Kritiken zum Film „The Red Pill”

von Dr. Bruno Köhler
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Poster zum Film „The Red Pill“ von Cassie Jaye

MANNdat wirft einen kurzen Blick auf die ersten Kritiken zum Film „The Red Pill“.

In Australien reichte eine Petition von gerade einmal 2.300 Leuten, um den Film „The Red Pill, in dem die Männerrechtsbewegung in politisch völlig inkorrekter Weise, also nicht moralisierend, sondern sachlich, dargestellt wird, zu verhindern. Das verwundert in einem Land nicht, in dem Jungen in den Schulen aufzustehen und häuslicher Gewalt abzuschwören haben, die Mädchen jedoch nicht.

In Deutschland konnte der Film auf Initiative von Sebastian Wessels nach dessen erfolgreicher Finanzierung (wir berichteten) nun ungestört in Berlin gezeigt werden, auch wenn die „Netzfrauen” Stimmung gegen den Film machten und diesen verbieten lassen wollten, weil es eine „Anleitung zur Gewalt an Frauen“ sei. Selbst das Bundesforum Männer, dessen Vorsitzender Martin Rosowski für seine Diffamierungsaktionen gegen Männerrechtler notorisch ist, hat sich diesmal zurückgehalten, in den feministischen Bocksgesang einzustimmen.

Nachfolgend sind zwei Kritiken des Filmes ausschnittsweise mit Quellenangabe zu lesen.

"The Red Pill" documentary extended sneak preview

Der Trailer des Films ist mit deutschen Untertiteln auf Youtube zu sehen.

Die erste Kritik stammt vom Verfasser des Stapel-Chips-Blogs vom 15.11.2016:

(…) Es werden Probleme wie häusliche Gewalt, Familenrecht/Väterrechte aber auch Berichterstattung über Opfer eingehender besprochen. Andere Probleme werden mehr oder weniger kurz angerissen wie z. B. die hohe Todesrate bei Männern auf der Arbeit, die hohe Suizidrate (diese findet sich jedoch bei anderen Problemen oft wieder) und die kürzere Lebenserwartung.

Beim Thema häusliche Gewalt zeigt sie die Statistik vom CDC (PDF S. 48) [Anm.: CDC ist die US-amerikanische Gesundheitsbehörde] in der Männer tatsächlich häufiger Opfer von physischer Gewalt wurden als Frauen. Zudem noch einen Interviewpartner der von einem Freund berichtet, der immer das Haus verlassen hat, wenn seine Frau ausflippte, damit ihn die Nachbarn sehen konnten und er nicht beschuldigt werden konnte. Ebenso einen anderen Interviewpartner, der berichtete, dass man ihm geraten habe das Haus zu verlassen, wenn sie ihn schlägt, weil man ihn sonst verhaften würde, wenn sie sich den Fingernagel dabei abbrechen würde. Gleichzeitig zeigt sie aber auch, wie in der Öffentlichkeit damit umgegangen wird. Sie zeigt, dass nahezu überall nur von weiblichen Opfern die Rede ist und Männer allenfalls als Täter vorkommen. Auch zeigt sie das Missverhältnis von Frauen und Männerhäusern in den USA und erklärt das Duluth-Model und, dass dieses Modell es in manchen Staaten der USA in die Gesetze geschafft hat.

Als es um das Thema Väterrechte geht, zeigt sie mehrere Interviewpartner und Geschichten zu den unterschiedlichsten Bereichen, wo es an den Väterrechten mangelt. Sie alle aufzuzählen wäre zu viel. Aber es wird gut durch Cassie Jaye zusammengefasst, die zwei Flowcharts zu diesem Thema gemacht hat und die auch in der Dokumentation gezeigt werden.

Diese Flowcharts befassen sich mit den Möglichkeiten, die Frauen bzw. Männer haben im Bezug auf Reproduktion und zeigen sehr anschaulich, dass die Wahlfreiheit des Mannes bei der Wahl welches Verhütungsmittel gewählt werden sollte endet. Alles andere ist die Entscheidung der Frau.

Das dritte große Thema war die Darstellung von Opfern in den Medien vor allem am Beispiel von Boko Haram und #BringBackOurGirls. Sehr eindrucksvoll zeigt sie die einzelnen Artikel die vorher über Boko Haram und ihre Gräueltaten geschrieben wurden. Oftmals ist nur von „people“ (Menschen) oder „students“ (Studenten/Schüler) die Rede. Aber durchaus auch von „boys“ (Jungen) oder „male students“ (männliche Studenten). Doch bei keinem dieser Artikel (die teilweise lebendiges Verbrennen behandelten) gab es einen internationalen Aufschrei. Erst als die Mädchen entführt wurden gab es eine riesen Kampagne. Karen Straughan zieht ein sehr schlüssiges Fazit dazu (sinngemäß):

„Hätten wir uns mehr für das Leiden der Jungs interessiert, könnten diese Mädchen vielleicht noch friedlich in ihrem Schlafsaal schlafen.“

(…) Ich befürchtete, dass eine solche Auseinandersetzung [Anm.: die Auseinandersetzung mit den provokanten Beiträgen auf A Voice for Men] nicht stattfinden würde. Dies würde natürlich der differenzierten bzw. balancierten Betrachtung der Männerrechtsbewegung entgegenstehen, denn auch diese Artikel sind teil dieser Bewegung.

Stattdessen kam der erste Bezug darauf direkt in den ersten Sekunden des Filmes. Es wird deutlich gezeigt, dass dies keine entspannte Lektüre ist und dass dort viel Wut mitschwingt. Später im Film sagt Paul Elam/wird er zitiert: „Mit all diesem Wissen. Wie kann man da nicht wütend sein?“

An einer anderen Stelle setzt sie sich mit dem Artikel auseinander, der den „Bash a violent bitch month“ etabliert?… eingeführt?… vorgeschlagen?… genannt! hat. Beschreibt aber ausdrücklich, dass dies ein Satireartikel auf einen Jezebel Artikel ist. In diesem schreiben die Redakteurinnen dieses offen feministischen Magazins, dass sie selbst Täterinnen häuslicher Gewalt sind – und dass sie es teilweise auch lustig finden.

(…) Ich befürchtete, dass die Balance zwischen den Problemen die Männerrechtler ansprechen und der Männerrechtsbewegung als solcher nicht gelingen würde. Also dass Cassie Jaye auf eines dieser Dinge zu sehr den Fokus legen würde. Man kann natürlich Männerrechtler nicht beschreiben ohne die Probleme, die sie ansprechen zu beschreiben. Andererseits kann man aber auch Probleme die Männer betreffen gut beschreiben, ohne dass man einen MRA [Anm.: men’s rights activist] zu Wort kommen lässt. Natürlich ist diese Gefahr bei einer Dokumentation über Männerrechtler gering, aber immer noch möglich.

Tatsächlich ist durch die Interviews mit Feministen wie „Big Red“, Kathrine Spillar und Michael Kimmel eine zweite Perspektive auf die MRAs gekommen. Das war hoch interessant, vor allem, da das Interview mit „Big Red“ erst gezeigt wurde, nachdem sie auch bei Protesten zu sehen ist. Dort kann man ihr vielleicht diverse Verhaltensweisen und Ausdrücke wegen der „Hitze der Situation“ nachsehen, aber selbst in dem Interview ist sie… um es vorsichtig auszudrücken… vollkommen durchgeknallt.

Immer wieder behaupten Feministen in den gezeigten Interviews Dinge, die Männerrechtler angeblich fordern (Zeit zurückdrehen, Frauenhäuser dicht machen usw.) wozu Cassie Jaye sagt, dass sie genau diese Dinge nie von Männerrechtlern gehört hat, eher im Gegenteil. Dies beantwortet auch die aufgeworfene Frage, warum so viele Männerrechtler anti-feministisch eingestellt sind. Feministen blockieren auf verschiedenstem Wege eine Diskussion der Fakten.

(…) Man kann dem Film auch keine fehlende Balance vorwerfen, da er durchaus auch die Gegenposition zu Wort kommen lässt und auch die verbalen Tiefschläge der MRAs beschreibt. Nun könnte man behaupten, dass mit der Auswahl der Gegenposition zu diesen MRAs nur Verrückte ausgewählt wurden (wie „Big Red“). Allerdings stellen sich Kathrine Spillar (Executive Editor Ms.magazine; co-founder Feminist Majority Foundation) und Michael Kimmel (Autor, Soziologe, Professor) nicht viel besser an und diese sind schon feministische Schwergewichte.

An keiner Stelle des Filmes fühlte ich mich gelangweilt. Es ist ein guter Mix aus Interviews, Statistiken, Video Tagebuch, Highwayszenen, Nachrichtenausschnitten und vor allem Live-Szenen. Es ist anschaulich und nachvollziehbar gestaltet.

(…) Für MRAs nicht viel Neues, aber trotzdem interessant und kurzweilig zu schauen. Der Film behandelt Kernthemen der Männerrechtsbewegung genug um zu begreifen worum es geht. Die Themen hätten aber durchaus auch mehr Zeit und vielleicht eine eigene Dokumentation verdient. Mit wenigen Abstrichen, die man aber durch Dauer des Films und Zielpublikum entschuldigen und begründen kann, also ein rundum gelungener Film über die Männerrechtsbewegung und Männerprobleme.

Als Vorletztes möchte ich noch gesondert (ja, nach dem Fazit) auf die Videotagebücher eingehen. Natürlich kann Cassie Jaye nicht alles Material zeigen, aber die wenigen Ausschnitte die gezeigt wurden (und ich hatte den Eindruck, dass auch das ein oder andere Voice-Over aus den Videotagebüchern stammt), haben sehr anschaulich wiedergegeben, wie sich ihre persönliche Einstellung ändert. Diese Videotagebücher machen den Film nicht nur zu einer Dokumentation über die Männerrechtsbewegung, sondern auch zu einer Dokumentation darüber, wie sie die Rote Pille schluckt.

Und als letztes muss ich noch einmal auf Sebastian Wessels zurückkommen. Nicht nur, dass er die Deutschlandpremiere organisiert hat, er hat auch die Untertitel für diesen Film gemacht. Ich neige dazu immer die Untertitel zu lesen, bekomme dann aber nicht so viel vom Film mit, weshalb ich mich – gerade bei englischsprachigen Filmen – immer dazu zwingen muss, nicht die Untertitel zu lesen. Dennoch wandern meine Augen immer mal wieder dahin zurück. Ich habe also nur kurze Eindrücke von den Untertiteln bekommen. Diese waren aber durchaus gut und dies wurde mir auch nachher von anderen Zuschauern bestätigt.

Im Gegensatz dazu ist die Kritik von Jochen König, einem überzeugten Feministen, beispielhaft für das Verhalten des geschlechterpolitischen Establishments. Zum einen will er uns weis machen, Feministinnen und Feministen wären die wahren und einzigen Männerversteher:

(…) Die Ursache vieler dieser Probleme liegt jedoch nicht im Feminismus. Im Gegenteil: Es sind bisher sogar fast ausschließlich Feminist_innen, die sich überhaupt ernsthaft mit diesen Themen auseinandersetzen.

Und zum anderen benutzt er die übliche Strategie der Feministen und Feministinnen, um ihre charakteristische Dialogunfähigkeit zu kaschieren. Er geht gar nicht auf die beschriebenen Probleme von Männern ein, wie er sie im Film gesehen hat. Er zieht stattdessen die Menschen, die diese Probleme thematisieren, in den Dreck, um sich ihren berechtigten Anliegen nicht stellen zu müssen.

(…) Ich erkenne ein paar Gesichter: Männerrechtsaktivisten, mehr oder weniger bekannte Antifeministen, Verschwörungstheoretiker, Rechtspopulisten, Männercoaches.

(…) Vielmehr finde ich es wichtig, die Scheinheiligkeit zu kritisieren, mit der Männerrechtsaktivisten die Probleme von Menschen instrumentalisieren, um ihren Kampf gegen Feminismus und Frauen, Homosexualität und Trans*-Rechte zu führen.

Solche Darstellungen (Gegner, Andersdenkende oder Andersgläubige werden verunglimpft und man sieht sich im Alleinbesitz der Wahrheit) sollen laut stoppt-hasspropaganda.de übrigens klare Indizien für Hass-Propaganda sein.

Diese Rezension von König kommentierte Lutz Bierend auf Facebook:

(…) Alleine schon die Unterstellung ‚Viele Männer bringen sich um, weil sie mit den Anforderungen, die ihnen in Bezug auf ihre Männlichkeit gestellt werden, nicht zurechtkommen‘ sagt schon ziemlich viel. Die Väter, die ich kannte, die sich die Pulsadern aufgeschnitten hatten oder aufgehängt haben, hatten kein Problem mit den Anforderungen an ihre Männlichkeit, sondern weil sie nach der Trennung meist mit einem Haufen Schulden und der Verweigerung ihrer Vaterrolle durch die Mutter nicht klar kamen und juristisch auch keinen gangbaren Weg hatten, vor allem an Letzterem etwas zu ändern.

(…) Vor allem finde ich es beeindruckend, wenn man so sexistisch ist, bei Männern so zu tun, als seien Männerprobleme nur das Problem persönlicher männlicher Entscheidungen, aber bei allen anderen Geschlechtern ist es dann Unterdrückung, wenn diese persönlichen Entscheidungen zu suboptimalen Lebensentwicklungen führen.

Caddie Jaye PorträtCassie Jaye gründete Jaye Bird Productions im Jahr 2008 und hat seitdem eine Reihe von Dokumentarfilmen produziert, die dafür gelobt wurden, als gedanklich-provokant, unterhaltsam und respektvoll bei der Darstellung mehrerer konkurrierender Ansichten im Film zu sein. Jaye ist bekannt für die Bewältigung komplexer und oft kontroverser Themen. Jayes bemerkenswerteste Filme sind die preisgekrönten Dokumentationen „Daddy I Do“ und „The Right to Love: An American Family“ (die eine Familie porträtiert, die für gleichgeschlechtliche Ehe in Kalifornien kämpft). Beide Filme zeigten, dass Jayes Interviewstil Menschen motiviert, ihre Ansichten ehrlich und offen zu teilen, während sich die Zuschauer eine eigene Meinung bilden können.

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Lesermeinungen

  1. Von Helmut Freisinger

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  2. Von Hermann Ritter

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  3. Von Wolf Jacobs

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