Berücksichtigung jungenspezifischer Belange in den für Bildung zuständigen Ministerien in Deutschland 2008
Zur Bildungssituation von Jungen
Jungen haben heute das schlechtere Bildungsniveau und die schlechtere Bildungsbeteiligung als Mädchen.
Abb.1: Schulabbrecherquoten (Datenquelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 11, Reihe 1; vgl. auch Studie „Viele Welten leben“ 2004, BMFSFJ)
„Jungen müssen häufiger eine Klasse wiederholen als ihre Mitschülerinnen, insbesondere am Gymnasium.“ Dieses Zitat aus „Bildungsmisserfolge von Jungen“ [1], zeigt, dass die Bildungsproblematik nicht nur Grund-und Hauptschulen, sondern auch höhere Schulen betrifft.
In allen Bundesländern beträgt der Anteil von Jungen in Sonderschulen über 60%. [2]
Die nachfolgende Tabelle 1 gibt die deutschen und ausländischen Schulabsolventen nach Schulart und Geschlecht im Jahr 2003 in % wieder:
Scrollen Sie bitte, falls die Tabelle nicht vollständig angezeigt wird.
Abschluss | Jungen (o.M.) | Mädchen (o.M.) | Migranten-Jungen | Migranten-Mädchen |
Ohne | 10,0% | 5,8% | 22,6% | 15,4 % |
Hauptschule | 27,9% | 21,0% | 42,6% | 40,4% |
Realschule | 39,8% | 43,4% | 26,4% | 32,1% |
Gymnasium | 22,3% | 29,8% | 8,5% | 12,1% |
In Abbildung 2 ist der Anteil männlicher Schüler in Gymnasien dargestellt. Man erkennt, dass Jungen heute mit 43% deutlich unterrepräsentiert sind. Aus der Grafik ist auch der deutlich negative Trend zu erkennen.
Abb. 2: Verlauf Jungenquote in Gymnasien (Daten aus „Bildungsmisserfolge von Jungen“ S. 9 + BMBF Grund-und Strukturdaten 2005 + Ulf Preuss-Lausitz in Psychologie Heute, November 2006, S. 68 „Arme Kerle“+ Dr. Waltraut Cornelißen im Interview in „Brigitte“ 19/2007 S. 111)
Lesen
Die OECD hat in ihrer ersten PISA-Studie 2000 schon resümiert, dass die schlechte Leseleistung von Jungen eine große bildungspolitische Herausforderung darstellt. 2003 hat die OECD nochmals Jungenleseförderung als primäres Bildungsziel weltweit formuliert.
Weshalb ist das so?
In keiner anderen der bei der PISA-Studie getesteten Kompetenzen ist der geschlechterspezifische Unterschied so groß, wie beim Lesen. Die Abbildung 3 zeigt, dass Jungen bei den unteren Kompetenzstufen über- und bei den oberen Kompetenzstufen unterrepräsentiert sind.
Abb. 3: PISA-Ergebnisse 2003 (PISA-Konsortium Deutschland 2003:217)
Warum ist Lesen so wichtig?
Unter Lesekompetenz im Sinne der Schulleistungsstudien wird nicht das „schöne“ Vorlesen, sondern das Textverständnis verstanden, d.h. die Fähigkeit, Informationen aus dem gelesenen Text heraus zu lesen. Lesekompetenz ist eine wichtige Grundkompetenz. Wenn ein Schüler eine schlechte Lesekompetenz besitzt, hat er auch Schwierigkeiten in anderen Fächern und Bereichen. So nützen z.B. einem guten Rechner seine Rechenkünste nichts, wenn er nicht in der Lage ist, die richtigen Informationen aus einer Textaufgabe heraus zu lesen. 85% unseres Wissens erwerben wir durch lesen. Man geht davon aus, dass Jugendliche in der unteren Lesekompetenzstufe erhebliche Probleme bei der Integration ins gesellschaftliche und berufliche Leben haben werden.
Was sie wissen müssen – der Unterschied zwischen IGLU und PISA!
IGLU (PIRLS) und PISA sind zwei Schulleistungsstudien. Bei beiden werden Schüler/innen u.a. auf ihre Lesekompetenz getestet. Der wichtigste Unterschied ist, dass die IGLU-Studie mit Viertklässlern durchgeführt wird, also mit Schüler/innen im Alter von etwa 10 Jahren. Die PISA-Studie wird mit 15-jährigen Schülern und Schülerinnen durchgeführt, also am Ende der Mittelstufe. Entscheidend ist nun, dass bei der IGLU-Studie die geschlechterspezifischen Unterschiede zuungunsten der Jungen zwar ebenso vorhanden sind, wie bei der PISA-Studie, sie fallen bei der IGLU-Studie jedoch wesentlich geringer aus als bei der PISA-Studie. Dies bedeutet, dass sich die geschlechterspezifischen Unterschiede in der Lesekompetenz während der Schulzeit noch vergrößern.
Scrollen Sie bitte, falls die Tabelle nicht vollständig angezeigt wird.
IGLU-STUDIE | PISA-STUDIE |
10-Jährige Schüler/innen | 15-Jährige Schüler/innen |
Geringe Unterschiede in der Lesekompetenz | Große Unterschiede in der Lesekompetenz |
Dies ist wichtig zu wissen, weil heute verstärkt die Leseproblematik von Jungen marginalisiert wird, indem man auf die IGLU-Studie verweist und die PISA-Ergebnisse vernachlässigt. Die Schule hört aber mit der 4. Klasse nicht auf.
Mathematik / Informatik / Naturwissenschaften
Die Studie „Bildungsmisserfolge von Jungen“ [4] hat dargelegt, dass bei diesen Fächern Jungen zum Teil geringfügig bessere Leistungen zeigen, aber diese kommen nur durch die Spitzenleistungen einiger weniger männlicher Schüler zustande. In der Leistungs-Risikogruppe, also der Gruppe mit den niedrigsten Kompetenzen, überwiegen auch in diesen Fächern die Jungen. Eine oftmals einseitige mädchenspezifische Förderung in diesen Fächern ist deshalb nicht gerechtfertigt. Vielmehr müssen individuell auch Jungen in diesen Bereich bei Bedarf gefördert werden!
Was sind die Auswirkungen der schlechteren Bildungsleistungen?
Es gibt immer noch Leute, die behaupten, die schlechteren Bildungsleistungen von Jungen hätten keine negativen Auswirkungen auf deren Arbeitsmarktchancen oder Zukunftsperspektiven. Dies ist nicht nur unwahr, sondern auch verantwortungslos, denn es suggeriert den männlichen Jugendlichen, dass die Schulleistungen unwichtig seien.
Abbildung 4 zeigt die Entwicklung der Arbeitslosenzahlen der männlichen und weiblichen Jugendlichen. Man sieht deutlich ein Auseinanderdriften der Verläufe ab den 90er Jahren. Heute ist die männliche Jugendarbeitslosigkeit etwa um 20 bis 30 Prozent höher als die weibliche.
Abb. 4: Jugendarbeitslosigkeit (Daten aus Bundesagentur für Arbeit -Datenstand: 11.04.2006 (DZ/AM) und frühere Daten)
Volkswirtschaftlich betrachtet, kostet die Nachqualifizierung der „Schulversager“ die Bundesrepublik Deutschland jährlich etwa 3,4 Milliarden Euro!5 Dabei sind die volkswirtschaftlichen Verluste gar nicht berücksichtigt, die wir dadurch erleiden, dass wir auf die Potentiale der Jungen großzügig verzichten.
Was sind die Ursachen für die schlechte Bildungsleistung von Jungen?
Es ist bezeichnend, dass es bis heute, also 8 Jahre nach der ersten PISA-Studie, noch keine Studie gibt, die die Ursachen der schlechteren Bildungsleistungen von Jungen abschließend und umfassend untersucht hätte. Aber es gibt mittlerweile einige Ansätze. Auf einige davon möchten wir eingehen.
Schulische Kompetenzen bei der Einschulung
Abbildung 5 zeigt die ärztlichen Befunde bei Schulanfängern in Baden-Württemberg im Jahr 2005 für wichtige schulische Kompetenzen. [6]
Abb. 5: Anteil der Kinder mit ärztlichen Defizitbefunde bei Schulanfängern in Baden-Württemberg im Jahr 2005; Legende: Sprachfähigkeit; Artikulationsvermögen; Grafomotorik; Visuomotorik; Grobmotorik
Deutlich ist erkennbar, dass Jungen in allen schulischen Kompetenzbereichen höhere Defizitbefunde aufweisen als Mädchen. Es ist schon lange bekannt, dass Jungen sich in den Bereichen Motorik und Sprachfähigkeit tendenziell langsamer als Mädchen entwickeln. Dies sind Rahmenbedingungen, für die Jungen nichts können.
Wenn man Jungen nun beim Start in die Schullaufbahn gleiche Chancen geben will, muss man diese Tatsachen berücksichtigen und Motorik und Sprachfähigkeit insbesondere von Jungen schon im Kindergarten gezielt fördern. Die dringend notwendige Förderung im sprachlichen Bereich würde vor allem auch Migrantenjungen helfen.
Motivationale Gründe
Wenn man Jungen und Mädchen bei gleichem Interesse an einem Fach vergleicht, verschwinden die geschlechterspezifischen Unterschiede nahezu vollständig – und zwar in allen Fächern.7 Dies lässt bei der Suche nach den Ursachen die Frage aufkommen, ob die schlechteren Bildungsleistungen von Jungen daher resultieren, dass in der Schule zu wenig auf jungentypische Belange und Interessen eingegangen wird. Wir wollen dies am Beispiel Lesen näher betrachten.
Abbildung 6 zeigt die Entwicklung des Leseindex (Maß für die Leselust, also die Lesemotivation) von der 1. bis zur 10. Klasse. Es ist klar erkennbar, dass die Schule nicht in der Lage ist, die Lesemotivation der Kinder zumindest zu halten. Statt dessen sinkt die Lesemotivation während der Schulzeit erheblich, bei Jungen noch wesentlich deutlicher als bei Mädchen.
Abb. 6: Entwicklung Leseindex in % [8]
Laut PISA-Studie 2000 lesen 52% der Jungen in Deutschland nur dann, wenn sie lesen müssen. Dies ist doppelt so hoch wie bei Mädchen (26%) und höher als der PISA-Durchschnitt der Jungen (46%).
Diese Daten lassen den Schluss zu, dass die schlechteren Leseleistungen von Jungen zumindest teilweise darauf zurück zu führen sind, dass in Schule und Kindergarten zu wenig auf jungentypische Leseinteressen eingegangen wird.
Der nationale Bildungsbericht 2006 sagt aus: „Die spezifische Förderung von Jungen ist ein noch nicht eingelöstes Desiderat der Leseerziehung in Deutschland“. [9] Und dies sechs Jahre nachdem die PISA-Studie die schlechte Leseleistung der Jungen als große bildungspolitische Herausforderung formuliert hat.
Bildungsförderung -Sozialisationsarbeit
30 Jahre lang wurden Mädchen gefördert um ihren Bildungserfolg zu verbessern. Dies hat man erreicht durch gezielte Förderung und dadurch, dass sich Schule und Kindergarten auf mädchentypische Belange, Interessen und Verhaltensweisen ausgerichtet haben. Dabei hat man Jungen aus dem Blick verloren. Wenn wir Jungen nun wieder mit ins Boot holen wollen, müssen wir auch stärker auf die Belange und Interessen von Jungen eingehen, jungentypische Verhaltensweisen gleichberechtigt neben mädchentypischen Verhaltensweisen akzeptieren und respektieren und Jungen stärken. „Die Ressourcen von Jungen sollten von Lehrkräften in größerem Maße anerkannt und gewertschätzt werden.“ [10]
Dies unterscheidet sich erheblich von der bisherigen Jungenarbeit – der Sozialisationsarbeit, wie sie seit etwa 20 Jahren in Deutschland praktiziert wird. Diese Sozialisationsarbeit will Jungen umerziehen und sie zu einer kritischen Distanz zu ihrer Männlichkeit erziehen. In einem Spiegel-Artikel wird z.B. die Jungenarbeit des Vereins Dissens e.V. wie folgt zitiert:
Das Ziel einer „nichtidentitären Jungenarbeit“ sei „nicht der andere Junge, sondern gar kein Junge“ -die „Zerstörung von Identitäten“. [11] Diese Aussagen werden nicht bestritten. Stattdessen legt der Verein Dissens in einer Stellungnahme zu diesem Artikel dar, dass ihre pädagogische Arbeit darauf abziele, die Sozialkompetenz von Jungen zu erweitern und dominantes und gewalttätiges Verhalten von Jungen zu begrenzen. Dissens e.V. halte aber den Terminus ‚Zerstörung von Identitäten‘ mittlerweile nicht mehr für sinnvoll, um die „dekonstruktivistische Jungenarbeitsansätze“ zu beschreiben.
Der seit 1989 tätige Verein Dissens e.V. arbeitet häufig im Auftrage der Bundesregierung und er Regierung Berlins. Das Problem ist, dass diese Sozialisationsarbeit ein negatives Jungenbild kolportiert, weil sie davon ausgeht, dass jungentypische Verhaltensweisen grundsätzlich defizitär seien.
Sozialisationsarbeit ist sicher sinnvoll, solange sie dazu dient, Jungen soziale Kompetenz zu vermitteln, sie dabei allerdings auch als Jungen akzeptiert und respektiert. Eine Sozialisationsarbeit, die Jungen umerziehen, sanktionieren und beschämen will, ist äußerst fragwürdig und fördert negative Jungenbilder.
Tatsächlich hat man festgestellt, dass heute nicht nur Lehrer/innen sondern auch Eltern und die Gesellschaft insgesamt ein negatives Jungenbild haben. Dies ist eine schlechte Basis für eine positive Förderung von Jungen, die auf den Stärken der Jungen aufbauen sollte.
Abbildung 7 zeigt nochmals die ärztlichen Defizitbefunde der Schulanfänger in Baden-Württemberg, allerdings erweitert um ähnliche Daten aus Brandenburg (Br).
Abb. 7: Defizitbefunde bei Schulanfängern. [12]
Die Brandenburg-Daten liefern auch Informationen über die Defizite in sozialer Kompetenz. Diese machen jedoch lediglich 2,8% aus. Trotzdem konzentriert man sich seit 20 Jahren im Bereich „Jungenförderung“ auf diese 2,8% und vernachlässigt die erheblich größeren Kompetenzdefizite in den anderen Bereichen.
Dies zeigt, dass für eine Verbesserung der schulischen Leistungen eine Sozialisationsarbeit bei weitem nicht ausreicht. Vielmehr müssen Jungen schon frühzeitig, auch schon im Kindergarten, in schulischen Kompetenzen, insbesondere im Bereich Motorik und Sprachfähigkeit, gefördert werden.
Ungleichbehandlung von Jungen
Jungen erhalten in allen Fächern bei gleichen Kompetenzen schlechtere Noten und werden bei gleichen Noten seltener an höhere Schulen empfohlen. [13]
Politik
In Bildungsberichten, wie z.B. „Bildung auf einen Blick“, wird die Bildungsproblematik von Jungen oftmals gar nicht erwähnt.
Datenlage
Zudem besteht ein erheblicher Datenmangel zur Bildungssituation von Jungen [14] z.B. in folgenden Bereichen:
- Motivation für geschlechterstereotype Berufsorientierung bei Jungen
- Jungen mit Migrationshintergrund
- Bildungsprozesse von Jungen im Kindergarten
Zur schlechten Datenlage von Jungen mit Migrationshintergrund ist noch anzumerken, dass eine Petition von MANNdat e.V. aus dem Jahr 2004, die um eine bessere Datenerfassung von Jungen mit Migrationshintergrund bat, vom Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages mit der Aussage abgelehnt wurde, dass genügend Daten zu Jungen mit Migrationshintergrund vorlägen. Eine Aussage, die durch die Ergebnisse aus „Bildungsmisserfolge von Jungen“ eindeutig widerlegt wird. Es ist ein Problem, dass man mit dem Thema „Jungen und Bildung“ auf politischer Ebene immer noch überwiegend auf Ablehnung und Desinteresse stößt.
Missverhältnis Mädchenförderung -Jungenförderung
Trotz der schlechteren Bildungssituation von Jungen besteht auch heute noch ein ausgeprägtes Missverhältnis von Mädchenförderung zu Jungenförderung, zuungunsten der Jungen.
Das Bundesbildungsministerium z.B. führt auch heute noch ausschließlich Frauen-und Mädchenförderprogramme durch und kein einziges Jungenförderprogramm.
In den Kommunen gibt es Gleichstellungsbeauftragte und Frauenbeauftragte, die für eine umfassende Mädchenförderung sorgen, ohne dass es etwas vergleichbares für Jungen gäbe.
Die Gewerkschaften sind sehr stark engagiert im Bereich mädchenspezifischer Bildungsförderung. Bei jungenspezifischer Bildungsförderung halten sie sich jedoch zurück. Sie sehen die Jungen auch trotz eindeutig schlechterem Bildungsniveau und geringerer Bildungsbeteiligung sowie den unmittelbaren (schlechtere Noten bei gleichen Kompetenzen) und den mittelbaren Benachteiligungen (langsamere Entwicklung in wichtigen schulischen Kompetenzen) nicht als Bildungsverlierer.
Jungen werden auch heute noch größtenteils aus dem Zukunftstag ausgeschlossen. Lediglich in Brandenburg und Niedersachsen wird Jungen landesweit eine gleichwertige Teilhabe am Zukunftstag gewährt.
Und in der Integrationspolitik hat man von der ersten Studie im Jahr 2004 („Viele Welten leben“) bis zum fertigen nationalen Integrationsplan im Jahr 2007 das Geschlechterthema wieder ausschließlich auf Frauen und Mädchen beschränkt und Migrantenjungen, also die Klientel mit den größten Bildungsproblemen, einfach weggelassen.
Nach wie vor werden Mädchen speziell in den Fokus genommen und Jungen einfach ausgeblendet und dann meint man, das Geschlechterthema vollständig und abschließend behandelt zu haben.
„Neue Wege für Jungs“
Das Projekt „Neue Wege für Jungs“ wurde im Jahr 2005 eingeführt. Das Projekt bündelt die Boys´ Day-Aktionen. Allerdings: Das Projekt „Neue Wege für Jungs“ ist KEIN Bildungsförderprojekt!
Das können Sie schon daran erkennen, dass das Bundesbildungsministerium dieses Projekt (übrigens im Gegensatz zum Girls´ Day) NICHT fördert. Es deckt die Themenbereiche „Be-rufsorientierung“ ab und zudem „Rollenbilder“ und „soziale Kompetenz“, ist also vorrangig ein Sozialisationsprojekt. Das Projekt „Neue Wege für Jungs“ ist deshalb nicht ausreichend für eine Verbesserung der schulischen Kompetenzen von Jungen. Zudem ist das Projekt weder finanziell noch personell auch nur annähernd vergleichbar wie das Mega-Projekt „Girls´ Day“.
Ganztagsschulen
Eine Verringerung der geschlechterspezifischen Unterschiede in der Bildungsleistung durch Ganztagsschulen ist bisher noch nicht abschließend untersucht worden. Die Auswertung der bisherigen Schulleistungsstudien [15} ergibt jedoch KEINE Hinweise, dass die Einführung von Ganztagsschulen einen positiven Einfluss auf die Verringerung der Chancenungleichheit durch familiäre (soziale) Hintergründe oder einen positiven Einfluss auf das Bildungsniveau insgesamt hat. (L.Wössmann „Letzte Chance für Schulen“ S. 146ff)
Die Ganztagsschule ist also primär KEINE Bildungsfördermaßnahme. Sie ist vorrangig eine Maßnahme zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf!
Hat Ihnen der Artikel gefallen? Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende.