5 Euro retten eine bedrohte Tierart: Dich!

von Thomas Walter

Thomas-Walter-thumbAuf der Nachhausefahrt von der Silvesterfeier erblickt das noch leicht verkaterte MANNdat-Mitglied Thomas Walter ein Plakat des World Wildlife Fund und kommt ins Sinnieren über globale Herausforderungen und Männerrechte, Schritte nach vorn und den Erhalt von Werten, Lügen und Wahrheiten. Ein besinnlicher, nicht immer ganz bierernster Kommentar zum neuen Jahr.
Ein Kommentar von Thomas Walter

Ein Mädchen spielt mit einer Sandschaufel. Im Hintergrund: Brennende Baumstämme, am Horizont ein – noch! – lebender Regenwald. So plakatiert der WWF derzeit die Bushaltestellen meiner Heimatstadt.

Was interessiert mich das als Männerrechtler? Nein, ich rege mich nicht darüber auf, dass wieder einmal kein Junge abgebildet ist. Das Plakat wurde von der Hamburger Agentur FCB erstellt, einer kommerziellen Firma, die dafür bezahlt wird, Emotionen wirtschaftlich zu erschließen. In diesem Fall zur Gewinnung von Spenden. Das ist OK. Mädchen sprechen viele Emotionen an; leben wir damit!

Trotzdem, dieses Plakat regt mich, gerade als Männerrechtler, zum Nachdenken an. Sind wir Menschen eine bedrohte Art? Denke ich in Dimensionen der Lebenserwartung meiner eigenen Tochter, die nach heutigen Schätzungen das Jahr 2080 erleben kann, muss ich diese Frage bejahen. Da drängt sich unmittelbar die nächste Frage auf.

Männerrechte? Sind diese, gemessen an globalen Problemen, wichtig?

Nun, als Männerrechtler bejahe ich diese Frage wohl. Aber nicht, weil Männerrechte wichtiger sind als unser Überleben; das wäre offensichtlicher Unsinn. Ich bejahe diese Frage, weil ich einen Zusammenhang sehe. Einen Bogen, der sich spannt von der Lüge, dass es „den Männern“ dank einer „patriarchalen Dividende“ blendend gehen müsse, hin zu der Lüge, dass es der Erde gut gehe, solange nur die Wirtschaft boomt. Der sich spannt von der Verächtlichmachung der halben Menschheit hin zum Fällen eines jahrhundertealten Urwaldriesen. Der sich spannt vom Verheizen von Millionen Menschen als Minenarbeiter, (Kinder-) Soldaten, Zahlväter, Bildungsverlierer hin zum Verheizen von Wäldern als Plantagenfläche oder als „Unkraut“, das der Gewinnung von Edelhölzern im Wege steht. Von der Respektlosigkeit gegenüber menschlichem Leben, wenn es ein „verkrüppeltes“ Y-Chromosom mit sich schleppt, hin zur Respektlosigkeit gegenüber dem Leben der Pflanze, die mich mit Sauerstoff versorgt, aber dummerweise nicht schreien kann, wenn ich die Axt in sie senke.

Selektiver Wertekonservatismus

Politiker der meisten Parteien prügeln auf den Wertekonservatismus ein, als wäre er nicht mehr als ein Auswuchs des religiösen Fanatismus. Werte seien gestrig, rückwärtsgewandt, backlashig, antiemanzipatorisch, rechtsradikal. Aber Wertekonservatismus ist hip! Zumindest bei bestimmten Themen. „Die Natur“ zum Beispiel. Die Erhaltung unserer Art zum Beispiel. Damit kann und sollte man für Spenden werben. „Der Amazonaswald schützt unser Leben. Schützen wir ihn!“, sagt das WWF-Plakat. Werte konservieren, wo das Auge hinschaut. Und verdammt, man wird das Gefühl nicht los, dass es gut ist.

Da können die Möchtegern-Progressiven gerne jubeln, wenn jede Sekunde zwei Fußballfelder Regenwald verbrennen und in ihnen Tausende männlicher Tiere, die nur darauf warten, ihre Artgenossinnen zu vergewaltigen. Lasst sie brennen, so stirbt die Männergewalt im Tierreich, #killallmen #ausnahmslos! Nein, Leute! So hundertprozentig progressiv ich auch bin, wenn es z. B. darum geht, dass die „neuen Väter“ endlich das Recht und die gesellschaftliche Akzeptanz bekommen sollen, sich um ihre Kinder zu kümmern: Beim Naturschutz bin ich gerne konservativ. Ich glaube dem WWF, dass der Amazonaswald mein Leben (auch so ein komischer Wert) beschützt.

Fromme Wünsche

Für das Jahr 2016 (und, bleiben wir realistisch, auch für die Jahre 2017-2036) wünsche ich der Männerrechtsbewegung, dass sie begriffen wird als ein Teil eines größeren Ganzen. Ein Teil eines Ganzen, das Lügen nicht mehr hinnimmt. Ein Teil eines Ganzen, das Finger in Wunden legt, dort wo sie sind. Und dass sie als ein Baustein einer großen, globalen Bewegung wahrgenommen wird, die im richtigen Moment mutig voranschreitet, und die, wenn es sein muss, innehält und sagt: Hier gibt es einen Wert, den wir schützen müssen. Z.B. die Atmosphäre. Oder bedrohte Völker. Oder die artgerechte Haltung, nicht nur von Kühen, sondern auch von Jungs. Denn nur so schützen wir uns in unserer ganzen kulturellen, biologischen und individuellen Vielfalt, und das ist – zumindest mir – etwas wert.

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Lesermeinungen

  1. Von Horst Schmeil

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  2. Von Wolf

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