Wie die ARD die Bürger in die Irre führt

von MANNdat

Bild: Fotolia.com, Urheber ivanko80
Fake-News bei ARD? Die Gender-Pricing-Studie zeigt, daß es Vor- und Nachteile für beide Geschlechter gibt.

Offener Brief (elektronisch) vom 28.1.2018 an Volker Herres (Programmdirektor Das Erste), Karola Wille (ARD-Vorsitzende) und die Journalistin und Medienpreisträgerin Sandra Stalinski

info@DasErste.de
volker.herres@DasErste.de
karola.wille@DasErste.de

In unserem Beitrag „Die ARD und ihre Rolle in der Misandrieförderung“ stellten wir dar, dass die ARD zukünftig ein „zeitgemäßes Bild der Wirklichkeit […] vermitteln“ will. Dieses Versprechen wollen wir daran messen, inwieweit die ARD bei der geschlechterspezifischen Darstellung auch die Situation von Jungen, Vätern und Männern darstellt und die ARD auf eventuelle Fehler in dieser Abbildung der Wirklichkeit hinweisen. Wir möchten anfangen mit der Berichterstattung zur Gender-Pricing-Studie der Antidiskriminierungsstelle.

Sehr geehrte Frau Wille,
sehr geehrter Herr Herres,

Sie haben in Ihrer Pressemeldung „ARD stellt Weichen für mehr Diversität“ vom 29. November 2017 dargelegt:

Unsere Programmverantwortlichen aller Genres … sind für das wichtige Thema Diversität sensibilisiert. Das Erste als nationaler Sender trägt hier eine besondere Verantwortung. Wir wollen diese in Zukunft noch bewusster wahrnehmen und systematische Anstrengungen unternehmen, ein zeitgemäßes Bild der Wirklichkeit zu vermitteln.

Und weiter:

Es muss bei allen Entscheidern ein Bewusstsein geben, dass Klischees und überholte Rollenbilder zum gegebenen Zeitpunkt in Frage gestellt und gebrochen werden müssen.

Wir sind gespannt, ob Sie Ihr Versprechen einhalten werden und tatsächlich die Wirklichkeit abbilden werden, z. B. im Bereich der Thematisierung von Gewaltopfern. Wie Sie zweifellos wissen, sind zwei Drittel aller Gewaltopfer männlichen Geschlechtes (siehe WHO-Gewaltbericht S. 9f.). Sie müssten dann in diesem Beispiel in zwei Dritteln Ihrer Beiträge über Gewaltopfer männliche Gewaltopfer thematisieren. Wir hegen unsere Zweifel, ob Sie dies wirklich durchhalten können, werden dies aber beobachten und Sie bei Gelegenheit in offenen Briefen gerne darauf hinweisen, falls Ihre Darstellung vom Bild der Wirklichkeit abweicht oder mangelnde Diversität aufweist.

Da wir unsere Versprechen ernst nehmen, unterstützen wir Sie gleich in diesem offenen Brief.

In einem Beitrag auf tagesschau.de vom 20.12.2017 missachtet Ihre Frau Sandra Stalinski mit ihrer höchst einseitigen Version der Gender-Pricing-Studie der Antidiskriminierungsstelle dieses Versprechen nach Diversität ebenso wie Ihr Versprechen eines Vermittelns eines Bildes der Wirklichkeit. Nach diesem Bericht thematisiert Ihre Frau Stalinski ausschließlich geschlechterspezifische Preisunterschiede zuungunsten von Frauen. In Wirklichkeit – und dies hat die Studie der Antidiskriminierungsstelle auch unzweifelhaft ergeben – gibt es ebenso und sogar noch deutlichere geschlechterspezifische Preisunterschiede zuungunsten von Männern.

So ergibt die Gender-Pricing-Studie zwar tatsächlich einen durchschnittlichen weiblichen Preisaufschlag beim Kurzhaarschneiden von 48,9 %, beim Langhaarschneiden von 62,3 % und bei der Blusen-/Hemd-Reinigung von 29,9 %, wobei im letzteren Fall die Unterschiede zu erklären sind, da Blusen i.d.R. von Hand gebügelt werden müssen, während Hemden i.d.R. mit der Maschine gebügelt werden können.

Was Ihre Frau Stalinski jedoch völlig verschweigt, und damit statt einer der Wirklichkeit entsprechenden Benachteiligung auch von Männern eine einseitig frauenspezifische Benachteiligung suggeriert, ist, dass im Bereich Bekleidungsdienstleistung auch Preisbenachteiligungen zuungunsten von Männern und in sonstigen Dienstleitungsbereichen sogar die größten Preisbenachteiligungen ausschließlich zuungunsten von Männern ausfallen.

Die Gender-Pricing-Studie ergibt einen durchschnittlichen männlichen Preisaufschlag bei Schuhreparaturen von 25,7 %, bei Besuch von Sportveranstaltungen sogar von 77,5 %, bei Diskotheken unglaubliche 100,0 % und bei Datingportalen sage und schreibe 193,2 %. All dies verschweigen Sie. Stattdessen suggerieren Sie mit Ihrer tendenziösen Berichterstattung der Öffentlichkeit eine einseitige Frauendiskriminierung im Dienstleistungswesen, die so gar nicht existiert.

Dies hat weder mit Wirklichkeit noch mit Diversität etwas zu tun. Das ist keine seriöse, sondern eine tendenziöse Berichterstattung. Hier werden Zuschauer und Leser von einem mit Zwangsabgaben finanzierten öffentlich-rechtlichen Sender Halbwahrheiten präsentiert und in die Irre geführt.

Und auch die Behauptung Ihrer Frau Stalinski, Frauen würden doppelt benachteiligt, weil sie 21 % weniger verdienen würden, zeigt mangelnde Diversität. Wie Sie wissen, verdienen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit vollbeschäftigte Frauen in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg schon seit einigen Jahren durchschnittlich mehr als die Männer.

Wir gehen bislang davon aus, dass diese irreführende Darstellung ein Irrtum war. Wir erwarten deshalb, dass Ihre Darstellung auf „Frauen zahlen drauf“ in spätestens einer Woche entsprechend überarbeitet bzw. ergänzt wird. Ansonsten müssen wir davon ausgehen, dass diese irreführende Darstellung nicht unbeabsichtigt ist.

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Lesermeinungen

  1. Von Gerecht 54

    Antworten

    • Von Dr. Bruno Köhler

  2. Von Gunther Herzlich

    Antworten

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