Männerwehrpflicht- Bundesforum Männer regt sich mal – aber nur kurz
12Bundesforum Männer regt sich mal – aber nur kurz
Am 22. März 2025 hatten wir an das vom Frauenministerium finanzierte Bundesforum Männer, dessen vollständiger Name offiziell „Bundesforum Männer – Interessenverband für Jungen, Männer und Väter e. V.“ lautet, eine Anfrage geschrieben, wie es zur Reaktivierung der reinen Männerwehrpflicht stehe. Eine Antwort hat uns nicht erreicht.
Quelle MANNdat-Brief: https://manndat.de/fakten-und-faltblaetter/wehrpflicht-fakten-und-faltblaetter/wehrpflicht-offener-brief-an-bundesforum-maenner.html.
Die Männerwehrpflicht:
Laut wissenschaftlichem Konsens, der als Grundlage für die Rechtsprechung und politische Arbeit dient, sind die Kriterien für eine strukturelle Diskriminierung wie folgt:
Systemisch: Die Benachteiligung ist in der Organisation der Gesellschaft, in Gesetzen oder Institutionen immanent.
Wirkung: Sie führt zu verfestigten Asymmetrien bei der Verteilung von Ressourcen, Chancen und Anerkennung.
Unsichtbarkeit: Da sie oft als „normaler“ Zustand wahrgenommen wird (z. B. traditionelle Rollenbilder), ist sie für Beteiligte schwer erkennbar.
Damit ist die reine Männerwehrpflicht eine strukturelle Diskriminierung von Männern. Sie ist systemisch, da die Benachteiligung in der Organisation der Gesellschaft, in Gesetzen oder Institutionen immanent, ja sogar im Grundgesetz verankert ist. Und eine Benachteiligung, die in der Verfassung selbst steht, ist die am tiefsten verwurzelte Form einer strukturellen Vorgabe.
In der Wirkung führt sie zu verfestigten Asymmetrien bei den Pflichten und Freiheiten. Während Männer eine Einschränkung ihrer Berufsfreiheit und persönlichen Freiheit hinnehmen müssen, bleibt diese Last für Frauen aus. Dies führt zu einer ungleichen Verteilung von „Lebenschancen und Ressourcen“ (Zeitverlust beim Karrierestart, körperliche Risiken, massivee Ausreisebeschränkungen).
Und sie ist unsichtbar, da der Zustand als „normaler“ Zustand wahrgenommen wird (traditionelles Männerrollenbild des Kriegers). Die Vorstellung vom Mann als „Beschützer“ und der Frau als „Zivilistin“ ist seit Menschheitsgedenken so tief in der kulturellen DNA verankert, dass die Ungleichbehandlung selbst für Betroffene schwer erkennbar ist. Sie gilt als „Natur der Sache“.
Aus diesem Grund ist das Thema so wichtig für die Männerpolitik. Deshalb haben wir auch das Bundesforum Männer angeschrieben. Zwar ist für das Bundesforum Männer laut Registereintrag im Lobbyregister des Deutschen Bundestages die Beseitigung der im Grundgesetz verankerten reinen Männerwehrpflicht als strukturelle Diskriminierung von Männern kein konkretes Regelungsvorhaben. Die Arbeit des Bundesforums Männer richtet sich laut Registereintrag aber auch auf konkrete politische Vorhaben resp. Gesetzgebungsverfahren, im Wesentlichen im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. In diesem Zusammenhang werden – i.d.R. im Rahmen der vorgesehenen Verbändebeteiligung – auch Stellungnahmen zu einzelnen Regelungsvorhaben erstellt.
Das bedeutet, wenn wieder einmal ein Gesetz verabschiedet wird, in dem die Grundrechte von Jungen, Männern und Vätern und deren Selbstbestimmungsrecht eingeschränkt werden, wisst ihr als Männer, dass eure Interessenvertretung i.d.R. daran beteiligt war.
Immerhin sah sich das Bundesforum Männer aber veranlasst, am 13. Juni 2025, also gut drei Monate nach unserer Anfrage, eine Positionierung zur Wehrpflichtdebatte zu veröffentlichen. Darin heißt es:
Wenn Wehrpflicht oder ein verpflichtender Gesellschaftsdienst in Betracht gezogen werden müssen, dann nur geschlechtergerecht – für alle Bürger:innen, die in das entsprechende Alters- und Einsatzraster fallen. Im Fokus steht aktuell jedoch nur die junge Generation – und dabei insbesondere Jungen und junge Männer.
Ein Blick auf die skandinavischen Nachbarn zeigt, dass Gleichberechtigung auch in Fragen von Sicherheit und Verteidigung möglich ist: In Norwegen (seit 2015), Schweden (seit 2017) und ab Juli 2025 auch in Dänemark gilt eine allgemeine Wehrpflicht für Männer und Frauen. Diese Länder machen vor, dass Vielfalt und Gleichstellung nicht nur Werte sind, die es zu verteidigen gilt, sondern die auch für funktionierende und glaubwürdig demokratische Streitkräfte relevant sind.
Quelle: https://bundesforum-maenner.de/position/wehrpflicht-debatte-gleichstellung-ernst-nehmen-jungen-und-junge-maenner-nicht-alleinlassen/, Abruf 19.1.2026
Das kann sich durchaus sehen lassen. Eine solche Stellungnahme ist für das Bundesforum Männer mutig, sieht die geschlechterpolitische Rolle von Männern doch vor, dass diese einfach die Klappe halten sollen. Doch offenbar bekam das Bundesforum Männer schnell Angst vor seiner eigenen Courage. Vielleicht gab es auch eine Rüge der Frauenlobby. Wir wissen es nicht. Jedenfalls dauerte es nur anderthalb Monate bis am 1. August 2025 das Ganze in einem Kommentar vom Bundesforum Männer wieder relativiert wurde:
Eine schnelle Rückkehr zur alten Wehrpflicht, wie von Röwekamp [CDU-Politiker und Vorsitzender des Verteidigungsausschusses; Anm. von MANNdat] gefordert, wäre jedenfalls keine neue Form des Wehrdienstes, sondern würde die männliche Dominanz in der Bundeswehr – mit aktuell knapp 87 Prozent Männern als Soldaten – zementieren, tradierte Geschlechterrollen verfestigen und unzeitgemäße einseitige Männlichkeitsbilder reproduzieren. Eine Wehrpflicht nur für Männer nährt die überkommene Vorstellung, in der Männlichkeit als wehrhaft, hart und kampfbereit gilt – ein rückwärtsgewandtes Narrativ, das gesellschaftlich längst überwunden sein sollte.
Quelle: https://bundesforum-maenner.de/position/nicht-zurueck-zur-alten-wehrpflicht/, Abruf 19.1.2026
Das Bundesforum Männer stellt also klar, dass deren Ablehnung einer reinen Männerwehrpflicht nicht aus der Männerdiskriminierung resultiert, sondern weil es Frauen diskriminieren würde, da es die männliche Dominanz in der Bundeswehr stärke. Man fühlt sich hier an die Detoxikologenvorträge für die Feuerwehrmänner in Berlin erinnert. (https://manndat.de/geschlechterpolitik/feuerwehrmaenner-sollen-zum-detoxikologen-fuer-maennlichkeit.html)
Männern genutzt hat dieses Fokussieren auf Frauenanliegen letztendlich auch nicht. Die strukturelle Diskriminierung von Männern im Grundgesetz durch die reine Männerwehrpflicht ist geblieben. Die Zwangsmusterung ausschließlich für Männer wurde wieder eingeführt. Zusätzlich wurde sogar noch eine ganz neue rein spezifische Männerpflicht eingeführt, nämlich die Beantwortungspflicht für den Bundeswehrfragebogen. Optional bleibt die Zwangsrekrutierung. Selbstverständlich nur für Männer. Hinzu kommt eine massive Beschränkung der Ausreise von Männern und männlichen Jugendlichen ab 17 Jahren, die deutlich schärfer ist als die alte Regelung, da man diese nicht mehr nur auf den Verteidigungs- und Spannungsfall beschränkt hat, sondern generell. Und die offizielle Männerinteressenvertretung beklagt sich lediglich, dass dadurch die Männerdominanz bei der Bundeswehr verstärkt würde.
Die Frauenlobby dagegen hält ihre Klientel in einem kurzzeitigen Anfall von Wehmut auf alte Rollenbilder schadlos und lastet die Last der Landesverteidigung wieder auf die Schultern der Männer: Männer müssen kämpfen, Frauen lassen kämpfen.
Oder, wie sagte es Rosinenpickerin Frau Prof. Dr. Groh von der Bundeswehrhochschule:
Jetzt ist die Situation aus meiner Sicht für Frauen eigentlich total fantastisch.
und
Die Wehrpflicht für Männer ist eben eine Ausnahme zum Grundsatz der Gleichbehandlung der Geschlechter.
Tja, so ist das. Wo es um Privilegien von Frauen geht, gibt es hat Ausnahmen von Gleichberechtigung. Und das wird so lange bleiben, so lange sich das die Männer gefallen lassen.
Quelle Beitragsbild: AdobeStock_590856535
Hat Ihnen der Artikel gefallen? Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende.