Die sechs Techniken der Misandrie nach Nathanson und Young – Teil 2
Die sechs Techniken der Misandrie nach Nathanson und Young (1,2) – Teil 2
In den USA haben Paul Nathanson und Katherine A. Young in einer ausführlichen und subtilen Studie nachgewiesen, dass negative Bilder von Männlichkeit, die der Feminismus verbreitet hat, zunächst von der elitären, intellektuellen Kultur übernommen wurde und sich inzwischen in der Populärkultur (Fernsehen, Film, Zeitschriften) massiv verbreitet haben. (Walter Hollstein in „Was vom Manne übrig blieb“, Seite 34 (1))
Es sollen hier die Techniken der Misandrie, dem Männerhass, vorgestellt und (aktuelle) Beispiele angegeben werden, in der Hoffnung, dass immer mehr Männer und andere Menschen diese Techniken erkennen, entsprechend einordnen und sich dagegen wehren. Bereits 2001 haben die Wissenschaftler Paul Nathanson und Katherine Young die sechs Techniken der Misandrie in ihrem Buch Spreading Misandry (1,2) beschrieben:
- Verächtlichmachung von Männern – sich lustig machen über Männer
- Verächtlich auf Männer herabschauen
- Männer ausschließen („women alone together“)
- Männer für alles Schlechte verantwortlich machen
- Entmenschlichung von Männern
- Dämonisierung von Männern
Zu all diesen Techniken gibt es eine Fülle von Beispielen. Um den Text nicht ausufern zu lassen, sollen hier nur exemplarische Beispiele aufgezählt werden.
Die Techniken 1-3 wurden in Teil 1 dargelegt. In diesem Text wird es um Beispiele zu den Techniken 4-6 gehen.
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Männer für alles Schlechte verantwortlich machen
Noch 2001 behauptet David Gilmore in Misogyny: The Male Malady : „In der Kulturanthropologie findet der Begriff [Misandrie] […] kaum Anwendung, da es in traditionellen Kulturen so gut wie keine institutionalisierte Feindseligkeit gegenüber der Gesamtheit der Männer gibt.“ (2)
Dass es keine institutionalisierte Feindseligkeit gegenüber Männern gibt, war schon 2001 falsch und ist es heute mehr denn je! Wir werden dies hier anhand exemplarischer Beispiele darlegen:
Heutzutage kann man häufig in den Medien die falsche Zuschreibung lesen, nach der Männer an allem Schlechten schuld seien: So twitterte die Schauspielerin Meryl Streep zum Ukraine-Krieg: „Ich glaube, wenn Frauen die Welt regieren würden, gäbe es größere Friedensbemühungen. Einfach, weil wir als Frauen unsere Kinder nicht ermordet sehen wollen. […].“.(3)
Mit dieser schrecklichen Aussage wird unterstellt, dass Männer einerseits keinen Frieden und andererseits Kinder ermordet sehen wollen. Beides ist selbstredend falsch! Kein Vater (oder Männer im Allgemeinen) ist an ermordeten Kindern interessiert. Zudem sind es in der Regel Männer, die gezwungen werden im Krieg zu kämpfen, weshalb wohl nur sehr wenige Männer Interesse daran haben. In der Aussage der Schauspielerin spiegelt sich die unwahre, aber verbreitete Behauptung, dass nur Männer an den Kriegen dieser Welt Schuld seien. Sie blendet völlig aus, dass die Wehrpflicht in den meisten Ländern dieser Welt eine reine Männerwehrpflicht ist! So ist es ja auch in Deutschland wieder: Männer müssen sich für den Wehrdienst erfassen lassen und Frauen dürfen sich erfassen lassen. Hinterher wird den Männern dann vorgeworfen, sie würden mit ihrer „toxischen Männlichkeit“ Kriege führen, wie dies Farah Daibes (4) für die Friedrich-Ebert-Stiftung formuliert:
Aus einer feministischen Perspektive ist Militarismus jedoch die deutlichste Manifestation einer toxischen Hyper-Männlichkeit. Er nutzt patriarchale Taktiken – wie Angsteinflößen, Panikmache und die Entmenschlichung bestimmter Gruppen –, um Machtgefälle zu etablieren und aufrecht zu erhalten, die ihm ermöglichen, weiterhin Menschen zu dominieren, zu kontrollieren und auszubeuten.
Doch was ist dran an dieser Aussage oder handelt es sich hier um eine feministische Fehlvorstellung?
Zwei Politikwissenschaftler aus Chicago und Montreal analysierten 193 europäische Regierungen aus den Jahren 1480 bis 1913, davon wurden 34 von Frauen geführt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Königinnen in Kriege zwischen Staaten verwickelt waren, war 27-fach höher als bei Königen. (5)
Sobald Frauen an der Macht sind, führen sie […] genauso Krieg – die britische Premierministerin Margaret Thatcher um die Falklandinseln, die US-Außenministerinnen Condoleezza Rice im Irak, Hillary Clinton in Libyen, die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in Afghanistan. (6)
Und auch die Entmenschlichung im Kriege kann weiblich sein: Ein bekanntes Beispiel ist Lynndie England im Folterskandal von Abu Ghraib. (7)
Es ist daher sachlich falsch, alleine die Männer für Kriege und allem damit verbundenem Übel verantwortlich zu machen.
Ein anderes Beispiel zeigt, wie in aktuellen Debatten Männer oft pauschal und undifferenziert für negative gesellschaftliche Phänomene verantwortlich gemacht werden, wobei komplexe Zusammenhänge vereinfacht dargestellt oder weggelassen werden. Dies kann man gut in der Diskussion über Femizide verfolgen. Ein Femizid ist nach der Feministin Diana E. H. Russell die Tötung von weiblichen Personen durch männliche Personen, weil sie weiblich sind (8). Hier werden Männer pauschal verantwortlich gemacht und es bleibt unklar, worin die Kausalität bestehen soll. Bei einer fairen und gleichberechtigten Betrachtung von Beziehungsmorden würde man einerseits auf die komplexen Probleme und Ursachen in den Beziehungen schauen, die zu dem Tötungsdelikt geführt haben, der so genannten Gewaltdynamik, und andererseits auch die Gewalterfahrungen von Männern in Beziehungen einbeziehen. Die Information, dass jeder zweite Mann in der Beziehung Gewalterfahrungen durch die Frau macht (9), wird dabei meist verschwiegen. Dem Mann wird einseitig und verallgemeinernd für Gewalt in Partnerschaften die Schuld gegeben. Dabei sind viele dysfunktionale Beziehungen von einer wechselseitigen Gewaltdynamik gekennzeichnet. Beim Kampf gegen Partnerschaftsgewalt dürfen deshalb nicht beide Geschlechter gegeneinander ausgespielt werden. (10)
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Entmenschlichung von Männern
Der Begriff „toxische Männlichkeit“ wird verwendet, um männliches Verhalten pauschal als schädlich darzustellen. Dies führt dazu, dass Männlichkeit als inhärent problematisch angesehen wird. Der britische Soziologie Frank Furedi (11) formuliert es so:
„Toxische Männlichkeit ist ein heimtückischer, politisch motivierter Begriff, mit dem die männliche Identität delegitimiert werden soll, indem Männlichkeit mit destruktiven Eigenschaften wie Rassismus, Homophobie, Frauenhass und gewalttätiger Aggression in Verbindung gebracht wird.“ Männer werden auf diese Weise durch den Begriff toxische Männlichkeit entmenschlicht.
Zudem werden Männer als Haupthindernis für eine gerechte und vielfältige Gesellschaft dargestellt, was ihre menschlichen Qualitäten und individuellen Unterschiede ignoriert (12). Dabei sind Rassismus und Homophobie nicht geschlechtsspezifisch. Und umgekehrt gibt es jede Menge Männer, die sich in unterschiedlichen Organisationen gegen Rassismus und Homophobie einsetzen.
Immer wieder finden wir die Entmenschlichung von Männern im Zusammenhang mit Kriegen. Besonders Frauen tun sich hierbei hervor: „Frauen, so teilte die deutsche Außenministerin [Annalena Baerbock] diese Woche [im März 2022] überraschend mit, seien vom Krieg in der Ukraine „überproportional betroffen“.“ (13)
Niemand weiß genau, wie viele Menschen im Ukraine-Krieg gestorben sind und welches Geschlecht sie hatten. Aber sicher ist schon jetzt, dass die Todesopfer zum allergrößten Teil Männer sind. Für den Zweiten Weltkrieg wird geschätzt, dass auf eine tote Frau 17 bis 20 Männer kamen. (13)
Die Aussage der Außenministerin beruht vermutlich nicht auf Unwissenheit. Schon Hillary Clinton erklärte einst, Frauen seien die Hauptleidtragenden des Krieges, denn sie würden ihre Ehemänner, Väter und Söhne in der Schlacht verlieren. Wie konnte sie übersehen, dass der eigene Tod für diese Männer ein noch einschneidenderes Erlebnis war als für deren Frauen, Mütter und Töchter? (13)
Männer werden hier von beiden Außenministerinnen völlig entmenschlicht. Ihr Tod wird nicht mal erwähnt. Es wird nur auf Frauen als Opfer abgehoben. Auch wenn die tatsächlichen Opferzahlen faktisch viel größer bei den Männern sind.
Diese Beispiele zeigen, wie durch Verallgemeinerungen, negative Zuschreibungen und die Reduktion auf stereotype Eigenschaften die Individualität und Menschlichkeit von Männern ignoriert oder abgewertet wird.
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Dämonisierung von Männern
Die Welt ist männerfeindlich geworden, voller Verachtung für Männlichkeit. Zynisch urteilt sie die kleinen Unterschiede ab, die Männer einst unwiderstehlich machten. Das Fernsehen zeigt Männergestalten, die selten oder gar nicht als weise, ritterlich und stark gezeichnet werden. In sogenannten Familienserien werden Männer bestenfalls als leicht verblödete, ungeschickte Toren vorgeführt, die ohne ihre patenten Frauen absolut verloren wären und selbst von ihren Kindern nicht ganz ernst genommen werden. Homer Simpson von den Simpsons ist so ein Exemplar. In Filmen und Musik werden Männer als Idioten, Frauenprügler, Vergewaltiger, Brutalos oder Väter, die sich aus dem Staub machen, gezeigt. Der nette, zuverlässige und intelligente Mann, dem seine Familie heilig ist und der auch noch die Nachbarkinder für sich einnimmt, ist, so will es scheinen, eine aussterbende Spezies. (12).
Damit erfolgt die Dämonisierung von Männern auf zwei Ebenen: Auf der einen Ebene werden die lange Zeit positiv belegten männlichen Eigenschaften wie Tapferkeit und Mut entweder ausgeblendet oder negativ dargestellt. Auf der anderen Ebene werden Männer pauschal mit negativen Eigenschaften wie Gewalttätigkeit und Rücksichtslosigkeit in Verbindung gebracht.
Der Politologe Thomas Gesterkamp schrieb bereits 2012, es habe „in den letzten zwanzig Jahren (…) eine Art kulturelle Umdeutung des Mannes vom geachteten Ernährer zum verspotteten Deppen stattgefunden“. (13)
Diese Tendenz ist leider ungebrochen.
Auch der bereits in Teil 1 erwähnte Tweet der Chefin der Grünen Jugend, Jette Nietzard, dämonisiert Männer: „Männer, die ihre Hand beim Böllern verlieren, können zumindest keine Frauen mehr schlagen.“ (14)
Ohne irgendeine Empathie für die geschädigten Männer zu zeigen, werden diesen hier sogar noch unterstellt, dass sie ihre Frauen schlagen würden, obwohl es dazu keinen Hinweis gab und kein kausaler Zusammenhang besteht.
Fazit:
Die Misandrie ist in unserer heutigen Gesellschaft allgegenwärtig. Viele auch sehr aktuelle Beispiele belegen dies eindrucksvoll. Es kann daher hilfreich sein, die sechs Techniken der Misandrie zu kennen, um die Misandrie im Alltag besser erkennen und benennen zu können.
Behauptungen, dass Misandrie nicht existiere, kann man wohl eher einem stark ausgeprägten Gender Empathy Gap zuschreiben. „Diese sogenannte Gender Empathy Gap ist gut belegt. Vor allem Frauen empfinden gegenüber Männern deutlich weniger Mitgefühl als anderen Frauen gegenüber. Doch sogar Männer haben oft mehr Empathie für Frauen als für andere Männer, auch wenn der Unterschied bei ihnen nicht ganz so groß ist.“ (15) Auf diesem Boden gedeiht die Ausbreitung der Misandrie. Wir wollen dem entgegentreten.
Quellen (in der Reihenfolge des Textes)
- Hollstein, Walter, (Prof für politischer Soziologie, Gutachter des Europarates für Männerfragen, Berater des Bundestages, Gewinner des deutschen Sachbuchpreises), Was vom Manne übrig blieb, Das missachtete Geschlecht, opus magnum, Stuttgart 2012
- David Gilmore: Misogyny: the male malady. University of Pennsylvania Press, Philadelphia 2001
- https://www.blick.ch/life/geschlecht-und-aggression-gaebe-es-ohne-maenner-keinen-krieg-id17329204.html
- https://www.fes.de/artikel-in-gute-gesellschaft-17/militarismus-eine-notwendigkeit-oder-die-verherrlichung-toxischer-maennlichkeit
- https://www.geo.de/magazine/geo-magazin/17490-rtkl-studie-waere-eine-von-frauen-beherrschte-welt-friedlicher
- https://www.swissinfo.ch/ger/identitaten/ist-krieg-reine-maennersache/48062174
- https://www.sueddeutsche.de/politik/nach-dem-folter-skandal-von-abu-ghraib-lynndie-england-zeigt-keine-reue-1.1315417
- https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/femizid-2023/519670/wie-toedlich-ist-das-geschlechterverhaeltnis/
- https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Gewalt-in-der-Partnerschaft-jeder-zweite-Mann-ist-betroffen,gewaltinpartnerschaft100.html
- https://manndat.de/fakten-und-faltblaetter/jeder-zweite-mann-von-partnerschaftsgewalt-betroffen-studie.html
- https://genderama.blogspot.com/2023/01/soziologe-wie-der-begriff-toxische.html
- https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/sachbuch/rettet-das-starke-geschlecht-1775158.html
- Thomas Gesterkamp: Geschlechterkampf von rechts: Wie Männerrechtler und Familienfundamentalisten sich gegen das Feindbild Feminismus radikalisieren. Hrsg.: Friedrich-Ebert-Stiftung. Bonn 2010, ISBN 978-3-86872-270-3 (fes.de [PDF; abgerufen am 9. Januar 2021]).
- https://www.welt.de/politik/deutschland/article255009594/Jette-Nietzard-Koennen-zumindest-keine-Frauen-mehr-schlagen-Gruene-Jugend-Politikerin-empoert-mit-Boeller-Aussage.html
- https://www.telepolis.de/features/Baerbock-und-die-Gender-Empathy-Gap-6631802.html?seite=all
Quelle Beitragsbild: AdobeStock_1055619372
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