McKinsey mit sehr fragwürdiger Rechtsauffassung

von MANNdat

Die Beratungsfirma McKinsey gibt eine Stellenanzeige für Zürich auf. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Allerdings werden Männer aufgrund ihres Geschlechtes von vorne herein als Bewerber nicht zugelassen. Ist das eine Diskriminierung von Männern?

Nein, meint ein Sprecher von McKinsey Schweiz auf Anfrage. Das Jobinserat sei Teil einer Kampagne, die sich „explizit an Frauen“ richte.

Wenn man Diskriminierung gleich als komplette Kampagne betreibt, ist es keine Diskriminierung? Das deckt sich aber nicht mit der Schweizer Definition von Diskriminierung. Denn die lautet laut „Instrumente gegen Diskriminierung im schweizerischen Recht – ein Überblick“ von Christina Hausammann, humanrights.ch/MERS, Bern, November 2008:

Diskriminierung wird als qualifizierte Art von Ungleichbehandlung definiert. Sie ist dann anzunehmen, wenn eine Person allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe rechtsungleich behandelt wird und daraus eine Benachteiligung resultiert, die als Herabwürdigung oder Ausgrenzung einzustufen ist.

Gleichberechtigung gilt offenbar – auch in der Schweiz – nur für Frauen. McKinsey weiter:

„McKinsey diskriminiert niemanden, weder aufgrund des Geschlechts, der Religion, der sexuellen Orientierung oder anderer Kriterien“, sagt der Sprecher.

Diese Dreistigkeit muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Wenn McKinsey Bewerber nicht zulässt aufgrund ihres männlichen Geschlechts, diskriminiert sie niemanden wegen des Geschlechts.

Das sagt zumindest der Sprecher der Firma. Trotzdem ist es natürlich eine Diskriminierung, denn hier liegt eindeutig eine qualifizierte Art von Ungleichbehandlung vor, die dann anzunehmen ist, wenn eine Person (hier jeder Mann) allein aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe (hier zu der Gruppe der Männer) rechtsungleich (hier keine Gleichbehandlung im Bewerbungsverfahren) behandelt wird und daraus eine Benachteiligung resultiert (hier keine Chancengleichheit auf die Stelle), die als Ausgrenzung einzustufen ist (hier Ausgrenzung von Männern als Bewerber ist eine Ausgrenzung). Aber McKinsey setzt noch eins drauf:

Stelleninserate, die sich ausschließlich an Frauen richteten, seien verbreitet – „nicht nur in unserer Firma“.

Wenn alle oder zumindest viele das machen, ist es zulässig? Auch das ist eine mehr als nur sehr fragwürdige Rechtseinstellung und sehr unprofessionelle Beratungspraxis. Und diese Beratungsfirma berät andere. Wir halten solche Beratungsfirmen für nicht kompetent und können davon nur abraten.

 

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende.

Lesermeinungen

  1. Von Markus Hahn

    Antworten

  2. Von nico

    Antworten

  3. Von Robert aus Wien

    Antworten

    • Von nico

Diesen Beitrag kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Bitte beachten Sie, dass Kommentare mindestens 5 und höchstens 1500 Zeichen haben dürfen.

Zitate können mit <quote> ... </quote> gekennzeichnet werden.

Achtung: Wenn Sie einen Kommentar von einem Smartphone verschicken, wird der Text manchmal von der Autofill-Funktion des Smartphones durch die Adresse ersetzt. Wenn Sie den Kommentar absenden, können wir den originalen Text nicht wiederherstellen.

Niemand mag Pop-ups!

Aber immerhin stehe ich nicht mitten auf der Seite. Wenn Sie sich für unseren Newsletter anmelden wollen, tragen Sie sich hier ein. Es lohnt sich!

Ihre Daten sind sicher! Die Email verwenden wir nur für den Newsletter. Sie können sich jederzeit abmelden.