Die Erforschung des Kentler-Skandals geht weiter

von MANNdat

Wie weit waren Behörden auch bundesweit in den Kentler-Skandal verstrickt? Ein weiteres Forschungsprojekt soll mehr Klarheit bringen.

Beim „Kentler-Experiment“ wurden in Berlin seit dem Ende der 1960er Jahre bis 2001 Jungen von Jugendämtern an vorbestrafte Pädophile vermittelt, wo diese dann missbraucht wurden. Helmut Kentler gehörte zu den Befürwortern einer „emanzipatorischen“ Jugendarbeit und setzte sich für die Legalisierung von Sex mit Minderjährigen ein, weil er es für heilsam hielt, wenn „schwer erziehbare“ Jungen bei vorbestraften Pädophilen untergebracht würden. Laut EuroPROFEM – The European Men Profeminist Network – ist emanzipatorische Jungenarbeit von Männlichkeits- und Patriarchatskritik gekennzeichnet.

Ein Gutachten der Uni Hildesheim empfahl u. a. eine bundesweite Aufklärung in Gang zu setzen. MdB Beatrix von Storch (AfD) stellte an die Bundesregierung die Anfrage (6/373), ob sie Studien bzw. Projekte zur Aufklärung des „Kentler-Experiments“ plane, initiiere oder unterstütze. Die Parlamentarische Staatssekretärin der Bundesjugendministerin, Caren Marks (SPD), hat auf diese schriftliche Frage jedoch eine negative Antwort erteilt: „Die Bundesregierung plant, initiiert oder unterstützt derzeit keine Studien bzw. Projekte zur Aufklärung des sog. ‚Kentler-Experimentes‘.“

Wir haben die damalige Jugendministerin Giffey im November 2020 angeschrieben und angefragt, warum die für Jungen zuständige Ministerin bei der Aufklärung eines der größten Kindermissbrauchsskandale der Nachkriegsgeschichte untätig bleibt. Siehe unseren offenen Brief dazu.

In der Rückantwort im Namen von Frau Ministerin Giffey antwortete Anna Maria Lemcke, Referentin im Referat KSR-3, „Kinderschutz, Prävention sexueller Gewalt, Stiftung Frühe Hilfen“ mit Schreiben (E-Mail) vom 5.1.2021:

„Die erneute Beauftragung eines Forschungsvorhabens durch das Land Berlin ist für das erste Quartal 2021 vorgesehen. Die Berliner Senatsverwaltung steht in Bezug auf das Vorhaben in engem Austausch mit dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs und mit der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs und erfährt nach eigenem Bekunden von beiden Seiten wertvolle Unterstützung.“

Wir haben deshalb mit Mail vom 1. Juli 2021 folgende Anfrage an die Berliner Senatsverwaltung geschickt:

„Sehr geehrte Frau Senatorin Scheeres,

auf Anfrage an das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend bezüglich der Untersuchung des sexuellen Missbrauchs bei Jungen als Missbrauchsopfer im Rahmen des Kentler-Skandals, antwortete uns Frau Anna Maria Lemcke, Referentin im Referat KSR-3, ‚Kinderschutz, Prävention sexueller Gewalt, Stiftung Frühe Hilfen‘ mit Schreiben (E-Mail) vom 5.1.2021, dass die weitere Aufarbeitung des sogenannten ‚Kentler-Experiments‘, insbesondere im Hinblick auf mögliche bundesweite Unterstützungsnetzwerke, derzeit durch die Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin vorbereitet würde. Die erneute Beauftragung eines Forschungsvorhabens durch das Land Berlin sei für das erste Quartal 2021 vorgesehen.

Da nun schon das dritte Quartal 2021 begonnen hat, möchten wir anfragen, ob das Land Berlin mittlerweile das genannte Forschungsvorhaben, insbesondere im Hinblick auf mögliche bundesweite Unterstützungsnetzwerke, beauftragt hat, welche Einrichtungen bzw. welche Fachleute dieses Forschungsvorhaben durchführen und bis wann die Ergebnisse voraussichtlich vorliegen sollen.“

Auf ein erneutes Nachhaken auf unsere Anfrage vom 19. Juli 2021 gab uns Herr Tobias Titt von der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, Abteilung III – Jugend und Kinderschutz, folgende Rückantwort:

„vielen Dank für Ihre Anfrage. Ich bin beauftragt, Ihnen zu antworten.

Die Vereinbarung zur Förderung eines Forschungsprojekts zur weiteren Aufarbeitung des Wirkens von Helmut Kentler in der Berliner Jugendhilfe in Hinblick auf die organisationalen Verfahren und Verantwortung des Berliner Landesjugendamtes wurde im Juni mit der Universität Hildesheim geschlossen. Zu den Fragestellungen gehören auch Verwobenheiten und Verflechtungen des Landesjugendamtes mit anderen Berliner sowie deutschlandweiten Institutionen und Akteuren.

Die derzeitige Planung geht von einer 2-jährigen Projektlaufzeit aus.“

Wir werden weiter berichten.

 

Quelle Beitragsbild:weinender-junge-in-truemmern-adobestock_265131626-von-hanna-718px.jpg

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