Frauenabteile der MRB in der Genderkritik

von Dr. Bruno Köhler

Regionalbahn_px718schmal_Thomas Wolf, www.foto-tw.deRegionalbahn – Thomas Wolf, www.foto-tw.de

Stellen Sie sich vor, Sie steigen in eine volle Bahn, erspähen noch einige freie Sitze und freuen sich, Platz nehmen zu können. Doch dann kommt jemand daher und raunzt Sie an, welch ein sexistisches Schwein Sie doch sind, weil Sie sich auf einen für Frauen reservierten Platz gesetzt haben. Das kann Ihnen ab jetzt bei der MRB geschehen. Man nennt das dort „Kundenservice“.

Hintergrund

Die Mitteldeutsche Regiobahn MRB hat vor einiger Zeit als erstes Bahnunternehmen in Deutschland in ihren Zügen auf der Linie RE 6 zwischen Leipzig und Chemnitz reine Frauenabteile eingeführt. Nachdem es Proteste gab, hieß es, es läge ein Missverständnis vor. Ein MRB-Sprecher soll dem Magazin VICE gegenüber erklärt haben: „Natürlich dürfen auch Männer rein!“ Die angeblichen Frauenabteile hießen in Wirklichkeit Familienzonen und seien ein Angebot für Alleinreisende mit Kindern, für Gehandicapte und Rentner, die gern in der Nähe des Zugbegleiters und nicht weit vom Eingang sitzen. Doch das entpuppte sich als Ente. Die Frauenabteile gibt es wirklich.

MANNdat hatte deshalb Anfang April bei der MRB angefragt. Bei der Antwortmail vom 27. April 2016 handelte es sich zu unserer Enttäuschung offenbar um eine Pauschalantwort, mit nur wenig substanziellem Inhalt. Weibliche Kundschaft bekommt von der MRB auf Wunsch spezielle Abteile, männliche Kundschaft bekommt noch nicht einmal eine konkrete und kompetente Antwort auf ihre Fragen. Ein Thema für uns. Wir recherchierten weiter.

Frauenabteile als Ausdruck unseres Zeitgeistes

Die MRB hat Frauenabteile in Bahnen nicht erfunden. Auf Arne Hoffmanns Blog „Genderama“ heißt es:

„In der Schweiz etwa führte die SBB vor fast 15 Jahren ein entsprechendes Pilotprojekt durch. Wegen der geringen Nutzung wurde schließlich ein anderes Sicherheitskonzept weiterverfolgt – ohne Frauenabteile. In Tschechien drohte 2012 der „Väter-Bund“ der Bahn mit einer Klage gegen „Apartheid-ähnliche Regelungen“, als dort entsprechende Abteile in Fernzügen angekündigt wurden.
(…) Auch [in Großbritannien] wurde emotional diskutiert, die BBC zitierte unter anderem eine Studie der Middlesex University, die das Konzept als möglichen Rückschritt bezeichnete, der „als beleidigend, bevormundend und beschämend sowohl für Männer als auch für Frauen verstanden werden könnte“. Gerade in Großbritannien, wo die letzten „Ladies only“-Abteile erst 1977 aus den Zügen verschwanden, sahen viele weniger Vorteile als vielmehr Diskriminierung in einer derartigen erneuten Trennung – auch wenn diese nur optional und nicht verpflichtend wäre.…
In anderen Ländern sind Frauenabteile etwa in der U-Bahn oder in Zügen alltäglich – unter anderem in Japan, Indien, Mexiko, Brasilien, Ägypten oder Indonesien.“

Da in Indien die Züge oftmals hoffnungslos überfüllt sind, werden die männlichen Fahrgäste oft genötigt, sich außen an den Zug zu hängen, während die weiblichen Fahrgäste wohlbehalten in ihren Frauenabteilen sitzen. Dadurch verunglücken jährlich viele Männer, auch tödlich. Es gibt sogar einen Fall, bei dem wütende weibliche Fahrgäste einen Mann, der sich in ihr Abteil verirrt hatte, kurzerhand umbrachten, indem sie ihn aus dem fahrenden Zug warfen. Das sind politische inkorrekte Fakten, über die unsere sonst so mit Adlerauge und Genderblick Indien beobachtenden Medien ebenso geflissentlich den Mantel des Schweigens ausbreiten wie die Berufsgenderisten in unserem Land.

Tanja Paar schreibt im österreichischen Standard am 6. April 2016:

„1,4 Millionen Reisende seien pro Tag in den Zügen der ÖBB unterwegs, zu Übergriffen käme es kaum: (…) „Bedrohungen und Tätlichkeiten gegen Reisende“ gab es im Jahr 2015 insgesamt 15, das sei ein Rückgang um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. (…) Faktum ist aber, dass die Frauenabteile, die es bei den ÖBB seit 2003 gibt, kaum nachgefragt werden, Tendenz fallend. „Nicht einmal zwei Prozent der allein reisenden Frauen buchen das Frauenabteil“, so Braun. „Wir bieten das an, aber es ist rückläufig. (…) Für uns ist das eher ein Komfortthema als ein Sicherheitsthema, zum Beispiel wenn Frauen mit Säuglingen ihre Ruhe beim Stillen haben wollen.“
(…) „Aus unserer Erfahrung ist das so gut wie kein Thema“, sagt Pressesprecher Thomas Posch zur Situation bei der Westbahn. (…) Was Übergriffe auf KundInnen betreffe, sei ihm kein einziger Fall bekannt.“

Zwar habe ich als jahrelanger regelmäßiger Bahnkunde noch keine sexuellen Übergriffen gegenüber weiblichen Bahnkunden erlebt. Aber uns ist klar, dass es solche gibt und geahndet werden müssen. Doch werfen wir einmal einen Blick in den von feministischen Netzwerken hochgepuschten Hashtag #imzugpassiert Anna Lena Bakels, der die Diskussion um diese neue Form der Frauen-Männer-Separation anheizt. Dort werden z. B. völlig undifferenziert Männer, die sich die Kleidung richten oder Männer, die sich auf freie Plätze neben Frauen setzen, mit Vergewaltigern auf eine Stufe gestellt. Oder auch im Hashtag genannt: „Mann starrt mich mit irren Augen über den Gang an“.

Alles begann damit, dass sich Frauen von den Blicken der Männer belästigt fühlten…

Alles begann damit, dass sich Frauen von den Blicken der Männer belästigt fühlten

Maßnahme ohne sachliche Notwendigkeit

Die MRB schrieb uns auf unsere Anfrage: „Die speziell gekennzeichneten Abteile sind, wie die besonders ausgewiesenen Ruhezonen, eine zusätzliche Serviceleistung in den Zügen der Mitteldeutschen Regiobahn. Mit der Einführung der Frauenabteile setzten wir einen Wunsch unserer Fahrgäste um. Es geht uns bei dieser Maßnahme vor allem darum, dass sich die Fahrgäste in unseren Zügen zu jedem Zeitpunkt sicher und wohl fühlen.“

Hier will uns die MRB hinters Licht führen. Es geht der MRB eben nicht darum, dass sich die Fahrgäste in unseren Zügen zu jedem Zeitpunkt sicher und wohl fühlen. Es geht ihr darum, dass sich nur der weibliche Anteil der Fahrgäste sicher und wohl fühlt. Ob sich der andere Teil sicher und wohl fühlt, interessiert die MRB nicht. Wenn es der MRB wirklich um die Sicherheit der Fahrgäste ginge, hätte sie ihre Bahnen für alle, also auch für männliche Kunden, sicherer gemacht, denn immerhin werden laut WHO Männer dreimal so häufig Opfer von Gewalt als Frauen.

Und tatsächlich bestätigt die MRB indirekt, dass diese Privilegierung weiblicher Kunden keineswegs sachlich begründet ist. Auf die Frage, wie viele Frauen und wie viele Männer im vergangenen Jahr trotz Vorkehrungen, wie z. B. einen Kundenbetreuer in den Bahnen, in Bahnen der MRB Opfer von Gewalt geworden seien, hieß es in ihrer Antwort, dass sich in den MRB-Bahnen eine besondere Häufung von Straftaten – auch von sexuellen Übergriffen – nicht feststellen lasse.

Service auf Kosten der männlichen Kunden

Wir gehen davon aus, dass die männliche Kundschaft der MRB deren Entscheidung zur Geschlechterseparation im Gegensatz zu männlichen Fahrgästen in Indien nicht mit ihrem Leben bezahlen muss. Aber Männer bezahlen für weniger Leistung, hier in Form von geringerer Anzahl von Sitzplätzen, immerhin den gleichen Fahrpreis – ein Gender Service Gap.

Schwimmt die MRB lediglich auf der Welle der Ausländerfeindlichkeit mit?

Interessanterweise hat uns die MRB keine Antwort auf die Frage gegeben, ob sie auch Kundenwünschen nach ausländerfreien Zugabteilen nachgeben würde. Das lässt viel Spielraum zu Spekulationen.

Die Silvesternacht von Köln hat nachhaltig die Einstellung der Gesellschaft und der Politik gegenüber Ausländern geändert. Durch die Vermischung von politisch inkorrekter Ausländerfeindlichkeit und politisch korrekter Männerfeindlichkeit hat sich eine Mischung gesellschaftlich und politisch zumindest geduldeter Feindseligkeit gegenüber jungen männlichen Ausländern herausgebildet.

Aber gehen wir einfach davon aus, dass die MRB unsere Anfrage diesbezüglich einfach gar nicht gelesen, sondern uns einfach ihre Pauschalantwort geschickt hat – eben minderwertiger Männerkundenservice bei der MRB.

Sexism sells

women-only_150Sachlich gerechtfertigt ist die Ausgrenzung von männlicher Kundschaft aus bestimmten Zugabteilen also nicht. Die Privilegierung von weiblicher Kundschaft auf Kosten der männlichen Kundschaft, um weibliche Kundschaft anzulocken, ist nicht neu. Spätestens seit den Frauenparkplätzen beglücken uns Werbestrategen regelmäßig mit immer neuem speziellem Frauenservice. Einen Beleg, dass Frauen auf Parkplätzen häufiger Opfer von Gewalt würden als Männer, gibt es bis heute übrigens auch nicht. Auch Frauenparkplätze wurden seinerzeit nicht aus Gründen der Sicherheit, sondern aus Gründen des schnöden Mammons eingeführt, als Werbegag, um die größere weibliche Kundschaft zu ihren Warenhäusern zu locken. Erst später wurde ein Sicherheitsgrund nachkonstruiert, um dieser Ungleichbehandlung eine Art von Rechtfertigung zu geben.

„Positive“ Diskriminierung

Menschen haben das Bedürfnis, ihre Situation zu verbessern. Das ist verständlich und auch legitim. In einer auf Menschenrechten basierenden Gesellschaft hat dieser Wunsch aber spätestens dort seine Grenzen, wo die Grundrechte anderer eingeschränkt werden. Diese Grenze wird heute „gleichstellungspolitisch“ zunehmend überschritten. In der Geschlechterpolitik gilt heute nahezu jede Einschränkung von Grundrechten von Jungen und Männer aus Gründen der Frauenförderung als pauschal gerechtfertigt. Die Geschlechterpolitik hat für diese zunehmende Einschränkung von Grundrechten von Jungen und Männern den Euphemismus „Positive Diskriminierung“ erfunden. Ob aber eine Diskriminierung „positiv“ oder „negativ“ ist, ist ausschließlich eine Frage des Standpunktes. Für diejenigen, die diskriminieren oder von der Diskriminierung profitieren, ist Diskriminierung immer „positiv“. Sklaverei war auch eine „positive Diskriminierung“ – aus Sicht der Sklavenhalter und Sklavenhändler.

Der Feminismus fordert einerseits Gleichheit, wünscht aber gleichzeitig immer mehr Dienstleistungen, die in Abhängigkeit zum weiblichen Geschlechtsteil stehen. Es ist ein Paradebeispiel für Doppelmoral. Lange hat uns die Frauenpolitik vorgemacht, Geschlechterseparation sei eine Ausgeburt eines frauenfeindlichen Patriarchats. Die Realität zeigt das Gegenteil. Es ist die Frauenpolitik und es sind Frauen selbst, die Frauen separiert sehen wollen. Spezielle Frauenbibliotheken, Frauenuniversitäten, Frauenfortbildungen, Frauenschwimmbadtage, Frauenturnhallen usw. Berlin will jetzt sogar reine Frauenfußballplätze einrichten. Die Linke fordert aktuell, dass Frauen in Jobcentern das Recht haben sollten, nur von Frauen beraten werden zu dürfen. Diese Beispiele zeigen, dass Geschlechterseparation keine patriarchalen Hintergründe hat. Die Frauenzüge der MRB sind da nur die logische Fortentwicklung des Zeitgeistes. Es ist mit Sicherheit nicht das Ende der Fahnenstange.

Generation „Schneeflocke“

Katharina Rutschky, eine der wenigen kritik- und dialogfähigen Feministinnen, hatte im ihrem Beitrag Hoffen auf bessere Zeiten – Feminismus auf Krankenschein in der taz (ja, es gab tatsächlich Zeiten, in denen die taz feminismuskritische Artikel erlaubte!) vom 12.September 1998 dargelegt:

cartoon_150„Die Frauenbewegung war und ist als ‚Politik für Frauen‘ eine Angelegenheit der akademisch qualifizierten Mittelklasse. Ihr Problem­bewusstsein reichte nur zur Etablierung einer Beschwerdekultur, mit den Männern als Adressaten und Vater Staat als Medizinmann. […] Schon die Studentinnen von 1968 waren nicht benachteiligt, sondern von einer Freiheit gefordert, für die es in der Geschichte kein Beispiel gibt. Statt hier anzusetzen, hat man das überholte Modell der ewig nörgelnden Ehefrau auf Politikformat gepustet.“

Rutschky kritisierte damit schon vor fast 20 Jahren Frauenaktivistinnen, deren Motivation und Befriedigung offensichtlich lediglich darin besteht, Männer bzw. auf politischer Ebene den Staat mit grotesken Empfindlichkeiten unter Druck zu setzen, bis sie sich ihrer Gefühlstyrannei beugen. Gerade solchen Aktivitäten wie die „Frauenabteile“ sind ein Ausdruck dieses Verständnisses. Solchen Forderungen wird nachgegeben, obwohl es gar keine Notwendigkeit dafür gibt. Generation Snowflake, Generation „Schneeflocke“, nennt die britische Vordenkerin und Kopf des „Institute of Ideas“ Claire Fox die wachsende Gruppe von jungen Frauen, die meinen, es sei ihr Recht, vor jeder noch so kleinen Unannehmlichkeit oder Konfrontation geschützt zu werden.

Und Sebastian Wessels analysiert auf seinem Blog den männerfeindlichen Feminismus, wie er aktuell etwa von Anne Wizorek vertreten wird, und den der Sozialwissenschaftler und geschlechterpolitische Experte Prof. Amendt als “Verdammungsfeminismus” bezeichnet. Wessels legt dar, dass dieser auf den in der menschlichen Psyche tief verankerten Frauen-sind-wundervoll-Effekt und der offenbar ebenso tief verankerten Man-muss-vor-allem-Frauen-helfen-Einstellung basiert. Das erklärt, warum jede auch noch so skurrile feministische Forderung früher oder später einmal von irgendjemand umgesetzt wird, ohne den Sinn dahinter überhaupt noch kritisch zu hinterfragen.

#imzugpassiert einmal politisch inkorrekt!

Wer übrigens im Internet stöbert, z. B. unter „Es ist nix passiert“, findet durchaus auch andere interessante Dinge, die im Zug passieren, wie z. B. unter Eine Meldung und ihre Geschichte, Totes Baby im Zug oder In der Zug-Toilette.

Fazit

Nach unserer Ansicht hat die Schaffung von Frauenabteilen überhaupt keinen sicherheitstechnischen Hintergrund. Es ist ein männerfeindlicher Werbegag, um weibliche Kunden anzulocken, und der voll auf Kosten der männlichen Bahnkunden geht. Es ist der zeitgeistkonforme Ausdruck einer jungen-, väter- und männerfeindlichen Zeit.

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Lesermeinungen

  1. Von Hans-Dieter Brune

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  2. Von Daniel

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    • Von Dr. Bruno Köhler

  3. Von wolf

    Antworten

  4. Von Helmut Freisinger

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    • Von Georg Paul

  5. Von Wolf Jacobs

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