Wir trauern um Marc Angelucci

von MANNdat

Quelle: Youtube: „Why Don’t We Hear About Men’s Rights? | Marc Angelucci“; https://www.youtube.com/watch?v=e8B5d9lX5AY, Abruf 15.7.2020

Der kalifornische Anwalt und Aktivist für die Beseitigung von Nachteilen und Benachteiligungen von Jungen, Vätern und Männern, Marc Angelucci, ist in seinem Haus erschossen worden. Das Motiv sei noch nicht bekannt, heißt es in der Presse.

Marc Angelucci war 52 Jahre alt und Vizepräsident und Vorstandsmitglied der National Coalition for Men (NCFM).

Wie Genderama übersetzt, kam er 1997 als Jurastudent zum NCFM, nachdem er miterlebt hatte, wie sein Freund jahrelang von seiner Frau körperlich misshandelt wurde und ihm dann der Zugang zu Hilfsdiensten für Opfer häuslicher Gewalt verweigert wurde, weil er ein Mann war. Im Jahr 2001 gründete er das NCFM-Chapter in L.A. und diente bis 2008 als dessen Präsident. In dieser Zeit wurde NCFM-LA zu einer aktiven Gruppe, die Kundgebungen organisierte, Klagen einreichte und erhebliche Aufmerksamkeit der Medien erhielt. Marc veröffentlichte Meinungsbeiträge in der Los Angeles Times und zahlreichen anderen Presseorganen und setzte sich unermüdlich für eine gerechtere, freundlichere Welt ein.

Angelucci war Mitbegründer der ersten eigenen Kanzlei der US-amerikanischen Männerrechtsbewegung, um ein männerdiskriminierendes Justizsystem zu verbessern.

Vor kurzem hatte Angelucci zwei wichtige Fälle gewonnen. In dem einen ging es um gleichen Schutz gegen die Selective Service Administration.

1973 wurde die Wehrpflicht in den USA abgeschafft. Seit 1980 sind Männer aber verpflichtet, sich zum Zwecke einer eventuellen Neueinführung im Notfall bis zu ihrem 18. Geburtstag beim Selective Service System registrieren zu lassen. Versäumen sie das, können ihnen öffentliche Leistungen wie Bundesbeschäftigung und Studienkredite verweigert werden.

Nachdem 2015 das Pentagon alle Beschränkungen für Frauen beim Militär aufgehoben hat, gilt diese Registrierungspflicht beim Selective Service System nach wie vor, aber ausschließlich für Männer – eine sachlich nicht mehr gerechtfertigte Ungleichbehandlung. Dagegen ist Angelucci vorgegangen und hat gewonnen. Diese Ungleichbehandlung wurde als verfassungswidrig beurteilt.

Die Regierung muss nun handeln. Entweder wird die Registrierungspflicht abgeschafft oder auch Frauen verpflichtet, sich registrieren zu lassen. In Deutschland gilt die Wehrpflicht übrigens nach wie vor ausschließlich für Männer, auch wenn sie derzeit ausgesetzt ist.

Zuvor erreichte Angelucci in Kalifornien, dass es als verfassungswidrig befunden wurde, männliche Opfer von häuslicher Gewalt von der staatlichen Finanzierung von Opferhilfe auszuschließen.

Auch in Deutschland werden männliche Opfer von häuslicher Gewalt (gemeint ist hier eigentlich Partnerschaftsgewalt) von der staatlichen Finanzierung bei der Opferhilfe weitestgehend ausgeschlossen. Sie hierzu unseren Artikel „Warum Frauenpolitik männliche Opfer marginalisiert und Täterinnen schützt“.

Angelucci war auch in „The Red Pill“ zu sehen, einem Dokumentarfilm von 2016 über die Männerrechtsbewegung. In einem viertelstündigen Begleitvideo zu ihrer Doku „The Red Pill“ hat Cassie Jaye Angelucci interviewt: „Warum hören wir so wenig über das Thema Männerrechte?“

Schon 2007 war er einer der vier Kläger, die einen Nachtclub wegen Diskriminierung von Männern verklagt haben. 2008 urteilte ein US-Gericht auf Klage der Männerrechtsgruppe National Coalition of Free Men, dabei insbesondere Marc Angelucci, dass Schutz vor häuslicher Gewalt geschlechtsneutral sein muss. Das Urteil machte häusliche Gewalt gegen Männer auch zum Thema der Mainstream-Medien.

Marc Angelucci machte immer wieder darauf aufmerksam, dass Männer laut Studien für dasselbe Verbrechen schwerer bestraft werden als Frauen. Während etwa eine schwarze Hautfarbe das Risiko, im Gefängnis zu landen, um 19 Prozent hebe, hebe die Angehörigkeit zum männlichen Geschlecht dieses Risiko um 165 Prozent. Auch die Dauer der Haft wird stärker dadurch verlängert, dass die betroffene Person männlich ist, als durch jeden anderen Faktor der Diskriminierung, einschließlich der ethnischen Herkunft. Und mehr noch: Wer eine Frau tötet, muss mit einer im Schnitt um 40,6 Prozent höheren Haftzeit rechnen als jemand, der einen Mann tötet.

Arne Hoffmann hatte Angelucci schon 2001 in seinem Klassiker „Sind Frauen bessere Menschen?“ erstmals erwähnt.

Auch für MANNdat war Angelucci ein wichtiger Mitstreiter für die Beseitigung von Nachteilen und Benachteiligungen von Jungen, Vätern und Männern. Wir beriefen uns z. B. bei der Expertise zum Antrag der Fraktion der FDP (Drucksache 16/7402) „Ganzheitliche und moderne Gleichstellungspolitik – Gleichstellung von Frauen und Männern auf allen Ebenen vorantreiben“ u. a. auf ihn.

Stimmen zum Tod von Marc Angelucci:

Male Positive Media: „Marc Angelucci hat mehr für Männeranliegen getan als so ziemlich jeder andere“.

Janice Fiamengo (Professorin an der University of Ottawa) spricht von einem „verheerenden Verlust“.

Cassie Jaye: „Einer meiner liebsten Freunde und der brillanteste und gutherzigste Mensch, der sein Leben der Gerechtigkeit für Männer und Jungen widmete, Marc Angelucci, wurde gestern vor seinem Haus in Kalifornien ermordet. (…) Ich kenne ehrlich gesagt niemanden wie ihn, und das macht mir Angst. Wer wird sein Vermächtnis weiterführen? Sein Tod ist tragisch, es war nicht seine Zeit, er war in der Blüte seines Lebens. Er hat in letzter Zeit an so vielen wichtigen Rechtsfällen gearbeitet, und ich bin sicher, dass er noch größere Arbeit vor sich hatte. Ich weiß nicht, wer ihm das antun könnte – und uns, denn wir haben einen echten Lebenshelden verloren.”

Corinne Barraclough vom australischen Politik-Magazin „Spectator“: „Er setzte sich für Menschen ein, die von den Mächtigen schikaniert wurden. Er war ein unschätzbarer, ehrenwerter Held der Väter und der Männerrechtsbewegung. (…) Ich danke Ihnen, Marc Angelucci, für Ihr erstaunliches Engagement; wir werden Ihren Geist in unseren Herzen tragen, während wir weiterhin nach Gerechtigkeit für alle streben.“

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Lesermeinungen

  1. Von hopeforimproval

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  2. Von WikiMANNia

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