Kita-„Schnüffelbroschüre“ – welche Erkenntnisse wir daraus ziehen können

von MANNdat

Bild: AdobeStock 75195383 von Christian Schwier
Die Ausgrenzung Andersdenkender betrifft nun auch schon Kinder. Wie weit geht die Gesinnungspolizei noch?

Derzeit wird „Ene, mene, muh – und raus bist du“, die Kita-Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung (AAS), kontrovers diskutiert. Die einen nennen es „Gesinnungsschnüffelei“ oder „Elternspionage“. Für die anderen, wie z. B. der Familienministerin Franziska Giffey (SPD), die die Broschüre unterstützt und ein Vorwort dazu geschrieben hat, ist es gelebte Demokratie.

Im Prinzip enthält die Broschüre nichts anderes, als was man von einem Produkt der Amadeu Antonio Stiftung erwartet. Die Stiftung macht das, was sie immer tut. Sie diskreditiert Menschen, die den politischen Mainstream hinterfragen oder gar kritisieren. Dass sich deshalb vor allem viele CDU-Politiker darüber echauffieren, ist sachlich nicht gerechtfertigt, denn die CDU trägt als Regierungspartei die volle Mitverantwortung, dass die AAS seit Justizminister Heiko Maas quasi als „Gesinnungspolizei“ fungieren darf.

Mit der Broschüre will die AAS Erzieherinnen helfen, wie sie aus dem Verhalten, den Aussagen und der Kleidung von Kindern Rückschlüsse auf die politische Gesinnung der Eltern, insbesondere auf rechtsextremistische und rassistische Gesinnung, ziehen können und wie sie mit diesen dann umgehen sollen. Wenn man bedenkt, wie es noch im Oktober nachvollziehbar heftige Kritik über eine „interaktive Plattform“ der Hamburger AfD gab, auf der Eltern und Schüler parteikritische Lehrer melden können, überrascht es, wie positiv diese fragwürdige Form der „gelebten Demokratie“ nun plötzlich so positiv bewertet und sogar von der Bundesregierung gefördert wird. Giffey dazu:

Dem liegen wahre Fälle aus der langjährigen Beratungspraxis zugrunde, in denen Erzieherinnen und Erzieher gezielt Hilfe im Umgang mit völkisch lebenden Familien gesucht haben.

Interessant ist, dass die AAS bezüglich linksextremistischer Strömungen der Eltern offenbar keine Probleme sieht. Das könnte Rückschlüsse auf die politische Gesinnung der AAS geben, aber das ist nicht unser Thema. Sie werden sich ohnehin fragen, warum wir uns als geschlechterpolitische Initiative damit beschäftigen.

Ene, mene, muh und Nazi bist du

Nun, Sie ahnen es vermutlich bereits: Wie üblich werden auch Kritiker an Gender Mainstreaming und Kritiker des Feminismus mit Rechtsextremisten und Rassisten in einen Topf geworfen. Das ist eine der vielen interessanten Erkenntnisse, die wir aus dieser Broschüre ziehen. Nach den vielen Jahren, seit die Friedrich-Ebert-Stiftung zum ersten Mal in einer inkompetenten „Expertise“ diesen rhetorisch scheinargumentativen Trick anwandte, ist die Genderideologie keinen einzigen Schritt weitergekommen. Argumentum ad personam wird dieses Scheinargument bezeichnet, mit dem ein Kritiker ausschließlich und unsachlich auf der persönlichen Ebene angegriffen wird und somit gleichzeitig vom Sachargument abgelenkt wird. Es benötigt keinen logischen Aufbau und kann im Einzelfall aus einer bloßen diskreditierenden Unterstellung bestehen, wie hier eben die Unterstellung von Rechtsextremismus.

Es dürfte auch objektive Beobachter der Szene überraschen, dass Genderisten nach all den Jahren immer noch nicht imstande sind, sich ihren Kritikern auf sachlicher Ebene zu stellen und stattdessen nach wie vor auf aggressive, rabulistische Scheinargumentation setzen. Deutlicher kann die intellektuelle Leere der Genderideologie wohl nicht demonstriert werden. Der Fanatismus, mit dem Genderisten agieren, erinnert eher an überzogene religiöse Überzeugungen als an ein schlüssiges Konzept.

Wo die Broschüre Recht hat, aber Frau Giffey das nicht einsehen will

Die Broschüre enthält bei aller Kritik durchaus auch interessante Ansätze. Die Broschüre ist nicht nur gegen „völkische“ Eltern gerichtet, sie wirft auch einen Blick auf die, nach Ansicht der AAS, rassistische und rechtsradikale Unterwanderung von Kitas. Dabei geht die AAS ungewohnt und überraschend offen mit dem Tabuthema weibliche Täterschaft um. Auf S.5 heißt es z. B.:

Frauen werden gesellschaftlich per se als unpolitischer, »friedfertiger«, weniger aggressiv und gewaltbereit angesehen als Männer. (…) Diese stereotype Wahrnehmung verschärft sich in extrem rechten Milieus. Da Frauen eine rassistische oder menschenverachtende Ideologie und ein rechtsextremer politischer Aktivismus weniger zugetraut wird, können sie sich in sozialen Sphären – wie im Kindergarten – unbemerkt bewegen und »nebenbei« menschenverachtenden Ideen verbreiten. Das gilt auch für in Elternvertretungen aktive Mütter.

Der Erkenntnis der AAS, dass Frauen gesellschaftlich per se als „friedfertiger“, weniger aggressiv und gewaltbereit angesehen werden als Männer, und dass dies gefährlich ist, können wir in vollem Umfang zustimmen. Das Marginalisieren weiblicher Täterschaft werfen wir seit Jahren der Frauenpolitik und seit ihrer Amtszeit als BMFSFJ-Ministerin auch Franziska Giffey vor, jener Ministerin, die jetzt ein Vorwort für eine Broschüre schreibt, die genau dieses Marginalisieren weiblicher Täterschaft kritisiert. Es ist deshalb fraglich, ob Giffey genau weiß, was in der Broschüre steht, die sie so vehement verteidigt.

Die Broschüre zeigt uns hier aber deutlich, dass die Problematik weiblicher Täterschaft den politisch Verantwortlichen keineswegs verborgen geblieben ist. Ist die Marginalisierung weiblicher Täterschaft, z. B. bei der Betrachtung von Partnerschaftsgewalt, politisches Kalkül?

Gute Ansätze, aber fehlende Courage, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen

Für uns insbesondere interessant ist auch der Beitrag „Kindern Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen – jenseits von Klischees“. Es ist ein Interview mit Prof. Dr. Stephan Höyng. Er leitet die Koordinationsstelle Chance Quereinstieg/Männer in Kitas und hat eine Professur für Jungen- und Männerarbeit an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin.

Höyng erkennt zweifellos die Geschlechterdisparitäten in der Kita:

Nicht zuletzt ist die Kita grundsätzlich ja ein sehr vergeschlechtlichter Bereich: 95% der Erzieher*innen sind weiblich, 5% männlich. In den Krippen liegt der Anteil männlicher Erzieher unter 2%. Das hat Auswirkungen: Der Bereich wird als weiblich wahrgenommen, von den Eltern und den Kindern. Notwendig wäre, in der Personalentwicklung auf eine Öffnung hinzuwirken. (…). Niemand glaubt mehr, dass es in Deutschland 500.000 talentierte Frauen gibt, die Erzieher*in sein können, aber nur 20.000 talentierte Männer. Und damit sind wir bereit, anzuerkennen, dass es nicht die mangelnden Fähigkeiten von Männern sind, sondern dass entsprechende Fähigkeiten nicht gefördert und entwickelt werden.

Hier ist ein wenig verwirrend, dass Höyng bei 5 % männlichen und 95 % weiblichen Erziehern den *-Anteil unter den „Erzieher*innen“ kurzerhand unterschlagen hat. Abgesehen davon können wir der Aussage voll und ganz zustimmen. Höyng zeigt hier in aller Deutlichkeit das Totalversagen von Gender Mainstreaming in der Praxis und seiner Protagonisten auf. Denn genau diese extremen Geschlechterdisparitäten waren es schließlich, was die Genderisten mit Einführung von Gender Mainstreaming beseitigen wollten. Das ist jetzt fast zwanzig Jahre her und hat den Steuerzahler Unsummen gekostet. Und nichts hat sich geändert.

Gefangen in der geschlechterpolitischen Doktrin des Feminismus, welcher die Schuld immer auf Männer fokussiert, ist Höyng aber nicht in der Lage, dieses Totalversagen des Genderismus einzugestehen. Stattdessen schiebt er die Schuld auf die Männer, die sich nach seiner These nicht ausreichend offen für andere Rollenbilder zeigten:

Aber junge Männer in ihrer ersten Berufsfindungsphase orientieren sich noch sehr stark an Klischees.

Ab hier wird Höyngs Beitrag zur Farce. Was Höyng unterschlägt, ist nämlich die Tatsache, dass es die Politiker – also die Genderpolitikakteure – selbst sind, die Jungen und Männer per Gesetz immer noch in alten Rollenbilder gefangen halten. Sie sind es, die grundgesetzlich immer noch lediglich die Mutter unter besonderen Schutz des Staates stellen, während ausschließlich Männer als Krieger zwangsrekrutiert und als lebende Waffe benutzt werden können. Er unterschlägt, dass es die Abgeordneten des Deutschen Bundestages waren, die im Jahr 2012 aus Lobbyinteressen im wahrsten Sinne des Wortes Jungen ans Messer lieferten, indem sie sich entgegen Artikel 1, 2 und 3 GG mit überwältigender Mehrheit für die ausdrückliche Legalisierung von Körperverletzung an Jungen durch Beschneidung entschieden haben. Es sind also die politisch Verantwortlichen, also die Genderprotagonisten selbst, die bis heute Gewalt und Gewalterfahrung immer noch als essentielle Männlichkeitserfahrung sehen. Es ist deshalb sachlich falsch und irreführend, alte Männerrollenbilder der angeblichen Starrköpfigkeit unbelehrbarer junger Männer in die Schuhe schieben zu wollen.

Aber Höyng treibt es noch auf die Spitze. Anstatt selbst Kritik am Versagen des Genderismus zu üben oder sich wenigstens sachlicher Kritik zu stellen, um daraus zu lernen, zieht er sich in typisch feministischer Manier auf eine zurechtgezimmerte Opferrolle zurück:

Wir erleben den Widerstand vor allem im Kampf gegen »Genderismus«. Der ist aber noch nicht so organisiert wie in Polen zum Beispiel, wo wir inzwischen über 160 erklärte »Anti-Gender-Kitas« haben. Um uns herum ist die Stimmung also viel polarisierter als vor 10 Jahren.

Schade. Ein guter Ansatz, aber aufgrund der Unfähigkeit der Selbstreflektion der Genderisten wird die Analyse völlig vergeigt.

Der Einfluss und die Jungendiskriminierung

Ein weiterer interessanter Beitrag in der Kita-Broschüre ist „Kindeswohl und Kinderrechte“, ein Interview mit Prof. Dr. Jörg Maywald. Er ist Geschäftsführer der „Deutschen Liga für das Kind“, eines bundesweit tätigen interdisziplinären Netzwerkes zahlreicher Verbände und Organisationen aus dem Bereich der frühen Kindheit. Er sieht in den Kitas ein großes Potential zur Einflussnahme auf Kinder:

(…) dass der Einfluss der Eltern drei bis viermal so groß ist wie der der Kitas. Aber 25% Einfluss sind nicht wenig und in der Kita verbringen Kinder bereits sehr früh viele Stunden am Tag, oft sogar mehr Lebenszeit als in der Grundschule. (…) Den, Einfluss [sic] den eine Kita hat, sollte sie natürlich nutzen.

Diesen „Einfluss“ sehen wir skeptisch, zumal die Bildungsdiskriminierung von Jungen heute gängiges Frauenfördermittel darstellt. Auf diese Problematik geht Maywald in einem Satz immerhin kurz ein:

Die klassischen Diskriminierungsmerkmale, z. B. Geschlecht, gibt es natürlich auch. Hier bescheinigen Studien, dass die fast ausschließlich weiblichen Fachkräfte dazu tendieren, Mädchen zu bevorzugen. Zum Beispiel kann dem hohen Bewegungsbedürfnis von Jungen zu wenig Rechnung getragen werden (…)

Auch hier überrascht uns, wie offen die AAS die Diskriminierung von Jungen anspricht, die ansonsten in Berichten oder in den Medien gerne unter den Teppich gekehrt wird und die die Antidiskriminierungsstelle bereitwillig duldet. Wie schon Höyng ist aber auch Maywald nicht gewillt oder in der Lage, sich mit den Ursachen dieser Diskriminierung von Jungen ernsthaft auseinanderzusetzen. Er meint bezüglich der Ursachen für diese Diskriminierung lediglich lapidar:

Das hat viel mit Arbeitsverhältnissen, engen Räumlichkeiten und vielen Kindern zu tun.

Fazit

Man darf von einem Ochsen nicht mehr erwarten als Rindfleisch. Mit anderen Worten, man darf von einer AAS-Broschüre nichts anderes erwarten als die Diskreditierung von Abweichlern des politischen Mainstreams. Wenn man dies weiß, lassen sich aus der Broschüre durchaus interessante Erkenntnisse ziehen.

So zeigt sie unverblümt die Problematik der Marginalisierung weiblicher Täterschaft auf. Das wiederum zeigt, dass diesen den politisch Verantwortlichen keineswegs verborgen geblieben ist, sondern dass diese Marginalisierung z. B. in der Betrachtung von Partnerschaftsgewalt offenbar politisches Kalkül ist.

Wenig überraschend ist die Unfähigkeit der Genderisten aus ihrem Versagen, insbesondere was die Gleichberechtigung und die Befreiung von Jungen und Männern aus archaischen Rollenbildgefängnissen betrifft, zu lernen. Sie erkennen nicht, dass ein Gender Mainstreaming, das lediglich eine lineare Fortsetzung der reinen Frauenförderung ist, eben nicht Jungen und Männer quasi nebenbei „mitbefreit“, wie uns der Feminismus seit Beginn weiszumachen versucht. Zu mehr als zu einer rabulistischen Scheinargumentation gegenüber Kritik ist der Genderismus immer noch nicht fähig und demonstriert so eindrucksvoll seine intellektuelle Leere.

Es zeigt nochmals deutlich, dass von den Genderisten eine Beseitigung männlicher Nachteile und Benachteiligungen zumindest kurz- und mittelfristig nicht zu erwarten ist.

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Lesermeinungen

  1. Von Dr. Bruno Köhler

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  2. Von nico

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    • Von Dr. Bruno Köhler

  3. Von Bildungsferner AfD-Wähler

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    • Von nico

    • Von Bildungsferner AfD-Wähler

  4. Von Bildungsferner AfD-Wähler

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  5. Von Bildungsferner AfD-Wähler

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