Die Angst der Männer vor den Frauen – als Tabuthema nützt es dem Feminismus – Teil 2

von Gastbeiträge

Die Angst von Männern vor Frauen ist ein wenig beleuchtetes Thema. Es bezieht sich auf Mutter-Sohn-Beziehungen, Partnerbeziehungen und auf das Geschlechterverhältnis in Gesellschaft und Politik. Männer sollten ihre Ängste und Abhängigkeiten mehr reflektieren und offenlegen, um aus ungünstigen und oft auch verlogenen Realitäten entkommen zu können. Professor Michael Klein hat uns das wichtige Thema im ersten Teil dieses Gastartikels nähergebracht. Im zweiten Teil zeigt er uns auf, dass Probleme mit Angst in Partnerschaften oft aus übermäßiger Abhängigkeit herrühren und wie Männer adäquate Selbstbehauptung und Selbstfürsorge praktizieren können.

Autor:
Prof. Dr. Michael Klein ist Psychotherapeut und Männercoach, Experte für Männerpsychologie und Autor wissenschaftlicher Beiträge in diesem Themenbereich unter www.mens-mental-health.de.

Unlängst hat er das Sachbuch „Das Ende der Gendersprache“ im Psychologie-Verlag W. Pabst (Lengerich) veröffentlicht.

Dependenz und Angst

Die geschilderten Probleme mit Angst in Partnerschaften rühren oft aus übermäßiger Abhängigkeit (Dependenz) her. Männer verhalten sich dependent, wenn sie sich aus Liebe, Einsamkeit oder Minderwertigkeitsgefühlen von einer Frau abhängig machen. Ein gewisses Maß an Dependenz ist in Partnerbeziehungen notwendig, um sich der gegenseitigen Liebe hinzugeben. Ein Problem entsteht, wenn es sich nicht um tiefe Liebesgefühle handelt, einer der Partner zu intensiver Liebe nicht fähig ist oder wenn ein Partner sich aus Angst oder Minderwertigkeitsgefühlen abhängig macht. Es ist zwar nicht bekannt, wie viele Männer sich in ihren Beziehungen zu ihren Partnerinnen übermäßig dependent verhalten, aber es lässt sich wegen der schon genannten Zahlen in Bezug auf Zustandsangst plausibel annehmen, dass dies in bis zu einem Drittel aller Partnerbeziehungen passiert.

Dependenter Persönlichkeitsstil

Menschen mit einem dependenten (abhängigen) Persönlichkeitsstil sind anderen gegenüber sehr angepasst und in einem extremen Sinne loyal. Sie ordnen ihre eigenen Bedürfnisse und Wünsche denen anderer unter und verhalten sich gegenüber nahestehenden Menschen anhänglich und submissiv. In Partnerschaften sind Menschen mit dependentem Persönlichkeitsstil oft die von Ausnutzung Benachteiligten. Sie haben zwar eine gute Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und mit anderen zu kooperieren, können sich aber schlecht gegenüber Ausnutzung abgrenzen. Sie denken häufig, dass sie am Ende den gerechten Lohn für ihre Hilfsbereitschaft erhalten werden. Dies erweist sich in der Realität als irrationale Erwartung. Solange sie dies nicht erkennen, bleibt dieser Irrglaube jedoch erhalten.

Dependente Persönlichkeitsstörung

Für Menschen mit dependenter Persönlichkeitsstörung (DPS) sind im Unterschied für Personen mit dependentem Persönlichkeitsstil die kennzeichnenden Merkmale stärker ausgeprägt. Typisch für eine DPS ist, dass sich die Betroffenen passiv und unterwürfig verhalten, wenig Selbstbewusstsein haben und sich übermäßig stark an andere unter Verleugnung der eigenen Bedürfnisse anpassen. Dies gilt besonders für Partnerbeziehungen. Der dependente Mann ordnet sich seiner Partnerin offen oder implizit unter, vertritt keine eigene Meinung oder revidiert diese auf Druck der Partnerin schnell, gibt sich unterwürfig und servil und verspürt Angst, getadelt, gemaßregelt und verlassen zu werden.

Von einer DPS sind nach Forschungsstudien 2-4% der Erwachsenen betroffen, dabei mehr Frauen als Männer. Die Betroffenen haben nach dem DSM-5, dem führenden psychiatrischen Diagnose- und Klassifikationssystem, ein tiefgreifendes und übermäßig starkes Bedürfnis, versorgt und gemocht zu werden, das zu unterwürfigem und anklammerndem Verhalten und Trennungsängsten führt. Mindestens fünf der folgenden Kriterien müssen erfüllt sein:

  1. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, alltägliche Entscheidungen zu treffen, ohne ausgiebig den Rat und die Bestätigung anderer einzuholen.
  2. Sie benötigen andere, damit diese die Verantwortung für ihre wichtigen Lebensbereiche übernehmen.
  3. Sie haben Schwierigkeiten, anderen gegenüber eine andere Meinung zu vertreten – aus Angst, dann deren Unterstützung und Zustimmung zu verlieren.
  4. Es fällt ihnen schwer, Unternehmungen selbst zu beginnen oder Handlungen unabhängig durchzuführen, vor allem wegen mangelnden Vertrauens in die eigene Urteilskraft oder in die eigenen Fähigkeiten.
  5. Sie tun alles Erdenkliche, um sich die Versorgung und Zuwendung anderer zu erhalten – bis hin zur freiwilligen Übernahme unangenehmer Tätigkeiten.
  6. Sie fühlen sich alleine unwohl oder hilflos – aus übertriebener Angst, nicht für sich selbst sorgen zu können.
  7. Wenn eine enge Beziehung endet, suchen sie dringend eine andere Beziehung als Quelle der Fürsorge und Unterstützung.
  8. Sie sind in unrealistischer Weise von der Angst eingenommen, verlassen zu werden und für sich selbst sorgen zu müssen.
  9. Nach einer Trennung haben sie das Gefühl, am Leben vorbei zu laufen.
  10. Sie haben ein Gefühl von innerer Leere.
Im Überblick: Männliche Ängste

Nach der Darstellung zu Abhängigkeit und Dependenz als Verhaltens- und Erlebensproblemen in Beziehungen folgt ein Überblick zu den wichtigsten Ängsten von Männern. Männer haben ganz unterschiedliche Ängste. Sie möchten auch heute noch unter keinen Umständen schwach und hilflos sein, ohnmächtig wirken und die Kontrolle verlieren. Nach eigener Rollenzuschreibung wollen sie stark oder „cool“ sein oder zumindest so wirken. Männer erwarten von sich selbst, über den Problemen stehen und lösen zu können. Was das besonders Stresshafte werden kann, ist, dass sie glauben, dass auch ihr Umfeld dies von ihnen erwartet. Wer Schwäche oder Angst zeigt, gilt schnell als Versager. Und diese Furcht vor Versagen oder Ohnmacht kann zur dauerhaften Belastung und zum schwerwiegenden psychischen Stress werden. Lösung: Es genügt, meistens Kontrolle und Souveränität zu haben, aber keinesfalls immer! Dies ist ein Perfektionsanspruch an sich selbst, an dem jeder scheitern muss!

Männerängste werden oft über Dependenz vermittelt

Männerängste können sich in Beziehungen zu Frauen realisieren, aber auch im kollektiven Raum einer Gesellschaft. Heinrich Mann hat beide Aspekte in seinen Romanen dargestellt. Bei Professor Unrat ist es die zunehmende Hörigkeit zu einer Frau (im Film von Marlene Dietrich gespielt), im Staat ist es der „Untertan“, der mit absoluter Hingabe und völligem Gehorsam seinem Kaiser folgt, der das ganze Volk in den Untergang führt. Beide Formen des „Kadavergehorsams“ als Ausdrucksformen der übermäßigen, krankhaften Abhängigkeit sind bei Männern bekannt und sollten jeden Mann in eine kritische, selbstreflexive Betrachtung seines Umgangs mit Anforderungen, Normen und Befehlen führen.

Sexuelle Ängste

Eine weitere Angst des Mannes besteht darin, sexuell zu versagen. Dies betrifft sowohl junge als auch ältere Männer. Während Frauen oftmals viel Zärtlichkeit und Hingabe suchen, ist der Mann bestrebt, potent und leistungsfähig zu sein. Dieses sehr einseitige Männerbild wird von Teilen der Gesellschaft, der Pornoindustrie insbesondere, vermittelt. Aber es ist flach und auch im Kern falsch. Männliche Sexualität kann vielfältig, kreativ und phantasievoll sein. Eine Beeinträchtigung der Sexualfunktionen hat Auswirkungen auf den Selbstwert des Mannes. Aber: Erwartet die Frau denn wirklich, dass er immer kann? Dann hat er die falsche Frau und setzt sich damit selbst gnadenlos unter Druck. Er tut dies oft, weil er Vorgaben umsetzen will, die er in den Medien oder von seinen Peers aufgegriffen hat, die aber kein Mann so erfüllen kann.

Frauen erwarten keine angstfreien Männer

Männer pflegen, ihre Ängste zu verheimlichen, besonders vor ihren Frauen. Warum? Würde sie ihn vielleicht weniger lieben, wenn er sie in seine Gefühle blicken ließe? Ich habe noch keine Frau getroffen, die ihren Mann verachtet hätte, wenn er ihr mitteilte, dass er Angst verspürt. Häufig wird er ihr umso sympathischer, je mehr er sich ihr öffnet. Mit einer gespielten Stärke kann sie nichts anfangen. Sie will echte Stärke und beschützt werden. Offen geäußerte Sorgen und Ängste bringen ihn ihr näher. Seine Gefühle zu zeigen gelingt dem Mann oftmals nicht, weil er sie kaum zulässt. Zudem kann er sie selten in Worte fassen. Dies sind wichtige Lern- und Erfahrungsschritte zur Ausgestaltung eines modernen Mannseins.

Aus ängstlichen Jungen werden hyperängstliche Männer

Auch wenn es gut ist, sich seine Angst einzustehen, vor allem in wirklich bedrohlichen Situationen, ist ein Übermaß an Angst, „chronische Angst“, für die Betroffenen schädlich, vor allem weil das Stressachsensystem (HPA) dauerhaft aktiviert bleibt. Eine besondere Problematik ergibt sich daraus, dass Jungen heutzutage viel ängstlicher sind, vor allem Mädchen gegenüber, als früher. Sie haben Angst, Fehler beim Flirten zu machen, öffentlich in den sozialen Netzwerken bloßgestellt zu werden und in ihrem Selbstwert gekränkt zu werden. Hinzu kommt, dass es für sie durch die Negativierung des Männlichen und die Allgegenwart geschlechtsidentitätsdiffundierender Botschaften immer schwieriger wird, eine männlich-gesunde Rollenidentität zu entwickeln. Das weiblich dominierte Bildungs- und Mediensystem ist dabei für sie wenig unterstützend, oft sogar schädlich. In den öffentlich-rechtlichen Medien wird heute schon mehr über Inter- und Transsexualität berichtet als über die für die überaus große Mehrheit der Jugendlichen relevante Hetero- und Homosexualität. So werden Jungen immer ängstlicher und wenn sich dies im Selbstbild festsetzt, werden sich daraus konfliktscheue, ängstliche Männer entwickeln. Dies ist ausschließlich ein Phänomen des Westens, so dass Männer aus anderen Kulturen zunehmend dominieren und die Männer des Westens weiter marginalisieren werden.

Angst und Abhängigkeit in Gesellschaft und Politik

Männliche Angst und Abhängigkeit treten natürlich nicht nur in Beziehungen und Partnerbindungen auf, sondern auch in anderen Interaktionen, wie z.B. im Berufsleben, in Freundschaften, aber auch auf der großen Bühne der Politik und Medien. Der Siegeszug des radikalen Feminismus in den letzten 20 Jahren hat auch viel mit männlicher Angst vor Bloßstellung, Zurechtweisung und Isolierung zu tun. Oft werden Personen (Männer wie auch feminismuskritische Frauen) mit kritischer Meinung auch massiv eingeschüchtert mit Verunglimpfungen, Drohungen und „hate speech“. Dies geschieht überwiegend in den sozialen Netzwerken, die heutzutage zum Inkubator künftiger gesellschaftlicher Entwicklungen geworden sind. Nach wie vor gibt es keine wirksame, unparteiische Netiquette gegen solche Machenschaften im Internet. Männer, die sich kritisch gegenüber feministischen Thesen äußern, werden so oft pauschal als misogyn (Frauenhass), rechtextrem oder Ähnliches bezeichnet. Ein durchschaubarer, aber allzu oft wirksam Schachzug, unbequeme Kritiker mundtot zu machen.  Wenn sich der spätere Bundeskanzler Scholz im Wahlkampf 2021 widerspruchslos sagen lässt, er habe in seiner politischen Karriere immer einer Frau den Platz weggenommen, zeigt dies die wortlose Angst, die inzwischen in vielen gesellschaftlichen Bereichen gegenüber dem laut und dominanten auftretenden Feminismus herrscht. Männer sollten nicht versuchen, ihre Angst gegenüber starken Frauen zu unterdrücken, sondern sich dieser zu stellen und sie zu überwinden. Tun sie dies nicht, sind sie in Gefahr, tatsächlich handlungsunfähig und ohnmächtig zu werden. Sowohl der angstvolle Rückzug als auch die Flucht in übertriebene Aggressionen mit Beschimpfung und Verunglimpfung sind unangemessene Reaktionsmuster auf Angst gegenüber starken Frauen. Männer sollten lernen, mit rationalen Mitteln und den Lehren der Stoiker, einer antiken Philosophie zur Steigerung von Gelassenheit, auf die Zumutungen des radikalen Feminismus in Gesellschaft, Medien und Politik zu reagieren.

Selbstreflektion und Selbstfürsorge müssen Männer oft erst noch lernen

Männer müssen sich erst zu ihren Gefühlen (Angst, Einschüchterung) bekennen, um wieder Worte zu finden und ihre Ängste zu überwinden, die sie sich häufig noch nicht einmal zugestehen. Einschüchterung, Drohungen und andere Formen psychischer Gewalt treffen Männer heutzutage meist unwidersprochen. Dies bezieht sich auf Partnerschaften, Arbeitskontexte wie auch auf den politischen Raum. Für viele dieser Bereiche kann von der Herrschaft eines dogmatischen Meinungsmobs gesprochen werden. Männer müssen heutzutage ganz neu lernen, sich gegenüber diesen negativen Bedrohungen zu wehren und können dabei nicht auf gesellschaftliche Solidarität hoffen. Sie sollten sich dabei nicht rechtfertigen (das wäre bloße Defensivität), sondern adäquate Selbstbehauptung und Selbstfürsorge praktizieren. Wenn die politische Kultur einer führenden Partei des Landes Männer auf Wahllisten offen diskriminiert und ihnen sogar Redeverbote bei Parteiveranstaltungen erteilt, wenn die Mehrheit der anwesenden Frauen dies so wünscht, und dies alles als fortschrittlich verkauft, kann dem rationalen Betrachter klar werden, dass es nur allzu berechtigt ist, Angst vor Frauen auch auf der politischen Bühne zu haben. Erst wenn sich Männer ihren Ängsten – im Kleinen wie im Großen – stellen, werden sie diese überwinden und zu neuen, passenden Reaktionsformen kommen. Dies kann langfristig zu gerechteren Formen im Geschlechterverhältnis führen.

Zusammenfassung und Fazit

Die Angst von Männern vor Frauen ist ein wenig beleuchtetes Thema. Es bezieht sich auf Mutter-Sohn-Beziehungen, Partnerbeziehungen und auf das Geschlechterverhältnis in Gesellschaft und Politik. Männer sollten ihre Ängste und Abhängigkeiten mehr reflektieren und offenlegen, um aus ungünstigen und oft auch verlogenen Realitäten entkommen zu können. Die Selbstbilanz ist in dysfunktionalen Kontexten ein wichtiger Schritt zur Veränderung. Männer haben öfter als es bislang bekannt ist, Angst vor Frauen. Die Arbeit an diesem Thema ist ein wichtiger Baustein zu mehr gesunder Autonomie und Selbstfürsorge.

Autor:
Prof. Dr. Michael Klein ist Psychotherapeut und Männercoach, Experte für Männerpsychologie und Autor wissenschaftlicher Beiträge in diesem Themenbereich unter www.mens-mental-health.de.

Unlängst hat er das Sachbuch „Das Ende der Gendersprache“ im Psychologie-Verlag W. Pabst (Lengerich) veröffentlicht.

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Lesermeinungen

  1. Von nico

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