Männliche Jugendarbeitslosigkeit

von MANNdat

Hintergründe

Geschlechterspezifisches Bildungsgefälle

Jungen haben heute ein schlechteres Bildungsniveau und eine schlechtere Bildungsbeteiligung als Mädchen. Trotzdem werden Jungen in der geschlechterspezifischen Bildungsförderung bislang zurückgelassen. Bundesweit 100 staatlich unterstützten MINT-Mädchenförderprojekten stehen nur drei Jungenleseförderprojekte gegenüber. Mehrere Studien – u.a. auch vom Bundesbildungsministerium – haben gezeigt, dass Jungen bei gleichen Schulleistungen schlechtere Noten erhalten als Mädchen und bei gleichen Noten seltener an höhere Schulen empfohlen werden als Mädchen, was von der Antidiskriminierungsstelle seit Jahren bewusst geduldet wird.

Rollenbild

 „Jungenförderung“ beschränkt sich bislang nahezu ausschließlich auf die Kritik an Jungen, ihr Männlichkeitsbild angeblich nicht ändern zu wollen. Damit werden nicht nur viele weitere Faktoren für die Bildungsnachteile und -benachteiligungen von Jungen bewusst ausgeblendet:

  • Jungen entwickeln sich im Bereich Sprachfähigkeit und Motorik tendenziell langsamer als Mädchen, was ihnen Nachteile beim Start in ihr Schulleben beschert. (Drucksache 14/1682 der Abgeordneten Krüger u.a., Landtag Baden-Württemberg – Stellungnahme des Kultusministeriums)
  • Laut pädagogischer Forschung kann Jungen vor allem über bessere motivationale Ansätze (z. B. bessere Berücksichtigung der jungentypischen Themen in Schullektüren) zu besserer Lesekompetenz verholfen werden.
  • Studien legen dar, dass Jungen bei gleichen Leistungen schlechtere Noten erhalten als Mädchen und bei gleichen Noten seltener an höhere Schulen empfohlen werden.
  • Jungen sind weitaus häufiger von der Diagnose ADS oder ADHS betroffen als Mädchen, was einen weiteren Nachteil für Jungen darstellt.
  • Bildungsdiskriminierung, siehe „Geschlechterspezifisches Bildungsgefälle“.

Zudem ist es in der Praxis sogar die Politik, die alte Männerrollenbilder forciert und kolportiert. So zeigt das neue Sorgerecht, in dem Vätern immer noch eine gleichberechtigte Sorge vorenthalten wird, dass es die Politik ist, die eine gleiche Teilhabe von Vätern an Sorge, Umgang und Erziehung mit Kindern ablehnt. Weiterhin waren es die politisch Verantwortlichen, die 2012 durch die Legalisierung von Körperverletzung an Jungen durch Beschneidung klar machten, dass sie Jungen immer noch weitaus mehr Gewalt zumuten als Mädchen und Gewalterfahrung für eine so wichtige Männlichkeitsinitiation halten, dass sie sogar die Beschneidung der Grundrechte aus Artikel 2 und 3 des GG bei Jungen für gerechtfertigt sehen – ein äußerst fragwürdiger Zustand. Männliche Gewaltopfer werden ohnehin in der Gleichstellungspolitik weitestgehend tabuisiert, was die dort festgefahrenen alten Rollenbilder belegt.

Gender Pay Gap

Der Gender Pay Gap ist ein statistisches Konstrukt der Frauenförderpolitik und soll eine enorme Diskriminierung von Frauen suggerieren. Es handelt sich um eine europaweite Definition, bei der lediglich die Bruttostundenverdienste aller Beschäftigten getrennt nach Frauen und Männern gemittelt und verglichen werden. In den unbereinigten Gender Pay Gap fließen daher nicht nur geschlechterspezifische Faktoren, sondern auch das unterschiedliche Branchen- und Berufswahlverhalten, unterschiedliche Arbeitsplatzanforderungen hinsichtlich Führung und Qualifikation, unterschiedliche Überstundenkontingente, Dienstalter/Betriebszugehörigkeit und sämtliche individuelle Faktoren (Verhandlungsgeschick, Engagement, Leistung usw.) ein. Das Ergebnis selbst wird aber in Politik und Medien als rein geschlechterspezifisch ausgegeben („Diskriminierung bei gleicher oder gleichwertiger Arbeit“), was statistisch gesehen falsch ist und ihm deshalb auch schon die Prämierung als „Unstatistik des Monats“ einbrachte.

Werden die vorgenannten Faktoren in sogenannten „bereinigten“ Gender Pay Gap bis auf die Geschlechterspezifität herausgenommen, bleibt eine Lohndifferenz von maximal 7%, wie es das Statistische Bundesamt 2010 einmalig veröffentlichte (maximal, weil das statistische Bundesamt auf Grund fehlender Daten nach eigenen Aussagen nicht alle objektiven Faktoren berücksichtigen konnte). Das Statistische Bundesamt veröffentlicht seit 2010 jedoch nur noch den unbereinigten Gender Pay Gap und informiert die Bürger damit bewusst einseitig. Angeblich könne nach Aussage des Statistischen Bundesamtes „aufgrund umfassenderer Datenanforderungen […] der bereinigte Gender Pay Gap nicht jährlich ermittelt werden“. [5]

Nach anderen Studien, die weitere diskriminierungsfreie Einflussfaktoren berücksichtigten, sind die Unterschiede noch geringer, wie z. B. der Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft vom Januar 2013, das nur 2% ermittelte [6]. Auf das gleiche Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung Hay Group [7].

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Quellenangaben

[1] Quelle: http://www.zukunftsschule.sh/ Abruf 10.12.2012

Alternativ: web.archive.org/web/20130603123525/http://www.transfer-21.lernnetz.de/kernschulen/kern_rd/Projekte/Frauenarbeitslosigkeit.php

[2] Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/hartz-iv-maenner-werden-haeufiger-bestraft-a-846556.html Abruf 27.2.2013

[3] Quelle: „Ich bin die erste Frau“: Interview von Ursula von der Leyen mit der FAZ vom 20.12.2009

Alternativ: http://www.werkstatt-frankfurt.de/inf_news_details.html?&tx_ttnews[tt_news]=250&tx_ttnews[backPid]=7&cHash=26588a4aa5

[4] Quelle: http://www.n-tv.de/politik/Parlamentarier-goennen-sich-830-Euro-mehr-article12322031.html Abruf 26.3.2014

[5] Quelle: Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 18.3.2014: „Gender Pay Gap 2013 bei Vollzeitbeschäftigten besonders hoch“
https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2014/03/PD14_104_621.html Abruf 13.05.2014

[6] Quelle: Pressemitteilung des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln: nur zwei Prozent Gehaltsunterschied
www.iwkoeln.de/de/presse/pressemitteilungen/beitrag/102500

[7] Quelle: Daniel Rettig: „Frauen verdienen zwei Prozent weniger als Männer“: Wirtschaftswoche 5.12.2013
http://www.wiwo.de/erfolg/beruf/gehalt-frauen-verdienen-zwei-prozent-weniger-als-maenner/9173308.html

 Bildquelle: (c) © Oleksiy Mark – Fotolia.com

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Lesermeinungen

  1. Von Pontus Persson

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