Offener Brief an die niedersächsische Landesregierung

von MANNdat

Am 18. Februar 2009 veröffentlichte die „Neue Osnabrücker Zeitung“ einen Artikel über die niedersächsische Polizeistatistik bei häuslicher Gewalt für das Jahr 2007. Unter Berufung auf den niedersächsischen Innenminister Bernd Busemann erfuhr der Leser indirekt, dass sich der Anteil der von der Polizei ermittelten männlichen Opfer häuslicher Gewalt in jenem Jahr auf immerhin ca. 21,7 Prozent aller gemeldeten Fälle belief.
Uns fiel auf, dass das niedersächsische Sozialministerium auf seinen Internetseiten dagegen immer noch die – offensichtlich überholte – Zahl von 5 bis maximal 10 Prozent männlicher Opfer meldete, und so schrieben wir Innenministerium, Sozialministerium und Staatskanzlei den folgenden offenen Brief:

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der Presse konnte man in der vergangenen Woche lesen, dass der niedersächsische Innenminister Bernd Busemann die Zahl der von der Polizei registrierten Fälle häuslicher Gewalt im Jahr 2007 auf 10 533 bezifferte. Weiter erfuhren wir aus den Presseberichten, 7 843 der insgesamt 10 013 Opfer seien Frauen gewesen.

Wir errechnen aus diesen Angaben, dass es sich bei 2 170 Opfern häuslicher Gewalt, die die Polizei im Jahr 2007 in Niedersachsen registrierte, um Männer handelte. Dies entspricht einem Prozentsatz männlicher Betroffener von 21,67 Prozent.

Irritierenderweise finden auf den Internetseiten des niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen, Familien und Gesundheit Angaben zur häuslichen Gewalt gegen Männer, die folglich nicht mehr aktuell sind. So heißt es auf der Seite wörtlich: „Nur 5% bis 10% der Opfer sind männlich.“ Solche oder ähnliche Falschaussagen finden sich an einigen weiteren Stellen im Internetangebot der niedersächsischen Landesregierung.

Vorsorglich weisen wir darauf hin, dass die Einbeziehung von Dunkelfeldzahlen den Anteil männlicher Gewaltopfer eher noch erhöht, da Männer als Opfer weit seltener Anzeige erstatten, Frauen dazu jedoch durch eine große Lobby ausdrücklich ermutigt werden.

Um die an korrekten Angaben interessierte Öffentlichkeit nicht ungewollt in die Irre zu führen, fänden wir es angebracht, wenn die Angaben auf der Internetseite des Sozialministeriums zur Geschlechtsverteilung bei häuslicher Gewalt dem aktuellen Stand angeglichen würden.

Über eine Rückinformation, ob und wenn ja wann dies geschieht, würden wir uns sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen

MANNdat e.V.
Geschlechterpolitische Initiative

P.S.
Wir veröffentlichen diesen Brief sowie Ihre eventuelle Antwort auf unserer Internetseite www.manndat.de.

Bildquelle: (c) Gerd Altmann/www.pixelio.de

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