Neue TIMSS-Studie belegt Bildungsdiskriminierung von Jungen

von Dr. Bruno Köhler
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pixelio.de ©Simone Peter
Jungen werden bei der Bildung diskriminiert.

Schulleistungsstudien zeigen, dass im Bereich der schlechtesten Mathematikkompetenz ebenso viele Jungen wie Mädchen zu finden sind. Trotzdem wird im Bereich Mathematik seit vielen Jahren nicht nach individuellem Förderbedarf gefördert, sondern geschlechterspezifisch Mädchen. Jungen, die ebenso Förderung im Bereich Mathematik bräuchten, werden zurück gelassen. Was dabei herauskommt zeigt, das Ergebnis der TIMSS-Studie 2016.

Laut aktuellem Ergebnis des Schulvergleichstest TIMSS („Trends in International Mathematics and Science Study“), bei dem alle vier Jahre mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen von Viertklässlern verschiedener Länder untersucht werden, rutscht Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern, wie z. B. Tschechien oder Schweden, weiter ab. Zwar nahm der geschlechterspezifische Unterschied, der bisher zwischen Mädchen und Jungen zuungunsten der Mädchen besteht, ab, aber nicht, weil sich die Mädchen wesentlich verbessert, sondern weil sich die Jungen wesentlich verschlechtert haben.

Aufgrund dieser Ergebnisse empfehlen die Schulforscher der deutschen Bildungspolitik die individuelle Förderung leistungsschwacher und auch herausragender Schüler.

„Das Ergebnis ist nicht überraschend”, meint Dr. Bruno Köhler, Bildungsexperte vom Verein MANNdat e.V. „Seit langem wird nicht mehr nach individuellem Förderbedarf des einzelnen Kindes gefördert. Bundesweit gibt es gut einhundert reine Mädchenförderprojekten in Mathematik und Naturwissenschaften. Jungen, die ebenfalls Förderung in diesen Bereichen bräuchten, werden einfach zurückgelassen.”

Im Bereich Lesen ist es sogar noch gravierender, wie die PISA-Studien zeigen, die alle drei Jahre durchgeführt werden. Schon die erste PISA-Studie im Jahr 2000 forderte Jungenleseförderung als wichtigste bildungspolitische Herausforderung, weil die größten geschlechterspezifischen Unterschiede in der Schulleistung im Lesen vorhanden sind und zwar zuungunsten der Jungen. Bis heute, 16 Jahre später, stellen sich die bildungspolitisch Verantwortlichen dieser Herausforderung nicht. Im Gegenteil, die geschlechterspezifischen Lesekompetenzrückstände der Jungen auf die Mädchen haben sich mittlerweile auf über ein ganzes Schuljahr vergrößert.

Die Bildungspolitik interessiere sich nicht für die Bildungssituation von Jungen, meint Dr. Köhler.

Jungen haben die schlechteren Bildungsabschlüsse und die höheren Jugendarbeitslosenquoten. Wenn Sie sich den Bundesbildungsbericht 2016 ansehen, werden Sie feststellen, dass dieser Gender Education Gap auf 350 Seiten nahezu vollständig verschwiegen wird.

Vor diesem Hintergrund ist die dauernde Klage der Politik wegen eines angeblichen Fachkräftemangels sehr fragwürdig. Warum lässt man seit Jahrzehnten das Bildungs- und damit Fachkräftepotential von Jungen brachliegen, wenn es wirklich einen Fachkräftemangel gibt? Auch darauf hat Dr. Köhler eine Antwort: „Das eklatante geschlechterspezifische Bildungsgefälle zuungunsten der Jungen wird nicht als Problem, sondern als positive, ja sogar erfreuliche Rückmeldung einer Geschlechterpolitik verstanden, die sich bis heute ausschließlich auf die Frauenquote reduziert. Jeder Junge, der im Bildungssystem scheitert und arbeitslos auf der Straße landet, ist pragmatisch gesehen ein Gewinn für die Frauenquote. Und nur darauf kommt es an.“

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Lesermeinungen

  1. Von Helmut Freisinger

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  2. Von Helmut Freisinger

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    • Von Ma'Al

  3. Von Hans-Dieter Brune

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    • Von Peter Meier

  4. Von wolf

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