Offener Brief an „Bundesgewalttotschweigeministerin“ Franziska Giffey vom 24.5.2018

von MANNdat

Sehr geehrte Frau Ministerin Giffey,

Männer sind häufiger Opfer von Gewalt als Frauen. Das gilt weltweit ebenso wie auch speziell in der Bundesrepublik Deutschland. Dies können Sie aus dem WHO Gewaltbericht und den deutschen Kriminalstatistiken herauslesen. Siehe hierzu auch den Gleichstellungsbericht „Gewalt gegen Männer – Tabuthema der politisch Verantwortlichen“ von MANNdat e.V.

Laut Artikel 2 des Grundgesetzes hat jeder Mensch (auch Männer) das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Daran ändert sich auch nichts dadurch, dass in der Mehrzahl Männer durch andere Männer körperlich verletzt werden.

Unabhängig davon gibt es sehr wohl auch männliche Opfer häuslicher Gewalt. Schon Jürgen Gemündens Buch „Gewalt gegen Männer in heterosexuellen Intimpartnerschaften“ von 1996 bietet einen umfangreichen Überblick über alle bis dahin existierenden Studien zum Thema, auch international. Sie kommen zu einem Anteil männlicher Opfer häuslicher Gewalt zwischen 20 und 50 Prozent. Auch wenn manche dieser Studien angezweifelt werden, weisen sie auf ein gemeinsames Ergebnis hin: Männer werden häufiger zu Opfern im häuslichen Bereich als angenommen.

Laut der Pilotstudie „Gewalt gegen Männer – Personale Gewaltwiderfahrnisse von Männern in Deutschland“ von 2004/2005 im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von Dissens e. V. Berlin, GeFoWe Eckenhaid/Mittelfranken, SOKO Bielefeld, widerfuhr jedem vierten der befragten Männer einmal oder mehrmals mindestens ein Akt körperlicher oder sexualisierter Gewalt durch die Partnerin. Kein einziger der Männer, die angeben, häusliche Gewalt durch die Partnerin erfahren zu haben, hat die Polizei gerufen. Rund die Hälfte gibt an, sich in solchen Situationen mit dieser Partnerin nie körperlich gewehrt, zum Beispiel zurückgeschlagen zu haben. Deutlich mehr als die Hälfte gab an, nie mit körperlicher Gewalt angefangen zu haben. Von psychischer Gewalt innerhalb von Partnerschaften wird sogar noch wesentlich häufiger berichtet als von körperlicher. Ein wichtiges Ergebnis der Pilotstudie ist, dass Männer, denen soziale Kontrolle durch die Partnerin widerfährt, mit deutlich größerer Wahrscheinlichkeit auch körperliche Angriffe in der Partnerschaft erleben.

Seit über zehn Jahren hat sich das Bundesfamilienministerium – obwohl auch zuständig für männliche Familienmitglieder – entgegen des selbst eingeführten Gender-Mainstreaming-Ansatzes sich nicht mehr umfassend um männliche Gewaltopfer in heterosexuellen Partnerschaften gekümmert.

Laut der EKD-Studie „Männer – die ewigen Gewalttäter?“ des Anti-Diskriminierungsforschers Dr. Peter Döge, eine Sonderauswertung der Daten der MÄNNERSTUDIE 2009 unter dem besonderen Aspekt des Gewalthandelns von und gegen Männer, haben 45 Prozent der befragten Männer und 40 Prozent der befragten Frauen häusliche Gewalt erlitten.

Fast jedes dritte Prügel-Opfer im Haushalt ist ein Mann, resümiert Anette Dowideit in der Welt am Sonntag vom 11.09.2016. Dabei bezieht sich diese Zahl allein auf das in der Kriminalstatistik erfasste Hellfeld: 27 Prozent aller Anzeigen wegen häuslicher Gewalt wurden dem Bundeskriminalamt zufolge von Männern gestellt.

Das aktuelle Verhältnis von Frauenhäusern zu Männerhäusern liegt in Deutschland unseres Wissens aber bei etwa 100 zu 1.

Wie Sie wissen, darf laut Artikel 3 des Grundgesetzes niemand (auch kein männliches Opfer häuslicher Gewalt) wegen seines Geschlechtes benachteiligt werden.

Es gibt also keinerlei sachliche Rechtfertigung, männliche Gewaltopfer häuslicher Gewalt totzuschweigen oder als „normal“ zu akzeptieren, geschweige denn Täterinnen von häuslicher Gewalt in Schutz zu nehmen.

Als Familienministerin sind Sie auch für männliche Gewaltopfer in Familien zuständig. Laut FAZ fordern Sie jedoch lediglich:

Wir brauchen ein Aktionsprogramm gegen Gewalt an Frauen und ihren Kindern. (FAZ – Giffey fordert mehr Hilfe für misshandelte Frauen; Abruf 30.4.2018)

Sie schweigen nicht nur Gewalt gegen Männer, respektive auch häusliche Gewalt gegen Männer, tot. Aufgrund der normativen Kraft des Faktischen fördert Ihr Totschweigen dieser Gewaltopfer sogar die häusliche Gewalt gegen Männer und sie schützt die Gewalttäterinnen.

Wir fordern Sie auf, männliche Gewaltopfer nicht weiter zu marginalisieren.

Wir fordern Sie auf, Gewalttäterinnen nicht weiter zu protektieren.

Wir fordern Sie auf, entsprechend Artikel 2 und 3 des Grundgesetzes Gewalt gegen alle Bürger zu bekämpfen, unabhängig vom Geschlecht.

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Lesermeinungen

  1. Von Daniel

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  2. Von Chris Gupta

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  3. Von Dr. Bruno Köhler

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    • Von Chris Gupta

  4. Von Gunther Herzlich

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