Bleibt die Bildungspolitik wieder tatenlos?

von MANNdat

Schon in der PISA-Studie 2000 wurde die schlechtere Lesekompetenz von Jungen festgestellt. Doch statt der von der OECD geforderten Förderung unterstellen die Verantwortlichen den Jungen lieber pauschal Faulheit und soziale Inkompetenz. Nun hat die PISA-Studie 2016 ein weiteres Ungleichgewicht nachgewiesen: bei der Fähigkeit, komplexe Probleme im Team zu lösen, beträgt das geschlechterspezifische Bildungsgefälle ebenfalls fast ein Schuljahr. Wird nun endlich gehandelt?

In der PISA-Studie 2000 wurde ein eklatantes geschlechterspezifisches Lesekompetenzgefälle zuungunsten der Jungen festgestellt. Die OECD, die die PISA-Studien seitdem regelmäßig durchführen lässt, hat seinerzeit Jungenleseförderung als wichtige bildungspolitische Herausforderung dargestellt. Die politisch Verantwortlichen haben sich dieser Herausforderung bislang nicht gestellt. Eine Studie aus 2012 zeigte, dass auf gut 100 reine Mädchen-MINT-Förderprogramme lediglich vier Jungenleseförderprojekte kamen. Davon war nur ein einziges Projekt von einem Bildungs- oder Jugendministerium finanziert. Das waren zwei Flyer zur Jungenleseförderung für Lehrerkräfte und für Eltern in Sachsen. Die politisch Verantwortlichen engagieren sich in der schulischen Förderung von Jungen weitaus weniger als in der schulischen Förderung von Mädchen, was sachlich nicht zu rechtfertigen ist, da mittlerweile eine signifikant geringere Bildungsteilhabe und ein deutlich geringeres Bildungsniveau von Jungen zu verzeichnen ist. Stattdessen wird den Jungen kurzerhand pauschal Faulheit oder soziale Inkompetenz bescheinigt. Jungen sind bislang die ungeliebten Stiefkinder deutscher Bildungspolitik. Das geschlechterspezifische Bildungsgefälle wird in offiziellen Studien bildungspolitischer Verantwortungsträger mittlerweile konsequent marginalisiert oder verschwiegen.

Aufgrund dieser Bildungsbenachteiligung von Jungen beträgt der geschlechterspezifische Lesekompetenzrückstand deshalb mittlerweile etwa ein Schuljahr. Jungen stellen etwa 50 % der Schulabbrecher und 20 % weniger Abiturienten.

Nun hat die PISA-Studie 2016 ein weiteres deutliches Kompetenzgefälle zuungunsten von Jungen aufgetan. Bei der Fähigkeit, komplexe Probleme im Team zu lösen, beträgt das geschlechterspezifische Bildungsgefälle ebenfalls fast ein Schuljahr. Was werden die politisch Verantwortlichen dazu jetzt tun? Werden sie tätig werden oder auch hier die Jungen zurücklassen? Wir werden bei den Verantwortlichen anfragen.

Bildquelle: Der schiefe Turm von Pisa, Softeis, Jonik

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Lesermeinungen

  1. Von Gassenreh

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