The Red Pill – eine Filmkritik von Dr. Bruno Köhler

von MANNdat
Poster zum Film The Red Pill von Cassie Jaye

Poster zum Film The Red Pill von Cassie Jaye

Mit ihrem Dokumentarfilm über die US-amerikanische Männerrechtsbewegung „The Red Pill“ hinterfragt die Filmemacherin Cassie Jaye zwangsläufig zentrale Dogmen der feministischen Ideologie. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass auch in Deutschland wenig kritikfähige feministische Organisationen dem Film extrem ablehnend gegenüberstehen. In einem Artikel auf der Homepage der Netzfeministinnen wird der Film nicht nur als frauenfeindlich dargestellt. Man stellt Dokumentarfilmerin Cassie Jaye gar als Befürworterin für Vergewaltigung von Frauen dar.

Die zweite Aufführung von „The Red Pill“ in Deutschland

Umso bemerkenswerter ist es, dass dank der Initiative des Männerbüros Karlsruhe der Film in Karlsruhe gezeigt werden konnte. Eine Möglichkeit, auf die ich lange gewartet hatte und die ich mir natürlich nicht entgehen ließ. Mit etwa 70 Besuchern waren fast alle Stühle im Filmsaal besetzt. Anwesend waren unter anderem Angela Hoffmeyer (Bundesvorstand VafK), Franzjörg Krieg (Vorstand VAfK Karlsruhe), Wikimannia, natürlich die Initiatoren selbst und einige MANNdatler, darunter auch ich vom MANNdat-Vorstand.

„The Red Pill“ wurde auf dem Internationalen Idyllwild-Filmfestival zum besten Film gewählt. Für Produktion und Regie wurde der Film mit zwei Mary Austin Awards ausgezeichnet. Wir hatten den Film auch schon auf unserer Homepage vorgestellt.

Cassie Jaye beschreibt zuerst ihren Weg zu dieser Dokumentation. Sie stellt dar, warum sie zur Feministin wurde und wie sie dies nach Hollywood führte. Nach mehreren Rollen in B-Horror-Movies als Opferblondine nahm sie selbst die Kamera zur Hand und filmte über die Themen, die sie interessieren. Nachdem sie aus den Medien über die Männerrechtsbewegung erfuhr, wurde sie neugierig. Angespornt vom extrem negativen Bild dieser Bewegung als vermeintlichem Sammelsurium von Frauenhassern und Rechtsradikalen, fing sie an, sich näher mit der Bewegung zu beschäftigen.

Eine Feministin reist in das Herz der Männerbewegung

Mit Recherche im Internet allein kommt sie alsbald nicht weiter. Sie unternimmt nun einen Schritt, der für eine Feministin völlig ungewöhnlich ist. Sie spricht mit Männerrechtlern. Primärer Ansprechpartner ist vor allem Paul Elam. Paul Elam ist Psychologe und Männerrechtler aus den USA, der u. a. eine der wichtigsten Homepages für die amerikanische Men Rights Movement (MRM) ins Leben gerufen hat, „A Voice for Men“.

Aber Cassie Jaye redet auch mit anderen Männerrechtlern, so mit Warren Farrell, dem wohl bekanntesten Männerrechtsaktivisten aus den USA. Farrell war bis in die 1970er Jahre in der Frauenbewegung aktiv und sogar in den New Yorker Vorstand der feministischen Organisation NOW (National Organization for Women) gewählt worden. Mitte der Siebziger hatte Farrell den Eindruck, dass die Geschlechterbeziehungen zu einseitig und stereotyp diskutiert würden und begann damit, auch die Anliegen von Männern und Vätern in seinen Vorträgen und Büchern anzusprechen. Und plötzlich musste er feststellen, wie man sich von dem bislang gefragten, hoch dotierten Redner distanzierte und ihn aus dem Diskurs ausgrenzte. Trotzdem unterstützt er weiterhin berechtigte Aspekte der Frauenbewegung.

Nachdem die Autorin mit verschiedenen Männerrechtlern gesprochen hat, kommen bei ihr Zweifel auf über das, was sie von diesen hört, widerspricht dies doch dem, was Feministinnen seit Jahren von den Geschlechterverhältnissen und den Männerrechtlern erzählen. Sie entschließt sich deshalb, auch bekannte Feministinnen und Feministen über die Anliegen der Männerrechtsbewegung zu interviewen. Von dort hört sie die üblichen, ihr bekannten Vorurteile, Männerrechtler wollten die Zeit zurückdrehen, Männer hätten immer noch die Macht über Frauen usw. Die Anliegen, die sie von den Männerrechtlern gehört hat, werden kurzerhand abgebügelt. Ein sachliches Auseinandersetzen mit deren Argumenten findet nicht statt. Blinde Ideologie prallt auf Empathie und Fakten. Und Cassie Jaye lässt uns an diesen Gesprächen eindrucksvoll teilhaben.

Emotionaler Höhepunkt dieser Gespräche mit Feministinnen ist der Auftritt von Chanty Binx, einer radikalen Feministin aus Kanada. Ihr Markenzeichen sind ihre leuchtend roten Haare, woher auch der Spitzname „Big Red“ stammen dürfte. Die Autorin zeigt Ausschnitte, wie Binx mit einer Gruppe Feministinnen und Feministen illegal eine Diskussion in Toronto sprengt und anschließend einen Teilnehmer der Veranstaltung extrem aggressiv diffamierte. Stille, meinte Binx, zur Rechenschaft über ihr Verhalten gezogen, sei etwas, was nur den Unterdrückern helfe, nicht den Unterdrückten.

Erin Pizzey darf ihr eigenes Frauenhaus nicht mehr betreten

Beeindruckend stellt sich im krassen Kontrast dazu zweifellos das Gespräch mit Feministin Erin Pizzey, der Gründerin des ersten Frauenhauses in den 70er Jahren, dar. Ganz selbstverständlich schildert diese Feministin, dass sie nach der Gründung des Frauenhauses daran ging, auch ein Gewaltschutzhaus für Männer zu gründen. Und auch sie musste die Erfahrung machen, dass der Zuspruch, der ihr bei ihrem Engagement für Frauen entgegen kam, plötzlich in Ablehnung und Feindschaft umschlug, als sie auch Empathie für Männer zeigte. Das ging so weit, dass sie selbst aus ihrem eigenen Frauenhaus geworfen wurde.

Es sei von Anfang an Betrug gewesen, sagt Pizzey. Häusliche Gewalt gegen Männer existiere ebenso wie Gewalt gegen Frauen. Und man habe das gewusst und es verschwiegen und verschweige es noch heute. Eindrucksvoll belegt werden diese Aussagen mit alten Filmausschnitten, in denen Frauen aus den Frauenhäusern ohne Probleme zugeben, ebenso gewalttätig zu sein wie ihre Männer. Auf die Frage, warum dies so rigoros verschwiegen wird, meint Pizzey, der Kampf gegen „Violence against Women“ sei mittlerweile ein Geschäft, für das in den USA eine Milliarde Dollar jährlich ausgegeben wird.

Ergänzend dazu redet die Filmemacherin auch mit Frauen, die sich für die Anliegen von Männern einsetzen, die sogenannten Honey Badgers, wie z. B. mit Karen Straughan.

Cassie Jaye bezeichnet sich nicht mehr als Feministin

Am Ende ihrer Reise durch die Männerrechtsbewegung und ihre Auseinandersetzung mit dem Feminismus kommt sie zu der Erkenntnis, dass der Dialog über die Anliegen von Jungen, Vätern und Männern unterdrückt wird. Sie kommt für sich persönlich zu dem Wunsch, sich nicht weiter als Feministin bezeichnen zu wollen.

Es ist ein hochemotionaler Film, der aber auch mit vielen Fakten und Zahlen aufwartet. Cassie Jaye konnte diesen Film in dieser Objektivität machen, weil sie sich trotz Mainstream zwei wichtige Eigenschaften einer Dokumentarfilmerin bewahrt hat. Zum einen ist dies das kritische Hinterfragen von Vorurteilen, selbst wenn sie schon längst politischer und gesellschaftlicher Konsens sind. Und zum anderen hat sie sich auch Empathie gegenüber Jungen, Vätern und Männern bewahrt.

Es beeindruckt auch die Stringenz, mit der sich die Filmemacherin auf ihrem Weg von der Neugier bis hin zu ihrer persönlichen Erkenntnis über die Männerrechtsbewegung sukzessive, Schritt für Schritt, Fragestellung um Fragestellung vorarbeitet – fast schon ein Detektivfilm. Diese Vorgehensweise ist der rote Faden, an dem Cassie Jaye ihre Dokumentation entlangführt. Das macht es auch für Kenner der Szene unheimlich spannend und attraktiv.

In Amerika haben Männer die gleichen Probleme wie in Deutschland

Der Film erzählt zwar von der Männerrechtsbewegung in den USA. Aber die Anliegen der Männerrechtsbewegung dort sind die gleichen oder zumindest doch sehr ähnlich wie bei uns. Sorgerechts- und Umgangsrechtsdiskriminierung, mehr männliche Arbeitsunfälle, schlechteres Bildungsniveau von Jungen, Scheinväter, höhere Suizidrate von Jungen und Männern, kürzere Lebenserwartung von Männern und die Marginalisierung der häuslichen Gewalt gegen Männer sind hier zu nennen. Eigentlich etwas, was wir aus der Männerrechtsszene schon alles kennen. Und trotzdem, selbst ich, der sich seit fast zwei Jahrzehnten mit der Thematik beschäftigt, war ungemein beeindruckt von dem Film.

Beeindruckend sind natürlich auch die Interviews mit Protagonisten des Feminismus und der Männerrechtsbewegung. Erin Pizzey habe ich schon genannt. Warren Farell ist eine ebenso faszinierende Persönlichkeit. Jede Gesellschaft gründet ihren Erfolg auf der Verfügbarmachung von Männern, sei es für Kriege, für die industrielle Produktion oder die Versorgung der Familie, meint Farrell. Männer arbeiten in unattraktiven und gesundheitsgefährdenden Berufen, um die Kinder zu versorgen, und nicht, weil es ihnen Spaß macht oder um Macht auszuüben. Wer fünf Menschen zu versorgen hat, kann seinem Chef nicht widersprechen. Der Zuschauer kann so live die Protagonisten der Geschlechterpolitik beider Seiten kennenlernen, die man sonst nur aus Büchern kennt. Auch das macht den Film zu einem unvergessenen Erlebnis.

Es sind auch nicht nur die gleichen Themen, sondern auch die gleichen Probleme, mit denen Männerrechtler dort wie hier zu kämpfen haben, vor allem die aggressive Ausgrenzung aus dem geschlechterpolitischen Dialog durch den politischen Feminismus und seinen Gehilfen.

The „Red Pill“ stellt Feminismus und Männerrechtsbewegung vor

Der Film stellt objektiv den Feminismus und die Männerrechtsbewegung vor und lässt ihre Protagonisten zu Wort kommen. Die Vorwürfe der Netzfeministinnen, wie ich sie oben dargestellt habe, sind völlig haltlos. Sie spiegeln keine Realität, sondern vermutlich eine Angst vor dem Verlust der Diskurshoheit wider. Wer den Feminismus kritisiert, gilt heute schon als Frauenfeind und Vergewaltiger.

Der Film ist nicht nur für alle zu empfehlen, die die Männerrechtsbewegung jenseits der „Fake News“ aus Medien und zweifelhaften geschlechterpolitischen „Expertisen“ kennen lernen wollen. Er ist auch für alle zu empfehlen, die sich ein gewisses Restmaß an Empathie für Jungen, Väter und Männer bewahrt haben und für alle, die für eine Geschlechterpolitik, die wirklich und ehrlich die Anliegen beider Geschlechter berücksichtigen will, eintreten möchten. Wenn Sie die Möglichkeit haben, den Film in Ihrer Nähe sehen zu können, sollten Sie dies unbedingt nutzen.

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Lesermeinungen

  1. Von Radfahrer

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  2. Von Hans Alef

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  3. Von wolf

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