Feminismus und Sexualität

von MANNdat

Die Sexualität den Feministinnen zu überlassen ist wie seinen Hund, wenn man in Urlaub fährt, dem Tierpräparator anzuvertrauen.“(Camille Paglia)

Im Rahmen der MANNdat-Faktensammlung soll nachstehend dargelegt werden, wie der Feminismus bestimmte Teilaspekte der Sexualität beurteilt. Im Einzelnen sind dies: Sexuelle Belästigung, Vergewaltigung und Pornographie.

Ohne Frage ist sexuelle Gewalt nicht tolerabel. Eine unsachliche Diskussion in diesem Bereich ist für eine echte Lösung der Problematik jedoch nicht hilfreich. Wir wollen aufzeigen, wie sehr die Diskussion über diese Themen seitens des Feminismus von Übertreibungen, Halbwahrheiten und Ideologien bestimmt ist und all dem verlässlichere Daten und Quellen entgegen stellen. Dadurch hoffen wir zu einer Versachlichung der Diskussion beizutragen.

1. Sexuelle Belästigung

„Zwei Drittel aller berufstätigen Frauen werden an ihrem Arbeitsplatz sexuell belästigt“, heißt es im Buch „Mit mir nicht! Selbstbehauptung und Selbstverteidigung im Alltag“ von Sunny Graff, Berlin 1995, S.14. Die SPD ließ in ihren Publikationen Anfang der 90er-Jahre verlauten, es würden 72 Prozent aller Frauen an ihrem Arbeitsplatz belästigt.

Wie werden solche Zahlen gewonnen? Basieren sie auf repräsentativen Erhebungen? Sind solche Angaben wasserdicht?

„Die Zeitschrift Focus hat recherchiert, wie manche Umfragen zum Thema sexuelle Gewalt zustande kommen. Während sich 1984 rund 30 Prozent der Frauen am Arbeitsplatz schon einmal belästigt fühlten, waren es 1991 laut einer Studie des Frauenministeriums schon 72 Prozent. Das Ministerium schloss daraus, dass ‚das Ausmaß an sexueller Belästigung am Arbeitsplatz größer ist, als allgemein angenommen wird‘. Das Münchner Magazin enthüllte, dass es sich dabei keinesfalls um eine repräsentative Umfrage handelte. 80 Prozent der Fragebogen kamen nicht zurück, von den restlichen scheinen viele gezielt verschickt worden zu sein. Die Hälfte der Fragebogen ging an drei Betriebe des öffentlichen Dienstes, der Rest an Mitglieder des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). Zu den Untersucherinnen zählten, so Focus, ‚altgediente Feministinnen aus dem Umkreis des DGB‘ wie Monika Holzbecher, Sibylle Plogstedt und Barbara Degen. Die beiden Letzteren haben auch einen DGB-Ratgeber gegen sexuelle Belästigung geschrieben: ‚Nein heißt nein!‘ “ (Quelle: Köpf/Provelegios: Der Winterschlaf der Männer ist vorbei, Stuttgart 2000, S. 131f.)

Ein gehäuftes Auftreten von sexueller Belästigung wird auch dadurch suggeriert, dass man diesen Begriff sehr weit fasst. So zählt etwa die Frauenbeauftragte der Universität Augsburg auch taxierende Blicke, Bemerkungen über das Aussehen und sogar Fragen nach dem Privatleben zur sexuellen Gewalt (Quelle: Gunter Schmidt, Das Verschwinden der Sexualmoral, Hamburg 1996, S.10). Und laut einer Studie der „American Association of University Women“ (wonach 83 Prozent der Mädchen und 79 Prozent der Jungen schon einmal Opfer sexueller Belästigung in der Schule gewesen sein sollen) zählen hierzu unter anderem auch schmutzige Witze sowie obszöne Gesten und Graffiti.

Die „Bild am Sonntag“ meldete am 13.1.2002: „Fast jede 2. Studentin wurde schon mal angegrabscht“. In dem Artikel heißt es dann: „58,1 Prozent sagten, sie seien schon mal von einem Mann verfolgt oder auf eine Weise beobachtet worden, die ihnen Angst gemacht hätte.“ Die undifferenzierte Zusammenfassung der Fallzahlen von unterschiedlich schweren Taten führt auch in diesem Beispiel dazu, dass sich ein sehr hoher Prozentsatz an Belästigungsopfern ergibt. Konkret werden im vorliegenden Fall ein harmloseres (häufiges) und ein schwerwiegenderes (seltenes) Vorkommnis in einen Topf geworfen, ohne das Verhältnis der beiden Fälle darzulegen. Hinzu kommt, dass stark subjektive Einschätzungen mit einfließen („…auf eine Weise beobachtet worden, die ihnen Angst gemacht hätte“). Dass auch Männer zuweilen die Nähe anderer Personen – Männer wie Frauen – subjektiv als bedrohlich und beängstigend empfinden, wird in dem Zusammenhang in aller Regel gar nicht angesprochen.

Doch wie verbreitet ist das Problem „Sexuelle Belästigung“ wirklich? Den Versuch, diese Frage zu beantworten, unternimmt Arne Hoffmanns Buch „Sind Frauen bessere Menschen?“ auf Seite 210: „Repräsentative Umfragen kommen zu gänzlich anderen Ergebnissen: So ermittelte das Dortmunder Forsa-Institut ganze sechs Prozent von Frauen, die sich irgendwann in ihrem Leben einmal sexuell belästigt gefühlt hatten, am häufigsten durch anzügliche Bemerkungen (77 Prozent). Von diesen sechs Prozent berichtete nicht einmal jede zehnte, eindeutig zum Geschlechtsverkehr aufgefordert worden zu sein. Nur jede zweite der befragten Frauen bestritt, dass Männer durch Kleidung wie z. B. knappe Minis zu ihrem Verhalten provoziert wurden. Das Institut für rationelle Psychologie fand gar heraus, dass über zwei Drittel der weiblichen Berufstätigen gegen ein Belästigungsgesetz sind (eine Quote, die bei den angeblichen ‚typischen Opfergruppen‘ junger Frauen mit niedrigem beruflichen Status sogar noch etwas höher lag). Und einer Umfrage der Zeitschrift ‚Brigitte‘ zufolge fanden von 1600 befragten Frauen 62 Prozent, Flirts würden Schwung in den Job bringen.“

Im gleichen Buch äußert sich Hoffmann (S. 213) zu den Versuchen, jeglichen als unangenehm empfundenen sozialen Kontakt in die Nähe sexueller Belästigung zu bringen – und zu den Folgen dieses Tuns: „Nun kann es Frauen wie Männern auf die Nerven gehen, wenn wildfremde Leute urplötzlich auf sie einreden. Jede Form von Kontakt kann vom einen als angenehm, vom anderen als unangenehm empfunden werden. Solche Kontaktversuche aber grundsätzlich ins Zwielicht zu rücken, trägt nicht gerade zu einer wärmeren und offeneren Gesellschaft bei. Statt dessen wird hier versucht, eine Generation von Frauen heranzuzüchten, die auch auf die kleinste echte oder eingebildete Annäherung überempfindlich reagiert. Aus starken und selbstbewussten Frauen sollen Mimosen gemacht werden.“

Wie sehr das Verhältnis von Männern und Frauen leiden kann, wenn jeder Kontakt unter dem Generalverdacht der „Sexuellen Belästigung“ steht, zeigt der folgende Text, der die Zustände in den USA der 90er-Jahre beleuchtet:

Kein Land der Welt, wo’s das nicht gibt: Anmache am Arbeitsplatz. Ein ernstes Thema – nichts für Spötter. Aber was sich zur Zeit in den Büros jenseits des Atlantiks zwischen den Geschlechtern abspielt, grenzt ans Absurde. Der Gründer der größten Männerbewegung der USA, der New Yorker Anwalt Sidney Siller, hat unter dem Titel „Überleben am Arbeitsplatz“ Büroregeln für den amerikanischen Mann aufgestellt. Nur bei strikter Einhaltung folgender Gebote, so argumentiert er, entginge man dem Vorwurf sexueller Belästigung:

  1. Schließe nie die Tür, wenn eine Kollegin zu dir ins Büro kommt. Bitte deine Sekretärin, bei dem Gespräch anwesend zu sein.
  2. Versuche nie, dich mit einer Kollegin zu verabreden. Halte dich strikt an eine Trennung von Privat- und Geschäftsleben.
  3. Fahre sie nie nach Hause oder nimm sie mit dem Auto mit, wenn du allein bist.
  4. Wenn eine Kollegin Interesse an dir zeigt, laß sie abblitzen.
  5. Iss nie mit einer Kollegin zu Mittag oder Abend. Nimm auch keinen Drink mit ihr.
  6. Sage ihr nie, daß sie gut aussieht. Mach keine Komplimente.
  7. Vermeide Themen wie Emanzipation, Sex, Abtreibung oder erotische Kunst.
  8. Benutze in ihrer Gegenwart nur anständige Ausdrücke.
  9. Stell ihr keine Fragen über ihr Privatleben. Kurz: Interessiere dich nicht für sie.

Merke: Selbst der ungerechtfertigte Vorwurf sexueller Belästigung kann dein Leben ruinieren!

Kaum zu glauben, aber leitende Angestellte in Manhattan leben tatsächlich nach diesen Regeln. Aus Angst um die Karriere. Und im Interesse der Arbeitgeber, denn die haften für das Verhalten ihrer Angestellten. Belästigung gilt als Diskriminierung und kann Klagen in Millionenhöhe zur Folge haben. Es reicht schon, wenn eine Frau im Büro zufällig ein Männergespräch mithört, in dem „Schlüpfrigkeiten“ geäußert werden. Der Austausch privater Informationen unter Verwendung frauenfeindlicher Ausdrücke kann mit Geldstrafen oder einer öffentlichen Entschuldigung bei der gesamten weiblichen Belegschaft geahndet werden. Findet ein Mann das Kostüm seiner Kollegin geschmackvoll, muß er sich einen Kommentar verkneifen. Allenfalls ein unverfängliches „Was für ein schönes Blau“ ist noch im Rahmen. Fragen nach dem Befinden des Ehemannes sind ebenfalls tabu. Und: sollte ein Mann gerade telefonieren, wenn eine Frau sein Büro betritt, darf er zur Begrüßung zwar mit dem Kopf nicken – das gilt als geschlechtsneutral. Zwinkern hingegen ist verboten… (Aus: Hörzu, 1995)

2. Vergewaltigung
Wie bei der Sexuellen Belästigung, so suggerieren Feministinnen auch bei Vergewaltigungen eine extrem hohe Verbreitung dieses Delikts und entsprechend beeindruckende Opferzahlen, obwohl gerade bei diesem sensiblen Thema eine sachliche Diskussion angebracht wäre.

„Jede vierte junge Frau Opfer sexueller Gewalt“ meldete beispielsweise die Frankfurter Rundschau vom 4. November 1997 und nahm auf eine Studie der Universität Potsdam unter 304 weiblichen Teenagern in Berlin und Brandenburg Bezug. Von denen hatten je sechs Prozent davon berichtet, schon einmal Opfer einer versuchten bzw. einer vollendeten Vergewaltigung gewesen zu sein, 12 Prozent erklärten, sexuell genötigt worden zu sein. In der Summe sind dies 24 Prozent und damit etwa ein Viertel. Diese Quote ergibt sich jedoch nur, wenn man „versuchte Vergewaltigung“ und „sexuelle Nötigung“, was immer darunter fällt, zur „sexuellen Gewalt“ rechnet. Wirklich vergewaltigt worden waren (nach eigenen Angaben) nur sechs Prozent.

Die Überschrift aus der „taz“ vom 27.2.2002: „Jede siebte Frau wird einmal in ihrem Leben vergewaltigt oder sexuell genötigt“ (Hervorhebung durch den Verfasser) kann als weiteres Beispiel für die bereits unter 1. angesprochene Manipulation durch Zusammenfassung unterschiedlich schwerwiegender Delikte zu der gewünschten hohen Gesamtzahl dieser Vorkommnisse dienen.

Ein Blick in die Kriminalstatistik zeigt ein anderes Bild, was die tatsächliche Häufigkeit von Vergewaltigung und sexueller Nötigung angeht:

Auszüge aus der Kriminalstatistik für das Jahr 2002 (Quelle: http://www.bka.de/pks/pks2002/startseite.html)

  • Straftaten Bundesgebiet insgesamt:  6 507 394
  • davon Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung: 53 860
  • davon Vergewaltigung und sexuelle Nötigung: 8 615 (=0,13 % aller erfassten Straftaten)
  • Opfer von Vergewaltigung und sexueller Nötigung: 8 705
  • davon vollendet: 7 105
  • versucht: 1 600
  • Weibliche Opfer: 8 370 (=0,02% aller Frauen in Deutschland)
  • Männliche Opfer: 335

Legt man nur die polizeilich aktenkundig gewordenen Fälle zugrunde, dann beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau (eine durchschnittliche Lebenserwartung von ca. 80 Jahren vorausgesetzt) einmal in ihrem Leben Opfer von vollendeter oder versuchter Vergewaltigung bzw. sexueller Nötigung wird, somit 1,6 Prozent. Dem ist einerseits natürlich eine gewisse Dunkelziffer in unbekannter Höhe hinzuzurechnen.

Dem stehen andererseits Schätzungen aus den USA gegenüber, die Falschbeschuldigungsquoten zwischen 25 und 60 Prozent der gemeldeten Vergewaltigungsfälle nahelegen (Hoffmann, „Sind Frauen bessere Menschen?“, S. 348 f.). Dr. Sigrist vom Institut für Gerichtsmedizin in St. Gallen wird im „St. Galler Tageblatt“ vom 6.7.1995 sogar mit der Aussage zitiert, zwei Drittel aller von seinem Institut untersuchten Vergewaltigungsfälle seien Fehlanzeigen.

Als Gründe dafür, warum offenbar so viele Frauen Männer fälschlicherweise der Vergewaltigung bezichtigen, kommen (laut einer Umfrage der „Washington Post“ unter Frauen) u.a. in Frage: Rachegefühle gegenüber einem Ex-Partner, Kompensation von Schuld- und Schamgefühlen, Geltungsbedürfnis, Rechtfertigung einer Abtreibung wegen unerwünschter Schwangerschaft sowie finanzielle Aspekte (vor allem in den USA, wo Vergewaltigungsopfer i.d.R. hohe Schmerzensgelder erwarten können).

Auch dass jeder Mann ein potenzieller Vergewaltiger sei, wie von Feministinnen gerne behauptet, stimmt nicht mit seriösen wissenschaftlichen Erkenntnissen überein: „Dass ein Vergewaltiger alles andere als der typische junge Mann von nebenan ist, wusste die psychoanalytische Forschung schon seit Jahren, bevor sie von der feministischen Propaganda überrollt wurde. All diese Gewalttäter weisen ‚eine emotionale und sexuelle Entwicklungsstagnation‘ auf, die schon in der Kindheit entstanden ist – oft durch eine dominierende Mutter – und von ähnlich strukturierten Partnerinnen reaktiviert wird. (…)

(Die) Einstellung zur Sexualität (ist) wie die Neigung zur Gewalt bei Männern wie Frauen eng an die jeweiligen selbst erlebten und erlittenen Erfahrungen gekoppelt. Männer, die sexuelle Gewalttaten begehen, stammen in aller Regel aus zerstörten Familien, weisen zahlreiche andere Symptome psychischer Instabilität auf, sind schlecht in die Gemeinschaft integriert und zeigen generell asoziale Tendenzen. Viele haben eine sehr schlechte Ausbildung, sind arbeitslos oder wechseln von Job zu Job. Sie gehören in der Regel den unteren Gesellschaftsschichten an. Einer Studie zufolge beträgt hingegen in sehr reichen Gegenden das Risiko vergewaltigt zu werden, nur eins zu zehntausend.

Triebtäter rekrutieren sich vorwiegend aus den Verlierern im Kampf um sozialen Status oder um die Zuneigung einer Frau. Beziehungen enden bei ihnen regelmäßig katastrophal. Wenn es zu Ehen kommt, scheitern sie früher oder später unweigerlich. Frauen werden als Verursacher von Frustration und Schuldgefühlen wahrgenommen. Wie bereits erwähnt kennen vier Fünftel der ‚echten‘ Vergewaltiger ihre Opfer nicht, sondern greifen fremde Frauen unter solchen Umständen an, bei denen ein Minimum an denkbarer erotischer Erfüllung und ein Maximum an Risiko zusammenkommen – der typische Angriff auf offener Straße. In buchstäblich jedem Fall geht dem Übergriff ein längerer Zeitraum psychischer Anspannung voraus, der sich zu höchster Verzweiflung emporsteigert.

All diese schwerwiegenden Persönlichkeitsstörungen sind schon in der Kindheit angelegt: Teenager, die mit alleinerziehenden Müttern aufwachsen, haben ein 14-faches Risiko, sich zum Vergewaltiger zu entwickeln. Drei völlig unabhängig voneinander durchgeführte Studien über Vergewaltiger aus den Jahren 1979, 1984 und 1993 weisen sämtlich auf eine alarmierend hohe Rate von vorangegangenem sexuellen Missbrauch dieser Männer durch Frauen hin: einmal zu 59 Prozent, ein anderes Mal zu 66 Prozent, die neuste Studie spricht sogar von 80 Prozent.“ (Hoffmann, a.a.O., S. 336)

3. Pornographie
1998 startete die feministische Monatszeitschrift EMMA eine Kampagne gegen Pornographie. Das „Frauenbündnis gegen Pornographie, Kinderhaß und Frauenhaß“ wurde von weiblichen Bundestagsabgeordneten aller Parteien unterstützt und sprach sich für ein gesetzliches Verbot von Pornographie aus. Im Aufruf hieß es u.a.: „Wir – Politikerinnen aus allen Parteien – haben uns jenseits des Wahlkampfes zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen die vor allem Kinder und Frauen bedrohende sexuelle Gewalt zu kämpfen. Der Zusammenschluß zwischen Pornokonsum und sexueller Gewalt ist heute offenkundig und längst wissenschaftlich bewiesen. (…) Zwei von drei jungen Männern in Deutschland frequentieren heute regelmäßig pornographische Medien. Wirkungsforscher fanden heraus, daß ‚auffällig viele Sexualdelikte direkt durch Sex- und Pornomedien verursacht‘ werden und der Konsum von Gewaltpornographie in Verbindung mit instabilen psychosozialen Verhältnissen junge Männer geradezu zwangsläufig zu Sexualverbrechern macht (Glogauer-Studie). Immer mehr Täter stellen Vergewaltigung, sexuelle Folter und Sexualmorde minutiös nach Pornos nach. Wir brauchen also ein gesellschaftliches Umdenken – und eine neue, zeitgemäße Definition von Pornographie und Sexualgewalt. Pornographie ist kein Verstoß gegen die Moral, Pornographie ist ein Verstoß gegen die Menschenwürde. Pornographie ist sexualisierter Haß.“

Das Frauenbündnis verknüpft in seinem Aufruf Kinderpornographie (deren gesellschaftliche Ächtung selbstverständlich über jeden Zweifel erhaben ist) mit jener Form von Pornographie, die erwachsene Frauen darstellt, als sei beides auf eine Stufe zu stellen. Des weiteren wird behauptet, es gäbe ein wissenschaftlich bewiesenen Zusammenhang zwischen Pornographiekonsum und sexueller Gewalt gegen Frauen. Die Arbeitsgruppe „NOporNO“, die sich als Antwort auf die EMMA-Aktion gründete, stellt hingegen auf ihrer Internetseite fest, dass es keine wirklichen Beweise und keine klaren Untersuchungsergebnisse gibt, die den Zusammenhang von Ponographiekonsum und sexueller Gewalt belegen:

„Weder für noch gegen die vom Frauenbündnis aufgestellten Thesen. Was aber nicht heißt, es gebe keine Untersuchungen dieser Thematik. Im Gegenteil! Es ist nur nicht so einfach, wie das Frauenbündnis es gern hätte, und uns weismachen möchte. Zum Beispiel hat Cynthia Gentry 1991 herausgefunden, daß an Wohnorten, die über einen hohen Anteil von Männern zwischen 18 und 34 Jahren verfügen, eine hohe Präsenz von sexuell anschaulichen Zeitschriften ebenso vorhanden ist, wie eine hohe Rate von Gewaltdelikten. Aus diesen Fakten den Schluß zu ziehen, daß die Ursache die hohe Präsenz von sexuell anziehenden Zeitschriften ist, entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Andere Wissenschafter haben an solchen Orten festgestellt, daß ein ‚hypermaskulines oder machohaftes Kulturmuster‘ vorherrscht. Auch dieses könnte ein Grund für die Gewalt gegen Frauen sein.

Professor Bert Kutchinsky von der Universität von Kopenhagen legte 1991 einen Bericht vor, aus dem hervorging, daß die nichtsexuellen Gewaltverbrechen in Dänemark, Schweden und Westdeutschland zwischen 1964 und 1984 um 300% gestiegen waren, die Vergewaltigungsrate aller drei Länder aber während dieses Zeitraumes entweder zurückging oder konstant blieb, obwohl diese Länder gleichzeitig ihre Verbote sexueller Materialien erheblich lockerten.

In Japan, wo es sehr einfach ist, sexuell anschauliche Materialien zu erhalten, wo Themen wie Fesselung, Vergewaltigung und Gewalt besonders viel Raum einnehmen, beträgt die offizielle Vergewaltigungsrate 2,4 pro 100.000 Einwohner. In den USA, wo es deutlich schwerer ist, entsprechendes Material zu bekommen, 34,5 pro 100.000 Einwohner. (Marcia Pally: Sex and Sensibility: Reflection on Forbidden Mirrors and the Will to Censor, Hopewell, N.J. 1994, S. 57ff.)

Es gibt breiter angelegte Forschungen, aus denen eindeutig hervorgeht, daß eine Zensur beliebiger (!) Materialien das Verlangen eines Publikums vergrößert, diese Materialien zu sehen und daß das Publikum dann dazu neigt, sich leichter von ihm beeinflussen zu lassen. (Timothy C. Brook: Erotic Materials: A Commodity Theory Analysis of Availability and Desirability, Technical Reports of the U.S. Commission on Obscenity and Pornography 6 (1971), S. 131ff.)

Abschließend bleibt zu sagen, daß es weder Beweise für Zusammenhänge zwischen Pornographie und Gewalt gegen Frauen und Kinder gibt, noch Beweise, die dagegen sprechen. In wissenschaftlich durchgeführten Studien läßt sich derzeit eher eine Argumentation gegen ein Gesetz gegen Pornographie erkennen. Zumindest ist es für einen Staat sehr gefährlich, sich mit den ganzen Auswirkungen, die eine Zensur mit sich bringt, zu belasten, bei einer solch unzureichenden Beweisführung. Eine Beweisführung, die sich fast ausschließlich auf aufgestellte Thesen von Alice Schwarzer stützt. Auch muß sich der Staat dann die Frage gefallen lassen, wer bestimmt was Pornographie ist und was nicht?“

In Ausgabe Nr. 14 der Zeitschrift „Eigentümlich frei“, die sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Pornographie beschäftigt, stellt Arne Hoffmann fest: „Mit Frauenbefreiung hat dieser Feldzug trotz aller gegenteiligen Beteuerungen nicht das Geringste zu tun: In einer vergleichenden Studie der 50 Bundesstaaten der USA zeigte sich eine hohe Übereinstimmung zwischen der Verbreitung pornographischer Schriften und Merkmalen, die auf eine ökonomische, politische und legale Gleichstellung von Mann und Frau hinwiesen. Dies ließe sich dadurch erklären, dass sowohl sexuell offenherziges Material als auch Geschlechtergleichheit vor allem in einem toleranten, liberalen Klima gedeihen, in dem das Recht auf freie Meinungsäußerung größer ist. Ein ähnlicher Vergleich lässt sich auch auf internationaler Ebene ziehen: Gewalt gegen Frauen und deren Diskriminierung ist in Staaten an der Tagesordnung, in denen dem Bürger der Zugang zu erotischen Bildern und Texten fast völlig verwehrt wird, etwa in Saudi-Arabien, im Iran und in China ? wo der Verkauf von Pornographie ganz im Sinne der ‚Emma‘-Gesetzesvorlage als Kapitalverbrechen gilt.“

In Kanada änderte der Oberste Gerichtshof die strafrechtliche Definition von Pornographie im Sinne der EMMA-Forderungen ab und bewirkte damit u.a., dass fast ausschließlich homosexuelles und feministisches Material beschlagnahmt wurde und mehr als die Hälfte aller feministischen Buchhandlungen durchsucht wurden. Der Besitz von Büchern wie „Vom Winde verweht“, „Lolita“ und „Romeo und Julia“ ist vor dem Gesetz strafbar. Wer allein für den eigenen Gebrauch erotische Phantasien mit Minderjährigen niederschreibt, kann mit 10 Jahren Gefängnis bestraft werden, wenn diese Aufzeichnungen entdeckt werden (die kanadische Polizei führt beim leisesten Verdacht auf den Besitz pornographischen Materials Razzien in Privatwohnungen durch). Die Einstellung der kanadischen Politik zu diesem Gesetz wird im Zitat von Tom Wappel deutlich, Mitglied des kanadischen Parlaments: ?Es ist falsch, diese Phantasien zu haben, und es ist falsch, sie aufzuschreiben. Basta!?

In den USA, wo ähnliche Zustände herrschen, wurden von den Zensurbehörden u.a. eingezogen: die Verfilmung von Günter Grass‘ „Blechtrommel“, „Das Tagebuch der Anne Frank“, Mark Twains „Huckleberry Finn“, Orwells „1984“, „American Psycho“ sowie der Film „Das Schweigen der Lämmer“, allesamt wegen angeblicher pornographischer Inhalte. In Ohio erwirkten die Behörden auf der Grundlage der Pornographie-Gesetzgebung ein Verbot des AIDS-Vorsorgeunterrichts. In einer Schule in Jacksonville, Florida, wurde das Märchen von Schneewittchen und den sieben Zwergen im Winter 1992 auf die Liste verbotener Bücher gesetzt.  (Quelle: EF-Magazin)

Auch wenn sich die Verhältnisse in Nordamerika sicherlich nicht ohne Weiteres auf Europa übertragen lassen, zeigen solche Fehlentwicklungen die Gefahren auf, die staatliche Zensur für Demokratie, Bürgerrechte und persönliche Freiheit mit sich bringen kann.

Neben der vorgeblichen Förderung von sexueller Gewalt gegen Frauen durch pornographisches Material stoßen sich Feministinnen auch an der Ausbeutung der Frauen (als Sex-Objekte) durch die männlichen Pornographie-Konsumenten. Frauen zu pornographischen Darstellungen zu zwingen ist fraglos ein Verbrechen. Doch in der Regel werden Frauen nicht dazu gezwungen, sich als Objekte sexueller Begierde herzugeben, sondern wählen diese Form, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, freiwillig. Einen Aspekt, den die „Spinbusters“ aus den USA auf ihrer Internetseite ansprechen: „Mädchen und Frauen werden dafür belohnt, ihren Körper (sowie die Sexualität im Allgemeinen) zu verwerten, zu verkaufen und damit in der gesamten westlichen Zivilisation eine erhebliche Kontrolle über Männer zu erlangen. Erstaunlicherweise sehen die Feministinnen in diesem unmoralischen Transfer von Geld und Macht eine Ausbeutung von Frauen durch Männer. Wenn Männer Frauen bezahlen, um sie zu berühren, Sex mit ihnen zu haben oder ihnen beim Ausziehen zuzusehen, wird ihnen eingeredet, sie unterdrückten die Frauen, derweil sich ‚Sex-Arbeiterinnen‘ bereits mit 23 zur Ruhe setzen könnten.“

Bildquelle: (c) Thoben Wengert/www.pixelio.de

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Lesermeinungen

  1. Von Wolf

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