Gillette-Werbung – Überheblich belehrende Rückantwort

von MANNdat

Bild: AdobeStock_49772654 von Gina Sanders

In einem offenen Brief an Gillette und Procter & Gamble, denen Gillette gehört, haben wir uns über dessen männerfeindliche Werbekampagne beschwert. Die Firmen bleiben ihrem arroganten Ton treu und lehnen unsere Kritik in selbstgefälliger, überheblicher Manier ab. Gillette selbst hat uns nicht geantwortet. Dort lebt man offenbar nach dem Prinzip „Abkassieren und Schweigen“.

Antwort der Fa. Procter & Gamble vom 25. Januar 2019:

„wir nehmen Kritik ernst, wenn diese gerechtfertigt ist. Die in Ihrem Schreiben vorgebrachten Vorwürfe weisen wir aber klar zurück.

Einiges möchten wir im Detail klarstellen:

Der Kurzfilm aus den USA, auf den sie sich beziehen, ist in erster Linie ein Plädoyer für achtsamen und respektvollen Umgang miteinander. Er stellt Fragen zum Männerbild in der heutigen Zeit und hinterfragt Verhalten, das heute nicht mehr akzeptabel sein sollte. Wir sagen zu keinem Zeitpunkt, dass Männlichkeit grundsätzlich etwas Schlechtes ist. Im Gegenteil: Wir respektieren verschiedene Männerbilder. Aber früher war eben nicht alles besser. Die aktuelle Kampagne zeigt unangemessenes Verhalten und sie zeigt vorbildliches Verhalten.

Wir zeigen Männer, die Streit schlichten, Frauen vor Belästigung schützen und die mit ihrem Verhalten ein Vorbild für Kinder sind. Dass dies erstrebenswerte Aspekte sind, darin dürften wir übereinstimmen.

Als Unternehmen nutzen wir bereits seit längerem unsere starke Stimme in der Werbung, um traditionelle Stereotype zu überwinden und gesellschaftlichen Wandel zum Positiven möglich zu machen und zu fördern. Das schließt ein breites Engagement für Familien, Gesundheit und Nachhaltigkeit ebenso ein wie Initiativen für Kinder und Toleranz.  

Mit freundlichen Grüßen

Gabriele Hässig
Geschäftsführerin Kommunikation und Nachhaltigkeit
Procter & Gamble Service GmbH”

 

Unsere Rückantwort an Procter & Gamble vom 13.3.2019

Sehr geehrte Damen und Herren,

sehr geehrte Frau Hässig,

vielen Dank für Ihre Rückantwort, die uns einerseits überrascht, gleichzeitig aber auch in unserer Kritik bestätigt.

Überrascht deshalb, weil Sie als Unternehmerin wissen, dass es bei der Werbung nicht darauf ankommt, wie sie beim Werbenden, sondern bei dem Beworbenen wirkt. Deshalb sollten Sie als Wirtschaftsunternehmen jede Kritik wahrnehmen und für jede Kritik dankbar sein, auch wenn sie unbequem ist, insbesondere, wenn sie eine sehr emotionale Reaktion hervorruft. Bei uns kommt Ihre Werbung exakt so an, wie wir es im Detail beschrieben haben.

Ja, es gibt schlechte Männer. Aber es gibt auch gute Männer. Mein Vater hat als alleinerziehender Vater vier Kinder zu einer sehr guten Bildung verholfen und sich um seinen pflegebedürftigen Vater bis zu dessen Tod gekümmert. Und: Das alles hat er sich mit einem schlecht bezahlten Job von seinem Mund abgespart. Schlecht bezahlt deshalb, weil er keinen Schulabschluss machen konnte, da er als Jugendlicher in einem Krieg verheizt werden sollte, wie schon seit Jahrhunderten Männer im Krieg verheizt wurden und immer noch werden. Das bereitwillige Verheizen von Männerleben aus Staatsinteresse ist übrigens ein Männerrollenbild, das Sie in Ihrem „Rollenbild-Belehrungswerbespot“ geflissentlich verschweigen.

Als mein Vater dann einmal die Hilfe des Staates brauchte, als er einen Herzinfarkt hatte, hat man ihn zwei Stunden lang im Notarztwagen herumgefahren, weil nirgends ein leeres Bett in einer Intensivstation für ihn zu finden war, was er kaum überraschend nicht überlebt hat. Viele unserer Mitglieder haben und hatten solche Väter.

Es sind solche Väter, gute Männer, die Sie mit Ihrer Werbung in den Dreck ziehen.

Ihr entrüstender, belehrender und überheblicher Ton in Ihrer Mail ist deshalb nicht nur unpassend und überflüssig, sondern uns als früheren Kunden gegenüber auch unverschämt und kundenfeindlich. Da Sie auf keine unserer Aspekte konkret eingehen oder sie an konkreten Beispielen widerlegen, gehen wir sogar davon aus, dass Sie uns mit einem Standardtext abspeisen, den Sie pauschal an alle Kritiker Ihres männerfeindlichen Werbespots schicken.

Wir sind deshalb nach wie vor der Meinung, dass Sie mit dieser männerfeindlichen Werbung lediglich den durch Hass-Hashtags aufgeheizten, männerfeindlichen Geschmack der heutigen Generation vieler junger Frauen und Männer auf Kosten der männlichen Kunden bedienen, um mehr Profit zu machen.

Richten Sie dies bitte auch Ihrer Fa. Gillette aus, die wir auch angeschrieben haben, die aber offenbar nicht einmal das Mindestmaß an Anstand hat, seinen (Ex-)Kunden ein Standardschreiben zu schicken.

Für Ihr dargelegtes „breites Engagement für Familien, Gesundheit und Nachhaltigkeit“ sowie Ihre „Initiativen für Kinder und Toleranz“ haben wir Ihnen bereits Vorschläge gemacht, wie Sie diese sinnvoll ausbauen können, und wiederholen diese gerne:

Männer werden beispielsweise bis heute in der Prostatakrebsfrüherkennung mit einem medizinischen Standard von vor über 100 Jahren abgespeist. Hier könnten Sie Geld in die Forschung zur Prostatakrebsfrüherkennung stecken.

Während für weibliche Opfer partnerschaftlicher Gewalt Einrichtungen, wie zum Beispiel Frauenhäuser oder Hilfstelefone, existieren, die mit staatlichen Mitteln in mehrfacher Millionenhöhe unterstützt werden, werden männliche Opfer partnerschaftlicher Gewalt bis heute von Politik und Gesellschaft ignoriert, marginalisiert und so doppelt viktimisiert. Hier könnten Sie Geld an die wenigen, regelmäßig vor dem finanziellen Aus stehenden Männerhäuser spenden, um dem Männerrollenbild nicht entsprechenden männlichen Gewaltopfern zu helfen.

Der Gender Education Gap zuungunsten der Jungen nimmt stetig zu. Insbesondere im Bereich Lesekompetenzförderung verweigern die politisch Verantwortlichen seit Jahrzehnten eine effektiv gezielte Förderung von Jungen, mit dem Effekt, dass in Deutschland gut ein Viertel der Jungen nach Abschluss der Schule funktionale Analphabeten sind. Hier könnten Sie etwas für Jungenleseförderung tun.

Mit freundlichen Grüßen

i.A. Bruno Köhler

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Lesermeinungen

  1. Von Gunther Herzlich

    Antworten

    • Von Dr. Bruno Köhler

  2. Von Mike

    Antworten

    • Von Dr. Bruno Köhler

  3. Von B E A N

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  4. Von Elmar Diederichs

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