Hans Thomas Tillschneider (MdL Sachsen-Anhalt) fordert im MANNdat-Interview eine Neuorientierung der Geschlechterpolitik

von Andreas Kraußer

tillschneider_150x200Der sachsen-anhaltinische Landtagsabgeordnete und Sprecher der Patriotischen Plattform Hans-Thomas Tillschneider (AfD) fordert im MANNdat-Interview eine zeitgemäße Geschlechterpolitik. Ein Gender Mainstreaming, das das Geschlechterverhältnis als Zwangssystem deutet, ist ideologisch verblendet und kann keinen Beitrag zu einer ausgewogenen Politikgestaltung leisten. Tillschneider will sich dafür einsetzen, dass die Benachteiligung von Männern an Universitäten und im Familienrecht beendet wird.

MANNdat: Sie sind seit 2016 Landtagsabgeordneter in Sachsen-Anhalt für die AfD und konnten dies sogar per Direktmandat erreichen. Mit welchen Themen haben Sie den Wahlkampf bestritten?

Tillschneider: Im Vordergrund stand natürlich ganz klar das Flüchtlingsthema, was nicht an unseren Präferenzen lag, sondern einfach an der Nachfrage durch die Wähler. Kein Thema beschäftigte die Menschen so sehr. Das ist auch berechtigt, weil wir uns dann, wenn die Masseneinwanderung mit all ihren negativen Auswirkungen auf Deutschland durchschlägt, um Sozial-, Gesundheits- und Bildungspolitik keine Gedanken mehr machen müssen. Neben dem Komplex „Einwanderung und Integration“ habe ich mich aber auch schon im Wahlkampf mit der Bildungs- und Hochschulpolitik befasst und etwa dem sachsen-anhaltinischen Philologenverband unseren bildungspolitischen Neuansatz erklärt. Außerdem spielte die Kritik an Gender Mainstreaming eine gewisse Rolle.

MANNdat: Wofür und weshalb kritisieren Sie Gender Mainstreaming?

Tillschneider: Gender Mainstreaming geht von der Annahme aus, dass unsere Geschlechterrollen soziale und damit historisch-kulturell wandelbare Konstrukte sind. Dagegen wird kein vernünftiger Mensch etwas einwenden. Gender Mainstreaming behauptet jedoch darüber hinaus, das Verhältnis der Geschlechter sei ein Zwangssystem, von dem man sich befreien müsse. Gender Mainstreaming betrachtet also das Verhältnis der Geschlechter so ähnlich wie der Sozialismus den Kapitalismus – und das ist natürlich Unfug. Zum gröbsten Unfug aber wird Gender Mainstreaming dann, wenn die Frau tendenziell als das Opfer, der Mann tendenziell als der Nutznießer dieser sog. „Zwangsheterosexualität“ gesehen wird.

Das Verhältnis der Geschlechter darf nicht als Zwangssystem interpretiert werden

MANNdat: Was hat die Kritik an Gender Mainstreaming in Ihren Augen mit dem Kampf für Männerrechte zu tun?

Tillschneider: Das sog. „Bundesforum Männer“ akzeptiert bekanntlich Gender Mainstreaming als Rahmen seiner politischen Arbeit. Dahinter steht das Kalkül, die durch Gender Mainstreaming angestrebte vollständige Dekonstruktion (= Vernichtung) der Geschlechterrollen werde logischerweise auch die aktuelle Benachteiligung der Männer aufheben. Das mag sogar sein, doch halte ich eine Welt aus Männern, die keine Männer, und Frauen, die keine Frauen sind, für nicht erstrebenswert. Eine Welt aus atomisierten, allseits kompatiblen, komplett diversifizierten und also geschlechtslosen Individuen ist für mich eine mindestens ebenso scheußliche Horrorvision wie eine monokulturelle Einheitswelt aus lauter multikulturellen Gesellschaften.

Nein, Männer und Frauen sollen gleichberechtigt sein, aber sie sind nicht gleich in ihrer Wesensart. Zwischen Mann und Frau sollte eine gerechte, aber je unterschiedliche, ihrem Wesen angemessene Gewichtung von Rechten und Pflichten herrschen. An dieser Stelle will ich die Behauptung wagen, dass die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau in allen Kulturen und Zeiten zwar qualitativ höchst unterschiedlich war – Frauen hatten andere Rechte und Pflichten als Männer –, dass aber die Verteilung von Rechten und Pflichten, von Privilegien und Lasten, immer ausgeglichen und gerecht war.

Das Geschlechterverhältnis ist ein System, das sich von alleine ins Gleichgewicht bringt. Heute aber stört eine Politik, die sich in den Kopf gesetzt hat, einen neuen Menschen schaffen zu wollen, diesen Prozess des Ausgleichs von Rechten und Pflichten. Wir müssen im Grunde nur die Politik in ihre Schranken weisen. Das Problem sind weder die Männer noch die Frauen, sondern Politiker, die fixen Ideen folgen, anstatt die Wirklichkeit zu akzeptieren.

Benachteiligung der Väter im Familienrecht und der Männer an Universitäten muss beendet werden

MANNdat: Welche konkreten Themen wollen Sie in der parlamentarischen Arbeit künftig besetzen?

Tillschneider: Ich werde alle Programme bekämpfen, die Frauen in Männerberufe und Männer in Frauenberufe drängen. Davon gibt es in Sachsen-Anhalt unter der „Kenia“-Koalition von CDU, SPD und Grüne eine ganze Reihe. Der Koalitionsvertrag schreibt „Gender Mainstreaming“-Maßnahmen fest, die so radikal sind, dass ich mich frage, wie die CDU dem zustimmen konnte.

Außerdem werde ich mich im Rahmen meines Arbeitsschwerpunkts „Wissenschaft“ mit der Benachteiligung von Männern an der Universität beschäftigen. Es kann nicht angehen, dass bei Besetzungsverfahren vorneweg die Erwartung besteht, es müsse eine Frau sein. Die Qualifikation allein entscheidet, sonst nichts.

Schließlich will ich mich der himmelschreienden Benachteiligung von Männern, die von ihren Kindern getrennt leben, widmen. Hier sind mit dem gemeinsamen Sorgerecht in den letzten Jahren einige Verbesserungen erreicht worden, viel aber liegt noch im Argen. Wir müssen das gemeinsame Sorgerecht so entwickeln, dass der Anspruch gemeinsamer Sorge tatsächlich eingelöst wird und sich die Rolle des Vaters nicht auf die obligatorische Zustimmung zu Schul- oder Wohnortwechsel beschränkt. Das Pendelmodell sollte bei Trennungen zum Regelfall werden, das nur dann nicht greift, wenn es nicht praktikabel ist.

Wir müssen das Übel aber auch an der Wurzel packen: Scheidungen und Trennungen sollten rechtlich erschwert, die Gründung von Familien mit Kindern erleichtert werden. Die herrschende Politik verklärt den beschleunigten Verfall unserer Gesellschaft mit Schwachsinnsbegriffen wie „Regenbogenfamilie“ oder „Patchworkfamilie“. Familie ist die Ehe aus Mann und Frau, aus der Kinder hervorgehen, und sonst nichts.

Das Gespräch für MANNdat führte Andreas Kraußer.

Lesen Sie auch unser Interview MdB Sabine Zimmermann im Interview mit MANNdat: Arme Männer sterben früher, sowie Das Eine zu tun, heißt nicht, das Andere zu lassen mit Susanne Schneider (FDP).

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