Gerhard Amendt im Interview mit MANNdat

von Dr. Bruno Köhler

MANNdat: Die Männer-Verdammungsrhetorik scheint übermächtig. Was können Männer tun, um dieser Verdammungsrhetorik entgegen zu wirken?

Prof. Gerhard Amendt: Die einfachste Antwort ist: Männer müssen sich wehren. Nur: Sie tun es nicht. Zumindest die meisten lassen alles beim Alten. Die alles entscheidende Frage ist deshalb: Warum wehren sie sich nicht? Es ist ein Paradox, dass sie sich gegen das wehren, was ihnen das Leben durchaus leichter machen würde. Um die Richtung einmal nur anzudeuten: Warum sagen Männer nicht, „Wenn Frauen beruflich tätig und erfolgreich sein wollen, warum treten wir dann nicht die Letztverantwortung für den Familienunterhalt ausdrücklich und lautstark an sie ab?“ Also: Zuständigkeit der Frauen auch zu Zeiten der Arbeitslosigkeit, ständige Neuqualifizierung am Arbeitsmarkt, Qualifikation für technische Innovation, die unser aller Wohlstand bislang begründet, und Arbeit die gemacht werden muss, damit das ganze funktioniert? Warum lassen Männer Frauen die Wahl, wo sie arbeiten möchten, statt sie aufzufordern auch das zu tun, was weniger erbaulich ist? Die Selbstverständlichkeit, mit der Männer die Letztverantwortung für alles übernehmen, ist der Klotz an ihrem Bein und an ihrer Seele. Weil Männer das nicht wollen und nicht können, schweigen sie auch zur Quote. Hauptsache die Frauen sind zufrieden!

Im Übrigen müssen sich auch Frauen gegen die Verdammungsrhetorik wehren. Unterlassen sie das, dann anerkennen sie die Verächtlichmachung ihrer Partner, Ehemänner, ihrer Väter wie Großväter und vor allem ihrer Söhne. Der Widerstand gegen die Verdammungsrhetorik kann letztlich nur eine gemeinsame Anstrengung von Männern und Frauen sein. Gegen die Verdammungslogik, die in subtilen Formen Einzug in die Welt der Schulbücher und des Unterrichts gehalten hat, können Väter und Mütter nur gemeinsam etwas erreichen. Dazu müssen sie auch die Bevorzugung ihrer Töchter, die zu Lasten ihrer Söhne geht, zurückweisen.

MANNdat: Sie fragen in Ihrem Buch „Denken die Männer zu wenig an sich selbst?“ Tun sie das?

Prof. Gerhard Amendt: Mir wird immer klarer, dass Männer sich selbst vernachlässigen, weil sie innerlich darauf geeicht sind, zuerst einmal an Frauen zu denken. Sie denken auch an sich, aber selbst dann ist es an die Frage gebunden, ob sie das im Dienste des Wohlbefindens von Frauen tun oder ob sie sich egoistisch über Frauenbelange hinwegsetzen. Dass es dazu keine Forschung gibt und auch keine geben wird, hat damit zu tun, dass damit alles in Frage gestellt würde, was Männer bislang von Frauen erpressbar macht und womit sie sich, nicht minder gewichtig, auch selbst unter Druck setzen und damit auf Glück und Zufriedenheit verzichten. Die Kultur der Schuldzuweisung, die die Grundform der meisten Feminismen bildet, würde ins Leere greifen. Dass die meisten Männer sich gegen die Schuldzuweisungen des Feminismus nicht wehren, bestätigt diese These.

MANNdat: Es gibt Bestrebungen, unter der K.O.-Floskel „Antifeminismus“ auch generell Feminismuskritik EU-weit strafrechtlich verfolgen zu lassen. Welche Konsequenzen erwarten Sie bei einem solchen Feminismuskritikverbot für die Liberalisierung der geschlechterpolitischen Debatte, für das Verhältnis zwischen Männern und Frauen und speziell auch für sich, als Kritiker einzelner feministischer Ansätze, und Ihre Arbeit selber?

Prof. Gerhard Amendt: Dieses obskure Ansinnen hat im Wesentlichen zwei Gründe. Faktisch machen die politischen Verhältnisse heutzutage eine offene Debatte über Geschlechterbeziehungen bereits unmöglich. Die Art wie Männer und Frauen ihre Beziehungen zum Guten wie zum Schlechten gestalten, lässt sich zum Beispiel in der Evangelischen Kirche (EKD), an linken Fakultäten der Universitäten und schon gar in den öffentlich rechtlichen Fernsehanstalten nicht mehr diskutieren. Wer das wagt, beendet seine Karriere, egal ob Mann oder Frau. Da die Repräsentanten der politisch korrekten Sprachhülsen sich aber weitgehend im Ruhestand befinden, zeigt die politische Correctness Zerfallserscheinungen. Zumal in den Wissenschaften obendrein erörtert wird, ob Genderstudien einfach nur als Ideologie und eben nicht als Wissenschaftsdisziplin zu gelten haben.

Diese Diskussion soll abgewürgt werden, damit der „Genderismus“ wie ein leckes Schiff nicht untergeht, sondern auf trockenes Land aufsetzen kann, um so sein Untergehen zu vertuschen. Diese Tendenz verschärft sich obendrein, weil die tragenden Mythen über die „ach-so-bösen-Männer“ einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten, sondern sich als „gewollte Stümperei in politischer Absicht“ herausstellen. In den USA ist das bereits in vollem Gange. Der Zerfall der Mythen über „die Männer“ hat zwei gravierende Folgen für feministische Politik: Die ideologischen Grundlagen feministischer Politik entziehen der staatlichen Finanzierung die Rechtfertigung und, was noch folgenreicher ist, Frauen wehren sich dagegen, ganz besonders die jungen, durch selbsternannte Eliten zu einem Opferkollektiv verschweißt zu werden, das angeblich der Aufsicht und Förderung durch den Staat bedürfe. Das widerspricht dem Lebensgefühl und dem Selbstbewusstsein der meisten jungen Frauen. Und fallen erst einmal die Männermythen, dann schmilzt der Opferstatus wie Butter in der Sonne!

MANNdat: Haben Sie schon Repressalien erlebt, weil Sie sich auch feminismuskritisch äußern?

Prof. Gerhard Amendt: Über Beziehungsprobleme im Privaten zu diskutieren, fällt den meisten schon schwer und kann Ärger und Aggression auslösen. Öffentlich über Geschlechterarrangements in kritischer Absicht zu reden, hat sich hingegen in ein politisches Risiko verwandelt. Es löst zusehends immer häufiger Gewalt aus. Wir beobachten eine extrem beunruhigende Entwicklung. Kleine gewaltbereite Gruppen, die glauben, ihre politisch korrekte Meinung mit Gewalt durchsetzen zu dürfen, machen kritische Veranstaltungen fast unmöglich. Ich habe mich auf dem ersten Männerkongress an der Heinrich Heine Universität zwei Tage nur mit Bodyguards bewegen können, die der Rektor zu meiner Sicherheit und zur Gewährleistung von Wissenschaft- und Meinungsfreiheit eingesetzt hat. Ähnliches ist dem Militärhistoriker Creveld widerfahren, der Sozialpädagogin Monika Ebeling; und an der TU-Berlin hat sich unlängst die studentische Vertretung den Drohungen von linken Gruppen gebeugt, um die Diskussion der Frauenquote zu unterbinden, weil die Tugendwächter sich dadurch beleidigt fühlen würden. Dem Präsidenten der TU Berlin ist vorzuhalten, dass er diese Gruppen gewähren lässt und damit den Anfängen nicht wehrt. Es wird davor zurückgescheut, rechtsstaatlich legitimierte Gewalt einzusetzen, die den Erhalt der Freiheit letzlich sichern muss. Das ist ein Dilemma der linksliberalen Öffentlichkeit. Sie sind gegen jede Gewalt und weigern sich gegen demokratiefeindliche Tendenzen mit der legitimen Gewalt einer demokratischen Gesellschaft dagegen vorzugehen. Sie wollen nicht wahrhaben, dass Gewalt etwas Fortschrittliches sein kann.

Ein wichtiger Aspekt. Die Aggressivität gegen geschlechterpolitische Freidenker schadet einer nachhaltigen Geschlechterpolitik. Wollen wir hoffen, dass endlich ein ehrlicher geschlechterpolitischer Diskurs in Gang kommt. Wir danken Ihnen für das Gespräch.

Hier können Sie sich für den MANNdat-Rundbrief anmelden.

Bildquelle: (c) Gerhard Amendt

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Lesermeinungen

  1. Von Wolf

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  2. Von Wolf

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  3. Von Constantin Dorsch

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  4. Von Jepo

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