Herzlichen Glückwunsch

von MANNdat

Am 3. März 2012 feiert das „Väterradio“ seinen 10. Geburtstag. MANNdat gratuliert dazu ganz herzlich und hat zu diesem Anlass ein Interview mit Dietmar Nikolai Webel geführt, der das Projekt federführend betreut. Webel wurde am 11.12.1958 in Halle (Saale) geboren. Er absolvierte in der Kirche eine diakonische und eine katechetische Ausbildung, später schloss er ein Studium zum Erwachsenbildner und zum ordinierten Gemeindepädagogen ab. In seiner Jugendzeit saß er wegen Staatsverleumdung im Stasiknast, verweigerte den Armee-Dienst mit der Waffe, baute im September 1989 das Neue Forum mit auf und war die Bezirkskontaktadresse, im Dezember war er Stasi-Auflöser und Gründungsmitglied des DDR-Bürgerkomitees zur Auflösung des MFS für den ehemaligen Bezirk Halle. Seit 2001 ist er Mitglied im Väteraufbruch für Kinder und seit 2002 Mitglied im Bundesvorstand des Vereins.

MANNdat: Vielleicht erzählen Sie unseren Lesern kurz, wie das Väterradio aus der Taufe gehoben wurde. Gab es dazu einen besonderen Anlass?
Webel: Vor zehn Jahren kamen die Männer- und Väterthemen in der Medienlandschaft kaum vor. Wenn über Männer berichtet wurde, dann wurden ihre Lebensgeschichten als bedauernswerte Einzelschicksale dargestellt. Als Mitglied im Bundesvorstand des VAfK betreute ich häufig die Väterhotline und habe viele Lebensgeschichten gehört. Mir wurde deutlich, dass die Diskriminierung der Männer keine Einzelerfahrungen waren, sondern strukturelles Unrecht. Immer wieder habe ich versucht, die Medien auf diesen Punkt aufmerksam zu machen. Aber die gesellschaftspolitischen Hintergründe wurden ausgeblendet. Deshalb brauchte es ein Medium zur Darstellung der Chancenungleichheit der Männer in der Gesellschaft und im Familienrecht. Das war die Geburtsstunde des Väterradios.

Welche Ziele verfolgt das Väterradio?
Wir wollen den Prozess der Geschlechterdemokratie zwischen Frauen UND Männern begleiten. Dazu braucht es eine Sensibilisierung für die Lebenswirklichkeit der Männer, deren Fragen und Probleme. Das Väterradio will den Raum bieten, sich über die Lebenswirklichkeiten von Männern, deren Wünsche und Probleme auszutauschen. Nur auf Basis eines Selbstverständnisses kann ein Genderdialog beginnen.

In welchen Gegenden Deutschlands kann man die Sendungen unter welcher Frequenz empfangen?
Das Väterradio wird bisher lediglich in Sachsen-Anhalt ausgestrahlt. Seit zehn Jahren hört man uns im Bürgerfunk Radio Corax im Raum Halle auf der Frequenz 95,9 MHZ – und seit Februar 2012 zusätzlich im Radio HBW (Harz-Börde-Welle) für den Raum Aschersleben auf der Frequenz 92,5 MHZ.

Ist eine Erweiterung des Sendebereiches in Planung?Grundsätzlich gerne, aber es braucht immer wieder Menschen, die sich in einem Radioverein der freien Bürgerradios engagieren. Die Sendung kann überall ausgestrahlt werden – auch Internetradios wären denkbar. Aber wie gesagt, allein schaffen wir eine erweiterte Ausstrahlung in andere Bürgerradios nicht. Wer sich da stark machen möchte, der kann sich ja bei uns melden.

Wie oft ist das Väterradio auf Sendung?
Wir produzieren monatlich eine Sendung von 50 Minuten.

Sind die Sendungen Live-Mitschnitte oder werden sie aufgezeichnet und später gesendet?
Die ersten Sendungen wurden live im Studio produziert und ausgestrahlt. Ich war aber mit den Ergebnissen nicht wirklich zufrieden. Manche Interviewpartner hatten große Angst vor einem Mikrophon, andere waren nicht gut auf ein Gespräch vorbereitet. In der Regel werden die Sendungen nun im Vorfeld aufgezeichnet und bearbeitet. Das hat den Vorteil, dass die Sendungen in den Aussagen verdichtet werden können. Für den Radiohörer erscheint das Thema dann klarer.

Wie finanziert sich das Väterradio?
Bisher erfolgte die Finanzierung ausschließlich über einen Väterradioverein. Für das Jahr 2011 hat das Väterradio erstmalig Förderung durch die Stadt Halle bekommen.

Wer kann Mitglied in diesem Verein werden?
Mitglied kann werden, wer einen Aufnahmeantrag stellt. Dann würde der Radiovorstand über den Antrag auf Mitgliedschaft abstimmen. Hierbei ist wichtig, dass das Väterradio kein Betroffenenverein sein will, wie etwa der Väteraufbruch für Kinder. Wir legen Wert darauf, dass die Mitglieder eine tatsächliche „Draufsicht“ auf die Genderprozesse in der Gesellschaft haben.

Wie viele Leute betreiben das Väterradio?
Das lässt sich schwer sagen, wir haben vier Redaktionen, welche mit vier Personen abgedeckt sind, dann haben wir einen drei-köpfigen Vorstand, welcher beratend die Sendeproduktionen begleiten. Hinzu kommen die Fleißarbeiter, die z. B. die Sendungen qualitativ bearbeiten, wie z. B. das Schneiden, damit ein sauberer Gesprächsfluss entsteht. Fast zehn Leute sind mit der Produktion einer Sendung direkt oder indirekt beschäftigt, wofür ich mich an dieser Stelle bei allen bedanken möchte. Im Radioverein sind mittlerweile 34 Mitglieder organisiert.

Welche Themen findet man konkret im Väterradio?
Die Themen sind sehr vielfältig. Die Bandbreite geht von allgemeinen Nachrichten und Informationen rund um Männer- und Vätergruppen, über das Besprechen von neuen Gesetzen und Buchvorstellungen, bis hin zu Erfahrungsberichten aus der Praxis, Gesprächsrunden und der Bekanntmachung von Veranstaltungen. Natürlich werden auch Benachteiligungen von Jungen und Männern thematisiert, beispielsweise die Bildungssituation von Jungen, Boys-Day, die hohe Suizidrate, die Beschneidung von Jungen, Männergesundheit und viele weitere Themen, die verdeutlichen, dass es mit der Gleichberechtigung in Deutschland zum Nachteil von Jungen und Männern noch schlecht bestellt ist.

Man hört immer, dass Männer nicht von sich und über sich reden können. Wie gelingt es Ihnen, Männer zum Reden zu bringen?
Das ist gar nicht so schwer, denn es ist ein Vorurteil, dass Männer nicht über sich und ihre Gefühle reden können. Natürlich tun sie das anders als Frauen, doch oft sind der Leidensdruck und der Schmerz so stark, dass die Männer nicht erst großartig dazu motiviert werden müssen. Man darf ja nicht vergessen, dass in Deutschland meiner Meinung nach ganz massiv und permanent die Grund- und damit die Menschenrechte von Männern, speziell von Vätern, verletzt werden. Das sieht auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte so. Nur die Politik ignoriert mehrheitlich diese Tatsachen.

Dann wünschen wir dem Väterradio alles Gute und noch viele spannende Sendungen

Stellungnahme von MANNdat bezüglich unserer Interviewpartner

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