bundesforum Männer: Ein Popanz von Gnaden (und Geldern) des BMFSFJ, vorgeblich eine Interessenvertretung für Jungen und Männer, tatsächlich eine Schreckreaktion der großen Wohlfahrtsverbände auf den Fortfall der Zwangsdienstleistenden, um Männer nunmehr zu freiwilligen Diensten am Wickeltisch oder in der Altenpflege zu motivieren.

Was kann nun dabei herauskommen, wenn ein feministisch … äh … frauenpolitisch … pardon … geschlechterdemokratisch ausgerichteter „Think-Tank“ über seine Gegner*innen informiert/analysiert? Unser Mitglied Mathias Frost war vor Ort, Gefahr für Leib und Seele nicht fürchtend! Hier ist sein Eindruck.

Gegner*innenaufklärung – Informationen und Analysen zu Anti-Feminismus

31. Mai 2016, Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung

Ich bin als Gast eingetragen mit vollem Namen und dem meiner Organisation, MANNdat e. V. Eine Liste der Teilnehmer gibt es nicht, und auf dem Namensschild steht diesmal auch nur der Name.

Angemeldet sind 250 Gäste, es sind aber nur etwa 200 Personen da. Ich schätze, neben hauptberuflichen Frauenbeauftragten und Mitgliedern feministischer Organisationen sind etwa die Hälfte Studenten, davon wiederum nur rund zehn Prozent Männer. Etliche dieser Studenten sind wohl Schäfchen von Stephan Höyng (Professor für Geschlechterdifferenzierende Soziale Arbeit, Jungen- und Männerarbeit, Katholische Hochschule für Sozialwesen, Berlin).

In der Einleitung warnt Henning von Bargen (Dipl. Pädagoge, Leiter des GWI) vor der AfD, Pegida, diversen Religionsgemeinschaften, der FAZ, dem Fokus, der Zeitung Die Welt und immer wieder der AfD. Dann redet Sebastian Scheele (Doktorand am Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung, Technische Universität Berlin), der auch fast nebenbei MANNdat als Feind erwähnt, ohne aber weiter darauf einzugehen. Das Feindbild hat sich offenbar verschoben, vom maskulistischen Antifeminismus hin zum familiären Maskulismus. Als „Das Böse“ gilt nunmehr offenbar Hetero-Cis-Gender, oder auch die bürgerliche heteronormative Kleinfamilie. Dazu gibt es diverse Nebenfeinde: konservative Katholiken, Russland und immer wieder die AfD. Scheele warnt vor der Post-Demokratie! Es folgen Wortmeldungen, es geht um die richtigen Begrifflichkeiten – die Dialektik des Marxismus-Leninismus lässt grüßen!

Danach kommt Gisela Notz (freiberufliche Autorin, Sozialwissenschaftlerin und Historikerin, Berlin) mit einem Vortrag im Stile des Urzeitfeminismus. Bilder von Familien verschiedener Epochen werden gezeigt. Der Feind ist – genau – die AfD. Der Familismus ist der Komplize des Patriarchats. Auch die ehemalige Familienministerin Schröder bekommt ihr Fett weg. Dann fordert Notz die Abschaffung aller Rechte, die nur auf eine Familienform ausgerichtet sind. Im Anschluss meldet sich Ilse Lenz (bis 2012 Professur für Soziologie an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Bochum) und korrigiert den Feindbegriff in Zwangsfamilismus oder Normfamilismus. Immerhin meldet sich auch eine junge Dame und stellt fest, dass sie, wie sicher die allermeisten der anwesenden Studenten, ja auch aus einer solchen Familie kommt und das nicht unbedingt so schlecht findet.

Nach Kaffee und Keksen geht es in die „Panels“. Ich gehe zu Ricarda Drüeke (Kommunikationswissenschaftlerin, Assistenzprofessur, Universität Salzburg). Sie zeigt diverse Bilder von Antifeministen. Auch MANNdat ist dabei, wir werden als eher gemäßigt und recht aktuell bezeichnet. Gesterkamp habe – so Drüeke – MANNdat ausreichend beschrieben (gemeint ist: Thomas Gesterkamp, freiberuflicher Autor und Journalist, Köln).

Auch Lenz und Hinrich Rosenbrock (Soziologe, einstiger Mitarbeiter von Lenz) werden als Quellen angegeben. Ein Originalzitat aus der Präsentation: „personelle Verflechtungen ( z. B. MANNdat und die Junge Freiheit)“

Tatsächlich hat MANNdat der „Jungen Freiheit“ vor Jahren ein Interview gegeben, wie das Dutzende Politiker jeglicher Couleur getan haben. Daraus eine „personelle Verflechtung“ herzuleiten, das ist die Art von Beweisen, mit der Leute wie Drüeke, Rosenbrock und andere ihre substanzlosen „Beweisführungen“ aufwerten wollen. Dies wiegt umso schwerer, als diese zum Teil in dem extrem linken Unrast-Verlag publiziert haben, ihrer eigenen Logik zufolge also sich selbst am linken Rand verorten müssen.

Ansonsten sind die Ausführungen der Referentin eine Sammlung von einschlägig bekannten Thesen der bekannten Autoren. Die Jungfeministin neben mir hämmert den Vortrag fast wörtlich in die Notebook-Tastatur und knipst zwischendurch die Projektion. Die hält das wohl auch für Wissenschaft. Drüeke bemängelt zudem die schier übermächtigen Meldungen in den Kommentarspalten der Medien, die von Antifeministen geradezu geflutet würden, aber auch positive Rezensionen auf Amazon zu antifeministischen Machwerken, wie etwa „Gendergaga“ von Birgit Kelle.

Es folgt eine Debatte. Jasna Strick (Autorin, Bloggerin, Netzaktivistin, Berlin) gibt schon mal einen Vorgeschmack auf ihren kommenden Part. Eine Dame von der Amadeu Antonio Stiftung beschreibt, wie sie dort das Netz nach „rechten“ Schlagworten durchforsten und dann automatisierte „Aufklärungsmails“ versenden. So richtig kommt das alles jedoch speziell bei dem Nachwuchs nicht an. Die fordern dann doch allen Ernstes Geld für das Erstellen von Internetseiten.

Notwendigkeit einer Männerpolitik

In der Pause, nachdem das Buffet (mit veganem Essen) eröffnet wurde, kommt eine reifere Dame an meinen Tisch. Sie war lange Sozialarbeiterin in Berlin und erzählt, wie unterschiedlich Mädchen und Jungen behandelt würden. Die Jungen hätten den deutlich höheren Bewegungsdrang, würden dafür aber fast immer bestraft und es sei gut, dass da mal etwas passiert. Zudem erzählt sie über den Unterschied zwischen den Westfrauen und den Ostfrauen unmittelbar nach der Wende. Es war wohl für sie sehr erschreckend, wie die Ostfrauen ihre Kinder ganz selbstverständlich als Waffe gegen ihre unliebsamen Expartner eingesetzt hätten. Naja, inzwischen ist ja auch hier die Einheit vollständig vollzogen.

Dann geht es in die Workshops. Ich gehe zu „Hate-Speech im Internet“ mit Jasna Strick. Im Raum jetzt fast nur noch Nachwuchskader. Strick fängt so an, wie sie in dem Panel vor der Pause auch schon unterwegs war und erwähnt dann, man müsse ja auch vorsichtig sein, da man ja nicht weiß, wer hier so alles sitzt. Das geht wohl an meine Adresse?

Da hier sowieso keine Erkenntnisse zu erwarten sind, stehe ich auf und gehe zu „Strategien im Umgang mit Rechtspopulisten und extremen Rechten“ mit Juliane Lang (Mitarbeiterin bei Dissens e.V. Berlin, Forschungsnetzwerk Frauen und Rechtsextremismus, Berlin). Dort sitzt dann auch die Elite. Ich komme in den laufenden Vortrag, was sicher schon negativ auffällt. Dann mache ich noch den Fehler, mich unmittelbar neben Männerforschungs-Professor Höyng zu setzen. Lang schwadroniert ausführlich über die AfD und die NPD. MANNdat und ähnliche Organisationen kommen nicht als Feind vor, sie schießt, wie in der Überschrift angekündigt, gegen „Rechtspopulisten“ und „extreme Rechte“. Sie erwähnt sogar, dass Arne Hoffmann, eben bei Drüeke noch als Feind benannt, einen Link auf eine „antifaschistische Seite“ gesetzt habe. Insbesondere die vom Feind geforderte Verschärfung des Abtreibungsrechts und die besondere Stellung der Institution Ehe sind das Thema.

Dabei verwechselt sie dann auch die AfD mit der NPD, sie korrigiert sich sofort, aber mir rutscht trotzdem eine Bemerkung heraus, nicht laut, nur in unmittelbarer Nähe hörbar, trotzdem nicht nett, ich weiß. Höyng zischt auch sofort ein „Ruhe!“ in meine Richtung. Dann widmet sie sich ausführlich den drei Damen im AfD Vorstand und beschreibt diese als antifeministisch und homophob, auch Alice Weidel, obwohl diese in einer lesbischen Beziehung lebt. Für die meisten Zuhörer ist das sicher neu, wenn sie es überhaupt mitbekommen haben.

Anschließend soll in kleinen Gruppen diskutiert werden. Eine ältere Frau hinter mir tut, als wäre ihr Smartphone interessanter, und hält sich aus der Diskussion heraus. Also wende ich mich an Höyng, einen Mann neben ihm, den ich nicht kenne, eine Dame in den Vierzigern und eine Jungfeministin. Ich entschuldige mich für meine Zwischenbemerkung von vorhin, Höyng sieht mich nicht einmal an, redet aber anscheinend zu mir, ich verstehe nur nichts. Dann wird er deutlicher: „Das ist auch einer von denen.“ Dabei weist er mit dem Kopf in Richtung Wand, wo die AfD und die NPD angeprangert werden. „Der schreibt hier alles mit.“

Also wenn ein Professor einer Katholischen Hochschule seine Studenten zu einer Veranstaltung schickt, wo praktisch die Abschaffung der Familie gefordert wird, kann es schon sein, dass die Kirche selber da ein kleines Problem hat.

Ideologie statt Argumentation

Ich frage, was ich mit der AfD zu tun haben soll, und Höyng korrigiert sich umgehend und weist mich MANNdat zu. Sein Nachbar hält mir jetzt einige Begrifflichkeiten vor, die angeblich von MANNdat verwendet werden und offen antifeministisch seien. Ich gehe nicht darauf ein, mich beschäftigt eigentlich nur eine Frage: Wieso sind die Damen von der AfD homophob? Antifeministisch ist das eine, Feminismus ist schließlich eine Ideologie. Mit der Homophobie ist es jedoch etwas anderes, diese bezeichnet, jedenfalls nach Sprachgebrauch der Feministen, eine offene Feindseligkeit gegen Lesben und Schwule. Also sage ich, dass ich nur eine Frage habe und hier ja die richtigen Experten dafür sitzen: „Wieso ist Frau Weidel, die in einer eingetragenen lesbischen Beziehung lebt, homophob?“

Während die Mittvierzigerin noch interessiert guckt, für die ist das, wie schon erwähnt, wohl vollkommen neu, weist mich die Jungfeministin in die Schranken: „Das ist hier Konsens, darüber wird nicht diskutiert.“ Der Typ neben Höyng sagt dann zu mir: „Ich möchte Sie bitten, gehen Sie solange einen Kaffee trinken.“ Beim ersten Mal glaube ich noch, mich verhört zu haben und frage: „Wie bitte?“ Aber er wiederholt genau den Satz noch einmal. Ich stehe auf und gehe zu der Referentin, die tatenlos herum steht. Der stelle ich genau diese Frage auch. Sie fängt an, mir zu erklären, dass auch Frauen antifeministisch seien können und Lesben und Schwule können auch homophob seien. Ich frage noch einmal, warum. Sie geht nicht darauf ein, also frage ich nach: „Ist das eine Art Selbsthass?“ Sie antwortet: „Das wäre möglich.“ Ich gebe auf und verlasse den Raum.

Um weiterem Ärger aus dem Weg zu gehen, beschließe ich, auch die Veranstaltung zu verlassen. Draußen trinke ich den verordneten Kaffee und nehme mir nicht verordnete Schokoladenplätzchen, schließlich will man ja von den jährlich über 50 Millionen Steuergeldern für die Böll-Stiftung auch etwas haben.

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  1. Von Helmut Freisinger

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