Gender Nap Gap: Frauen brauchen mehr Schlaf als Männer

von MANNdat
Der Gender Nap Gap benachteiligt Frauen.

Sie braucht ihren Schlaf. Bela Lugosi nutzt schamlos die Gunst der Stunde.

Frauen brauchen mehr Schlaf als Männer. Das haben Studien des Max-Planck-Instituts München und der englischen Loughborough University herausgefunden. Kein Wunder, dass es Frauen im Beruf nicht an die Spitze schaffen, wenn sie immer etwas später anfangen oder früher aufhören müssen als ihre männlichen Kollegen. Dieser Gender Nap Gap ist eine Benachteiligung aufgrund des Geschlechts und müsste nach dem Allgemeinen Gleichstellungsgesetz eigentlich als Diskriminierung bewertet werden.

Ist der Gender Nap Gap ein Fall für das Allgemeine Gleichstellungsgesetz?

Manuela Schwesig bekäme wohl großen Beifall, wenn sie die Arbeitszeit für Frauen von 8 auf 7.5 Stunden pro Tag reduzieren wollte. Bei vollem Lohnausgleich, versteht sich. In England werden Frauen von manchen Arbeitgebern während ihrer Menstruation freigestellt. Diese Period Policy soll den Arbeitsplatz „effizienter und kreativer“ machen. Hillary Clinton überließ 2008 Barack Obama die Kandidatur für das Amt des Präsidenten, weil sie weniger Zeit für ihre Kampagene hatte. Haare und Make-up kosteten sie eine volle Stunde pro Tag. 1

Google listet rund 39.000 Ergebnisse für die Studie aus England und sogar über 57.000 Seiten für die deutsche Arbeit. Leider konnten wir die Originalarbeiten trotz intensiver Recherche noch nicht ausfindig machen. Für Emeritus Jim Horne vom Loughborough Sleep Research Centre, Autor der englischen Untersuchung, hat die US National Library of Medicine jedenfalls keine Publikation, die mit dieser Studie in Verbindung stehen könnte.

Das komplexe weibliche Gehirn braucht 20 Minuten mehr Schlaf!

Der britische Independent klärt uns auf, wie groß das Schlafbedürfnis ist. Die Zeitung zitiert Professor Horne, dass Frauen durchschnittlich satte 20 Minuten mehr Schaf bräuchten, weil ihr Gehirn „komplexer“ sei. 20 Minuten? Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, nach eigenen Erfahrungen hätten mich aber zwei oder drei Stunden auch nicht überrascht. Den Genderforschern wird das sicher für ein paar Forschungsanträge reichen.

Wissenschaftlicher haben herausgefunden, dass Frauen etwa 20 Minuten mehr Schlaf brauchen als Männer. Sie nehmen an, dass das weibliche Gehirn tagsüber härter arbeiten muss.

Professor Jim Horne erklärt dem britischen Independent, warum Frauen mehr Schlaf brauchen.

Was meint Professor Horne mit „komplexer“? Im Tierreich gelten Fledermäuse und Katzen als regelrechte Schlafmützen (im Gegensatz zu den Faultieren übrigens). Jedem Tierfreund machen die quirligen Flieger und eleganten Mäusejäger große Freude. Komplexe Gehirne finden wir aber eher bei Menschenaffen, Meeressäugern und Krähen. Zugvögel sind wahre Meister des Schlafens en passant.

Mühelos übertroffen werden die schlauen Rabenvögel allerdings von den Mauerseglern, über deren Gehirnleistungen wir nicht besonders viel wissen. Von Delphinen und Walen ist bis heute nicht genau bekannt, ob und wie sie schlafen. Vielleicht ist die These von den komplexen und schlafbedürftigen weiblichen Gehirnen die Galanterie eines älteren Herrn oder einfach britische Ironie.

Deren feine Nuancen entgehen Nicht-Briten allzu oft. Das bekam kürzlich Nobelpreisträger Tim Hunt zu spüren, für dessen scherzhafte Bemerkung über Frauen und Männer im Labor der humorlose Rest der Welt wenig Verständnis hatte.

Leider wissen wir nicht, was Männer mit ihrem Vorsprung an aktiver Lebenszeit anfangen. Lesen sie intensiver Zeitung? Trinken sie mehr Bier, schwadronieren sie über das beste Wyagu-Steak? Oder feilen sie noch an den letzten bullet-points, während ihre Liebste vom nächsten Karrieresprung träumt? Vielleicht nutzen sie schamlos die Gunst der Stunde wie Bela Lugosi in Tod Brownings Filmklassiker.

Ganz sicher wird uns aber bald eine neue Studie in den Posteingang flattern, die eloquent einen Ausgleich für diese systematische Benachteiligung fordert. So einfach hinnehmbar ist dieser Gender Nap Gap nämlich nicht.


  1. Stern Nr. 31 vom 28.7.2016, „Die erste Frau“ von Norbert Höfler, S. 76:
    „Ich will, dass mein Sohn sieht: Frauen können alles erreichen. Sie können sogar Präsidentin werden“. [Solis Doyle, Beraterin der Clintons, arbeitete später für Obama]
    Auch wenn es für sie viel schwerer ist als für Männer. Das fängt bei sehr alltäglichen Dingen an.
    Patti Solis Doyle erlebte die Kriegerin Clinton 2008 im Nahkampf mit Obama. Hillary, so erzählte sie, musste immer eine Stunde früher aufstehen als er, weil sie Haare und Make-up machen lassen musste. Jeden Tag. Obama konnte länger schlafen, er hatte mehr Zeit für seine Kampagne, er konnte ins Fitnessstudio, er sah frisch und besser aus.
    Eine Stunde mehr pro Tag ist ein riesiger Vorteil. Auf den Monat gerechnet summiert sich das auf mehr als einen ganzen zusätzlichen Arbeitstag. Solis Doyle sagt: „Er blieb fit und schlank, sie nicht.“ Später arbeitete Doyle für Obamas Präsidentschaftskampagne, da habe er mal zu ihr gesagt: „Hillary musste all das machen, was ich auch tat, aber sie musste es in High Heels und im Rückwärtsgehen machen. Das war so.“

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Lesermeinungen

  1. Von Marce Elsener

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  2. Von Helmut Freisinger

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  3. Von wolf

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