Brief an das Bundesforum Männer zu Männerpolitiken

von Dr. Bruno Köhler

Brief an das Bundesforum Männer, 6.12.2012

Jungen- und Männerpolitik
– Ihr Brief an „Maskulisten“

Sehr geehrter Herr Rosowski,

wir sind froh, dass endlich eine Bundesregierung die Notwendigkeit einer eigenständigen Männerpolitik erkannt und versprochen hat, eine solche zu etablieren. Wir sind ebenso froh, dass eine Bundesregierung endlich Finanzen für eine Interessenvertretung für Jungen und Männer zur Verfügung stellt. Es gibt wahrlich genügend Jungen- und Männerthemen, die geschlechterpolitisch thematisiert und angegangen werden müssen, wie z. B. die Gleichberechtigung von Vätern im Sorge- und Umgangsrecht, die Beseitigung der Bildungsnachteile und Bildungsbenachteiligungen von Jungen oder die Gleichstellung von Jungen und Männern in der Gesundheitspolitik. Gerade der aktuelle Versuch, Jungen ihr Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit durch die Legalisierung auch nicht religiöser Beschneidung wegzunehmen, zeigt, wie wichtig eine politische Lobby z. B. für Jungen ist.

Ihr Bundesforum Männer soll diese von der Regierung versprochene „eigenständige“ Männerpolitik voranbringen. Ihr Verein erhebt für sich selbst den hohen Anspruch, nicht nur eine, sondern die Interessenvertretung für Jungen und Männer sein zu wollen. Damit stehen Sie in der Pflicht, die Interessen nicht nur feministischer Männer (wie es die bisherige Geschlechterpolitik getan hat), sondern auch die Interessen feminismuskritischer Männer zu vertreten. Alles andere wäre unglaubwürdig.

Bislang haben wir jedoch den Eindruck, dass die Schwerpunkte Ihrer Aktivitäten sich nahezu vollständig auf die geschlechterpolitischen Schwerpunkte der Bundesregierung beschränken, nämlich Feminismus, Frauenquote und freiwillige Ersatz-Zivis. Im Bereich der Väterpolitik beschränken sich Ihre Aktivitäten, ebenso wie die der Bundesregierung, auf die Ermutigung und Unterstützung von Männern, ihre Rolle als aktive Väter wahrzunehmen, jedoch ohne politische Forderung nach einer Gleichberechtigung von Vätern im Sorge- und Umgangsrecht. Ebenso beschränkt sich Ihre Jungenpolitik, deckungsgleich mit der Politik aller Parteien, auf profeministische Sozialisation, ohne jedoch die Gleichstellung von Jungen im Bildungswesen, gemessen z. B. an den Teilhabequoten im Gymnasium, zu fordern. Von einer „eigenständigen“ Männerpolitik kann also nicht die Rede sein.

Auf unsere Anfrage an Sie vor gut einem Jahr bezüglich der Mitgliedsmodalitäten (Mitgliedsgebühr, Intervall der Tagungen, Tagungsorte usw.) haben wir noch keine konkrete Auskunft erhalten. Stattdessen forderten Sie uns direkt auf, Ihre „Plattform“, eine Ansammlung von Allgemeinplätzen zur Geschlechterpolitik, zu unterschreiben. Zu dieser „Plattform“ haben wir konkrete Fragen an Sie gestellt, wie z. B., ob Sie unter der Unterstützung jeglicher Form von sozialer Arbeit von Männern auch die Wiedereinführung von reinen Männerzwangsdiensten verstehen. Auch auf diese Frage haben wir von Ihnen bis heute keine Antwort erhalten. Mittlerweile haben wir aus den Medien erfahren, dass Sie eine Aufnahme unseres Vereins ohnehin ablehnen.

In Ihrem Bundesform Männer sind auch Organisationen Mitglied, die uns ablehnend gegenüber stehen und zu denen auch einzelne Personen gehören, die offenbar persönliche Abneigungen uns gegenüber haben. Es sind Personen, die lieber über andere anstatt mit anderen reden und deshalb ihre Meinung über uns vorrangig aus einzelnen Blog- und Forenbeiträgen diverser Leute zusammenklauben. Manche davon schrecken auch nicht davor zurück, uns in diffamierenden Machwerken in die geistige Nähe von Massenmördern zu rücken, um uns zu diskreditieren und um sich selbst die Absolution für ihre mangelnde Dialog- und Diskursfähigkeit geben zu können.

Wenn zudem eines Ihrer Mitglieder die Auffassung vertritt, dass es zwar unsere Stellungnahme zum Gesetzentwurf zur Beschneidung von Jungen inhaltlich voll mittragen könne, sie aber nicht unterschreiben würde, weil wir sie geschrieben haben, weist dies darauf hin, dass es einigen Ihrer Mitglieder nicht um eine zielorientierte sachliche Jungen- und Männerpolitik im Interesse der Jungen und Männer, sondern um die Befriedigung eigener, subjektiver und persönlicher Abneigungen geht.

Dafür tragen Sie nicht die Verantwortung. Aber Sie tragen die Verantwortung dafür, dass sich das Bundesforum Männer nicht für die Befriedigung dieser Abneigungen instrumentalisieren lässt. Wir nehmen jedoch sehr zu unserem Bedauern zur Kenntnis, dass Sie in Ihrem „offenen Brief“ an „Maskulisten“ und „Maskulinisten“ – wer auch immer das sein mag – den Jargon eben der Autoren übernommen haben, die in ihren Schriften feminismuskritische Vereine diffamieren.

Wir nehmen zur Kenntnis, dass Ihr Bundesforum für seinen Männerkongress Thomas Gesterkamp als Mitgestalter berufen hat, der nachweislich öffentlich Unwahrheiten über uns verbreitet hat, weswegen u. a. ein gerichtliches Verfahren gegen ihn anhängig ist. Wiederholt hat Gesterkamp uns außerdem Nähe oder mangelnde Distanz zu rechtsextremen Strömungen unterstellt, indessen er sich selbst u. a. als Autor der FDJ-Nachfolgepublikation „Junge Welt“ betätigt. Diese steht bekanntlich unter Beobachtung des Verfassungsschutzes, der dazu feststellt, ein nicht unerheblicher Teil der Gast- und Stammautoren der „Jungen Welt“ sei dem verfassungsfeindlichen Spektrum zuzurechnen.

Wir gehen davon aus, dass Ihnen dies bislang nicht bekannt war, ansonsten müssten wir annehmen, es ginge nicht um die Wahrheit, sondern um die Konstruktion eines Feindbildes.

Eine solche Befürchtung ist nicht grundlos. Andere Mitglieder Ihres Bundesforums haben nach unserer Kenntnis öffentlich behauptet, von uns oder einem unserer Mitglieder „seitenweise Hassmails“ und „Morddrohungen“ bekommen zu haben.

Es gibt also einiges, was dringend geklärt werden sollte, vorzugsweise, wie wir meinen, in einem persönlichen Gespräch. Lassen Sie uns bitte wissen, ob Sie dazu bereit wären.

Wir sind ein Verein, der Nachteile und Benachteiligungen von Jungen und Männern bekannt macht und diese beseitigen will. Unser sachlicher, unideologischer und faktenbasierter Ansatz möchte ernsthaft die Anliegen und Belange von Jungen und Männern in die bislang feministisch orientierte Geschlechterpolitik einbringen. Gleichzeitig ist MANNdat e.V. als ehrenamtlicher, rein von Mitgliedsbeiträgen und Spenden finanzierter und damit unabhängiger und überparteilicher Verein prädestiniert und bereit, um für die Öffentlichkeit die enorm wichtige Rolle des objektiven Kritikers und Analytikers einer regierungsfinanzierten Männerpolitik zu übernehmen. Wir halten es daher für sinnvoll, uns in den männerpolitischen Dialog mit einzubeziehen, damit wir unseren geschlechterpolitischen Ansatz zum Nutzen von Jungen und Männern einbringen können.

Mit männlich-kollegialen Grüßen im Namen von MANNdat – geschlechterpolitische Initiative e.V.

Dr. Bruno Köhler

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